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HEAVEN'S BASEMENT

Bochum, Matrix

HEAVEN'S BASEMENT

Groß war es überall zu lesen: ärztlich erteiltes Auftrittsverbot für HEAVEN'S BASEMENT-Frontmann Aaron Buchanan. Nach über 200 Konzerten im vergangenen Jahr wurde der Sänger zur Schonung seiner Stimme ermahnt. Die restlichen Tour-Termine für 2014 mussten somit abgesagt werden. Glück haben allerdings die deutschen Fans, die am vergangenen Samstag in Bochum das Abschlusskonzert der Tour miterleben dürfen.

THE DIRTY YOUTH liefern als Opener vor einer gut halb gefüllten Matrix eine erfreulich unaufgeregte, solide, aber nicht an Spannung einbüßende Show ab.
Frontfrau Danni überzeugt mit einer durchweg angenehmen, nie gepressten Stimme, die zwar bei dem ein oder anderen Part etwas dünn daher kommt, aber immer wieder den Absprung schafft den kraftvollen Gitarren Kontra zu bieten.
Ein wenig erinnert ihr marschartiges Rumhantieren mit dem Mikrofonständer an eine Performance irgendwo zwischen Alice Cooper und Marilyn Manson, alles in allem verzichtet Danni aber auf klischeehafte weibliche Elemente der Bühnenperformance, und rockt einfach aus voller Seele die Bühne. Durchweg sympathisch, energiegeladen und musikalisch auf hohem Niveau überzeugt die Band mit jedem einzelnen Song.

Kurze Umbaupause, und es scheint etwas in der Luft zu liegen. Die ersten Reihen füllen sich erstaunlich rasant mit einer Vielzahl junger Damen, die Masse verdichtet sich und ein lautes einheitliches Kreischen erfüllt den Raum, als GLAMOUR OF THE KILL die Bühne betreten.
Die vier Herren vertreten eine etwas elektronisch, poppig, aber solide und technisch sehr gut umgesetzte Variation der harten Gitarrenmusik. Teilweise erinnern die Songs an Bullet For My Valentine, die Intros könnten auch von Billy Talent geliehen sein.
Ob es genretechnisch bzw. stilistisch gefällt, das sei jedem selbst überlassen, und ob ausgerechnet diese Band in das musikalische Gesamtkonzept des Abends passt, das sei dahingestellt. Aber man muss den Herren lassen: sie beherrschen ihre Instrumente.
Leider wirkt das gesamte Set sehr durchgestylt, sehr glatt, ohne Ecken und Kanten. Die kurzen choreographierten Parts, in denen sich die Gitarren- und Bass-Front einheitlich um die eigene Achse dreht, oder die Kniebeugen zum Breakdown-Gewitter machen optisch sicher etwas her, und dem Publikum scheint es zu gefallen. Dennoch wirkt das Konzept der Band im Vergleich zu den rotzigen THE DIRTY YOUTH und den noch folgenden ur-authentischen, Gänsehaut auslösenden HEAVEN'S BASEMENT etwas langweilig. Es passiert nichts Unerwartetes.
Einziger Ausbrecher: Sänger (und Bassist!) Davey meint mit seinen Ansagen zu Themen wie Pussys und Alkohol das Publikum anheizen zu müssen. Den einen gefällt's, die anderen gehen in der Zwischenzeit ein Bier holen.
Highlight des Auftritts: Zum Cover von Kiss' 'Love Gun' stürmt neben HEAVEN'S BASEMENT-Gitarrist Sid Glover auch Sänger Aaron die Bühne, oberkörperfrei, einen schwarzer Stern ums Auge gemalt. Das Sangestalent des seit 2011 bei der Band wütendenden Aarons soll später noch gelobt werden, an dieser Stelle darf nur so viel verraten werden: in so einer Qualität und mit so viel Hingabe, hat man ein Kiss-Cover selten zu Ohren bekommen.

Es ist so weit: HEAVEN'S BASEMENT entert das Parkett. Gut gelaunt, und vom ersten Ton an direkt in die Vollen, wissen die vier Engländer das Publikum zu begeistern. Sie spielen fast ausschließlich Songs von ihrem aktuellen Album „Filthy Empire“, die das Publikum zum größten Teil textsicher mitgrölt. Sänger Aaron sind seine stimmlichen Probleme partiell anzumerken; immer wieder ertönt die ein oder andere heisere Ansage, bei den hohen Tönen versagt minimal die Stimme, doch wer könnte es dem Talent übel nehmen?
Wenn jemandem der Vergleich mit Legende Freddie Mercury vergönnt sein mag, dann Aaron Buchanan. Selten erlebt man so ein authentisches Charisma bei einem Nachwuchskünstler. Stimmlich hält er jeden Ton, seine Performance ist extravagant und organisch im selben Moment. Aber nicht nur ihn gilt es zu loben: die gesamte Band lebt ihre Musik. Gitarrist Sid badet in Schweiß und Tequila, erspart sich aber aufgesetzte Posen und Kommentare über Sex, Drugs and Rock 'n' Roll. Schlagzeuger Chris Rivers spielt mehr im Stehen, als im Sitzen; man hat das Gefühl, er ist jede Sekunde kurz davor aufzuspringen und ins feiernde Publikum zu springen. Bassist Rob Ellershaw lässt es in gewohnter Manier seiner Band-Position ruhiger angehen. Ruhig, aber nicht gelangweilt!
Natürlich ist das letzte Konzert einer Tour immer ein besonderer Anlass für alle Beteiligten, und so lassen es sich GLAMOUR OF THE KILL auch nicht nehmen, ihre Bandkollegen nach Strich und Faden vor den Augen des Publikum in Tequila zu tränken. Aaron wagt anschließend bei der Hymne 'Jump Back' einen Handstand auf den Händen und Köpfen des Publikums, und schließlich zu den Tönen von 'Executioner's Day' stürmt die gesamte Crew mit Luftballons, Partyhütchen und Konfetti die Bühne, um gemeinsam mit den Fans das Konzerterlebnis ausklingen zu lassen.

Ein emotionaler und bis auf kleine Ausnahmen durchweg stimmiger, gelungener Abend. Gerne mehr!

 

Setlist HEAVEN'S BASEMENT

Welcome Home
Can't Let Go
Fire, Fire
Heartbreaking Son Of A Bitch
Straight To Hell
Nothing Left To Lose
I Am Electric
Paranoia
The Price We Pay
Jump Back
Reign On My Parade
+++++
Executioner's Day

 

Pics: Alexandra Michels