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AVANTASIA

Oberhausen, Turbinenhalle

AVANTASIA

Über Tobias Sammet lässt sich vortrefflich streiten: Dem einen ist er zu poppig, zu kindisch und arrogant, für den anderen ist er ein großer Songwriter und Entertainer. Letztere scheinen dabei in der Überzahl zu sein, denn erfolgreich ist er zweifellos. Ungefähr 3.000 Leute drängen sich in der ausverkauften Turbinenhalle,  um sich von Meister Sammet und seinem Allstar-Ensemble die Mysterien der Zeit erklären zu lassen.

Als Ich um halb acht in der Turbinenhalle ankomme, ist der Bär los. Die Halle ist schon relativ gut gefüllt und bei mittellauter  Musik  werden die ersten Bier des Abends getrunken. Um kurz nach halb neun geht das Licht aus. Unter den Klängen des ‚Also sprach Zarathustra‘-Intros kommen AVANTASIA auf die Bühne, und starten mit dem „Mystery of Time“-Opener ,Spectres‘ in ihr dreieinhalb-Stunden-Set.  Das Publikum ist vom ersten Moment an voll mit dabei und singt jede Zeile lauthals mit. Als erster Gastsänger wird zu ,Invoke the Machine‘ Pretty-Maids-Frontmann Ronny Atkins auf der Bühne begrüßt. Der ist, wie alle Akteure am heutigen Abend, topfit, und zeigt sich auch in puncto Publikumsanimation als alter Hase. Nach ,Black Orchid‘ kommt, ebenfalls für zwei Songs, Michael Kiske auf die Bühne. Der ehemalige Helloween-Fronter ist bestens bei Laune und wird mit „Kiske“-Sprechchören von allen anwesenden Gästen gefeiert.  Nächster Gastsänger ist Magnum-Fronter Bob Catley, der gewohnt gestenreich ,The Story Ain’t Over‘ und  ,The Great Mystery‘ performt, bevor der heute vorrangig als Backgroundsänger agierende ex-Heaven’s-Gate-Vorturner Thomas Rettke sein Solo (‚Scales of Justice‘) singen darf. Den Gastsängerreigen schließt Eric Martin von Mr. Big ab, der die Band bei ,What’s Left of Me’ und ,Promised Land‘ unterstützt.

Die Turbinenhalle hat sich mittlerweile in eine Sauna verwandelt, was man aber weder Publikum noch Band anmerkt. Im Folgenden kommt die einzige Dame auf der Bühne, Amanda Somerville, im Zuge der aktuellen Single-Auskopplung, ,Sleepwalking‘, zu ihrem ersten Solo-Auftritt, welcher frenetisch bejubelt wird.

Nachdem während der ersten Hälfte des Konzerts hauptsächlich neue Songs gespielt wurden, mutiert der zweite Teil zu einer Best-of-Show der restlichen Alben. Die Gastsänger geben sich die Klinke in die Hand, bei Songs wie ,Wicked Symphony‘ oder ,Twisted Mind‘ überlässt Tobi ihnen sogar komplett die Bühne. Am lautesten wird wenig überraschend ,Lost in Space‘ bejubelt, welches vom sehr textsicheren Publikum laut mitgesungen wird.,Dying for an Angel‘ (mit Michael Kiske als Klaus-Meine-Ersatz) beendet dann nach ca. drei Stunden das reguläre Set.

Tobias Sammet ist ein Entertainer vor dem Herrn und schafft es immer wieder, das Publikum zum mitmachen zu motivieren. Bestes Beispiel  ist die Ansage vor der ersten Zugabe: Vor dem Konzert habe ich mich noch mit dem Kollegen Peters über Paul Stanleys legendäre Oberhausen-Ansage unterhalten, in der das Starchild betonte: „Oberhausen, your housen is my housen!“ Eben jene Ansage bringt Sammet mit so perfekter Imitierung in Gestik, Mimik und Betonung, dass man es einfach lustig finden muss. Als weitere Zugabe folgt die Bandhymne ,Avantasia‘, an die eine 10 Minuten lange Bandvorstellung anschließt. Als Rausschmeißer und großes Finale fungiert der „The Metal Opera“-Song  ,Sign of the Cross‘, in dem jeder Akteur nochmal seinen Solo-Part bekommt. Um zwölf Uhr ist der Spuk dann vorbei, und die Zuschauer verlassen nassgeschwitzt, aber freudestrahlend die altehrwürdigen Hallen.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass es Tobias Sammet es wieder einmal geschafft hat, eine tolle Show mit grandiosen Gästen auf die Beine zu stellen.  Allein der etwas dünne Sound und die gefühlten 50° in der Turbinenhalle geben Anlass zu kleinen Abstrichen, was den anwesenden Fans aber reichlich egal gewesen sein dürfte.

 

Setlist

Spectres
Invoke The Machine
Black Orchid
Reach Out For The Light
Breaking Away
The Story Ain't Over
The Great Mystery
Scales of Justice
What's Left Of Me
Promised Land
Sleepwalking
The Scarecrow
Stargazers
Farewell
Shelter From The Rain
In Quest For
The Wicked Symphony
Lost In Space
Savior In The Clockwork
Twisted Mind
Dying For An Angel
-----------
The Seven Angels
Avantasia
Sign Of The Cross

 

Pic: Jens Peters

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