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ORPHANED LAND, BLIND GUARDIAN

Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle

BLIND GUARDIAN

Nach ihrer ausverkauften Krefelder Auftaktshow bestreiten BLIND GUARDIAN in Düsseldorf das zweite Heimspiel ihrer „Beyond The Red Mirror“-Tour. Ob das so eine gute Idee ist? Auf jeden Fall! Die proppenvolle Mitsubishi Electric Halle, in der die Metalgemeinde zum gemeinsamen Schunkeln und Songs schmettern aufläuft, gibt dem Rheinland-Doppelschlag der Barden Recht.

Als Anheizer begleiten die Tour ORPHANED LAND aus Israel, die mit ihrem mal proggigen, mal in Richtung Death schielenden Oriental Metal bei den Zuschauern vereinzelt Skepsis, hauptsächlich aber Begeisterung auslösen. „Ich bin nicht Jesus“, versichert Frontmann Kobi Farhi zwar auf Deutsch, spielt im Kaftan und barfuß auf der Bühne aber trotzdem mit diesem Bild. Zu Songs wie 'All Is One' rocken ORPHANED LAND mit vollem Einsatz für Frieden und Völkerverständigung. Ein paar Einspieler vom Band weniger wären zwar schön gewesen, sind aber schnell verschmerzt. Spätestens beim dritten Stück 'Bakarah', das exemplarisch für die Musik des Quintetts nicht nur in die Nackenmuskeln, sondern auch in die Beine geht. Dementsprechend bebt die Halle im wahrsten Sinne des Wortes, als nach 45 Minuten zum Schluss-Song 'Norra El Norra' ein Großteil der Konzertbesucher enthusiastisch auf- und abhüpft. Die Band dankt es den neu gewonnenen Fans von Herzen und steht später für Autogramme, Fotos und Gespräche so lange am Merch-Stand, bis auch der letzte Konzertbesucher von den Ordnungskräften hinausgescheucht wird?

Bevor es so weit kommt, ist es aber höchste Zeit für den Hauptprogrammpunkt des Abends: BLIND GUARDIAN könnten sich den Gesang schon beim Opener 'The Ninth Wave' komplett schenken, so laut tönen die Fangesänge durch die Arena. Kein Wunder, dass sich Frontmann Hansi Kürsch, heute ganz der Entertainer, beeindruckt zeigt: „Mir scheint, ihr habt zu Hause ein wenig geübt. Bei uns gilt die Regel 'Ohne Proben ganz nach oben'.“ Das allerdings mag dem Sänger kaum jemand glauben, denn als die Krefelder sich anschließend mit 'Banish From Sanctuary' in „Follow The Blind“-Zeiten zurückspielen und dann zu 'Nightfall' den Sprung nach Mittelerde wagen, ist einfach alles fett: Sound, Zusammenspiel, Bühnen- und Lichtshow. Nur Hansi nicht – der hat offenbar ein paar Kilo abgespeckt und zeigt sich nicht nur wieselflink im Bühnenjogging, sondern stimmlich absolut auf der Höhe, während das Duo Olbrich/Siepen ein kunterbuntes Klangfeuerwerk an den Sechssaitern abfackelt und Frederik Ehmke dem Ganzen als präzise und mitreißende Rhythmusmaschine das Fundament baut. Zudem ist man mit Live-Keyboarder Michael Schüren unterwegs und spart sich so das Retortengedudel - ein weiterer Pluspunkt. Lediglich der Bass von Barend Courbois hätte ein wenig lauter schnurren können.

Dass BLIND GUARDIAN als Live-Band nicht nur absolut tight sind, sondern auch serienmäßig Gänsehaut produzieren können, zeigt der eingeschobene Akustik-Teil, bei dem die Musiker vorn auf der Bühne ein bisschen näher zusammenrücken und mit 'Miracle Machine' und dem überragenden 'Lord Of The Rings' ein Stück Intimität in die große Halle bringen. „Megageil“, wie Hansi an diesem Abend nicht oft genug verkünden kann. Megageil ist ebenfalls das anschließend wieder stromunterstützt vorgetragene Epos 'And Then There Was Silence' – auch wenn das Stück aufgrund der enormen Länge von einer Viertelstunde wohl nie zum absoluten Smash-Hit auf der Bühne mutieren wird.

Nach der Bombast-Wuchtbrumme 'And The Story Ends' soll angeblich Schluss sein, was das Publikum allerdings nicht durchgehen lässt. Dank fröhlicher mehrstimmiger (!) Fangesänge kommt man sich vor wie beim Champions-League-Finale im Hobbit-Stadion, und allzu lang lassen die Herren sich auch nicht bitten, bis sie mit 'Into The Storm' zum ersten Zugabenblock ansetzen. Der Hinweis, dass die Show für eine kommende Live-Veröffentlichung aufgezeichnet wird, wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen: „Da gibt's nichts zu bemängeln“, kommentiert Hansi bis über beide Ohren grinsend die Publikums-Chöre beim Refrain von 'Valhalla'.

Abgang BLIND GUARDIAN, Auftritt Hobbit-Stadion, zweite Szene Zugabenblock. In diesem setzt man noch einmal auf Akustik-Rückenschauer sowie gesteigertes Strapazieren der Zuschauer-Stimmbänder bei 'The Bard's Song (In The Forest)' und Mattenpropeller zum rasanten 'Mirror Mirror'. Ende. Oder doch nicht? Nö, nach Hause gehen will hier scheinbar immer noch keiner. Dafür lieber Radau schlagen, bis die Mittelerde-Musikanten „unbezahlte Überstunden“ kloppen und ihrer genialen Show mit 'Majesty' das Sahnehäubchen verpassen. „Treibt's nicht zu weit, danach ist Schluss“, warnt Hansi, und behält Recht. Zumindest, was den Einsatz der Band angeht, denn die hat sich nach zwei Stunden und 15 Minuten ihren Feierabend redlich verdient. Noch eine halbe Stunde später allerdings intonieren unzählige Fans mit glänzenden Augen und biergeölten Stimmen im Foyer der Halle 'The Bard's Song'. Denn der bleibt ja bekanntlich bestehen.


SETLIST BLIND GUARDIAN

The Ninth Wave
Banish From Sanctuary
Nightfall
Fly
Tanelorn (Into The Void)
Prophecies
Lost In The Twilight Hall
Miracle Machine (akustisch)
Lord Of The Rings (akustisch)
And Then There Was Silence
And The Story Ends
+++
Into The Storm
Twilight Of The Gods
Valhalla
+++
Wheel Of Time
The Bard's Song (In The Forest) (akustisch)
Mirror Mirror
+++
Majesty

Pics Blind Guardian: Jens Peters
Pic Orphaned Land: Alexandra Michels

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