Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.10.2012

ADRAMELCH , GRIM REAPER , ATTICK DEMONS - SWORDBROTHERS FESTIVAL XI

Andernach, JuZ

Trotz des zu Parkplatzpartys verleitenden Kaiserwetters zollen bereits überraschend viele der 400 Anwesenden dem Opener IRON FATE Tribut. Nicht zu Unrecht, denn mit Sänger Denis haben die Jungs aus dem Harz eine der besten Metal-Sirenen Deutschlands in ihren Reihen. Aber auch das überwiegend schnelle Songmaterial, das im Laufe des Sets immer öfter an Bands wie Cage oder Priest erinnert, weiß zu gefallen. Die Optik (Aria-Aufnäher, Satan- und Goddess-Of-Desire-Shirts) sowieso - hier sind Überzeugungstäter am Werk. Einziger Kritikpunkt: Die Wahl des handwerklich superb vorgetragenen ´Holy Diver´-Covers ist nicht besonders originell.

Als originell kann man hingegen die Songstrukturen von SCARLATYNA aus Hessen bezeichnen. Epischer, kraftvoll vor sich hin galoppierender US-Metal mit leichtem Kauzeinschlag. Sänger Chris wechselt ständig zwischen Boltendahl-mäßiger Vokal-Grobmotorik und hohen Stimmlagen, die an die leicht durchgeknallte Dramatik eines Mike „Earthshake" Quimby von Skullview erinnern, hin und her. Cool! Showhöhepunkt ist das geile ´The Tower´, bei dem Chris gemeinsam mit den Fans im Publikum bangend den Refrain anstimmt.

Als die Mexikaner SPLIT HEAVEN mit großem Engagement in ihren Set starten, ist die Halle so gut gefüllt wie erst später wieder bei Adramelch. Über die Kleidsamkeit des Sombreros in Nationalfarben, den der Gitarrist zu Beginn der Show zur Schau trägt, lässt sich streiten, nicht jedoch über die unglaubliche Ähnlichkeit von Sänger José zu Russ North von Cloven Hoof. Auch stimmlich muss sich der Gute nicht hinter seinem Lookalike verstecken. Für die Nordamerikaner wird ihr Auftritt jedenfalls zum Heimspiel, und man sieht sie noch Stunden später mit eingemeißeltem Lächeln über das Gelände flanieren.

ATTICK DEMONS aus Portugal entpuppen sich als echte Überraschung und verweisen die Vorbands in Sachen Professionalität eindeutig auf die Plätze. Mit Sänger Artur steht - unterstützt von gleich drei Gitarristen - ein weiterer großartiger Frontmann auf der Festivalbühne. Nicht die einzigen Parallelen zu Iron Maiden, an deren mittlere Schaffensphase jeder zweite Song erinnert. Das in den Set eingestreute ´Under Jolly Roger´-Cover von Running Wild ist zwar erneut nicht originell, sorgt aber für mächtig Stimmung.

Die sehnlich erwarteten DEXTER WARD starten mit ´Antarctic Dream´ in den Set. Sänger Marco „Mark" Dexters coole Performance der Marke Rob Halford 1982 sowie mächtige Songs wie ´Ghostrider´ oder das magische Riffmonster ´Back To Saigon´ versetzen die anwesenden Fans schnell in Verzückung. Gitarrist Manolis, Marcos ehemaliger Weggefährte bei Battleroar, scheint wirklich magische Finger zu haben. Und Maidens ´Powerslave´ passt nicht nur gut zur Atmosphäre, die die Band in den Raum zu weben versteht, sondern ist auch ein eher selten nachgespieltes Stück. Mehr davon! (bc)

Nachdem sich Bruder Cle den Underground-Acts angenommen hat, starten zur „Sportschau"-Zeit die Bands mit einer umfangreicheren Diskografie. Bei PHANTOM-X leert sich die Halle allerdings etwas. Mit „This Is War" hatten die Texaner zuletzt aufhorchen lassen, sie können den hohen Erwartungen allerdings nicht ganz gerecht werden. Einerseits ist das Material vom aktuellen Album den Stücken des Vorgängers nicht gewachsen, andererseits kann Frontmann Kevin Goocher seinen Redefluss nicht bremsen, und gleich zwei Cover (Black Sabbath und Iron Maiden) sind auch zu viel des Guten.

Ganz anders TAD MOROSE, deren letztes Album bereits neun Jahre zurückliegt und die ein unerwartetes und beeindruckendes Lebenszeichen geben. Christer „Krunt" Andersson hat ein nahezu komplett neues Line-up am Start, das bereits perfekt harmoniert. Ebenso überraschend, dass es keine reine Retro-Show gibt, sondern mehrere starke neue Nummern vorgestellt werden. Geboten wird das volle Power-Metal-Brett, wobei man sich über die Setlist (die Band kann aus sieben Alben auswählen, bringt aber nichts vom legendären Debüt) streiten darf. Trotzdem: Kompliment an die Herren aus Bollnäs. Apropos Bollnäs: Wie wäre es nächstes Jahr mit ihren Kumpels von Morgana Lefay an selber Stelle? Im Publikum befinden sich heute übrigens auch die Jungs von Sabaton, die einen Day-off in Andernach einlegen und sich sicherlich gerne an ihre Auftritte hier erinnern.

Nachdem sich ADRAMELCH beim Keep It True fast ausschließlich auf ihr Debüt konzentrierten, gibt´s heute einen repräsentativen Querschnitt ihrer drei Alben, und der hat es in sich. Keine Ahnung, was den Kollegen Jaschinski in Heft 304 geritten hat, die Ausnahmeband als Epic-Heulbojen zu diffamieren. Wenn es eine Band schafft, epischen, melancholischen und progressiven Metal meisterlich zu verbinden, dann die Italiener. So ist deren Auftritt auch ganz großes Kino zum Genießen.

Zu GRIM REAPER ist der Schuppen dann voll, und offensichtlich hat Mastermind Steve Grimmett neben seinen Aktivitäten bei Sanity Days wieder Bock auf seine neu formierte Stammband. Gut so, denn die Briten bieten einen wahren Headliner-Auftritt mit einer gelungenen Mischung ihrer drei Alben aus den Achtzigern, und im Gegensatz zu seiner Zweitband ist der Sänger hier mit Ausnahme des Dio-Covers textsicher. Mit ´Rock You To Hell´, ´Now Or Never´, ´Fear No Evil´ oder ´Never Coming Back´ jagt ein Ohrwurm den anderen. So wird einmal mehr deutlich, dass die Truppe zum britischen Kulturgut zählt. Absoluter Höhepunkt natürlich die Schlussnummer ´See You In Hell´, die von wirklich jedem in der Halle mitgesungen wird und zu einem amtlichen Bühnensturm führt. Besser kann das Festival wahrlich nicht enden!

Fazit: Ein weiteres Mal hat sich die Reise an den Rhein voll gelohnt. Unverständlich nur, dass das Festival bei dem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis nicht ausverkauft ist. Sicher sein darf man, dass Volker Raabe und sein Team auch 2013 wieder ein ansprechendes Programm auf die Reihe kriegen werden. (wk)

Das Rock-Hard-Banner haben in Andernach hochgehalten: BRUDER CLE (bc) und WOLFRAM KÜPER (wk)

Pic: Jennifer-Christin Wolf

Bands:
ADRAMELCH
GRIM REAPER
ATTICK DEMONS
Autor:
Wolfram Küper
Bruder Cle

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