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SAPIENCY, ERASERHEAD, INNER SANCTUM

Frankfurt, Nachtleben

INNER SANCTUM

12. Juni, Frankfurt: Dass IRON MAIDEN heute das zweite Konzert ihrer „Maiden England“-Tour in der Festhalle spielen, ist nicht zu übersehen. Neben Anzügen ist an diesem Tag das Iron-Maiden-T-Shirt das meist gesichtete Kleidungsstück in der City. Mein Trip in die Main-Metropole hat jedoch einen anderen Grund. INNER SANCTUM, die Death-Metal-Band aus Bangalore/Indien, spielt an diesem Abend das zweite Konzert ihrer „Wake of Destruction“-Tour. Ich hatte die Jungs bei meiner Recherche für "Metal in Indien" (Rock Hard 311) kennengelernt und freue mich auf ein Wiedersehen.

Vor und nach dem Konzert im Nachtleben lasse ich mir von Bassist Abhishek Michael, Fronter Gaurav Basu und Booker/Tourmanager Julian Parusel (JLF Promotion) erzählen, wie es zu der ersten internationalen Tour der Band kam und was sich in den letzten Tagen alles zugetragen hat:

Julian hat im Januar bei einem Konzert den in Aachen studierenden Ex-Gitarristen von INNER SANCTUM kennengelernt, welcher ihm von der Band erzählte. Nach dem ersten Abchecken und Kontaktaufnahme war für Julian klar, dass er für die Jungs eine kleine Tour organisieren will. Wie geplant so getan....soweit alles prima.

Einen Tag vor Abreise kam dann die Nachricht, dass der Auftakt der Tour, das Chronical Moshers, buchstäblich in's Wasser fällt. Zuerst ist die Enttäuschung groß, aber dank Julians Entschlossenheit und Eifer findet sich tatsächlich noch kurzfristig ein Ersatz, das Kalkwerk Festival. Nicht ganz gleichwertig, aber das ist allen egal, Hauptsache die Band kann endlich loslegen.

Neben Stories von verlorenem Gepäck, verpasstem Zug und Abstechern nach Amsterdam und Kopenhagen, bekomme ich auch noch stolz die neu erworbenen Deutschkenntnisse von Michael und Basu präsentiert: "Wichser", "Fleischpeitsche", "zeig mir deine Titten" und "Kinder statt Inder". Julian macht anscheinend nicht nur einen guten Job als Promoter, sondern auch als Deutschlehrer, haha.

Beim Soundcheck beschließt Julian kurzerhand, dass INNER SANCTUM als zweite Band spielen sollen und die Frankfurter Lokalhelden SAPIENCY zum Schluss. Es gibt keine Diskussionen deswegen, denn alle machen sich mehr Gedanken über voraussichtlich spärliche Besucherzahlen als über die Running Order. Mit IRON MAIDEN um Besucher zu konkurrieren, kommt ja fast einem Supergau gleich.

ERASERHEAD

Um 20.15 Uhr geht's los. Früher als angekündigt. Es haben sich erst ca. 15 zahlende Gäste eingefunden. Die Jungs von ERASERHEAD lassen sich nicht beirren und geben alles. Mit einem Mix aus eigenen Songs wie dem treibenden 'Murder Mack' und drei Covern von Sepultura, Cannibal Corpse und Six Feet Under, klasse Growls, guten Riffs und bestimmendem Drumming liefern ERASERHEAD einen soliden Auftritt und erfüllen ihre Aufgabe als Anheizer bestens. Ein toller Einstand für Neu-Bassist Chris.

INNER SANCTUMBis zum Auftritt von INNER SANCTUM finden sich noch ein paar Nasen mehr ein. Die Neugierde bezüglich der "Inder" steht den meisten im Gesicht geschrieben. In den folgenden 40 Minuten werden eventuell vorhandene Zweifel an der Qualität einer Dritten-Welt-Metalband vollständig ausgeräumt. Fronter Basu interagiert mit der Crowd und growlt was das Zeug hält. Mit gut abgemischtem Sound, progressiveren Songs als beim letzten Gig, dem ich beiwohnte, und viel Spielfreude springt der Funke über. Die Setlist besteht aus Krachern wie 'Quarantine' und 'Agent of Chaos' von der ersten EP und neuerem Material, das hoffentlich in den nächsten Monaten endlich zu einem neuen Album verarbeitet wird. Alle Anwesenden sind mehr als zufrieden.

Die Lokalmatadoren SAPIENCY bilden den wortwörtlich krönenden Abschluss. Melodic Death Metal, der keinen Vergleich mit In Flames oder Dark Tranquillity scheuen muss. Sehr ausgereifter Sound, Best-of-Drumming, abwechslungsreiche Gitarren, tolle Bühnenpräsenz und interessanter Kontrast von 'hard vocals by Lars' und 'xtra hard vocals by Krsto'. Die Setlist beinhaltet Material ihrer hochgelobten EP „Fate's End“ und hauptsächlich des sehr empfehlenswerten neuen Albums „Tomorrow“.

Fazit: Klasse Gig. Die Leute in der Festhalle bei IRON MAIDEN hatten bestimmt nicht mehr Spaß als die Bands und Fans im Nachtleben.

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