Online-MegazineFestivals & Live Reviews

ORDEN OGAN, LINGUA MORTIS ORCHESTRA

Oberhausen, Turbinenhalle

LINGUA MORTIS ORCHESTRA

Normalos und Metalheads zittern und beben: Freitag, der 13. ist da. Die schwermetallischen Zeitgenossen allerdings schlottern nicht vor Angst, sondern wippen eher erwartungsvoll mit dem Fuß, denn mit dem LINGUA MORTIS ORCHESTRA gibt sich in der Oberhausener Turbinenhalle ein Ensemble der ganz besonderen Art die Ehre.

Orden OganDa Vorfreude aber bekanntlich die schönste Freude ist, entern zunächst ORDEN OGAN zu den Klängen der „A-Team“-Melodie die Bühne. Die Power-Metaller aus dem Sauerland sind inzwischen ganz schön rumgekommen und entsprechend routiniert heizen sie dem Publikum auch ein. Ob die „Endzeit-meets-Autoreifenlager“-Outfits der Jungs Kunst sind, oder weg können, ist sicherlich eine Geschmacksfrage. In Sachen Musik hat der Orden aber einen Schritt nach vorn gemacht und scheinbar eingesehen, dass weniger auf der Bühne manchmal mehr ist. Dementsprechend werden die eingespielten Samples auch etwas reduziert, was der Combo auf alle Fälle besser steht. Finden offenbar auch die Zuschauer, die spätestens beim dritten Song 'We Are Pirates', angeheizt von Fronter Seeb, mental die Orden-Flagge hissen, und beim Titeltrack der aktuellen Scheibe „To The End“ euphorisch die „fist of fate“ in die Luft strecken. Über die Bühnenqualitäten der Arnsberger kann man kaum meckern – live kommen ihre Songs genauso tight rüber, wie auf Platte. Nach 40 Minuten Melodic-Overkill verabschieden sich ORDEN OGAN mit dem gemeinen Ohrwurm 'The Things We Believe In' von den Turbohallen-Brettern und machen die Bühne frei für...

… Ja, für wen eigentlich? RAGE? Das LINGUA MORTIS ORCHESTRA? LINGUA MORTIS ORCHESTRA feat. RAGE? Ist eigentlich nur halb so kompliziert, wie es auf den ersten Blick aussieht. Peavy, Victor und André ohne Verstärkung bleiben wie gehabt RAGE. Kommen die klassischen Sängerinnen Jeannette Marchewka und Dana Harnge, Metal-Röhre Henning Basse und das Orquestra Barcelona Filharmonia hinzu, läuft das Ganze seit der Scheibe „LMO“ unter der LINGUA MORTIS ORCHESTRA-Flagge. Nachdem spätestens jetzt alle Klarheiten beseitigt sind, folgt der Theorie nun die Praxis, denn entscheidend ist ja bekanntlich auf'm Platz.

LINGUA MORTIS ORCHESTRAMit 'Cleansed By Fire' haben Peavy und Co. sich den perfekten Opener ausgesucht und stellen von Beginn an klar, dass dies hier bestimmt kein herkömmliches Klassik-Konzert wird. Das junge spanische Orchester hat am metallischen Ausbruch aus dem Philharmoniker-Alltag sichtlich Spaß, und vor allem die Blechbläser-Fraktion macht es sich zur Aufgabe, gemeinsam mit Peavy das Publikum anzufeuern. Für den gebotenen Schuss Mystik – schließlich geht es hier thematisch um die Hexenverbrennung – sorgen ein Didgeridoo und mittelalterliche Zeichnungen und Schriftstücke, die das Konzert, auf eine Leinwand projiziert, thematisch unterlegen.

Im Vergleich zur Wacken-Premiere wirkt die Show in Oberhausen deutlich weniger improvisiert. Neuzugang Henning Basse setzt dem klassischen Rahmen routiniert eine geballte Ladung Stimmgewalt entgegen. Den beiden Damen am Mikro könnte allerdings ein kleiner „Metal-Ansagen für Anfänger“-Kurs nicht schaden, denn die klassisch ausgebildeten Sängerinnen wirken doch etwas brav im Abgang. Zahme Sprüche hin oder her – stimmlich überzeugt die Goldkehlchen-Fraktion, und demonstriert mit Kurzeinsätzen an Gitarre und Geige obendrein ihre Vielseitigkeit.

Mastermind Victor Smolski hält da mühelos mit und demonstriert, dass Multitasking zu seinen leichtesten Übungen gehört. Der Gitarrero komponiert nicht nur mal so nebenbei eine Orchester-geeignete Scheibe und zaubert auf der Bühne am Sechssaiter, sondern klemmt sich zum Zeitvertreib auch noch live hinters Cello. Wer aus dem von Victor und Peavy stilisierten Duell an den Äxten als Sieger hervorgeht, ist eigentlich klar. Was kann dieser Sechssaiter eigentlich nicht? Zumindest beim Schreiben von nicht kitschigen Balladen könnte der Maestro noch ein wenig üben. 'Lament' beweist zwar, dass Frontsau Peavy auch leisere Töne anschlagen kann, Verwechslungen mit einem Disney-Musical sind allerdings nicht vollkommen ausgeschlossen.

Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen, stellen die Jungs und Mädels aber ein überzeugendes Set auf die Beine, bei dem sich neue Stücke vom „LMO“-Album mit altbekannten RAGE-Nummern wie 'From The Cradle To The Grave', 'Turn The Page' oder 'Straight To Hell' abwechseln. Dass Peavy möglicherweise seinen Beruf verfehlt hat, offenbart sich während seiner 'Witches' Judge'-Darbietung, bei der die Stimme des Ruhrpott-Rockers so großartig gemein rüberkommt, dass er im Mittelalter einen hervorragenden Inquisitor abgegeben hätte. Schön wären als Ergänzung noch die vom „Lingua Mortis“-Album bekannten Klassik-Adaptionen von 'Sent By The Devil' oder 'Black In Mind' gewesen, aber irgendwann ist selbst im Ruhrgebiet leider mal Schicht im Schacht. Mit dem laut bejubelten Klassiker 'Higher Than The Sky' fällt nach zwei äußerst kurzweiligen Stunden der Vorhang für das LINGUA MORTIS ORCHESTRA – und Freitag, der 13. nimmt trotz seines schlechten Rufs ein äußerst versöhnliches Ende.

 

Setlist LINGUA MORTIS ORCHESTRA:

Cleansed By Fire
Empty Hollow
 From The Cradle To The Grave
Scapegoat
The Devil's Bride
Lament
Prelude Of Souls
Innocent
Depression
No Regrets
Eye For An Eye
Turn The Page
Afterglow
Witches' Judge
Straight To Hell
Higher Than The Sky

 

Pics: Alexandra Michels

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE13.10.2017BochumMatrixTickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE14.10.2017HerfordXTickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE16.10.2017LangenNeue StadthalleTickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE18.10.2017BremenTivoliTickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE20.10.2017LeipzigHellraiserTickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE01.11.2017SiegburgKubanaTickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE02.11.2017LudwigsburgRockfabrik Tickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE03.11.2017CH-PrattelnZ7 Tickets
ORDEN OGAN + RHAPSODY OF FIRE04.11.2017GeiselwindMusic Hall Tickets