Online-MegazineFestivals & Live Reviews

THE RUINS OF BEVERAST, URFAUST, SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES

Aachen, Musikbunker

The Ruins Of Beverast

Wenn Ván Records - in entsprechender Subszene ein Inbegriff für handverlesene, atmosphärisch spezielle Tonkunst - in ihrer Heimatregion Aachen ein Konzertevent auf die Beine stellen, strömen die Besucher aus den Gebieten jenseits der Grenzen von NRW und der Bundesrepublik heran, um sich ein einmaliges Programm zu Gemüte zu führen. Auf den ersten Blick stilistisch sehr unterschiedlich gelagert, bestreiten THE RUINS OF BEVERAST, URFAUST und der The Devil's-Blood-Nachfolger SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES einen stimmungsvollen Abend zwischen Weihnachten und Jahreswechsel.

Schon zwei Wochen im Vorfeld prangte auf der Veranstaltungs-Website das 'Sold Out'-Zeichen über dem Flyer. Ein erster Beweis für ausgesprochen loyale und live-hungrige Fans. Auch der Musikbunker macht seinem Namen alle Ehre und erweist sich als schroffes Kellergewölbe mit Underground-Charme. An Handyempfang ist bei den dicken Wänden nicht zu denken und die Veranstalter weisen an der Kasse mit entsprechenden Flyern explizit darauf hin: heute ist Amateurknipsen im Publikum unerwünscht! Also kann man sein Smartphone auch gleich in der Garderobe abgeben.

Publikumsfreundliche Preise lassen die ersten zwei Bier schnell Geschichte sein und um 20:30 Uhr begeben sich SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES durch den überschaubaren Konzertraum auf die niedrige, asymmetrisch geformte Bühne. Da ich mit dem erst kürzlich veröffentlichten Material des Musikerkollektivs nicht vertraut bin, wirkt die folgende Stunde wie ein ausschweifender, psychedelischer 70ies-Trip mit laut/leise-Dynamiken, ohne dass klare Pausen zwischen den Songs entstehen. Alles wirkt weitaus gelassener und weniger zeremoniell als bei The Devil's Blood, auch wenn Selims Schwester Farida auch hier den Großteil der Vocals mit ihrer souligen Stimme übernimmt. Der Chef steht meistens ruhig in seiner Ecke, fällt als Teil des Kollektivs nur zeitweise mit Gesang oder entfesselten Soli auf seiner urigen Fender-Klampfe auf. Der für die erste Band des Abends durchaus langwierige Gig, endet so kommentarlos wie er begonnen hat und wird mit ordentlichem Applaus quittiert.

Um 22 Uhr sieht man dann, für wen wohl die meisten Leute angereist sind. Schon kurz nach dem Startschuss ist zwischen Eingang und Bar kaum noch ein Durchkommen Richtung Bühne drin. Also lasse ich URFAUST aus den hinteren Reihen auf mich wirken. Der schleppende Sound der kauzigen Niederländer ist nach wie vor eine Sache für sich und viele Lieder ähneln einander. Frontmann/Gitarrist Willem trägt die Haare neuerdings als eine Art Samurai-Zopf und sticht abgesehen davon, wie zu erwarten, durch seine expressive Stimme hervor, die man unter hunderten von Metalsängern immer raushören wird. Mit drei Alben und etlichen Split- und Single-Releases schöpft das Duo aus reichhaltigem Fundus ihres zehnjährigen Bestehens. Dass hier nur zwei Musiker auf der Bühne stehen, fällt nicht ins Gewicht. Der Sound ist ordentlich und URFAUST genießen sowieso grenzenlose Narrenfreiheit bei ihren Anhängern, die auch in Aachen wieder mit limitieren Merchandise-Artikeln beglückt werden. Zu bemängeln wäre höchstens, dass es weder der alte Hit  'Drudenfuß', noch der ergreifende 'Einsiedler' in das 50-minütige Set geschafft haben.

Danach leert es sich ein wenig, viele drängen trotzdem schon frühzeitig in die ersten Reihen, um beim Headliner genug sehen zu können. Bis THE RUINS OF BEVERAST die Bühne betreten, vergeht allerdings fast eine geschlagene Stunde. Offensichtlich gibt es technische Probleme mit Kabeln oder Effektpedalen. Um 23:45 Uhr entlädt sich die aufgebrachte Geduld nach dem sakralen Intro 'Apologia' in einer brachialen Soundwand siebensaitiger Gitarren und Meilenwalds barbarischen Growls. Vor der Bühne macht sich ein bisweilen nerviger Moshpit breit und das Energielevel steigt auf ein ungeahntes Level an. Die Musiker auf der Bühne erscheinen in dichten Nebel gehüllt die meiste Zeit als Silhouetten in grün-blauer Beleuchtung. Saitenfraktion und das detaillierte Drumming entfachen einen Mahlstrom aus rasenden Blastpassagen, langsamen Grooves und absolutem Downtempo. In ihrer Live-Variante fahren TROB wesentlich mehr schnelles Material auf, als auf der aktuellen, oft in Funeral Doom-Gefilden gelagerten Platte „Blood Vaults“, deren gespielte Tracks (z.b. 'Malefica') majestätisch wie eine finstere Messe daherkommen. Der reguläre Set endet mit 'I Raised This Stone As A Ghastly Memorial', zu dessen Finale vier Gesangsstimmen zum Einsatz kommen.

Obligatorische Zugabeforderungen rufen die Band schnell zurück, die mit 'The Mine' vom Debüt „Unlock The Shrine“ auch Fans der ersten Stunde zufriedenstellen kann. Ein mächtiger Auftritt mit viel Ausstrahlung. Nach 1 Uhr geht es dann in die Heimat oder bei anhaltendem Bierdurst zur Aftershowparty in einer Kneipe um die Ecke.

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

KING DUDE + THE RUINS OF BEVERAST27.10.2017TrierExhausTickets
KING DUDE + THE RUINS OF BEVERAST28.10.2017MörlenbachLive Music HallTickets
KING DUDE + THE RUINS OF BEVERAST30.10.2017JenaKulturbahnhofTickets
KING DUDE + THE RUINS OF BEVERAST01.11.2017AT-WienViper Room Tickets
KING DUDE + THE RUINS OF BEVERAST04.11.2017AT-AbtenauNeudegg AlmTickets

Reviews

- Wederganger/UrfaustRH #362 - 2017
Ván/Soulfood (23:00)Dass zwei befreundete, holländische Ván-Kapellen einen Pa...
THE RUINS OF BEVERAST - ExuviaRH #361 - 2017
Ván/Soulfood (67:38)VÖ: bereits erschienenWenn man Einzelgänger Meilenwalds M...
URFAUST - Empty Space MeditationRH #354 - 2016
Ván/Soulfood (43:07)Wer ein geeignetes Einstiegsalbum in den eigensinnigen URFA...
URFAUST - ApparitionsRH #335 - 2015
Ván/Soulfood (43:40)Man muss schon einem Typus von Musikhörer angehören, der ...
SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Earth Air Spirit Water FireRH #320 - 2013
Ván Records/Soulfood (44:57) Wie ihr schon am „Classic Rock“-Stil-Icon erk...
THE RUINS OF BEVERAST - Blood Vaults - The Blazing Gospel Of Heinrich KramerRH #317 - 2013
BONUSBOMBE Ván/Soulfood (68:20) Heinrich Kramer, Inquisitor und Autor des wel...
SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Mens Animus CorpusRH #314 - 2013
Ván/Soulfood (28:45) Der König ist tot, es lebe der König! Nach dem überras...
URFAUST - Ritual Music For The True ClochardRH #303 - 2012
Ván/Soulfood (49:39) Nach dem letztjährigen Album „Der freiwillige Bettler...
URFAUST - Der freiwillige BettlerRH #286 - 2011
Ván/Soulfood (45:51) Die Holländer URFAUST sind eine der originellsten und at...
THE RUINS OF BEVERAST - Foulest Semen Of A Sheltered EliteRH #269 - 2009
Ván/Twilight (79:49) VÖ: bereits erschienen Mit sakralem Donnerschlag beginn...
URFAUST - IX: Der Einsiedler/Verderber
(18:58) Die Holländer URFAUST (die die The-Devil´s-Blood-Mini-LP als Gastmusi...
THE RUINS OF BEVERAST - Rain Upon The ImpureRH #238 - 2007
(79:34) Was für eine Überraschung! Eigentlich hatte ich gedacht, dass im epis...