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AXEL RUDI PELL, HEAVEN AND HELL

Karlsruhe, Europahalle

Sie sind im inflationären Veranstaltungsangebot selten geworden, die Konzertabende, auf die man sich schon im Vorfeld freut und die einen ganz besonderen Zauber ausüben. HEAVEN & HELL passen ohne Zweifel in diese Kategorie. Einerseits sehen viele die Truppe heute zum ersten Mal und für die meisten wird es wohl auch das letzte Mal sein,die Allianz der Veteranen zu genießen.

Nach dem überragenden Auftritt beim Bang-Your-Head-Festival im Vorjahr, der mehr eine Retroshow war, gilt es heute neben einer Reihe absoluter Klassiker auch das neue Material des Comebackalbums "The Devil You Know" zu präsentieren. Als die vier Briten um 21.15 Uhr starten und zuerst Tony Iommi die Bühne betritt, herrscht eine ehrfürchtige Stimmung in der gut gefüllten - aber bei weitem nicht ausverkauften - Halle. Mit 'The Mob Rules' gibt es auch gleich einen formidablen Einstieg. Was folgt, ist ein Querschnitt durch die gemeinsamen vier Veröffentlichungen des Quartetts, der durch eine Projektionsleinwand dezent optisch untermalt wird. Apropos Optik: Da bietet die Truppe einen beeindruckenden Bühnenaufbau.

Klasse eingespielt, spielfreudig und körperlich topfit beweisen die Herren, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und das neue Material durchaus neben den Klassikern problemlos bestehen kann. Im Mittelpunkt natürlich Ronnie James Dio, der klasse bei Stimme ist und mit seiner sympathischen Ausstrahlung sowie Mimik und Gestik einfach jeden in seinen Bann zieht. Aber auch seine Weggefährten können durchweg überzeugen. Während Geezer Butler immer noch der Prototyp eines Bassmonsters ist, zelebriert Vinny Appice an seinem übergroßen Drumset ein Schlagzeugsolo der alten Schule, zudem sorgen beide für einen fetten Rhythmus. Dass Tony Iommi in einer eigenen Liga spielt, ist klar. Die große Überraschung ist allerdings, dass der Großmeister der Heavygitarre nicht so unnahbar wie in der Vergangenheit wirkt. Im Gegenteil, der Mann hat offensichtlich Spaß und zahlreiche Male rutscht ihm sogar ein Lächeln über die Lippen.

Während der Auftritt keinen Grund zu Kritik gibt, lässt sich über die Setlist streiten. Zwar bietet die Spieldauer von etwa über 90 Minuten nicht mehr viel Spielraum. Der eine oder andere vermisste doch 'Vodoo' oder 'Sign Of The Southern Cross' von "Mob Rules", und dass man die Singleauskoppelung von 'TV Crimes' von "Dehuminizer" ausspart, überrascht doch ein wenig. Egal, denn jede der elf Nummer hat ihre Daseinsberechtigung und demonstriert, warum Black Sabbath, bzw. Heaven & Hell, für das Genre unverzichtbar sind.

Was bleibt? Der Abend zeigt, dass "Dehuminizer" das vielleicht unterbewerteste Album der Band ist, zudem beweist Ronnie James Dio, dass ihm niemand das Wasser reichen kann und dass die Truppe die Gralshüter des Heavy Metal sind, mit denen niemand mithalten kann. Nun darf man gespannt sein, wie es weitergeht. Dio wird sich wohl wieder um seine eigene Band kümmern (nachdem er für The Rods drei Nummern eingesungen hat), was aber die anderen Herren machen, dürfte spannend bleiben. Eigentlich unvorstellbar, dass man wieder mit Ozzy Osbourne gemeinsame Sache macht, denn die Chemie, die heute mit Dio herrscht, ist mit dem alten MTV-Protagonisten keineswegs mehr erreichbar. Zudem spielt Iommi definitiv lieber 'Die Young' und 'Heaven And Hell' als 'Paranoid' und 'War Pigs'. Danke für diesen Abend!

Noch einige Anmerkungen zum Vorprogramm: Während man in den Staaten mit Judas Priest, Motörhead und Testament unterwegs war, wird in unseren Breiten nur Axel Rudi Pell angekündigt. Bevor er und seine Mannen aber die Bühne betreten, gibt es einen Kurzauftritt von TIM RIPPER OWENS, der weder auf den Eintrittskarten noch auf dem Tourposter vermeldet wird.

Schade, denn schon um 19.15 Uhr - als zahlreiche Leute noch vor der Halle stehen - legt er mit seiner Begleitband, die es in sich hat, los. Zu der zählen nämlich neben Simon Wright (Drums), Dave Ellefson (Bass), Chris Caffery (Guitar) und John Comprix (Guitar) lauter Protagonisten seiner neuen Scheibe, mit deren Auftritt wirklich niemand gerechnet haben dürfte. Zu den Nummern, die vor allem die verspätet zugestoßenen mitbekommen, zählen u.a. drei Songs aus seiner Zeit mit Judas Priest ('Burn In Hell', 'One On One' und 'Green Manalishi') sowie eine Nummer seiner aktuellen Scheibe. Wirklich schade, dass viele (inklusive mir) diesen Auftritt in seiner Gänze nicht mitbekommen haben.

Im Anschluss an eine kurze Umbaupause entert dann AXEL RUDI PELL mit seiner All-Star-Truppe zu einem Mike-Oldfield-Intro die Bühne. Nach dem sehr enttäuschenden Auftritt in der Vorwoche in Gießen zeigt man sich heute von der gewohnt professionellen Seite und kommt auch gut an. Songs wie 'Tear Down The Walls', 'Strong As A Rock', 'The Masquerade Ball', 'Rock The Nation' und 'Mystica' lassen zwar jedes Innovationspotenzial vermissen, passen aber heute ganz gut und sorgen sogar für Zugaberufe.

Stellt sich abschließend noch eine entscheidende Frage: War der Abend 50 Euro wert? Ja!!!

Bild: Britta Stippich

SETLIST HEAVEN & HELL

- The Mob Rules

- Children Of The Sea

- I

- Bible Back

- Time Machine

- Drum Solo

- Fear

- Falling Off The Edge Of The World

- Follow The Fears

- Die Young

- Heaven And Hell

+++

- Neon Knights

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