Classic Albums

Classic Albums 20.02.2012

THIN LIZZY - Thunder And Lightning (1983)

1983 verabschiedeten sich THIN LIZZY mit einem passenderweise „Thunder And Lightning“ betitelten Donnerschlag von ihren Fans. Gründungsmitglied Brian Downey (dr.) und Keyboarder Darren Wharton erinnern sich an die Aufnahmen eines echten Klassikers.

Brian, Darren, was fällt euch spontan ein, wenn ihr an die Aufnahme-Sessions zu „Thunder And Lightning“ denkt?

Brian: »Dass Chris Tsangarides einige Monate vor den Aufnahmen vorgeschlagen hatte, John Sykes als zweiten Gitarristen in die Band aufzunehmen. Er kannte John von den Tygers Of Pan Tang und war der Meinung, dass er der perfekte Partner für Scott Gorham wäre. Wir probten nur einmal zusammen, und dann war klar, dass John der richtige Mann für THIN LIZZY war.«

Darren: »Für mich ist „Thunder And Lightning“ unser „Night time“-Album, weil der Großteil der Aufnahmen in der Nacht stattfand. Ich wohnte zur damaligen Zeit zusammen mit Phil Lynott in dessen Haus in Kew Gardens, und wir gingen meist extrem spät ins Studio.«

Habt ihr bei der Probe, die Brian gerade angesprochen hat, nicht die John-Sykes-Single ´Please Don´t Leave Me´ aufgenommen?

Brian: »Ja, haben wir. Ich spielte die Drums, Phil den Bass, und Darren war als Keyboarder beteiligt. Soweit ich mich erinnere, war diese Single-Aufnahme nötig, weil John seine rechtlichen Verpflichtungen gegenüber seinem damaligen Label erfüllen musste.«

Was für einen Eindruck hattest du von Sykes?

Brian: »Wir kamen auf Anhieb gut miteinander aus, und sein Gitarrenspiel war wirklich beeindruckend.«

Darren: »Allerdings. Er brachte mit seinem Stil eine ziemliche Heaviness in die Aufnahmen.«

Die Vorproduktion zu „Thunder And Lightning“ habt ihr in Irland durchgezogen, während die eigentlichen Aufnahmen im Boathouse-Studio von The Whos Pete Townshend stattfanden.

Brian: »Das war ein tolles Studio, und mit meinem wuchtigen Drumsound bin ich noch heute zufrieden. Weil John ein viel aggressiverer Gitarrist als sein Vorgänger Snowy White war, ging unser Material natürlich in eine heftigere Richtung. Selbst wenn ich rückblickend einige Sachen ändern würde, muss ich sagen, dass die Platte auch heute noch frisch und energievoll klingt. Sie ist in Würde gealtert. Schön war auch, dass Tageslicht in den Kontrollraum des Studios fiel. Da hatten wir schon in ganz anderen Bunkern aufgenommen (lacht).«

Weil der Albumvorgänger „Renegade“ hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, dürftet ihr bei den Aufnahmen zu „Thunder And Lightning“ ziemlich unter Druck gestanden haben.

Darren: »Hinter den Kulissen mag es Druck gegeben haben, aber im Studio war davon nichts zu spüren. Ich war damals allerdings so grün hinter den Ohren, dass ich mich eh nur auf meine Arbeit konzentriert habe.«

Brian: »Ich kann heute noch nicht verstehen, warum „Renegade“ so schlechte Reviews erhielt, denn ich finde die Platte immer noch stark. Vielleicht waren wir aber auch selber schuld an der Situation, denn dadurch, dass wir ständig die Gitarristen wechselten, haben die Leute irgendwann den Überblick verloren. Brian Robertson wurde durch Gary Moore ersetzt, für ihn kam als temporärer Ersatz Midge Ure, danach war plötzlich Snowy White, den viele Leute als nicht passend ansahen, an der Reihe. Wir haben die Fans damals ziemlich verwirrt.«

Zumal Phil zu dieser Zeit auch noch seine Solokarriere forcierte.

Brian: »Selbst ich verlor den Überblick. Manchmal rief er mich an und sagte: „Hey Brian, morgen steht eine Session an!“ Und ich fragte dann: „Für wen? Für dein Solomaterial oder für THIN LIZZY?“«

War es zum damaligen Zeitpunkt hart, mit Scott und Phil zu arbeiten, die beide unter ihrer Drogenabhängigkeit litten?

Brian: »Nein. Als Gründungsmitglied von Lizzy war es eh immer mein Anspruch, der Band so gut wie möglich zu helfen. Es war manchmal frustrierend, die beiden so zu sehen, aber Phil war - egal, in welchem Zustand - immer brillant. Hart war es nur, wenn bis morgens fünf oder sechs Uhr im Studio immer noch nichts passiert war. Aber selbst das machte mir nichts aus. Ich ging dann einfach zu Bett, während Phil weitermachte. Er war ein echtes Arbeitstier. Dass die Drogen seine Gesundheit massiv gefährdeten, habe ich damals nicht mitbekommen.«

Hat er seine Drogen vor euch versteckt?

Brian: »Bis zu einem gewissen Punkt. Direkt vor meiner Nase hat er nie Drogen genommen. Er verließ immer das Zimmer, und wenn er 20 Minuten später wiederkam, war er high. Als ich nach seinem Tod feststellte, wie schlimm es wirklich um ihn stand, war ich total geschockt. Zwei Jahre vorher, als wir die Band auflösten, hatte er die Sache noch im Griff.«

Darren: »Phil kam immer erst um zehn oder elf Uhr abends ins Studio, und das war kein besonders gutes Zeichen. Etwaige persönliche Probleme wurden nicht mehr diskutiert, weil wir in unterschiedlichen Zeitzonen lebten. Es war aber nie so, dass Drogen im Studio herumlagen oder offen konsumiert wurden.«

Parallel zur Veröffentlichung von „Thunder And Lightning“ habt ihr eure Abschiedstour angekündigt.

Brian: »Jeder wollte THIN LIZZY ein letztes Mal sehen. Die Tour war für drei Monate geplant und dauerte letzten Endes ein Jahr, weil ständig neue Auftrittsangebote hereinkamen.«

Und obwohl die Band zu diesem Zeitpunkt so groß wie lange nicht gewesen ist, habt ihr THIN LIZZY tatsächlich aufgelöst. Konntet ihr euch mit diesem Entschluss anfreunden?

Brian: »Nein, und ich führte heftige Diskussionen mit unserem Management. Phil wollte musikalisch etwas völlig anderes als mit THIN LIZZY machen, und ich schlug ihm vor, eine einjährige Pause einzulegen. Andererseits wäre es in dieser Zeit schwer gewesen, finanziell zu überleben, denn obwohl die Abschiedstour eine Menge Geld eingebracht hatte, standen wir bei unserem Label noch in der Kreide.«

Darren: »Niemand in der Band dachte, dass es tatsächlich unsere letzte Tour sein würde. Ich spürte, dass wir dringend eine Pause benötigten, aber der Plan war, THIN LIZZY danach wieder aufleben zu lassen.«

Was sind eure Lieblingssongs auf „Thunder And Lightning“?

Brian: »´Holy War´. Phil und ich saßen alleine im Studio, und er spielte mit diesem Bassriff herum, das den Song einleitet. Ich klemmte mich hinter das Schlagzeug, und ehe wir uns versahen, stand die Nummer. Ich mag den fast hypnotischen Schlagzeug- und Bass-Groove. Und dann stehe ich auf ´Cold Sweat´, die erste Single des Albums, denn bei aller Härte hat die Nummer kommerzielles Potenzial. Auch das speedige Titelstück zieht mich noch heute in seinen Bann.«

Darren: »Mich auch. Ich erinnere mich gut daran, wie Phil mit den Vocals zu der Nummer gekämpft hat, denn das Stück versprüht pures Adrenalin. ´The Sun Goes Down´ ist auch herausragend. Die Idee zu der Nummer hatten wir während der Vorproduktion in Dublin. Brian und Scott hatten sich verspätet, und ich experimentierte gemeinsam mit Phil an der Nummer herum.«

Du, Darren, hast sogar vier Songwriting-Credits auf der Scheibe.

Darren: »Dadurch, dass ich mit Phil zusammenlebte, war es nicht schwierig, auf seine Ideen einzugehen und sie entsprechend auszuarbeiten. Zudem hat uns die harte Produktion von Chris Tsangarides, der für seine Arbeit mit Metalbands bekannt war, zusätzlich motiviert.«

Abschließend noch eure Meinung zum Coverartwork.

Brian: »Wir entschieden uns gegen eine Arbeit unseres bisherigen Designers Jim Fitzpatrick, weil seine Artworks immer sehr keltisch waren. Von diesem Stil wollten wir weg, denn das Album ist das wohl härteste der Bandgeschichte, und wir waren nicht mehr die Truppe, die „Johnny The Fox“ oder „Chinatown“ aufgenommen hatte.«

Darren: »Das Artwork ist sehr interessant, aber ich habe bis heute nicht verstanden, was die Faust, die aus der Kohle emporkommt, bedeuten soll (lacht).«

www.myspace.com/thinlizzynow
www.thinlizzyguide.com

Das Line-up auf „Thunder And Lightning“:

Phil Lynott (v./b.)
Scott Gorham (g.)
John Sykes (g.)
Darren Wharton (keys)
Brian Downey (dr.)

Fakten, Fakten, Fakten

Songs: 9
Spielzeit: 41:00 
Produktion: Thin Lizzy & Chris Tsangarides

DISKOGRAFIE (nur Studioalben)

Thin Lizzy (1971)
Shades Of A Blue Orphanage (1972)
Vagabonds Of The Western World (1973)
Night Life (1974)
Fighting (1975)
Jailbreak (1976)
Johnny The Fox (1976)
Bad Reputation (1977)
Black Rose (1979)
Chinatown (1980)
Renegade (1981)
Thunder And Lightning (1983)

Bands:
THIN LIZZY
Autor:
Thomas Kupfer

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