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ORDEN OGAN, UNLEASH THE ARCHERS, RHAPSODY OF FIRE

Bochum, Matrix

ORDEN OGAN

Orden Ogan gehören zu den Bands, die durch kontinuierliches Arbeiten immer weiter die Karriereleiter heraufklettern. Logische Konsequenz ist eine weitere Headliner-Tour, auf der sie von Rhapsody Of Fire und den aufstrebenden Kanadiern Unleash The Archers begleitet werden und die an diesem Freitagabend in der ausverkauften Bochumer Matrix startet.

Dass nicht nur der Headliner, sondern auch die Vorbands für die meisten Zuschauer von Interesse sind, zeigt sich schon an der langen Schlange vor dem Eingang der Matrix. Entsprechend gut gefüllt ist der Zuschauerraum als UNLEASH THE ARCHERS um 19:45 Uhr mit 'Apex', dem Titeltrack ihrer aktuellen Scheibe, die Bühne entern. Ein absolut spielfreudiges Auftreten und sicherlich auch die stilistische Nähe zum Headliner sorgen dafür, dass die Truppe um Fronterin Brittney Slayes von Beginn an mit ordentlich Applaus bedacht wird und sich garantiert auch einige neue Fans erspielt.

Ähnlich voll ist es im Anschluss bei RHAPSODY OF FIRE, die erstmals mit ihren neuen Mitgliedern Giacomo Voli (v.) und Manuel Lotter (dr.) nach Deutschland kommen. Der Schwerpunkt ihrer Setlist liegt wenig überraschend auf ihrem letzten Output „Legendary Years“, einer Compilation von neu aufgenommenen Songs der Jahre 1997-2002. Diese sind dann auch der größte Trumpf der Italiener: Im Vergleich zum agilen Auftritt von Unleash The Archers wirkt das Quintett zwar etwas steif, aber wer Genre-Überhits wie 'Dawn Of Victory', 'Holy Thunderforce' oder das abschließende 'Emerald Sword' im Gepäck hat, kann das Publikum auch so auf seine Seite ziehen. Einen besonderen Farbtupfer gibt es außerdem mit der Ballade 'The Magic Of The Wizard's Dream', die dem verstorbenen Christopher Lee gewidmet ist.



Ab Punkt 22:00 Uhr heißt das Motto dann „Saunieren mit ORDEN OGAN“. In der brechend vollen Matrix steht die Luft, was die angereisten Fans aber nicht davon abhält, die Sauerländer ordentlich abzufeiern. Vom Opener 'To New Shores Of Sadness' an wird gesungen und gebangt, was das Zeug hält und Fronter Seeb Levermann so breit grinsen lässt, dass sein Zahnarzt ohne Probleme eine Schneidezahnuntersuchung durchführen könnte. Durch diese allseitige gute Laune angestachelt spielt sich der Vierer im ersten Drittel des Konzertes durch den bisherigen Backkatalog (nur die 2010er-Scheibe „Easton Hope“ wird nicht berücksichtigt), bevor es als sechsten Song der Titeltrack der aktuellen Scheibe „Gunmen“ zu hören gibt. Bei der Nummer kommen dann auch die beiden Alister-Vale-Figuren auf der Bühne zum Einsatz, die am Ende des Songs Papierstreifen ins Publikum schießen. Bei der Songauswahl macht die Band generell sehr viel richtig an diesem Abend: Das Publikum ist ohrenscheinlich vor allem mit den letzten beiden Releases vertraut, und passenderweise sind neun der 15 gespielten Tracks auf diesen beiden Alben zu finden. Ebenfalls lobenswert ist der Sound, der gewohnt druckvoll aus den Boxen kommt, aber diesmal dadurch besticht, dass die Orchestereinspielungen weiter in den Hintergrund gemischt sind, was der Band einen härteren Gesamtsound verleiht. Eine weitere Neuerung ist, dass auch Bassist Nils sein Gesangstalent zeigen darf, denn bei 'Sorrow Is Your Tale' singt er den Part von Joacim Cans. Nach 75 Minuten beendet dann 'One Last Chance' das reguläre Set, aber für die Bandhits 'We Are Pirates' und 'The Things We Believe In' lässt sich die Band nochmal auf die Bühne zurückbrüllen. Um 23:30 Uhr werden die sichtlich zufriedenen Zuschauer in die angenehm kühle Bochumer Nacht entlassen und es bleiben für mich nur zwei Fragen offen: Welcher Schritt steht für die Band als nächstes an? Und wie lange dauert es, bis die Matrix nach solch einem schweißtreibenden Konzertabend wieder durchgelüftet ist?


SETLIST ORGEN OGAN:

To New Shores Of Sadness
F.E.V.E.R.
Here At The End Of The World
To The End
Angels War
Gunman
Deaf Among The Blind
Sorrow Is Your Tale
Fields Of Sorrow
The Lord Of The Flies
Come With Me To The Other Side
Forlorn And Forsaken
One Last Chance

We Are Pirates
The Things We Believe In

 

Pics: Maximilian Blom