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TENHI, EMPYRIUM, LIFELOVER, VEMOD

PROPHECY FEST 2015 - BALVER HÖHLE

PROPHECY FEST 2015 / LIFELOVER

Die lange Suche nach einer geeigneten Location für ein Meeting der besonderen Art hat das Plattenlabel Prophecy Productions zu „Europas größter Kulturhöhle“ in der sauerländischen Kleinstadt Balve geführt. Der Ticketpreis von schneidigen 60 Euro (für einen Veranstaltungstag) haben das internationale Publikum nicht davon abgehalten, das Prophecy Fest im Vorfeld mit insgesamt 1.250 Besuchern auszuverkaufen. Das Ambiente der aus einem riesigen Hauptraum und zwei Seitenarmen bestehenden Karsthöhle stützt die Atmosphäre des Line-ups vorzüglich. Im Außenbereich finden sich Stände für Getränke, warme Speisen, sowie kostenlose fest installierte sanitäre Anlagen. Das Programmheft kommt als Kunstbuch in Digipak-Form daher.

CRONEÄußerst pünktlich startet Secrets-Of-The-Moon-Chef SG mit seiner Zweitband CRONE, die heute ihren live-Einstand feiert. CRONE zelebrieren trendfreie Rockmusik und positionieren sich in einem breiten Spektrum zwischen Pink Floyd (Solo-Gitarren) und Urfaust (Stimmung). Ein dramaturgisch guter Schachzug zwischen laut und leise. 

Die 2011 nach dem Tod von Jonas 'B' Bergkvist aufgelösten LIFELOVER haben zum zehnjährigen Bestehen einen merklich volleren Saal vor sich. „Introducing you to ten years of Lifelover“ nuschelt Frontmann Kim Carlsson in weißem Kittel und mit Bierdose bewaffnet ins Mikro, dann zimmern die kaputten Schweden ein 75-minütige Best-of-Set ihres Backkatalogs aufs Parkett. Kim schreit und röhrt was die Stimmbänder hergeben, die Mischung aus simplen Riffs, Kirmesmelodien und Exzentrik stößt auf enthusiastische Reaktionen.

AMBER ASYLUMAMBER ASYLUM, die für diesen Auftritt aus San Francisco angereist sind, läuten die naturmystische Hauptphase des Festivals ein. Die vier Damen schaffen mit zwei Violinen nebst Effektboards, E-Bass und wuchtigem, Tom-lastigem Doom-Schlagzeug eine meditative Aura, die Assoziationen an Loreena McKennit und Ras Algethi weckt. Mit einem sympathisch-zurückhaltenden „Dankeschön! Well, this was ours“ endet das reguläre Set, dem sich eine intensive, zehnminütige Zugabe anschließt.

Das italienische Ensemble CAMERATA MEDIOLANENSE entzieht sich vollständig dem Rock-/Metal-Kontext, spricht aber mit drei Solo-Sopranstimmen, Dirigent, Tenor, Perkussionisten, Tasteninstrumenten und einem 30-köpfigen, gemischten Chor für die musikalische Grenzenlosigkeit des Prophecy Fests. Freunde der Renaissance-Musik finden viel Vertrautes wieder, andere Besucher erweitern ihren Horizont. Störend sind die künstlichen Keyboardflächen, welche gegenüber dem Flügel gehörig abstinken und den Einsatz von echten Streichern herbeiwünschen lassen. Technische Probleme mit einem der Gesangs-Mikros werden schweigend und souverän behoben.

CAMERATA MEDIOLANESE

In der Umbaupause darauf findet im hinteren Bereich der Höhle neben einer Kunstausstellung eine begehrte Lesung von Helrunar-Sänger Marcel unter dem Namen WÖLJÄGER über die Münsterländer Sagenwelt statt.

DARKHERDanach erwartet das Auditorium das Deutschland-Debüt von Gitarristin/Sängerin Jayn H. Wissenbergs DARKHER. Dabei stehen nicht nur ihre opulenten roten Locken im Zentrum der Aufmerksamkeit: Martin Wissenberg und Drummer Shaun Taylor-Steels entfachen zusammen mit ihrer Frontfrau düstere, entrückte Klänge zwischen Dark Folk, post-rockiger Epik, subtilen Metal-Sounds und einer spukigen Atmosphäre. „I lead you by stormy waters...“ hallt es noch lange im Kopf nach.

Nachdem die westfälische Pünktlichkeit bis dahin funktioniert hat, setzt bei der Vorbereitung des heiß erwarteten EMPYRIUM-Auftritts eine spürbare Verzögerung ein. Die enge Verbindung zwischen Prophecy und Klangschmiede Studio E beschert Markus Stock und Thomas Helm, deren „A Wintersunset“ von 1996 zudem den ersten Release auf dem Label markierte, einen Sonderstatus. Neben Etabliertem ('Days Before The Fall', 'Many Moons Ago') hat man heute den Live-Neuling 'Lover's Grief' und das neue 'The Mill' im Gepäck. EMPYRIUM balancierten immer schon an der Grenze zum Kitsch, hier ernten sie auf allen Ebenen tosenden Beifall.

TENHIDer Soundcheck zum ersten TENHI-Konzert seit acht Jahren strapaziert nach einem langen Tag erneut die Geduld. Der erste Song gelingt nicht im ersten Anlauf, doch die Finnen nehmen's mit Humor und bieten sodann eine besinnliche Akustik-Show mit mehrstimmigen, schamanenhaften Gesängen. Zum Ende des Sets überraschen Eviga und Inve (Dornenreich) mit einem Gastauftritt, der nach dem Abtreten der TENHI-Mitglieder in eine vom Publikum furios aufgenommene Version von „Jagd“ mündet.

Mit nunmehr einer Stunde Verspätung im Rücken kehrt das norwegische Quartett VEMOD auf einer spacig-dunkel beleuchteten Bühne ein. J.E. Åsli (mit Hipster-Vollbart aus dem Bilderbuch), erscheint für ein langes, durch beschwörenden, inbrünstigen Gesang, cleane Gitarre, Windspiel und Gong begleitetes Intro, bevor die Band ihren melodischen, von der Ausrichtung zwischen Norge und Cascadian mäandernden Black Metal in die Weiten der Nacht strömen lässt.

VEMOD

 

Fotos: Andreas Schiffmann

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