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BLUES PILLS, KADAVAR, STRAY TRAIN

Hannover, Capitol

BLUES PILLS

Selten trifft man ein von Alterklasse und Szenezugehörigkeit so gemischtes Publikum, wie bei einem BLUES PILLS-Konzert an: Neben vielen Lederjacken- und Karohemd-Trägern sind auch etliche der Leinenhemd- bzw. Alt-68er-Generation vertreten. Die Atmosphäre ist sehr entspannt und erwartungsfreudig, der Club fast ausverkauft und somit gut gefüllt. Das Capitol in Hannover ist ein ausgezeichneter Ort für ein großes und gleichzeitig intimes Konzerterlebnis. Das ehemalige Kino bietet neben einer guten Akustik auch noch den ungewöhnlichen Blick vom oberen Rang auf die Bühne. Das Publikum strömt gut gelaunt in den Saal, steht schon vor Beginn dichtgedrängt und voller Erwartung auf das Kommende, vor der Bühne.

Der musikalische Teil des Abends startet um Punkt 19:30 Uhr mit der slowenischen Supportband STRAY TRAIN. Mit den Openern sollen gleich laute Heavy-Blues-Rock-Nummern vorgelegt werden, die leider nicht mehr als „ganz nett“ sind. Da helfen auch nicht die vielen Grunge-Einflüsse oder die übertriebene Performance-Wut des Sängers. Die fünf Jungs aus Ljubljana sind, jeder für sich, wirklich talentierte Musiker, doch zusammen wirkt der Auftritt eher unorganisch bis unharmonisch. Das Publikum scheint STRAY TRAIN positiv aufzunehmen, aber wirklich mitreißen können sie eben nicht. Es bleibt beim bloßen Kopfnicken. Nach einer halben Stunde ist der Auftritt dann auch wieder vorbei. Während des schwächsten Songs 'Plastic Princess' zeigt sich das Gesamtproblem der Band, zumindest für diesen Abend: Zu viel Performance für zu wenig Leistung. Leider nicht mehr als eine ganz nette Vorband.

Vor allem im Kontrast zum darauf folgenden Co-Headliner KADAVAR wird der Graben noch einmal tiefer. Das Trio nimmt Publikum und Bühne gleichermaßen für sich ein. Die Band zeigt wie eng man mit seinem Instrument verschmelzen kann. Minutenlang sind nur Haare, Bärte und Gitarren zu sehen und der breite Stoner-Rock-Sound liegt über allem. Das besonders Schöne an den Berlinern ist, dass sie dem Schlagzeug genauso viel Raum und Bedeutung beimessen, wie Bass, Gitarre und Gesang. Dies spiegelt sich im Bühnenaufbau genauso wie in ihrem gesamten Auftritt wieder. Christoph „Tiger“ Bartelt zuzusehen wie er die Drums bearbeitet, während seine Haare dabei im Ventilator-Wind flattern, ist eine wahre Freude. Bereits beim dritten Song ist das erste Becken kaputt. Doch die Aussage von Sänger und Gitarrist Christoph „Lupus“ Lindemann, „Wir spielen so lange, bis alles kaputt ist!“, wird dann doch nicht erfüllt. Jeder der drei wirkt völlig eins mit sich, der Welt und seinem Instrument. Die Setlist ist ein gelungenes Gemisch ihrer bisherigen drei Alben „Kadavar“, „Abra Kadavar“ und dem neusten Machwerk „Berlin“. Eine Stunde lang erzeugen sie einen unbändigen, nicht-entrinnbaren hypnotischen Sound, der das gesamte Publikum einbezieht. Auch mit ihrem eigenwilligen Beatles-Cover 'Helter Skelter' lösen sie nichts als restlose Begeisterung aus. Neben mir tönt ein glücklicher Fan: „Geil, endlich Headbangen zu den Beatles, was will man mehr!“, vielleicht könnte man KADAVAR auch so zusammenfassen. In einer unglaublichen Lautstärke spielen sie sauberen, hemmungslosen und hinreißenden psychedelischen Stoner Rock, der nicht nur an Hypnose erinnert, sondern auch selbst welche praktiziert.

 

In der kurzen Umbaupause fällt auf der Toilette der Satz: "Was sollen die BLUES PILLS da noch draufsetzen?". Ich bin froh, dass Sängerin Elin Larsson während ihrer Begrüßung, die „Lady In Gold“-Tour als Co-Headliner-Tour bezeichnet, denn hier geht es nicht um Hierarchie oder um eine Steigerung. Diese beiden Bands ergänzen sich live einfach ganz wunderbar. KADAVAR kreieren mit ihrem groovigen Stoner Rock eine großartige Stimmung, an die BLUES PILLS mit ihrem poppigeren Seventies-Track 'Lady in Gold' sofort anschließen können. Die Band strotzt nur so vor Energie und Spielfreude. Elin bewegt sich wie ein Wirbelwind und ohne Schuhe auf der Bühne und nichts davon ist aufgesetzt. Das, was bei der Supportband gefehlt hat, ist bei BLUES PILLS offensichtlich und spürbar. Sie legen ein absolut organisches Set hin. Die meisten Songs stammen von ihrem aktuellen Album „Lady in Gold“, trotzdem werden auch die „Hits“ wie 'High Class Woman' und das berüchtigte 'Devil Man' gespielt, bevor es in den Zugabeblock geht. Elins ausdrucksstarke und prägnante Stimme harmoniert mit Bass, Gitarre und Schlagzeug genauso vorbildlich wie auf der Platte. Besondere Erwähnung soll aber noch die Soulballade 'I Felt A Change' finden. Sängerin Elin, die sich selbst an der Orgel begleitet, erzeugt nur mit ihrer Stimme eine sehr intime und zugleich intensive Atmosphäre. Faszinierend, dass sie es auch schafft, diese Stimmung sofort durch die kraftvolle Midtempo-Nummer 'Rejection' wieder positiv aufzulösen. Hier natürlich wieder mit der perfekten Unterstützung vom zu Recht gefeierten Gitarristen Dorian Sorriaux sowie Bassist Zack Anderson und Drummer André Kvarnström. Mit 'Gone So Long' verabschiedet sich das schwedisch-französische Quartett und die darin enthaltende Zeile „time flew by“ bewahrheitet sich. Die Schweden werden ihrem Ruf als großartige Live-Band absolut gerecht. Außerdem schaffen die vier etwas nicht zu unterschätzendes: BLUES PILLS kreieren einen Szene-übergreifenden Sound. Egal mit welchen musikalischen Präferenzen man zu diesem Konzert kommt, ist es zu spüren, dass nicht die Szene, sondern die Musik im Vordergrund steht. An diesem Abend begnügt sich keiner nur mit Kopfnicken, auch bleibt niemand still stehen.



SETLIST KADAVAR

Come Back Life
Pale Blue Eyes
Last Living Dinosaur
Living in Your Head
The Old Man
Black Sun
Eye of the Storm
Fire
Thousand Miles Away From Home
All Our Thoughts
Creature of the Demon
Helter Skelter

SETLIST BLUES PILLS

Lady in Gold
Little Boy Preacher
Bad Talkers
Won't Go Back
Black Smoke
Ain't No Change
Little Sun
Elements and Things
You Gotta Try
Bliss
High Class Woman
Devil Man
I Felt a Change
Rejection
Gone So Long 

 

Pics (aus Oberhausen): Thorsten Seiffert (www.facebook.com/rnrreporter)

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