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SYSTEM OF A DOWN

Köln, Lanxess Arena

SYSTEM OF A DOWN

SYSTEM OF A DOWN spielen im Rahmen ihrer „Wake Up The Souls“-Welttournee nur ein einziges Deutschland-Konzert, das vor 15.000 Leuten in der ausverkauften Kölner Arena über die Bühne geht. Mit einer Mischung aus Rock-Show und politischer Mission erinnern die vier US-Amerikaner mit armenischem Blut an den 100. Gedenktag (24. April) des armenischen Völkermords durch das osmanische Reich im Jahr 1915.



Eine Vorgruppe gibt es nicht, stattdessen steht das kalifornische Quartett bereits um 20:30 Uhr auf den Brettern. Los geht das über zwei Stunden dauernde Spektakel mit der ersten von drei zwei- bis dreiminütigen Video-Sequenzen im Graphic-Novel-Stil, die den Konzertabend in ebenso viele Teile strukturieren (Aufgabe: Bitte berechnen Sie die Gesamtlänge der Videoeinspieler und ihren prozentualen Anteil an der Spielzeit der Rockgruppe - Red.). Tom Morellos Stimme bringt dem Publikum im Eröffnungsteil die Geschichte des armenischen Genozids näher, verweist im Laufe der Nacht auf weitere Völkermorde des 20. und 21. Jahrhunderts und mahnt schließlich, dass es keine Instanz außer den Menschen selbst gibt, die einen weiteren Massenmord dieser Art vermeiden kann. Deswegen der Tournee-Titel „Wake Up The Souls“ – Rüttelt die Menschenseelen wach!

Doch für die 15.000 Zuschauer ist der Abend deutlich mehr als ein politisch motiviertes, moralisch aufgeladenes Ereignis. Vor allen Dingen spielen SYSTEM OF A DOWN zum ersten Mal seit August 2013 wieder eine Show auf deutschem Boden, und das muss gefeiert werden. Schon beim Opener 'Holy Mountains' springen die Fans von ihren Sitzplätzen auf, brechen in Jubelstürme aus und bringen die Tribüne mit ihren Hüpf-Einlagen verdächtig zum Vibrieren.

Musikalisch ist das Westküsten-Kleeblatt in Topform. Frontmann Serj Tankian führt mit großen Gesten – aber angenehm unprätentiös – und seiner zwischen Gesang, Schreien, Raps und Wehklagen wechselnden Ausnahmestimme durch eine über 30 Tracks starke Setlist. An seiner Seite das zweite Gesicht der Band: Gitarrist Daron Malakian, der mit Hut, exzentrischer Mimik und ebenso markanten, gelegentlich ins Quieken abdriftenden Vocals auf der linken Bühnenseite für Action sorgt. Mal dreht sich der kleine Klampfer um die eigene Achse, mal verharrt er nah bei den Fans hockend am Bühnenrand und mal führt er das wundervoll epische 'Lonely Day' an, zu dessen Klängen sich die Lanxess Arena in ein Lichtermeer aus hochgehaltenen Feuerzeugen verwandelt. Neben Songs aus der kompletten SOAD-Diskografie schafft es mit 'Sartarabad' auch ein traditionelles Lied aus der armenischen Folklore auf die Setlist und mit kurzen Sequenzen aus 'Start Me Up' von The Rolling Stones und 'You Spin Me Round (Like A Record)' von Dead Or Alive hübschen die US-Rocker ihre eigenen Kompositionen 'Psycho' und 'Sugar' auf. Manchmal sind es nur Songfragmente, die die Band kurz anspielt, aber stets gelingt Tankian & Co. der Spagat zwischen harten musikalischen Eruptionen, meditativen Verschnaufpausen, bissigem Humor und nie zu dick aufgetragener Nachdenklichkeit. So spricht es für das Quartett, dass sich Serj, trotz der ernsten Message, erst gegen Ende des Sets mit einer kleinen Dankesrede an das begeisterte Publikum wendet, ansonsten aber den Videosequenzen die politische Aufklärung und den moralischen Subtext überlässt.


SETLIST

Wake Up The Souls – Part 1

Holy Mountains
Jet Pilot
Suite-Pee
Prison Song
U-Fig
Aerials
Soldier Side
B.Y.O.B.
I-E-A-I-A-I-O
Radio/Video
Bubbles
Cubert
Hypnotize
Dreaming
Needles
Deer Dance

Wake Up The Souls – Part 2

P.L.U.C.K.
Sartarabad
Psycho
Chop Suey!
Lonely Day
Question!
Bounce
Kill Rock 'n' Roll
Marmalade
Lost In Hollywood
Spiders
Mr. Jack

Wake Up The Souls – Part 3

Science
Chic'N'Stu
War?
DAM
Cigaro
Roulette
Toxicity
Sugar

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