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DEVIN TOWNSEND PROJECT

„Deconstruction“-Show - London, ULU

Devin Townsend performt in London alle vier seiner DEVIN TOWNSEND PROJECT-Alben und lässt bei der Gelegenheit mehrere Kameras mitlaufen, um das Geschehen in Form einer DVD-Nachlese für die Nachwelt festzuhalten. ROCK HARD stürzte sich in den nächsten Flieger um euch exklusiv von dem viertägigen Geschehen zu berichten.

Am 12.11. soll „Deconstruction“ seine Livepremiere in voller Länge feiern. Eingeleitet wird der Abend durch die norwegischen SHINING, die mit ihrem verstörenden Black Jazz einige „Deconstruction“-Elemente vorwegnehmen, aufgrund des hohen disharmonischen Anteil nach einer Zeit aber auch etwas nerven.
Danach steht ein ausgedehnter Line-Check auf dem Programm. Heute möchte man nichts dem Zufall überlassen, wenn einer der Musiker bei den chaotischen „Deconstruction“-Achterbahnfahrten aus dem Rhythmus fällt, hätte das fatale Folgen.

Eröffnet wird die Show wieder einmal von einer Videobotschaft von Ziltoid, der in selbiger seine Kandidatur für das Amt des „President of the Universe“ bekannt gibt. Das sich langsam aufbauende 'Praise The Lowered' gönnt den Musikern im Anschluss noch eine Gelegenheit zum Aufwärmen. Zum Line-up zählen heute Basssist Mike Young, Gitarrist Dave Young sowie Soilwork-Schlagzeuger Dirk Verbeuren. Zudem steht ein vierköpfiger Minichor auf der Bühne, der leider hauptsächlich durch eine etwas unkoordinierte, gestische Überperformance anstatt durch Sangeskünste überzeugt. Aufgrund der Vielschichtigkeit des Materials (für die Aufnahmen des Albums standen ein ganzes Orchester sowie ein richtiger Chor zur Verfügung), kommt heute viel vom Band. Da der Minichor den Klang des Studiochors natürlich nicht umsetzten kann, werden auch Chorstimmen engespielt, die allerdings meist lauter sind als der Livechor.

Auch die Gastgesänge der acht „Deconstruction“-Gastsänger stammen aus der Konserve. Zwar hat man sich hier eine lustige und liebevoll gestaltete Idee der visuellen Umsetzung ausgedacht (Handpuppen-"Doubles" der Gastsänger performen auf der Leinwand), aber die Vielzahl der eingespielten Spuren rauben dem Ganzen ein wenig den Livecharakter.

Dennoch ist, das, was die Musiker heute auf ihren Instrumenten abliefern, nicht von dieser Welt. Während die erste Albumhälfte noch vergleichsweise straight ausfällt, ist spätestens ab dem 16-minütigen 'The Mighty Masturbator' der totale Mindfuck angesagt. Hier passiert so viel gleichzeitig, dass es wirklich schwer fällt dem Geschehen zu folgen und das Wahrgenommene zu verarbeiten. Zum Ende des Songs wird nochmal die Kandidatur Ziltoids durch herabregnende Luftballons gefeiert. Beim ähnlich komplexen Titelstück zeigt man wieder Liebe zum Detail und senkt – passend zum Inhalt des Songs – einen gigantischen Cheeseburger von der Decke.

Beim mehr als rasanten 'Poltergeist' zeigt vor allem Dirk Verbeuren, was für ein unglaublicher versierter Drummer er ist. Im Anschluss fühlt sich sowohl Publikum als auch Band wie erschlagen. Während Devin sich ausgiebig bei Fans und Crew bedankt, meldet sich im Publikum jemand mit dem Wunsch nach Strapping-Young-Lad-Songs zu Wort, was Devin ein wenig auf die Palme bringt: „Wenn man sich den Inhalt der letzten vier Alben zu Gemüte führt, sollte man verstanden haben, dass ich mich von dieser Musik entfernt habe.“

Aber die Band hat dennoch eine originelle Idee im Gepäck: Mit drei Punky-Brüster-Songs wird der Abend nach dem schwer verdaulichen „Decontruction“-Material positiv beschlossen.

Live-Review der "Ki"-Show vom 10.11.

Live-Review der "Addicted!"-Show vom 11.11.

Live-Review der "Ghost"-Show vom 13.11.

SETLIST DEVIN TOWNSEND PROJECT

Praise The Lowered
Stand
Juular
Planet Of The Apes
Sumeria
The Mighty Masturbator
Pandemic
Deconstruction
Poltergeist

Fake Punk
Wallet Chain
Metal Dilllema