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THERAPY?, SIXXXTEN

Köln, Underground

THERAPY?

Herrschaftszeiten, man merkt, dass man älter wird, wenn man nachgrübeln muss, wie lange man bestimmte Bands denn nun eigentlich schon kennt! So geschehen bei THERAPY?, um die es in den letzten Jahren ja insgesamt ein wenig still geworden ist. Schließlich sind die Nordiren, rund um Sänger und Gitarrist Andy Cairns und Bassist Michael McKeegan bereits seit 1989 aktiv und hatten 1994 mit „Troublegum“ ihr wohl erfolgreichstes Album veröffentlicht. Songs wie 'Nowhere', 'Die Laughing' oder 'Isolation' waren damals Hits in jeder Jugendhaus-Disco und sind auch ansonsten Indie-Punk-Rock-Großtaten vor dem Herrn. Umso erstaunlicher, dass das Trio von diesem Klassiker in Köln gar nichts in der Setlist präsentiert.

Aber greifen wir nicht vor. Zunächst ist es wieder, überpünktlich, wie man es beim Underground gewöhnt ist, an SIXXXTEN aus Hamburg, die Stimmung für die Insulaner anzuheizen. Und das macht der Vierer richtig gut! Songs wie 'Let The Good Times Roll' oder 'Blut rein/Blut raus' machen richtig Spaß! Die Jungs posen wie die ganz Großen und die Menge Rotz, die da hochenergisch und melodisch präsent ist, die passt wohl kaum in eine einzige Nase rein... Deshalb fällt der Applaus auch entsprechend wohlwollend aus– auch wenn die bis dahin gut 100 Anwesenden mit den Hanseaten noch ein wenig fremdeln.

Kurz nach 21 Uhr ist dann klar, welche Stunde nun geschlagen hat. Zeit für eine gute Stunde THERAPY?. Und was soll ich sagen – älter sind sie geworden, ein wenig gesetzter, aber insgesamt noch genauso überraschend und musikalisch hochwertig wie noch vor gut 15 Jahren. Nun aber anzunehmen, dass die Nordiren auch leiser geworden wären, ist eine trügerische Annahme. Mit 'Why Turbulence?' und 'Plague Bell' vom aktuellen Album „A Crack Brief Of Light“ geht es dann auch gleich prima los. Dass sich Drummer Neil vor gerade mal zwei Wochen einen Finger gebrochen hat, merkt man dem wuchtig aufspielenden Schlagwerker zu keiner Sekunde an. Mit 'The Buzzing', 'Ecclesiastes', 'Marlow', 'Before You, With You, After You', dem großartigen 'Get Your Dead Hand Off My Shoulder', 'Ghost Trio' und dem beinahe ekelhaft-intensiven 'Stark Raving Sane' wurde praktisch das gesamte neue Album dargeboten, ergänzt um 'Polar Bear' und 'Die Like A Mother Fucker' vom 2004er-Album „Never Apologise Never Explain“, 'Exiles' vom Album „Crooked Timber“ (2009) und 'If It Kills Me' und 'Rust' von „High Anxiety“ von 2003.

Hm, „warum nur neue Songs?“, ist man da doch versucht zu fragen. Ich finde es jedenfalls schade, dass gerade die Klassiker nicht dargeboten werden, zumal sich Andy und Co. in bester Spiellaune präsentieren. Eine ausgewogenere Setlist wäre da doch die bessere Lösung gewesen. Objektiv betrachtet haben THERAPY? den gut 200 Anwesenden, die sich dicht vor die Bühne drängen jedoch einen prima Konzertabend geliefert. Und das ist dann doch das, was mehr zählt, als die eine oder andere Alt-Fan-Befindlichkeit...

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