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Vorneweg – dieser Abend zeigt mal wieder deutlich auf, worauf es bei einem guten Knüppelkonzert wirklich ankommt: Musikalische Aggressivität, Clubgig-Feeling und ein tiefenentspanntes Publikum.

Als lokale Vorband versuchen sich die aus Winterthur stammenden SHIT CAN DEVIL. Die fünf um die dreißig Jahre alten Krachköpfe umschreiben ihren Stil selbst als HCDeathPunkCore-Metal, und man könnte behaupten, sie passten damit nicht wirklich ins Line-up des Abends. Das scheint sie jedoch nicht im Geringsten zu interessieren und so rocken sie die Bühne entsprechend selbstsicher. Sie machen den Eindruck, eh nichts zu verlieren zu haben, denn aus den eigenen Reihen scheinen etliche Freunde zum Konzert gekommen zu sein, die vor der Bühne auch gleich für mächtig Stimmung sorgen. Auch wenn der Fünfer ein wenig stumpf rüberkommt, macht er seinen Job erstaunlich gut. Bei der Internetrecherche ist man umso erstaunter, dass man über diese Band nur sehr wenig nachlesen kann, obwohl die Combo bereits seit Mitte der Neunziger die lokalen Clubs aufmischt. Ein wenig mehr Promotion wäre jedenfalls empfehlenswert, denn das musikalische Potenzial ist offensichtlich vorhanden.

MUMAKIL dagegen kennt man da schon besser, nicht zuletzt weil sie neben den eigenen Produktionen auch mit diversen Spilt-CDs international auf sich aufmerksam machen konnten. Vordergründig zu nennen sind dabei die Split-CD mit MISERY INDEX, "Ruling Class Canceled" (2007), und die mit INHUME, "Slimewave Series No6" (2008). An diesem Abend zeigen die Grinder um Sänger Thomas einmal mehr, wie man einen Club in Schutt und Asche legt. Die Leute vor der Bühne drehen bald komplett durch und der Moshpit weitet sich von Song zu Song weiter nach hinten aus. Erste Besucher trauen sich endlich, von der tiefen Bühne aus in den Pit zu springen. Danach ist der Spuk auch schon wieder vorbei und mancher holt sich mit Schweiß durchtränktem Shirt vor dem Club ein paar frische Atemzüge, bevor die Sunnyboys aus Florida die Bühne entern.

MALEVOLENT CREATION gehören zweifellos zu den Bands mit den häufigsten Line-up-Wechseln, und dennoch hat man auf ihren Konzerten immer das Gefühl, dass sich die Bandmitglieder geradezu blind verstehen. Tight gespielte und messerscharfe Gitarrenriffs mit einem brachialen und gleichzeitig groovenden Gerüst, bestehend aus Drums und Bass. Genau das macht diese Ausnahmeband so interessant. An der Front ein zumindest optisch betrachtet in die Jahre gekommener Brett Hoffmann an den Vocals, der in all den Jahren kein bisschen seiner dreckigen Stimme eingebüßt hat. Von Anfang an zeigt die Florida-Death-Metal-Institution, dass sie es noch drauf hat. Und wie! Beim zweiten Song, dem Midtempo-lastigen 'Multiple Stab Wounds', ist der ganze Club bereits in Ekstase, und dort wo zuvor noch Pferdeschwänzchen zu sehen waren, sieht man spätestens jetzt kreisende Mähnen. Gitarrist und Bandleader Phil Fasciana gibt mächtig Gas und feuert das tobende Publikum eigenständig an. Vom aktuellen Album wird als erstes 'Slaughterhouse' gespielt, was genau so viel Applaus einbringt wie die darauf folgenden Retribution-Tracks 'Coronation Of Our Domain' und Monster`'. Bereits zur Hälfte des Sets wird einem klar, dass ein Death-Metal-Gig nicht besser sein könnte. Ein ganzer Club gefüllt mit wild headbangenden Fans, ein harter, aber jederzeit fairer Moshpit vor der Bühne und eine Death-Metal-Band, die ihr Ding ohne jeglichen Schnickschnack durchwalzt. Genau das ist es, womit sich jeder Death Metaller identifizieren kann – soviel steht fest! Nach dem selbstbetitelten Übersong vom "The Ten Commandment"-Album neigt sich ein intensiver und atemberaubender Abend mit 'United Hate' langsam aber sicher dem Ende zu.
Ein perfekter Malevolent-Creation-Gig und dies ohne 'The Will to Kill'. Wer hätte das für möglich gehalten?


Setlist Malevolent Creation:

Manic Demise  
Multiple Stab Wounds  
Slaughterhouse  
Blood Brothers  
Coronation of Our Domain  
Monster  
Infernal Desire  
Living in Fear  
To Die Is at Hand  
Target Rich Environment  
Malevolent Creation  
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United Hate

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