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SALACIOUS GODS, MENHIR, ENTHRONED, VARG

Nocturnal Empire Festival 2007

Mit viel weniger Stress verbunden und vor allem gemütlicher und familiärer sind ja immer die kleineren Festivals. Wie zum Beispiel auch das Nocturnal Empire, das am 31.08 und 01.09.2007 zum dritten Mal in der Nähe von Erfurt stattfand. Hier standen in erster Linie Pagan und Black Metal auf dem Plan, wozu die malerische Landschaft den passenden Background schaffte. Der Wettergott war uns mit jeder Menge Sonnenschein auch gnädig, und im Festivalzelt waren die gut 300 Feierwütigen vor kleineren Regenschauern bestens geschützt.

Freitag

AKRASATRUM haben heute ihren ersten offiziellen Gig, allerdings scheint die Gruppe noch nicht allzu gut aufeinander eingestimmt; es fehlen die souveräne Auftrittsweise sowie das schwarzmetallische Äußere, und bei heiterem Sonnenschein ist natürlich noch nichts mit böser Atmosphäre. Die Soundprobleme stärken auch nicht unbedingt den Mut der Jungs, und so verläuft der Auftakt vorerst doch eher unspektakulär.

FIMBULVET steigern mit ihrem eingängigen Pagan Metal plus Viking-Unterschwelle die Stimmung schon erheblich, beeindruckend sind vor allem die vom Frontmann schnell gespielten Gitarrenpassagen in Kombination mit ruhigem, klarem Gesang, die einiges an Konzentration abverlangen und die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn des Mannes mit dem Kettenhemd treiben. Anschließend steigen die Black Metaller SYCRONOMICA auf die Bretter: Die Münchner haben nicht nur derbste Gitarrenriffs im Gepäck, sondern beglücken der geneigten Besucher Zentralohrgane mit nicht zu dominanten, aber eingängigen symphonischen Keyboardsounds - Dimmu, ick hör' dir trapsen - und einem fähigen Fronter, dessen Mimik und Gestik an Endstille-Boss Iblis erinnern. Die Band meistert die Herausforderungen in Form von Stromausfall und kaputter Bassdrum mit extrageilen Gitarren- bzw. Drumming-Einlagen.

FJOERGYN haben quasi Heimspiel und eine ordentlich bewegungswütige Fangemeinde vorzuweisen. Musikalisch sind die Jungs nicht von jetzt auf gleich einzuordnen - doch ich will meinen, ein ungewöhnliches, aus episch-melodischen Folk-, Black-, Pagan- und Viking-Elementen zusammengesetztes Konglomerat packt mich am Schopfe. Bei MENHIR sind wir am heidnischen Höhepunkt des Tages angelangt, in der Dunstglocke von Schweiß und Rauch dringt eindeutig exquisiter Pagan Metal der vielleicht famosesten deutschen Band dieser Sparte ans Ohr des gemeinen Naturmenschens. Nachdem man sich in musikalischen Fachkreisen schon darüber einig war, kommt das neue Album "Hildebrandslied" auch heute bombig an. Das Händchen fürs richtige Ambiente beweisen VARG mit aufgestellten Fackeln, antiquierter Wortwahl und der an Turisas erinnernden Maskerade. Wie Menhir hat man mit "Wolfszeit" eine neue Scheibe am Start, die bereits derbe eingeschlagen ist. Besser ist Pagan und Black Metal nicht zu vereinen.

Samstag

ANIMA SEMENTIS legen in puncto schwarzmetallischer Boshaftigkeit qualitativ wirklich weit vorn und hätten durchaus eine spätere Spielzeit verdient. Das Zelt ist wegen des doch eher niedrigen Bekanntheitsgrades der Truppe leider noch ziemlich leer, trotzdem leiert die Band nicht einfach emotionslos ihren Set herunter sondern müht sich nach Leibeskräften, die dröge Mannschaft aufzuwecken. Etwas Abwechslung bringen BLOODSTAINED COFFIN aus dem Erzgebirge mit solidem Death Metal der alten Schule, etwa vom Schlage Grave oder Vader, tadellos gespielt, und die ersten Suffis suhlen sich auch schon am Boden.

HELRITT haben gerade mal einen Longplayer auf dem Konto, aber werden schon gefeiert wie alte Hasen. Showtechnisch läuft noch nicht so viel, allerdings ist Sänger Reki gut bei Stimme und kann nicht nur kreischen, sondern auch mit klarer Stimme überzeugen. Die Death Metaller EMPTINESS aus Belgien geben live eine äußerst gute Figur ab. Besonders fesselnd hierbei der Mann an den Kesseln, der zwar eher aussieht wie der personifizierte Hardcore-Stereotyp, aber weiß, wie man drauf losprügelt und dem die Spielfreude wahrlich in das Gesicht geschrieben steht. DARK ARMAGEDDON stehen heute zum letzten Mal als diese auf der Bühne und überzeugen mit einem im positiven Sinn routiniert dargebotenen Programm. Unklar ist allerdings, warum die ganze Zeit ein doch noch recht junges Mädel auf der Bühne herumturnt und das unschuldige Publikum mit Kunstblut besudelt, sich zudem noch entblößen muss und albern bis peinlich herumgrölt, was nur von dem eigentlich musikalisch guten Black Metal ablenkt.

INSIGNIUM aus dem Ruhrpott erfinden den Black Metal zwar ebenfalls nicht neu, aber ihre Dynamik spricht für sich. Die Songs sind nicht sonderlich originell, krachen aber umso druckvoller und brachialer auf uns herab - ein bisschen Venom, Desaster und Darkthrone, lediglich der Sound ist klarer und basslastiger. In schnörkelloser Waldschratsgewandung präsentieren sich die Tschechen TROLLECH, deren "Forest Black Metal" bisher noch nicht allzu viele Ohren westlicherer Gefilde erreichte. Trotz der seltsamen Kutten und Kindergeburtstags-Corpsepaints sind einige richtig schwere Riffs dabei, die hängen bleiben und einfach mitreißen, so dass das Publikum zusehends in Fahrt kommt. Ebenfalls aus Tschechien kommt das Porn-Deathgrind-Urgestein ISCAARUM: Die hingegen verteidigen ihr krankes, perverses und militantes Image, und auch sonstige Verächter des Genres können bei den Schallwellen des aus den Boxen Klingenden nicht länger an sich halten. Der blutverschmierte Frontmann mimt, die abstrusen, anstößigen Texte keifend, den Besessenen. Die bizarren, aber doch sehr rhythmisch vereinten Black-Metal- und Industrial-Klänge mit verzerrten Gitarren kommen durchaus unverhofft und erhalten das Prädikat "Sehr Kult".

Die Co-Headliner SALACIOUS GODS sind sympathisch, dynamisch, mitreißend. Besser kann man Black Metal live nicht darbieten. Mit der richtigen Mischung aus schnellen und gesetzteren Riffs sowie gehörigen Tempowechseln blasen die Jungs mit extrageilen Songs wie 'Knekelvoeste', 'Sarin Attack' oder 'Black Bile Desecration' sämtliche Gehirne aus den Schädeln. Die Wurzeln alter Kreator, Samael und Tiamat sind noch heute zu vernehmen, und vor allem die unglaubliche Kommunikation der Band mit dem Publikum stößt auf begeistertes Feedback.

ENTHRONED sind schon 14 Jahre im Geschäft, und obwohl mittlerweile nicht mehr ein einziges Gründungsmitglied am Start ist, liefern sie eine souveräne, runde Show. Keine überflüssigen Büttenreden, nur roher Black Metal. Vom neuen Album hat man schon mal das erst treibende, dann eher sphärische 'Through The Cortex' mitgebracht, ältere Burner wie 'Infernal Flesh Massacre' oder 'Dance Of A Thousand Knives' zünden sowieso grundsätzlich.

Anschließend gab es noch eine kleine, gemütliche Runde in der lokalen Biker-Kneipe, um das Festival zu einem netten Abschluss zu bringen. Sowieso war spätestens an diesem Punkt klar, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sind: Bei denen, die trotz Stress immer freundlich blieben, die rastlos unterwegs waren, die ob der vermeintlichen finanziellen Einbußen Spaß hatten und schon fleißig am Billing für das nächste Jahr schrauben, das schon in zwei Wochen auf der Festival-Homepage vorgestellt wird. Bleibt nur noch zu hoffen, dass dann die entstehenden Kosten durch die Besucherzahl gedeckt werden können und dieses Festival den naturverbundenen Metallern erhalten bleibt. An dieser Stelle sei dem Veranstalter erneut Lob und Dank ausgesprochen, ohne derlei aufopferungsbereite Leute könnte sich die Szene fundierten Nachwuchs und entsprechende Untergrund-Events nämlich wohl bald von der Backe putzen.

Deswegen: Unterstützt den Untergrund, hier ist noch wahrlich der Spirit metallischen Ursprungs zu spüren.

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

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VARG + DEBAUCHERY + MILKING THE GOATMACHINE21.04.2017LeipzigHellraiserTickets
VARG + DEBAUCHERY + MILKING THE GOATMACHINE22.04.2017MünchenBackstage Tickets
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VARG + DEBAUCHERY + MILKING THE GOATMACHINE05.05.2017BerlinPostbahnhof Tickets
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