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FARIN URLAUB RACING TEAM

Hannover, AWD Hall

Die niedersächsische Landeshauptstadt an einem kalten Herbstabend 2006: Während die Fußballer von Hannover 96 bereits am 10. Spieltag der Saison 06/07 (mal wieder) im Abstiegskampf stecken und als Tabellen-Sechzehnter im Kellerduell gegen den Achtzehnten VfL Bochum antreten, spielt im Schatten der Südtribüne – also des Gästeblocks – FARIN URLAUB mit seinem RACING TEAM in der ehemaligen/umbenannten Stadionsporthalle.

Zwischen etwa 35.000 rot und einigen blau gekleideten Besuchern des Stadion-Areals, ziehen so also auch gut 5000 vornehmlich schwarz gekleidete Gestalten durch die vom Widerschein des Flutlichts erhellte Nacht. Ein irgendwie unwirkliches Szenario: Während aus der Arena die Anfeuerungsrufe der Fans herüberwehen, freuen sich vor der Sporthalle die Freunde gepflegter Rockmusik auf das Konzert des nicht gerade als fußballbegeistert verschrienen FARIN URLAUB. Trotzdem kann man sich erst nach dem Passieren der Eingangspforte ganz der Faszination Fußball entziehen und voll auf den bevorstehenden 'FU/RT'-Auftritt konzentrieren.

Fast pünktlich um 20.00 Uhr fällt dann der Vorhang. Und das RACING TEAM präsentiert sich bei der mittlerweile dritten Tour nach wie vor in ausgezeichneter Form. Ganz offensichtlich hat die Truppe um den singenden und Gitarre spielenden "Despoten" (Eigenbeschreibung) Spaß an den Auftritten. Unterstützt wird dieser Eindruck natürlich durch die textlichen Volltreffer des Band-Chefs; zum Beispiel bei 'Petze' ("Jetzt sitzt du den ganzen Tag zu Hause und gespannt / Wartest du, dass irgendwas passiert / Wenn ich mal huste, klopft es gleich an der Wand / Bist du damals auch auf Socken in Polen einmarschiert?") oder bei 'Noch Einmal' ("Hab' keine Flugzeuge im Bauch / Nein, es ist ein stabiler Arbeiterschuh!"). Wer nun aber denkt, dass es bei FARIN nur um Spaß, Party und Urlaub geht, der sollte sich die Freitod-Fantasie 'Unter Wasser' oder das hervorragend treffende 'O.K.' anhören. Es bleibt dabei: Das RACING TEAM strotzt vor Energie und versprüht fast noch mehr Rock'n'Roll-Attitüde, als die andere Band, in der FARIN ebenfalls singt und Gitarre spielt.

Deutlich wird das zum Beispiel, wenn man bei dem Live-Kracher 'Zehn' gerade Bier holt (ähem!), und sich das hervorgerufene Erdbeben-Spektakel in der ausverkauften Halle von den Rängen der Tribüne aus anschauen kann. Oder auch, wenn die Background-Sängerinnen Annette, Celina, Simone und Vanessa in ihrem schwarz-weißen Karomuster-Outfit – die NYPD-Uniform bei der letzten Tour war fast noch besser! – zum Intro von 'Dusche' auf alte Ölfässer eintrommeln. Dazu sorgen Nessie (Gitarre), Cindia (Bass), Rachel (Drums) und die Busters-Blechbläser für den nötigen Druck. Hier stimmt vom Opener 'Mehr' bis zum unvermeidlichen 'Abschiedslied' im Grunde alles. Ganz großes Pop-Punkrock-Tennis!

Noch was? Ach ja: 96 verlor gegen den VfL mit 0:2 und hat sich dadurch fest am Tabellenende etabliert. Aber wie meint Herr URLAUB? – "Traurig sein hat keinen Sinn / Die Sonne scheint auch weiterhin / Das macht den Schmerz ja so brutal / Die Sonne scheint, als wär' es ihr egal."

www.farin-urlaub.de