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CANNIBAL CORPSE, THE BLACK DAHLIA MURDER, DEVILDRIVER, HOUR OF PENANCE

Köln, Essigfabrig

THE BLACK DAHLIA MURDER

Es ist laut, deftig und tritt mit voller Wucht in die Magengegend. Wenn man sich das Package des heutigen Mittwochabends in der Kölner Essigfabrik reinzieht, darf dem geneigten Death-Metaller zu Recht das Wasser im Munde zusammenlaufen: CANNIBAL CORPSE und DEVILDRIVER geben sich die Klinke in die Hand und lassen ihre alles zermalmende Auftritte von THE BLACK DAHLIA MURDER und HOUR OF PENANCE initiieren. Gefeiert wird vor einem Publikum, das bunter kaum sein könnte: Normalos, Scherzkekse in Hawaiihemden und Pikachu-Kostümen, Hipster und klassische Old School-Freunde bestimmen das ungewöhnliche Bild.

HOUR OF PENANCEPünktlich um 18:30 Uhr entern die römischen Prügelknaben von HOUR OF PENANCE als Ersatz von Winds Of Plague die Bühne und bedienen uns mit einer technisch versierten Prise Todesblei. Diese scheint auch die ersten Zuschauer ins Warme zu locken, die ersten Reihen sind gut besucht. Und dennoch wirkt die Menge nicht derart ausgelassen, wie sie im Laufe der halben Stunde sein könnte. Es mag an dem matschigen Sound liegen, in dem die die meisten Melodien einfach untergehen. Auch was der polyrhythmische Schlagzeuger Simone „Arconda“ Piras leistet, sieht beeindruckend aus, bleibt aber akustisch beinahe stumm. Vielleicht liegt es auch an dem Ausblick der musikalischen Fausthiebe, die in den kommenden Stunden noch folgen sollte, man weiß es nicht. Fest steht, dass HOUR OF PENANCE ihre giftigen Riffattacken zwar souverän, aber nicht weltbewegend in der Domstadt verteilten und der Funken irgendwie nicht überspringt. (mar)

THE BLACK DAHLIA MURDERDas sieht bei THE BLACK DAHLIA MURDER schon anders aus. Sofort expandiert das Publikum wie das römische Reich unter Julius Cäsar. Vom ersten Takt an wird deutlich, dass eben so viele Besucher für die hibbeligen Melo-Deather gekommen sind ,wie für die über allem thronenden Kannibalenleichen. Der konservative Old-School-Fan scheint zwar irritiert und nicht begeistert von dem Exoten-Quintett aus Detroit, aber dem Gros fällt es schwer, sich von der puren Energie nicht mitreißen zu lassen. Die ganze Band strahlt, als könnte sie sich nichts Schöneres vorstellen, als an einem Mittwochabend in der Essigfabrik in Köln zu spielen und der sympathische Frontflummi Trevor Strnad verbreitet einfach gute Laune, so dass es schwer ist, ihn und seine Band nicht zu mögen. In ihrer viel zu kurzen Spielzeit hauen sie ihrer Audienz größtenteils Songs des aktuellen Albums „Ritual“ um die Ohren – die ebenso melodischen und gemein-ätzenden Stücke wie der Opener 'A Shrine To Madness' oder das überragende 'Moonlight Equilibrium' kommen gut an und machen aus den Konzertbesuchern eine wild feiernde Meute. Nach einer halben Stunde verabschieden sich THE BLACK DAHLIA MURDER mit 'I Will Return'. Das werden sie mit Sicherheit, da im Juni das neue Album „Everblack“ erscheinen soll.

DEVILDRIVERWährend die durchgeschwitzte Menge in der Umbaupause zur Bar stürmt, schwebt auf der Bühne das blutrote DEVILDRIVER-Banner in Achtzigerjahre-Horrorfilm-Optik empor. Es scheint fast unmöglich, mit der eben dargebotenen Wucht mitzuhalten oder diese gar zu übertreffen, doch hier ist eine Band, die für den größten Circle Pit der Welt im Guiness Buch der Rekorde gelandet ist: Das Publikum rastet von der ersten Sekunde an völlig aus und die Kalifornier schlagen sofort mit 'End Of Line' zu wie ein Orkan. Der charismatische Fronter Dez Fafara heizt dem Publikum mit seinen Ansagen ordentlich ein, „Fuck“ ist sein klares Lieblingswort; die Show über brüllt er fast ausschließlich in Fuckten. Dies könnte zwar albern wirken, erweist sich aber als sehr effektiv: Volltätowiert und mit durchschlagender Stimme kreischt er konstant vor einem Publikum, das bangt, die Pommesgabel reckt, springt und crowdsurft, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Effekte in seinem Elvis-Mikrofon sorgen für Abwechslung, auch wenn Dez den Hall etwas inflationär benutzt. Doch es passt perfekt zu dem groovigen, dynamischen und knüppelharten Sound seiner Crew. Die Setlist liest sich im Übrigen wie ein Best-Of-Album und da das Single-Material den meisten bekannt ist, werden 'I Could Care Less' oder 'Head On to Heartache' angemessen gewürdigt. Beim Bandklassiker 'Clouds Over California' besteht die Halle aus einem einzigen Circle Pit und nach 'Meet The Wretched' und einigen, abschließenden Fucks überreichen DEVILDRIVER das Zepter an die Könige. (sa)

CANNIBAL CORPSECANNIBAL CORPSE brauchen keine Circle Pits um zu zeigen, wer die Bosse der Unterwelt sind. Um kurz vor 22 Uhr ist es dann soweit: Mit einem riesigen Banner im Rücken stampfen "Corpsegrinder"-Fisher, Webster und Kumpanen auf die Bühne und starten kompromisslos mit dem "Torture"-Feuerwerk 'Demeted Aggression', 'Sarcophagic Frenzy' und 'Scourge Of Iron' ihren Siegeszug. Obwohl sich die Energiereserven der Anwesenden aufs Headbangen fokussieren, dieses aber konsequent durchgezogen wird, ist die Power bei bandeigenen Klassikern wie 'Evisceration Plague', 'I Cum Blood' oder 'Pit Of Zombies' zum Greifen nahe. An den Dauer-Propeller des Corpsegrinders kommt aber natürlich niemand ran. Während seiner Ansagen zeigt sich der Hüne gut gelaunt und macht sich über Konzertbesucher lustig, die während der Show auf ihre Smartphones eintippen. Dennoch: Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken - und da wirbelt wieder der Propeller.

Routiniert prügeln die Jungs Stücke sowohl neueren als auch älteren Datums in die schweißgebadete Menschenmenge, sodass wahrlich jeder hier auf seine vollbedienten Kosten kommt. 'Encased In Concrete', 'A Skull Full Of Maggots' oder auch 'Priests Of Sodom' werden in unbarmherzigster Art und Weise präsentiert, man weiß eben, was man bei CANNIBAL CORPSE zu erwarten hat. Ehrwürdig und überlegen wirkend malträtiert der Frontschreihals zu jeder Sekunde seine Nackenmuskulatur und beendet das Kannibalenset mit dem mächtigen Trio 'Make Them Suffer', 'Hammer Smashed Face', und dem Rausschmeisser 'Stripped, Raped And Strangled'. Nach dieser Death-Metal-Vollbedienung, die eindrucksvoller nicht hätte präsentiert werden können, blickt man in viele freudige, aber durchaus ausgepowerte Gesichter. Kein Wunder also, dass bei solch einem Bollwerk die Essigfabrik mehr als nur gut besucht war. (mar)

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