Online-MegazineFestivals & Live Reviews

SLIPKNOT, MÖTLEY CRÜE, SLAYER, MARILYN MANSON, VELVET REVOLVER, AVENGED SEVENFOLD, BULLET FOR MY VALENTINE

Rock am Ring 2004

Das Rock-am-Ring-Festival feierte dieses Jahr sein zwanzigstes Jubiläum, doch statt Vorfreude auf den Geburtstagstag gab es im Vorfeld unschönes Theater wegen des Gerüchtes, man habe die Böhsen Onkelz verpflichtet.

Nach der Absage von Limp Bizkit, die sich nach ihrer erschreckend schlechten EP "The Unquestionable Truth" verständlicherweise noch nicht fit fühlten und erst mal auf die Arbeiten am neuen Album konzentrieren wollten, kündigte Veranstalter Marek Lieberberg "eine der erfolgreichsten deutschen Bands" als Ersatz an, woraufhin die Spekulationen ausuferten. Nachdem das Abschlusskonzert der Onkelz am Lausitzring innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft war, wurden Stefan Weidner & Co als heißester Kandidat gehandelt. Obwohl dies nie offiziell bestätigt wurde, stieg der Bayrische Rundfunk als Präsentator aus, weil "der Veranstalter nicht definitiv und abschließend erklärt hat, dass die Böhsen Onkelz nicht als Überraschungs-Headliner spielen werden". Angeblich drohten neben einigen kleineren Bands auch Green Day mit einer Absage, was verständlicherweise für Unruhe sorgte. Die ganze Aufregung war jedoch umsonst, denn nachdem die alberne Geheimniskrämerei das ganze Wochenende über aufrecht erhalten wurde, entpuppten sich die Toten Hosen, die bereits letztes Jahr Headliner waren, als der ominöse Special Guest, der das Festival beschloss.

Von diesem ganzen Theater bekamen die 70.000 Besucher freilich nicht viel mit. Sie erfreuten sich vielmehr am verbesserten Bühnenaufbau, der dieses Jahr so gut gewählt war, dass sich die Schallwellen nicht ins Gehege kamen. Obwohl die Strecke zwischen der Mainstage und den beiden Nebenbühnen immer noch arg lang war, wurden die Wege breiter und fassten die Massen somit besser, was merklich zur Entspannung beitrug. Die Zahl der Toiletten war zumindest im Bereich der Mainstage großzügig bemessen, und das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen. Neben obligatorischen Angeboten wie Bungee-Juming begeisterte vor allem die so genannte "Urban Challenge": Eine Art Achterbahn für Geländewagen, auf die Hauptsponsor Suzuki die Besucher zur kostenlosen Mitfahrt in einem Jimny einlud. Der Offroad-Parcours mit Buckeln, Rampen, einem sechs Meter hohen Turm und Steigungen bis 78 Prozent war allerdings nicht für jeden Magen das Richtige.

Lob verdiente auch die technische Ausstattung: Sound und Licht erfüllten auf allen Bühnen gehobene Ansprüche, und die riesigen Leinwände neben den Bühnen sorgten dafür, dass auch die weiter hinten Stehenden noch viel mitbekamen - manchmal allerdings mehr, als ihnen lieb war, denn dieses Jahr hielt die amerikanische (Un-)Sitte Einzug, dass die Mädels, die in den Umbaupausen von den Kameras erfasst werden, blank zogen und ihre Möpse ins Bild hielten. Was nicht unbedingt bei allen von Vorteil war.

Ein Sonderlob verdiente sich die ausgesprochen besonnene Security, die lange Zeit mit einer Engelsgeduld die Crowdsurfer in Empfang nahm. Lediglich bei Slipknot gab es einige hässliche Szenen, als ein paar besonders aggressive Freaks mit Kabelbindern gefesselt werden mussten. Dies war jedoch die Ausnahme. Die Polizei zog ein positives Fazit, und auch die Sanitäter waren zumeist nur mit Betrunkenen beschäftigt. Das Team war auf alle Fälle vorbereitet: Es gab sogar eine Notfallseelsorge, an die sich Kollege Rafael Gryber anlässlich seines 40. Geburtstages vertrauensvoll wandte.

Nachdem es ein Wochenende zuvor beim Formel-1-Rennen noch strahlenden Sonnenschein und 35 Grad hatte, zeigte das Eifelwetter pünktlich zu Rock am Ring leider mal wieder seine hässliche Fratze: Nasskalte 15 Grad, vereinzelte Schauer und die Warnung vor Sturmböen machten das Campen nicht gerade zum Vergnügen. Wohl dem, der eine Pension oder ein Hotel hatte.

Freitag

Am Freitag standen die beiden Nebenbühnen ganz im Zeichen moderner, harter Sounds zwischen Nu Rock und Metalcore. Besonders gut gefielen uns die Newcomer 3 INCHES OF BLOOD, die mit ihrem Redneck-Asi-Touch ziemlich aggressiv rüberkamen. Die beiden Frontmänner sorgten sowohl für derbe Shouts als auch für Kopfstimmen-Gesang. In Verbindung mit der melodischen Gitarrenarbeit schön Oldschool! Für den krönenden Abschluss sorgte der Mitgröhl-Hit 'Deadly Sinners'.

PAPA ROACH haben sich mittlerweile zu einer zeitlosen Rockband entwickelt, die zwar durchaus modern, aber nicht um jeden Preis trendy klingt. Im Mittelpunkt der Show stand nach wie vor Energiebündel Coby. Der Frontmann hat deutlich abgenommen und fegte noch agiler als ohnehin schon über die Bühne. Neben Debüt-Hits wie 'Broken Home' und 'Last Resort' kam vor allem die Single 'Getting Away With Murder' groß an.

INCUBUS sind und bleiben dagegen eine dröge Live-Band. Die Musiker können zwar allesamt spielen und haben viel Gefühl sowie tolle Songs in petto, aber Entertainment sieht anders aus. Brandon Boyds gutes Aussehen alleine reicht nicht.

Auch MAROON 5 wirkten auf der großen Bühne etwas verloren. Die Hits ihres sensationellen Debüts sowie das abschließende Neil Young-Cover 'Rocking In The Free World' waren beim Publikum aber mehrheitsfähiger.

Wie's richtig geht, zeigten BULLET FOR MY VALENTINE. Die Newcomer aus Wales waren konsequent durchgestylt (schwarz gefärbte Haare, schwarze Shorts, schwarze Muscle-Shirts) und rockten auffallend selbstbewusst ab. Obwohl die Debüt-EP "Hand Of Blood" erst kurz vor dem Festival erschien, sangen schon erstaunlich viele Leute die Texte mit. Die Mischung aus Metallica, den Lost Prophets und einigen Metalcore-Elementen zog nach und nach immer mehr Leute an. Neben den fünf bekannten Stücken gab es übrigens auch schon einige viel versprechende Songs vom im September erscheinenden Album. Aus denen wird was!

LIFE OF AGONY hatten mit dem Problem zu kämpfen, dass viele schon zu Green Day in Richtung Hauptbühne unterwegs waren. Schade, denn die New Yorker boten eine grandiose Show. Sänger Keith Caputo hat zwar Joschka-Fischer-like immer noch Dutzende Sorgenfalten in seinem Gesicht und eine Mimik, als ob der Schmerz der ganzen Welt auf seinen Schultern lasten würde, aber seitdem er nicht mehr (so viel) kifft, ist seine Lethargie verschwunden. Er hat sich zu einer extrem charismatischen Bühnen-Persönlichkeit gemausert und suchte wie kein anderer Frontmann des Festivals den Kontakt zum Publikum. So verbrachte er locker ein Drittel der Show im Fotograben und umarmte dort die treuen LOA-Fans. Dank der aufmerksamen Kameraleute und der Großbildleinwände bekamen das auch die weiter hinter Stehenden mit. Die Setlist gefiel ebenfalls und mischte Klassiker wie 'River Runs Red', 'Lost At 22' und 'Underground' mit Stücken des überragenden neuen Albums "Broken Valley".

GREEN DAY fuhren wie schon auf der abgelaufenen Tour jede Menge Pomp auf: Bläser, kitschige Königs-Kostüme und passend dazu die gänzlich überflüssige Coverversion des inzwischen zu Tode genudelten Queen-Classics 'We Are The Champions'. Dass derlei Augenwischerei gar nicht nötig ist, zeigten die Publikumsreaktion bei den beiden Single-Hits 'American Idiot' (kollektives Ausrasten) und 'Boulevard Of Broken Dreams' (Gänsehaut-Chor aus 70.000 Kehlen). Das Fass lief endgültig über, als die Berkley-Boys Fans auf die Bühne holten, um sich von ihnen nach und nach an ihren Instrumenten ersetzen zu lassen. Die Amateur-Mucker machten ihre Sache bemerkenswert gut. Billy Joe war gar so beeindruckt, dass er seinem verdutzten Ersatzmann sogar seine Gitarre schenkte, damit der "ein Andenken" hat. Als ob diesen Auftritt jemand vergessen könnte.

Auch SLIPKNOT räumten voll ab. Das Gelände vor der Alternastage platzte aus allen Nähten. Die Iowa-Crew fühlt sich inzwischen so sicher, dass sie phasenweise sogar auf ihre albernen Masken verzichtete und sich nur mit schwarz geschminkten Gesichtern auf die Bühne wagte. Der Sound war äußerst fett und die Show zwar wild, aber bei weitem nicht mehr so chaotisch wie früher, sondern merklich strukturierter. In dieser Form ist das Geschrei um SLIPKNOT kein blöder Hype mehr, sondern gerechtfertigt! Höhepunkt des Auftritts war das Drumsolo: Während Joey Jordison spielte, fuhr sein Podest drei bis vier Meter in die Höhe, kippte dann um 90 Grad nach vorne und drehte sich. Killer! Genauso cool wie weiland Tommy Lee, der mit seinem Schlagzeugkäfig während des Solos einen Salto vollführte. Im Gegenzug stank Percussion-Player Chris Fehn völligst ab. Er turnte an und auf seinen Trommeln mehr herum als sie zu bearbeiten und wirkte wie der Boney-M-Tanzaffe für's neue Jahrtausend.

Samstag

Den Samstag eröffneten die TOWERS OF LONDON, eine bislang nur im Ausland erfolgreiche Glam-Street-Punk-Band, die als Wake-Up-Call genau das Richtige war. Vor allem Sänger Brannan, der ständig Taschenbillard spielte, sah so durchgerockt aus, als ob er bis unmittelbar vor dem Auftritt gezecht hätte. Der räudige Charme der Band drückte sich nicht nur im beeindruckend schlechten Outfit (weiße Spandex-Hosen, toupierte Vokuhila-Frisuren, selbst beschriftete T-Shirts mit Sprüchen wie "I bite your nose off"), sondern auch in der herrlich prolligen Ausstrahlung und Texten wie 'Fuck It Up' aus. 'On A Noose' ist zudem ein echter Hit!

HELMET sind auch im aktuellen Line-Up keine großen Entertainer, da die Musiker mit Ausnahme von Anthrax-Bassist Frank Bello hinter ihren Mikro-Ständern kleben. Das auffälligste Gimmick war noch Page Hamiltons schreiend hässliche, metallic-pinke Gitarre. Die deutschen Ansagen des Masterminds waren zwar gut gemeint, wirkten aber einfach zu süß und nett für so einen brachialen Sound. Mit den beiden unsterblichen Hits 'Unsung' und 'Meantime' gab es zumindest einen versöhnlichen Abschluss.

IN EXTREMO hatten Pech: Zum einen regnete es zu Beginn, und zum anderen gab es technische Probleme, die in einen zeitweiligen P.A.-Ausfall gipfelten. Überdies sahen die Musiker teils albern aus. So trug Dr. Pymonte eine Popper-Frisur, die wie ein aufgeklebtes Toupet aussah und das neue Outfit war mit seinem Mittelalter-meets-Kik-Textil-Diskont-Look nicht bei allen geschmackssicher. Abgesehen von diesen Äußerlichkeiten boten die Herren eine gewohnt engagierte Show, die zwar drei Songs vom neuen Album "Mein rasend Herz" enthielt, aber noch keine Elemente der kommenden Tour vorwegnahm. Vor allem bei 'Vollmond' schwappte die Stimmung zwar über, aber der Gig zählte sicher nicht zu den Sternstunden der Band.

PHANTOM PLANET entpuppten sich als überwertete Langeweiler. Sänger Alex Greenwald ließ jegliches Charisma vermissen und versteckte sich in seinem Kapuzenpulli. Alle warteten nur auf die von der Pro-7-Serie "O.C. California" bekannte Hitsingle 'Cafifornia', die die Band sich natürlich bis zum Schluss aufsparte.

Für SLAYER ist Sonnenschein eigentlich das falsche Ambiente und eine so große Bühne auch nicht gerade das Richtige. Tom Araya & Co wirkten aber trotz des schönen Wetters bedrohlich und nutzten den zur Verfügung stehenden Platz erstaunlich gut. Im Publikum trennte sich die Spreu vom Weizen: Entweder totale Begeisterung oder abgeschreckte Verwunderung. Das Finale geriet mit den drei Krachern 'Raining Blood', 'South Of Heaven' und 'Angel Of Death' furios.

Auch MÖTLEY CRÜE hatten eine geile Setlist und starteten mit 'Shout At The Devil' und 'Livewire' gleich voll durch. Dieser gute erste Eindruck schwand jedoch mit zunehmender Dauer, denn die Spielfreude und das Feuer fehlten. Vor allem der kranke Mick Mars, der inzwischen wie Alice Coopers Vater aussieht, quälte sich sichtlich. Auch der stark aufgedunsene Vince Neil war nur noch ein Schatten seiner selbst und hatte gesanglich deutliche Defizite. Dass selbst Vocal-Passagen vom Band kamen, ist inakzeptabel. Lediglich Nicki Sixx (mit Kriegsbemalung) und Tommy Lee wirkten noch fit. Die Showeinlagen mögen in den Achtzigern beeindruckend gewesen sein, aber in der Ära Rammstein und Manson können ein paar schäbige Stripperinnen und Silikon-Titten-Videos (bei 'Girls Girls Girls') oder ein feuerspuckender Zwerg (bei 'Anarchy In The UK') keinen mehr sonderlich beeindrucken. Die Resonanzen fielen daher eher bescheiden aus - nicht zuletzt wohl auch, weil das Publikum größtenteils zu jung war, um die guten Zeiten der Crüe miterlebt zu haben.

Die Stimmung bei MARILYN MANSON war dagegen euphorisch, obwohl das Konzert nur bedingt überzeugte. Neben dem starken Regen, dem miesen Gesang bei 'Dope Show' und einem zwischenzeitlichen Mikro-Ausfall war vor allem die nicht voll ausgereizte Spielzeit ein Manko. Außerdem gab es zu wenige Eigenkompositionen, denn gleich drei (!) Coverversionen ('Personal Jesus' von Depeche Mode, 'Tainted Love' von Soft Cell und 'Sweet Dreams' von den Eurythmics) in nur einer Stunde waren eindeutig zuviel des Guten. Die aufwändige Show (riesige Stelzen, viele Kostümierungen, verschiedene Backdrops und ein riesiger Monitor, über den Bilder von Hitler, Stalin und Bush flimmerten) war dafür einmal mehr großes Kino!

Nachdem IRON MAIDEN an selber Stelle bereits 2003 ihr immer noch aktuelles Album "Dance Of Death" präsentiert hatten, ließen sie sich für dieses Jahr etwas ganz Besonderes einfallen: Sie beschränkten die Setlist auf ihre ersten vier Alben! So kamen alte Juwelen zu neuen Ehren, die seit über 20 Jahren nicht mehr live gespielt worden sind, darunter 'Remember Tomorrow', 'Phantom Of The Opera' und 'Murders In The Rue Morgue'. Viele Zuschauer hatten Tränen in den Augen und sahen ihre Jugend an sich vorüber ziehen. Auch die Band schien von diesem Jungbrunnen beflügelt zu sein. So spielfreudig und gut aufgelegt hat man die Musiker lange nicht mehr gesehen! Insbesondere Bruce Dickinson, dessen Pony immer noch ein Argument gegen eine Kurzhaarfrisur ist, sprang kreuz und quer über die Bühne und sang dabei auch die Songs der DiAnno-Ära absolut souverän. Das Publikum rastete völlig aus und grölte Classics wie 'Run To The Hills' oder 'The Number Of The Beast' lautstark mit. Diese Setlist sollten Maiden für die nächsten Jahre konservieren!

Nach diesem Höhepunkt konnte es eigentlich nur noch bergab gehen, doch THE HIVES schafften es, das Niveau zu halten. Mit ihrem einheitlichen Outfit in weißen Sakkos versprühten die Retro-Rocker Las-Vegas-Charme, der von den Ansagen im Fernsehprediger-Stil noch betont wurde. Mit köstlicher Selbstironie in bester Gluecifer-Tradition führte der charismatische Sänger Pelle Alqvist durch das Programm und strapazierte nicht nur die Nacken-, sondern auch die Lachmuskeln. Mit seinem neuen Schnäuzer passte er bestens zwischen Porn-Star-Bassist Dr. Matt Destruction und Schweinchen-Babe-Gitarrist Vigilante Carlström. Was für arschcoole Freaks!

Sonntag

Die nächtliche Party forderte bei vielen ihren Tribut, aber AVENGEND SEVENFOLD holten die verkaterten Leute zügig aus den Zelten vor die Bühne. Die amerikanischen Newcomer wirkten erstaunlich selbstbewusst und kamen optisch wie die kleinen Brüder von Mötley Crüe rüber. Neben Sleaze fanden auch Punk-Rock-Parts und Elemente aus True-, Bombast- und Thrash-Metal den Weg in den total abgefahrenen Sound, der wie eine Jam-Session von Metallica, Pennywise und Blind Guardian klingt. An den Backdrops, Outfits, Gesten und Ansagen merkte man, dass die Musiker viel Spaß an Metal-Klischees haben und gerne mit ihnen spielen, sie aber stets mit dem nötigen Respekt behandeln. Könnte groß werden!

Ein gut aufgelegter Nick Royale und seine HELLACOPTERS beschränkten sich im Anschluss nicht nur auf die bewährten Standards, sondern nutzten die Gelegenheit, um einige Nummern des tags drauf erschienenen Albums "Rock & Roll Is Dead" zu präsentieren. Durch die positiven Reaktionen des Publikums hoch gepuscht, spielten sich die Schweden in einen wahren Rausch, der in einer schweißtreibenden Version des MC-5-Evergreens 'Kick Out The Jams' gipfelte.

MUDVAYNE kommen ohne Masken-Make-Up viel besser rüber, zumal Sänger Chad Grey mit seiner authentisch aggressiven Mimik tougher als jede geschminkte Fratze wirkt. Die Musiker beeindruckten mit erstklassiger Spieltechnik und metzelten sich mit gnadenloser Präzision durch ihr Set, dessen Schwerpunkt auf dem starken neuen Album "Lost And Found" lag. Da mit diesem Drittwerk bei weitem nicht alle Besucher vertraut waren, und das Material zu komplex ist, um gleich mitzugehen, fielen die Reaktionen trotz einiger ausflippender Die-Hard-Fans eher verhalten aus. Schade eigentlich.

Alle Besucher begeistern konnte dagegen BILLY IDOL, der erstaunlich fit wirkte und sichtlich Spaß auf der Bühne hatte. Neben der Best-Of-Setlist, die von den Klassikern 'Rebel Yell', 'Flesh For Fantasy' und 'Eyes Without A Face' über die geilen neuen Songs 'Super Overdirve' und 'Scream' bis zum Van-Halen-Cover 'Jump' reichte, trumpfte auch seine Band groß auf. Steve Stevens ist eh einer der unterbewertetsten Gitarristen überhaupt und Drummer Brian Tichy hat nicht nur einen verdammt harten Punch, sondern brillierte beim abschließenden 'Mony' auch noch mit einem Gitarrensolo, während Billy Idol ans Schlagzeug wechselte. Die Euphorie in der Menge kannte keine Grenzen. Perfekte Unterhaltung und das Comeback des Jahres!

HIM wurden von MTV-Unsympath Bam Margera angesagt, der auch backstage mit viel Dummgeschwätz unangenehm auffiel. Die Band präsentierte sich zwar spielfreudig, aber Sänger Ville, der arg aufgedunsen und blass aussah, hatte ganz offensichtlich schlechte Laune. Er kommunizierte kaum mit dem Publikum, rauchte mit verkniffenem Blick eine Kippe nach der anderen und lachte kein einziges Mal. Die Reaktionen auf Songs wie 'Wicked Game', 'Join Me' und 'Buried Alive By Love' waren trotzdem gut.

Nicht nur dem Namen nach war das New Talent Forum eine unpassende Bühne für SUBWAY TO SALLY, sondern auch von der Größe her. Erwartungsgemäß sprengten die vielen Fans der Band den Platz vor der Bühne und standen weit die Start-Ziel-Gerade hoch. Die Potsdamer bedankten sich mit einer Best-Of-Setlist, einer ausgesprochen engagierten Show und zahlreichen Gimmicks wie der immer wieder imposanten Feuerwerfer-Einlage. Der neue Drummer Simon feierte einen souveränen Einstand und die Musiker freuten sich sichtlich über die massiven Zugabe-Rufe, die noch einige Minuten nach dem Ende des Gigs erklangen. Räuber saufen Blut!

Bei VELVET REVOLVER stand Scott Wieland mit seinem Lederschwulen-Outfit und seinen komischen Bewegungen zwischen Ballerina und Helge Schneider optisch im Mittelpunkt. Gesanglich ist er aber bei weitem nicht mehr so gut wie früher drauf. Dass seiner Stimme inzwischen Kraft und Volumen fehlen, merkte man vor allem im direkten Vergleich bei der Stone-Temple-Pilots-Nummer 'Sex Type Thing', zu der sich noch die beiden GNR-Kompositionen 'It´s So Easy' und 'Mr.Brownstone' sowie das Pink-Floyd-Cover 'Wish You Were Here' gesellten. Mit einer beeindruckend fetten Deko (riesige Leuchtbuchstaben) und einem engagierten Auftritt hinterließen die Superstars einen besseren Eindruck als auf der teils etwas lustlosen Clubtour. An das Flair ihrer alten Bands konnten sie dennoch nicht anknüpfen.

 

<em>Rafael Gryber</em>

<em>Tanja Künzel</em>

Reviews

SLIPKNOT - Day Of The GusanoRH #366 - 2017
(Roadrunner/Warner)Shawn Crahan hasst zwar feste Regeln, aber zumindest halten S...
MARILYN MANSON - Heaven Upside DownRH #365 - 2017
Caroline/Universal (47:27)MARILYN MANSON ist nicht der erste Künstler, der auf ...
SLAYER - Repentless Vol. 1RH #359 - 2017
(Dark Horse)SLAYER goes Comic: Die Totschläger machen ihrem Namen alle Ehre und...
AVENGED SEVENFOLD - The StageRH #355 - 2016
Capitol/Universal (73:40)Mit einem live übertragenen Gig vom Dach des Capitol-G...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Ich liebe die ersten fünf SLAYER-Longplayer - „...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Über SLAYERs zwölftes Album ist schon viel Kram ...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Die neue SLAYER ist geil. So einfach ist das. Was ...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Unnahbarkeit und Finsternis machten schon immer SL...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Was hat man SLAYER nicht alles nachgesagt: Die Ban...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) SLAYER-Hit-Lieferant Jeff Hanneman verstorben, Ori...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Für Kerry King ist „Repentless“ schon jetzt e...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) SLAYER werden auch fast 30 Jahre später immer noc...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Thrash- und Metal-Fans auf der ganzen Welt dürfte...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Ein Album voller Licht und Schatten. Die schnellen...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Hanneman ist tot, Lombardo (mal wieder) raus, Holt...
SLAYER - RepentlessRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Warner (41:57) Ganz ehrlich: Ich habe in den letzten Monaten deut...
MARILYN MANSON - The Pale EmperorRH #333 - 2015
Vertigo/Universal (52:04)Während „Born Villain“ noch im besseren Mittelmaß...
SLIPKNOT - .5: The Gray ChapterRH #331 - 2014
Roadrunner/Warner (63:57)Weder durch den Abgang von Schlagzeuger Joey Jordison n...
AVENGED SEVENFOLD - Hail To The KingRH #317 - 2013
Warner (53:26) Seit ihrer Gründung im Jahre 1999 haben AVENGED SEVENFOLD eine ...
BULLET FOR MY VALENTINE - Temper TemperRH #311 - 2013
Sony (45:38) „Temper Temper“ ist über weite Strecken nur noch ein Schatten...
SLIPKNOT - Antennas To HellRH #303 - 2012
Roadrunner/Warner (70:43) Zwei Jahre nach dem Tod von Bassist Paul Gray veröff...
VELVET REVOLVER - Live In HolustonRH #303 - 2012
(Eagle Vision/Edel) Zwei etwas ältere Live-Mitschnitte enthält diese Blu-ray-...
MARILYN MANSON - Born VillainRH #301 - 2012
Universal (59:17) „Born Villain“ schließt qualitativ da an, wo „The High...
AVENGED SEVENFOLD - NightmareRH #281 - 2010
Roadrunner/Warner (67:17) AVENGED SEVENFOLD haben es auf „Nightmare“ gesc...
BULLET FOR MY VALENTINE - FEVERRH #276 - 2010
Dass BULLET FOR MY VALENTINE auf Langeisen Nummer drei keinen Millimeter von ihr...
SLAYER - World Painted BloodRH #270 - 2009
Da ist sie also, die neue SLAYER. Und sie klingt wie... na ja, wie SLAYER halt. ...
MARILYN MANSON - The High End Of LowRH #266 - 2009
Interscope/Universal (75:35)  Man muss nichts beschönigen: „Eat Me, Dri...
SLIPKNOT - All Hope Is GoneRH #257 - 2008
Roadrunner/Warner (57:43) Ist „All Hope Is Gone“ das letzte SLIPKNOT-Albu...
MÖTLEY CRÜE - Saints Of Los AngelesRH #255 - 2008
(44:09) Die bereits vor längerer Zeit im Internet veröffentlichte Single ´Sa...
BULLET FOR MY VALENTINE - Scream Aim FireRH #249 - 2008
(53:44) Mit ihrem Debüt feierten BULLET FOR MY VALENTINE sensationelle Erfolge...
AVENGED SEVENFOLD - Avenged SevenfoldRH #246 - 2007
(53:04) Nach einem völlig missratenen Erstling und dem guten, stark metalcorig...
MARILYN MANSON - Eat Me, Drink MeRH #243 - 2007
„Eat Me, Drink Me“ klingt schaurig, dreckig und depressiv. Ein wenig erinner...
MÖTLEY CRÜE - Greatest HitsRH #243 - 1998
Zwar existieren SOCIAL DISTORTION mittlerweile schon fast 30 Jahre, haben es in ...
SLAYER - Christ IllusionRH #232 - 2006
(38:34) Seit zwölf Jahren, also seit dem Album „Divine Intervention“, konn...
MÖTLEY CRÜE - Carnival Of Sins RH #229 - 2006
(104:08) Nach 'Red, White & Crüe' (Best-of-Doppel) und der Konzert-DVD 'Carni...
SLIPKNOT - 9.0: LiveRH #223 - 2005
(118:10) Auf weit über hundert Minuten präsentieren sich die bekanntesten Mas...
BULLET FOR MY VALENTINE - The PoisonRH #221 - 2005
(45:47) Es gibt nicht viele Bands, die es lediglich mit einer EP und einer Hand...
AVENGED SEVENFOLD - City Of EvilRH #218 - 2005
(72:50) Das Bandmaskottchen, ein Totenkopf mit Fledermausflügeln, ist frech vo...
BULLET FOR MY VALENTINE - Bullet For My Valentine
(18:10) Da haben sich G.U.N. Records aber einen Rohdiamanten geangelt! BULLET F...
SLIPKNOT - Vol. 3: (The Subliminal Verses)RH #206 - 2004
(60:17) Schon beim Albumopener ?Prelude 3.0?, einem düsteren Mix aus Limp-Bizk...
VELVET REVOLVER - ContrabandRH #205 - 2004
(56:57) Guns-N´Roses- und Snakepit-Fans werden wohl erst mal kräftig schlucke...
SLIPKNOT - Welcome To Our NeighborhoodRH #201 - 2003
Die DVD-Wiederveröffentlichung des mit 20 Minuten Laufzeit extrem flachbrüstig...
MARILYN MANSON - The Golden Age Of GrotesqueRH #194 - 2003
(61:15) Obwohl das Vorgänger-Album "Holy Wood" (2000) und der Beinah...
SLIPKNOT - Desaster PiecesRH #188 - 2002
Wenn SLIPKNOT auf der Bühne durchdrehen, dann richtig. Im Februar ließen sie e...
MARILYN MANSON - Guns, God And Government World TourRH #188 - 2003
Blut, Sex, Ekel, Zerstörung, Endzeitvisionen und nebenbei auch noch ein wenig M...
MARILYN MANSON - Dancing With The Antichrist
Von 1989 bis Anfang der Neunziger geisterte Selfmade-Maniac Brian Warner mit sei...
SLIPKNOT - IowaRH #174 - 2001
Meine Meinung zu SLIPKNOTs Debüt hat sich bis heute nicht geändert: Von Anfang...
SLAYER - God Hates Us AllRH #173 - 2001
In den vorab geführten Interviews kündigten SLAYER mehrfach an, dass sie sich ...
MARILYN MANSON - Holy WoodRH #163 - 2000
Brian Warner alias Marilyn Manson ist ein Image-Chamäleon. Mit dem '96er Album ...
MÖTLEY CRÜE - New TattooRH #160 - 2000
Das Vince Neil-Rückkehrer-Album "Generation Swine" war im Nachhinein ein fauler...
MARILYN MANSON - The Last Tour On EarthRH #152 - 2000
Man kann trefflich darüber streiten, ob es Sinn macht, nach nur vier Album-Ver...
MÖTLEY CRÜE - Live: Entertainment Or DeathRH #152 - 1999
Nach 17 Jahren Bandgeschichte ist die Veröffentlichung eines Live-Albums längs...
SLIPKNOT - SlipknotRH #146 - 1999
Man stelle sich das so vor: Ein Industrial-Implantat im Ohr, mit dem auch Death-...
MÖTLEY CRÜE - Greatest HitsRH #139 - 1998
Woran erkennt man, daß Weihnachten ist? Richtig: erstens an genervten Studenten...
MARILYN MANSON - Mechanical AnimalsRH #138 - 1998
Der dritte Akt des selbsternannten "Antichrist Superstar" und der ande...
SLAYER - Diabolus In MusicaRH #134 - 1998
Sieht man von der Veröffentlichung "Undisputed Attitude'' ab (die neben zwölf ...
MÖTLEY CRÜE - Generation SwineRH #121 - 1997
Die L.A.-Boys sind nach jahrelanger Pause an künstlerischer Verwirrung erkrankt...
MARILYN MANSON - Antichrist SuperstarRH #116 - 1997
Amerika braucht den Hype, und einer DER Hypes vor zwei Jahren waren MARILYN MANS...
SLAYER - Selected & Exhumed
Der Titel deutet es an: Das neue Werk von Araya & Co. ist so eine Art "Garage Da...
SLAYER - Divine InterventionRH #89 - 1994
Wer das SLAYER-Interview in der letzten Ausgabe gelesen hat, wird verstehen, da...
MÖTLEY CRÜE - Mötley CrüeRH #83 - 1994
Für mich die Überraschung des Monats! Wer hätte gedacht, daß ausgerechnet M...
MÖTLEY CRÜE - Decade Of DecadenceRH #55 - 1991
Wow, hätte gar nicht gedacht, das MÖTLEY CRÜE solch ein sicheres Händchen be...
SLAYER - Decade Of AggressionRH #55 - 1991
Mr. King und Mr. Lombardo haben es im Interview bereits auf den Punkt gebracht: ...
SLAYER - Seasons In The AbyssRH #44 - 1990
Wenn die Frage auftaucht, wer die nächste Band nach Metallica sein wird, die au...
MÖTLEY CRÜE - Dr. FeelgoodRH #35 - 1989
Es ist MÖTLEY CRÜE gelungen, was ich der Band nach dem beschissenen"Girls..."-...
SLAYER - South Of HeavenRH #28 - 1988
"Reign In Blood" war ein (vielleicht sogar DER) Meilenstein der Thrashgeschichte...
SLAYER - Live UndeadRH #24 - 1984
Tja, was soll man zu dieser Platte groß schreiben? 150prozentige SLAYER-Fans we...
SLAYER - Reign In BloodRH #19 - 1986
Sehr geehrte Damen, Herren und Rock Hard-Leser: Sie haben hier vier langhaarige,...
MÖTLEY CRÜE - Theatre Of PainRH #13 - 1985
It's Poser-Time, Mann. Mit ihrer dritten LP sind MÖTLEY CRÜE nun ndgültig im ...
SLAYER - Hell AwaitsRH #11 - 1985
Kurzes Intro, schleppende Riffs, ein Break, und dann - SPEED!!! 40 Minuten lang ...
SLAYER - Show No MercyRH #4 - 1983
Ebenfalls neu von Metal Blade sind SLAYER. Sicher habt ihr die SLAYER-Story auf ...
MÖTLEY CRÜE - Shout At The Devil1983
Es gab Zeiten, in denen man sich mangels vernünftiger Informationsquellen noch ...
SLAYER - Seasons In The Abyss1990
Nach sechs Jahren, in denen keine andere Thrash-Band ernsthaft am Thron der Szen...
SLAYER - South Of Heaven1988
Es gab nach der Abrissbirne „Reign In Blood“ nur einen gangbaren Weg für To...
SLAYER - Hell Awaits1985
„Hell Awaits“ war ohne Übertreibung ein Quantensprung in der Welt des damal...
SLAYER - Reign In Blood1986
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich eines Tages anstelle der son...