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SINISTER, BODYFARM, I CHAOS, GRAND SUPREME BLOOD COURT

Essen, Turock

GRAND SUPREME BLOOD COURT

Das Billing kann man schon fast als holländischen Staatsbesuch bezeichnen: Der niederländische Death-Metal-Attaché Martin van Drunen reist mit großem Gefolge an und verspricht eine Kulturveranstaltung der deftigen Sorte. Dabei erweisen sich die Technical-Bollos I CHAOS als solider Anheizer – trotz eindeutiger Verwurzelung im Brutal Death Metal ist der Vierer kein reiner Songfragmentierer und hat zudem einen charismatischen Frontmann am Start. Als Hintergrundbeschallung für das sich füllende Turock taugt der Rabatz allemal.

BODYFARM treffen mit ihrer Mischung aus Bolt Thrower, Gorefest und - wer hätte es erwartet - Asphyx allerdings noch mehr den Geschmack des Publikums. Dabei ist die Musik unterm Strich nicht sonderlich spannend und wird die Band kaum über Anheizerstatus hinausbringen. Als solcher ist die Truppe allerdings ausgezeichnet geeignet.

(Nicht nur) meinen Eindruck vom SINISTER-Auftritt bestimmt leider in erheblichem Maße der Drumsound, oder besser: Die Triggermaschine. Dazu würde ich gerne mal was Prinzipielles sagen: Es gibt Bands, die brauchen einen massiven Trigger für ihr Klangbild (etwa Ministry oder die häufig strapazierten Fear Factory), bei anderen sehe ich immerhin noch ein, dass das Songmaterial ohne Trigger nicht souverän umsetzbar wäre (etwa bei Behemoth oder, ja, auch bei Kataklysm, ob man das jetzt mögen muss, ist eine ganz andere Frage). Bei SINISTER trifft weder das eine noch das andere zu. Ergo: der Trigger ist überflüssig und schadet dem Soundbild. Und das nur noch stärker, weil er (anders als häufig angenommen) eben KEIN Drumcomputer ist, der alles besser klingen lässt, sondern nur die Schläge präzisiert. Heißt: Wenn ein Drummer von Hause aus unpräzise spielt (und das tut SINISTER-Trommler Toep Duin leider gerade in der ersten Hälfte der Show recht häufig), dann hört man das umso deutlicher. Das und die eher mäßige Songauswahl (zu viel neuer Kram) können einem wahrlich die Suppe versalzen. Ein Glück haben die Holländer eine eingeschworene Fanbase, die trotzdem jeden Ton abfeiert. Dennoch: Die Erwartungen waren höher, als was die Band zu leisten im Stande war.

Wie man das mit dem Sound richtig macht, demonstrieren GRAND SUPREME BLOOD COURT danach mit einer Überlegenheit, die 95% von allem, was sich aktuell Death Metal schimpft (und zwar strömungsunabhängig), in ihren eigenen Gräbern vermodern lässt. SO und nicht anders klingt eine verfickte Gitarrenwand, die Knochen zum Brechen und Wände zum Zerfallen bringt. Scheiß drauf, dass das alles schon mal da gewesen ist, es interessiert einen Dreck, dass die Songs alle wie (alte) Asphyx klingen und man irgendwie die ganze Zeit auf 'M.S. Bismarck' wartet. Es ist wurscht, dass durch die wenigen Songs die Spielzeit verdammt kurz ist, BOW DOWN BEFORE THE BLOODCOURT! Diese süchtig machenden Riffs, dieser unglaubliche Druck, der von der langsamsten Doomwalze bis zum heftigsten Ausbruch jeden einzelnen Part kennzeichnet, die simple Effektivität, an der sich Milliarden von Nachahmern die Zähne ausbeißen. Dass die Band dabei beeindruckend gut eingespielt ist, ist ein weiterer Bleistiftstrich in einem verstörenden, doch hypnotischen, in seiner Brutalität anziehendem und seinem schwarzen Humor fesselnden Akustik-Comic über Recht sprechende Außerirdische und sadistische Hinrichtungsmethoden. Meine lieben Venenums und Vorums, Chapel Of Diseases und Deserted Fears, so sehr ich euch alle schätze: das ist der Maßstab, an dem ihr euch auf Dauer messen lassen müsst.

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