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IMPERIAL STATE ELECTRIC, DREGEN

Bochum, Matrix

IMPERIAL STATE ELECTRIC

Wie entscheidet man eigentlich bei einer Doppelheadliner-Tour, welche Band zuerst spielt, und welche den Abend abschließen darf? Im Falle der Schweden-Rocker DREGEN und IMPERIAL STATE ELECTRIC lässt man das Schicksal entscheiden und lost die Reihenfolge einfach aus. Wer wohl beim Konzert in der Bochumer Matrix den Kürzeren zieht?

DREGENDen Anfang macht heute – das Backdrop lässt es schon ahnen – die Combo des Backyard-Babies-Gitarreros DREGEN. Mit 'Divisions Of Me' und 'Just Like That' von der Debütscheibe „Dregen“ (die Kreativität bei der Namensgebung scheint man sich für die Lyrics aufgehoben zu haben) starten die Rotzrocker in einen energiegeladenen Set mit erstaunlich klarem Sound, bei dem sie ihre neuen Songs an den Mann, den ersten Reihen nach zu schließen, jedoch hauptsächlich an die Frau bringen. Trotz der mit rund 200 Leutchen eher spärlich gefüllten Halle fegt Dregen, bewaffnet mit Gitarre und tieffliegender Kopfbedeckung, wie ein verrückter Derwisch über die Bretter. Mit ihrem schmuddeligen Gute-Laune-Rock lassen DREGEN den Funken beim Publikum schnell überspringen – auch wenn man dem Fronter ein wenig anmerkt, dass er sich die Besucherzahl wohl etwas imposanter vorgestellt hatte. Während der Auftritt über weite Strecken eher eine One-Man-Show ist, überrascht die Truppe im Gesamtpaket mit einer beeindruckend bluesigen Akustikversion der aktuellen Single 'Flat Tyre On A Muddy Road'. Stichwort Überraschung: Davon zaubern Mister Dregen und Co. gleich zwei weitere aus dem Hut. Neben 'Blank Canvas', der B-Seite des „Flat Tyre On A Muddy Road“-7''-EP, löst vor allem die Backyard-Babies-Nummer 'Minus Celsius' Begeisterungsstürme beim Publikum aus. Nach gut 70 Minuten Hochleistungs-Rock'n'Roll und der etwas mühsam erklatschten Zugabe 'Mojo's Gone' zieht Dregen samt Band den Hut – zumindest fürs Erste.

IMPERIAL STATE ELECTRICMit IMPERIAL STATE ELECTRIC-Fronter/Sechssaiter Nicke Andersson hat sich Dregen einen alten Hellacopters-Kumpanen ins Tour-Boot geholt. Eine gute Entscheidung, wie sich in den nachfolgenden 80 Minuten zeigt. Obwohl Nicke seine Truppe erst im März 2010 aus der Taufe hob, können IMPERIAL STATE ELECTRIC bei ihrer Show bereits auf drei Studioalben zurückgreifen und sprühen live wie auf Platte vor Kreativität. Statt sich über die eher mittelprächtig bevölkerte Konzerthalle zu ärgern, freuen sich ISE lieber über die lautstarken Reaktionen ihrer Anhänger. „Das ist ja fast wie ein Samstagabend“, strahlt Nicke, und bekommt das freudige Grinsen, genau wie seine gut aufgelegten Mitstreiter, für den Rest des Konzerts nicht mehr aus dem Gesicht. Musikalisch schwimmen IMPERIAL STATE ELECTRIC mit DREGEN zwar im gleichen Teich, machen ihre Songs aber durch eine Prise weniger Rotz und ein Quäntchen mehr Eingängigkeit zum perfekten Party-Soundtrack. Auch wenn der Fokus der Setlist ganz klar auf dem gelungenen neuen Album „Reptile Brain Music“ liegt, packt die Band mit Songs der Marke 'Uh Huh', 'A Holiday From My Vacation' und 'Lord Knows That I Know That It Ain't Right' auch einige alte Schätzchen aus, wenn man das bei einer dreieinhalbjährigen History überhaupt sagen kann. Einen spontanen Sängerwechsel erleben die Matrix-Gäste während der Nummer 'Stay The Night', als Sechsaiter Tobias Egge für Nicke das Mikro übernimmt. Der Knaller der Show allerdings kommt zum Schluss: Mister Dregen, der schon seit Mitte der ISE-Show neugierig hinterm Bühnenrand hervorlugt, stürmt bei 'Throwing Stones' die Bühne und feiert mit Kumpel Nicke unter tosendem Applaus eine kleine Hellacopters-Reunion, Coversong '(Gotta Get Some Action) Now!' inklusive. Gut gebrüllt, Schweden!

 

Setlist DREGEN:

Divisions Of Me
Just Like That
One Man Army
Bad Situation
Star War
Gig Pig
Flat Tyre On A Muddy Road
Pink Hearse
Blank Canvas
Refuse
6:10
Minus Celsius (Backyard-Babies-Cover)
---
Mojo's Gone

 

Setlist IMPERIAL STATE ELECTRIC:

Emptiness Into The Void
Uh Huh
Deja Vu
Underwhelmed
Deride & Conquer
Redemption's Gone
Faustian Bargains
Stay The Night
A Holiday From my Vacation
Heeby Jeebies (Little-Richard-Cover)
Apologize
Lee Anne
More Than Enough Of Your Love
Lord Knows That I Know That It Ain't Right
Get Off
Down In The Bunker
Reptile Brain Music
---
Throwing Stones (mit Dregen)
(Gotta Get Some Action) Now! (Hellacopters-Cover, mit Dregen)

 

Pics: Alexandra Michels