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KAMPFAR, OBSCURITY, HELRUNAR, VELNIAS

Essen, Turock

Devilish Triumph Tour

Ein multinationales Package, was uns am heutigen Samstagabend im traditionellen Essener Metalclub Turock erwartet. Umrahmt von den US-Amerikanern VELNIAS und dem norwegischen Headliner KAMPFAR treten mit HELRUNAR und OBSCURITY zwei renommierte Pagan-Metal-Acts zum westfälischen Heimspiel an.

Bei meiner Ankunft gegen 19:30 Uhr haben sich schon erstaunlich viele Gäste vor Ort versammelt. Nur vor der Bühne will es während des Openers einfach nicht wirklich voll werden. Um 19:45 Uhr hauen VELNIAS bei wuchtigem Sound, aber zu heller Saalbeleuchtung in die Saiten. Ihre wenig eingängige, aber mächtig stimmungsvolle Melange aus Wolves-In-The-Throne-Room-Black-Metal, tonnenschwerer Doom/Sludge-Lava und kurzen, leisen Interludes entlädt sich in den leider viel zu kurzen 25 Minuten Spielzeit in einer gigantischen Klangkaskade ohne erkennbare Songeinschnitte oder Ansagen. Das passt nicht unbedingt zur sonstigen musikalischen Ausrichtung des Abends, verfehlt seine Wirkung aber keinesfalls. Das Quartett bewegt sich die meiste Zeit in schleppend-groovigem Tempo, begleitet von eingestreutem, verhallten Keifgesangs von Gitarrist und Fronter P.J.V. Seltene Ausbrüche in Uptempo- und Blastpassagen tragen an ausgewählten Stellen zur Spannungsentladung bei.

OBSCURITY sind danach absolutes Kontrastprogramm. Das Einzige, was sie mit ihren Vorgängern eint, ist der Black-Metal-Anteil, wenn auch in komplett anderer Form. Die fünf Jungs aus dem bergischen Land beweisen sich während ihres dreiviertelstündigen Gigs als Partyband mit ausgeprägter Fannähe. Der Platz vor der Bühne ist während des gesamten Auftritts von bangfreudigen, fäustereckenden Metallern bevölkert. Zwischendurch entert eine Schar besonders enthusiastischer Anhänger die Bühne und feiert mit den Musikern für einen Song gemeinsam. Lieder wie die Bandhymne 'Obscurity', das etwas plakativ betitelte 'Nach Asgard wir reiten' und auch der Rausschmeißer 'Bergisch Land' überzeugen mit abwechslungsreichen Strukturen mit viel Groove und Speed. Sänger Agalaz bestreitet das letzte Stück sogar mitten im Publikum. Professioneller Auftritt, die Tendenz zu Heavy-Metal-Klischees und die an Fußballstadien erinnernden „Hey, hey“-Rufe muss jedoch nicht jeder mögen.

Eine andere Seite des deutschen Pagan-Black-Metal präsentieren ab 21:30 Uhr HELRUNAR aus Münster. Seit 2003 gelingt es der inzwischen zum Duo geschrumpften und um Live-Musiker erweiterten Band, den Geist der frühen Neunziger mit ausgefeilten Kompositionen zwischen Blast, Groove und Langsamkeit und nordisch-philosophischem Konzept zu verbinden. Bei aller Ernsthaftigkeit lässt Frontmann Skald Draugir auch dezenten Humor nicht vermissen, wenn er etwa vom heutigen HELRUNAR-Menü spricht und dabei die auf einem Pappteller notierte Setlist in die Höhe hält. Die offensive Partystimmung von Obscurity wird zwar nicht getoppt, dafür bekommt man bis zum Ende einen atmosphärisch dichten, intensiven Auftritt geboten, der alle bisherigen Veröffentlichungen berücksichtigt. Als Highlights bleiben das pfeilschnelle 'Ich bin die Leere', das obligatorische 'Älter als das Kreuz', sowie das ergreifende 'Glámr' im Gedächtnis.

Gegen 22:45 Uhr ist die Zeit für den Headliner gekommen. Mit Sicherheit eine prinzipiell würdige Position für die Schwarzmetall-Institution Norwegens. KAMPFAR haben es zwar nie zu vergleichbarem Ansehen wie ihre Landsmänner von Immortal, Darkthrone oder Gorgoroth gebracht, passen aber trotz Verwurzelung im straighten Norge-Black-Metal nicht ganz in deren Linie. Frontblondschopf Dolk erweist sich trotz seinen fast 40 Jahren nach wie vor als energiegeladen und mit voller Power und Freude bei der Sache. Von folkig-dudeliger Verspieltheit ist in der Musik KAMPFARs trotz ihrer Verbundenheit zur Pagan-Szene nach wie vor nichts zu spüren. Stattdessen regiert schneller bis rockiger Old-School-Black-Metal mit transparentem, kräftigem Sound. Die Menge mosht und hat sichtlich Spaß bei der Sache. Wirklich herausragend und spannend ist die ganze Angelegenheit auf Dauer leider nicht. Vielleicht liegt es an zunehmender Müdigkeit mancher Besucher, die sich vermehrt an Theke und Bar niederlassen oder auch daran, dass KAMPFAR live zwar guter Durschnitt sind, heute aber das spezielle Etwas, das sie musikalisch einzigartig macht, vermissen lassen. Gegen 23:50 Uhr ist nach einer Zugabe schließlich Feierabend.

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