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SONATA ARCTICA, TRICK OR TREAT

Bochum, Matrix

Auf die Bochumer Matrix rollt eine geballte Ladung Finnen-Power zu - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit ihrer neuen Platte „Pariah's Child“ wollen SONATA ARCTICA musikalisch an alte Power-Metal-Zeiten anknüpfen. Ob es der Truppe auch live gelingt, den Bogen zu ihren Anfangstagen zu schlagen und standesgemäß Gas zu geben? Die ellenlange Warteschlange vor dem Eingang spricht schon mal dafür.

Wer der Anheizer des Abends ist, hat sich in der gerammelt vollen Matrix noch nicht restlos rumgesprochen, und so sehen sich TRICK OR TREAT aus Italien einem flitzebogenmäßig gespannten Publikum gegenüber. Dem geben die Melodic-Power-Metaller, die stilistisch zwischen Rhapsody Of Fire und Helloween umhertänzeln, im wahrsten Sinne des Wortes eher Süßes als Saures. Mit Zuckerstangen-Mikroständer und bonbonfarbenen Twin-Gitarren serviert die Truppe fröhlich-fruchtige Leckerbissen – und nimmt sich selbst dabei nicht allzu ernst, was der Stimmung sichtlich gut tut. Mit augenzwinkernden Nummern wie 'Loser Song', dem Cyndi-Lauper-Cover 'Girls Just Wanna Have Fun' und ihrem Schlusslied 'Like Donald Duck' – zu dem Sänger Alessandro mit dicken Micky-Maus-Handschuhen auf die Bühne hüpft und diese zum Poser-Höhepunkt gegen eine aufblasbare rosafarbene Gitarre eintauscht – versprühen TRICK OR TREAT neben Ohrwürmern auch jede Menge gute Laune. Manchmal ist es also doch gut, den Nachtisch vor der Hauptspeise zu servieren.

Inzwischen hat sich nicht nur die Raumtemperatur, sondern auch die Spannung der Fans deutlich in die Vertikale bewegt – Tendenz steigend, und zwar ab dem Augenblick, in dem SONATA ARCTICA zu den Klängen des neuen Songs 'The Wolves Die Young' die Bretter entern. Wie des Öfteren in der Matrix könnte der Sound besser sein. Dieses Manko machen die Zuschauer allerdings auf ihre Art wett, indem sie Song für Song aus voller Kehle mitschmettern, und den Finnen ein würdiges 15-jähriges Bandjubiläum bescheren. Ebenfalls mehr als würdig und mit Feuereifer feiert Pasi Kauppinen, der Neuzugang am Bass, seine erste Show auf Bochumer Boden. Frontmann Tony Kakko präsentiert sich inzwischen zwar mit kürzeren Haaren und weniger buntem Outfit (erinnert sich noch jemand an seine todschicken Batik-Shirts?), macht auf der Bühne aber gewohnt viel Dampf und sammelt Sympathiepunkte, indem er sein Publikum genau im Blick hat und einem kreislaufgeschwächten Mädchen in der ersten Reihe ohne großen Aufhebens seine Wasserflasche reicht. Ordentlich Spaß in den Backen hat heute Tastenmann Henrik Klingenberg, der mit seiner tiefhängenden Keytar der Saitenfraktion ernsthafte Konkurrenz in Sachen Stage-Acting macht. Auch wenn neue Stücke wie 'Cloud Factory' und das dramatisch mit blutrotem Bühnenlicht untermalte 'What Did You Do In The War, Dad?' ausnehmend gut ankommen – zum Brechen bringen SONATA ARCTICA die Dämme vor allem mit altbekannten Gassenhauern der Marke 'My Land', 'San Sebastian' und 'Full Moon'. Ein wahrer Klassiker: 'Talullah' – von Tony mit Unschuldsmiene und stoischem Pathos vorgetragen. Leider werden die Lyrics auch nach etlichen Jahren nicht besser. Ob bei der jungen Dame neben mir wohl deshalb so ausgiebig die Tränen fließen? Mit der obligatorischen 'Vodka'-Zugabe lässt die Truppe ihre Show nach gut 90 Minuten ausklingen. Kleine Bestandsaufnahme zum Schluss: Power: Check. Metal: Check. Zufriedenes Publikum: Check. Was will man mehr?

Setlist SONATA ARCTICA

Intro
The Wolves Die Young
Losing My Insanity
My Land
In The Dark
Cloud Factory
What Did You Do In The War, Dad?
Full Moon
Black Sheep
Tallulah
White Pearl, Black Oceans
I Have A Right
Kingdom For A Heart
Wolf & Raven
+++++
Blood
San Sebastian
Don't Say A Word + Vodka-Outro

 

Pics: Alexandra Michels

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