Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 30.08.2017

VINCE NEIL , GRIM REAPER , RIOT V , HAMMERFALL , SAXON , ROSE TATTOO , VENOM , MICHAEL SCHENKER , SEPULTURA , DEATH ANGEL , AXXIS , ENTOMBED A.D. , SATYRICON , DOKKEN - Sommer, Sonne, Rock´n´Roll

Nee, was war das schön: Das BANG YOUR HEAD, das im kommenden Jahr auf dem Messegelände in Balingen sein 20. Open-Air-Jubiläum feiern wird, zählt seit jeher zu den angenehmsten, entspanntesten und rundum gelungensten Festivals der Republik. Ehrensache, dass das Rock Hard auch in diesem Jahr wieder eine Delegation in den (meist) sonnigen Süden entsandte.

Donnerstag

Nachdem uns Petrus, Thor, der Wetterdämon oder wer auch immer am gestrigen Abend noch ausgiebig mit Regengüssen gefoppt hat, erquicken sich die verstreuten BYH-Frühaufsteher am strahlenden Sonnenschein, als KILLCODE den Donnerstag auf der Hauptbühne eröffnen. Die Heavy-Southern-Rocker aus New York freuen sich sichtlich, bereits zum zweiten Mal in Folge Gäste in Balingen zu sein. Zu Recht: Fronter Tom Morrissey und seine Jungs legen mit ihrer Show die Groove-Messlatte ziemlich hoch.
CRYSTAL VIPER entern stilecht in Leder und Nieten die Bühne. Die polnische Metal-Truppe um Frontröhre und Gitarristin Marta Gabriel verausgabt sich für die deutschen Fans, beschwört mit ´Metal Nation´ den Zusammenhalt der großen Metal-Familie und wird dafür von selbiger – sofern bereits vor der Stage – lautstark gefeiert.
TOXIK thrashen im Anschluss selbst den verschlafensten (oder verkatertsten?) Zuschauern den Schlaf aus den Knochen. Die US-Gang zeigt sich nach ihrer Reunion brachial und hungrig nach Bühnenluft, aber auch emotional, als sie einem gerade verstorbenen Freund den Song ´47 Seconds Of Sanity/Count Your Blessings´ widmet.
GLORYHAMMER haben weder Angst vor Klischees noch vor Selbstironie, dafür aber offenbar eine Riesenfreude daran, in ihren schreiend bunten Mittelalter-trifft-Weltraum-Kostümen die Zuschauer zu bespaßen – was in diesem Fall absolut positiv gemeint ist. Die Power-Metaller um Sänger Thomas Winkler und Alestorm-Fronter Christopher Bowes am Keyboard versprühen beste Laune mit ihrer verrückten Art, bewusst auf die Spitze getriebenen Fantasy-Stereotypen und textlich reichlich schrägen, nichtsdestotrotz aber eingängigen und ansteckenden Songs wie ´Questlords Of Inverness, Ride To The Galactic Fortress!´ und ´The Unicorn Invasion Of Dundee´. Amüsante, kurzweilige Show!
Da wir gerade bei Kostümen sind: ORDEN OGAN haben sich, passend zum neuen Album „Gunmen“, in sommerliche Wildwest-Mäntel geschmissen und lassen sich von zwei mechanischen Cowboy-Gruselzombie-Figuren bewachen, die mit glühenden Augen und sich bewegenden Köpfen ihre Schrotflinten aufs Publikum richten. Statt ihre Setlist komplett auf die neue Platte auszurichten, zocken Seeb, Tobi & Co. lieber einen Querschnitt der Fan-Favoriten. Hitze und Schweißströme hin oder her – die Jungs legen sich mächtig ins Zeug und haben sich die schallenden Zugabe-Rufe redlich verdient. (am)
SLAUGHTER geben heute ihr verspätetes Deutschland-Debüt, und eigentlich sind die Erwartungen nicht so hoch. Aber Überraschung: Die Truppe um Dana Strum und Sänger Mark Slaughter legt einen klasse Hair-Metal-Auftritt hin. Den beiden Veteranen stiehlt allerdings ihr Drummer Zoltan Chaney die Show. Einmalig, was der Kerl an Verrenkungen und Showeffekten bringt. Kein Wunder, dass er bei einer anderen Band am Samstag noch mal im Einsatz ist. Im Mittelpunkt der Show stehen natürlich die Single-Hits ´Fly To The Angels´ und ´Up All Night´. Unverständlich, dass der Rest unserer Reisegesellschaft (wie auch ein großer Teil der Leute, mit denen der Rest der Reisegesellschaft im Verlauf des Festivals gequatscht hat... - Red.) die Show anders einschätzt. Einig sind wir uns allerdings, dass Mark Slaughter bei der Dio/Sabbath-Hommage ´Heaven And Hell´ stimmlich an seine Grenzen stößt.
Cronos müsste eigentlich schlecht gelaunt sein, denn vor Jahren waren VENOM beim BYH noch als Headliner am Start, und nun muss er auch noch vor Satyricon auf die Bühne, die es ohne sein Schaffenswerk in den Achtzigern wohl gar nicht geben würde. Aber getäuscht. Der Basser und seine Sidekicks sind bestens drauf. Sogar zu gut, denn einen lächelnden Cronos will eigentlich keiner auf der Bühne sehen. Nachdem der Auftritt anfangs nicht so recht in Fahrt kommt, hat es das große Finale mit ´Countess Bathory´, ´Warhead´, ´Black Metal´ und ´Witching Hour´ natürlich in sich. Der Funkenregen, die Feuer- und Nebelfontänen wirken bei Tageslicht allerdings albern, und so schafft es das Trio nicht, die notwendige Atmosphäre zu erzeugen, die zur Magie einer Venom-Show dazugehört.
SATYRICON punkten erst mal mit einem gigantischen Bühnenbild von Hieronymus Bosch. Was folgt, ist ein Black-Metal-Orkan, wie ihn das BYH noch nicht gesehen hat. Keine Ahnung, ob Cronos den Auftritt der Norweger verfolgt hat, er dürfte aber sicherlich mit Genugtuung registrieren, wozu sein Einfluss geführt hat. So walzen die Norweger durch ihren Set, wobei man sich fragt, wie Drummer Frost die Doppelbelastung Spielen und Bangen dermaßen souverän hinbekommt. Statt eines Roadies braucht er eher einen Chiropraktiker.
Die BYH-Hausband SAXON hat für den heutigen Auftritt die Old-School-Eagle-Dekoration angekündigt, und so stehen zu Beginn des Sets nach den Titelsongs der beiden letzten Alben und ´Let Me Feel Your Power´ ausschließlich Klassiker der Briten auf dem Programm. Dabei kommt der leuchtende Stahladler erstmals zur Mitte des Gigs zum Einsatz und sorgt für Gänsehaut. Die große Überraschung ist aber Gitarrist Paul Quinn, der sich heute ungewohnt beweglich zeigt. Cool auch, dass sich Biff, Nibbs Carter und Doug Scarratt Kutten von Fans aus dem Publikum überstreifen und damit einmal mehr ihre Szeneverbundenheit bezeugen. Musikalisch gibt es daran natürlich keine Zweifel, wenn man NWOBHM-Hymnen wie ´The Eagle Has Landed´, ´747 (Strangers In The Night)´, ´Strong Arm Of The Law´, ´Heavy Metal Thunder´, ´Princess Of The Night´, ´Wheels Of Steel´ und ´Denim And Leather´ aneinanderreihen kann. Ein würdiger Headliner-Auftritt. (wk)

Freitag

DEAD LORD verstehen es nicht nur in Clubs, sondern auch auf der riesigen Festival-Bühne, eine gute Figur abzugeben. Dabei lassen sie sich selbst von den widrigen Umständen (frühe Uhrzeit, starker Regen und entsprechend wenige Leute am Start) nicht irritieren und sorgen mit ihrem Lizzy-lastigen Sound für einen formidablen Wake-up-Call. Insbesondere Frontmann Hakim Krim begeistert mit cooler Körpersprache und einem hinter seinem Kopf gespielten Gitarrensolo.
Bei BULLET kommt die Sonne raus, und es füllt sich langsam. Sänger Hell Hofer wirkt noch etwas wonneproppiger als bisher, was vielleicht auch an seinem nicht gerade vorteilhaften Samt-Cape mit Tiger-Stick liegen mag – optisch ist bei den Schweden ja eh „bad taste“ Programm. Die Songs machen wie immer mächtig Laune, aber ich habe die Band schon deutlich besser gesehen. Sie beraubt sich nämlich selbst ihrer Dynamik, indem sie alle zwei, drei Songs von der Bühne geht und Intros laufen lässt. Dazu wirken Sperenzchen wie ein Sensenmann mit Amboss oder ein explodierender Amp mit Püppchen drin etwas albern.
Wie sich herumgesprochen haben dürfte, musste Steve Grimmetts rechtes Bein wegen einer aggressiven Infektion ab dem Knie amputiert werden. Dementsprechend ist er bei der Show von GRIM REAPER natürlich gehandicapt, schlägt sich aber höchst respektabel. Er singt mit Kopfmikro teils im Stehen auf eine Krücke gestützt und teils sitzend im Rollstuhl, mit dem er flott über die Bühne fegt. Das nötigt dem Publikum großen Respekt ab und sorgt für eine tolle Resonanz, zumal Steve stark singt und von einer spielfreudigen Band flankiert wird, die Balingen to hell rockt.
LEE AARON hat sich optisch wie stimmlich toll gehalten. Es scheint so, dass die meisten Zuschauer ein größeres Interesse am Gucken als am Hören haben. Der eher überschaubare Abgeh-Faktor im Publikum kann allerdings auch an der Setlist mit viel zu vielen Stücken jüngeren Datums und einem erst noch erscheinenden Bluesstück liegen. So sehr Lee top gestylt ist, so sehr wirkt ihre Begleitband zusammengewürfelt. Spielerisch ist sie freilich über jeden Zweifel erhaben, und zumindest Gitarrist Sean Kelly, der bei Helix war, besitzt den nötigen Rock-Appeal. (ms)
RIOT V haben hierzulande zuletzt im Rahmen des letztjährigen Rock Hard Festivals den Beweis angetreten, dass sie auch in der aktuellen Inkarnation eine absolute Live-Macht sind. Dass die Herrschaften aber mal locker alles in Grund und Boden spielen, was es heute bisher auf der Mainstage zu sehen gab, durfte man trotzdem nicht unbedingt erwarten. Ganz im Ernst: Todd Michael Hall singt, als wäre er in seinen Zwanzigern, das Gitarren-Duo Flyntz/Lee wirft sich gegenseitig die Bälle zu, die Rhythmus-Fraktion tickt wie ein Uhrwerk. Dass die Band obendrein auch noch richtig Spaß an ihrem Gig hat, macht die Sache nur noch sympathischer. Die Menge dankt´s und schmettert Kracher wie ´Swords & Tequila´ aus vollem Halse mit.
Dass MAGNUM im Anschluss fast etwas langweilig rüberkommen, liegt beileibe nicht an der Leistung der Musiker oder der von Frontmann Bob Catley, der wie immer erstklassig singt und auf der Bühne den charmanten Gentleman gibt, sondern eher daran, dass fluffiger Goodtime-Hardrock nach dem Riot´schen Abriss doch merklich den aufgebauten Schwung rausnimmt. Dennoch: Vor der Bühne schwingen die Damen munter das Tanzbein (allen voran, ihr ahnt es schon, unsere Alexxx), hinten wird´s derweil halt etwas leerer, was in Anbetracht des Programms, das gleich noch folgen soll, aber auch irgendwo verständlich ist – irgendwann braucht halt auch der hartgesottenste Headbanger mal ´ne Atempause.
„Die klingen ja wie AC/DC“, entfährt es überrascht einer jungen Dame, die neben mir steht, als KROKUS loslegen. Ja, tun sie in der Tat – aber das weiß man ja nicht erst seit gestern. Die Eidgenossen-Connection, die inzwischen seit über vier (!) Jahrzehnten (und somit nicht wesentlich kürzer als die musikalisch verwandten, deutlich berühmteren Herrschaften aus Australien) ihr Ding durchzieht, ist seit jeher ein Garant für energiegeladene, gut gelaunte Shows. Heute besinnt sich die Band auf ihre Frühphase und zockt neben drei Coversongs (´American Woman´, ´Rockin´ In The Free World´ und ´The Mighty Quinn´) sowie dem Titeltrack des 2006er Albums „Hellraiser“ ausschließlich Material aus den Achtzigern, was beim old-schooligen Publikum hervorragend ankommt.
Und apropos gut ankommen: Wenn man sich in der Menge umblickt, kann man neben unzähligen Mötley-Crüe-Shirts (Vince, logo!) eine nicht unerhebliche Anzahl von ROSE TATTOO-Leibchen erspähen. Dass es bei der Show der zweitberühmtesten australischen Rockgruppe rappelvoll werden würde, konnte man also ahnen – und tatsächlich findet sich gefühlt JEDER Besucher des Festivals vor der Mainstage ein, um Frontmann Angry Anderson und seine Mannen zu sehen. Gut so, denn wer diesen Gig verpasst hat, kann sich im Nachhinein ordentlich in den Hintern beißen: Die Band spielt einen Hit nach dem anderen (´Assault & Battery´!, ´The Butcher And Fast Eddy´!, ´Bad Boys For Love´!, ´Rock´n´Roll Outlaw´!, ´Nice Boys´! und, und, und... Noch Fragen? Nein? Gut!), Anderson strahlt mit seinen 69 Jahren mehr Energie als mancher nicht mal halb so alte Musiker aus, während das Publikum der Truppe aus der Hand frisst und die lautesten Chöre des Festivals anstimmt. Wow!
Dass ich ein riesiger Mötley-Crüe-Fan bin, dürfte jeder, der dieses Heft schon eine Weile verfolgt, wissen. Ich gehöre also zu den Leuten, die sich auf den bereits im vergangenen Jahr angekündigten Headliner-Auftritt von Crüe-Frontmann VINCE NEIL wirklich gefreut haben (fragt mal den Rest der Redaktion, was er in den vergangenen Wochen erdulden musste...). Insofern, das könnt ihr mir glauben, macht es mir keine Freude, die folgenden Zeilen zu schreiben, aber es hilft ja nix. Beginnen wir ausnahmsweise mal am Ende: Kurz nachdem sich Vince mit ´Live Wire´ verabschiedet hat, kommt BYH-Veranstalter Horst Franz auf die Bühne, um ein paar deutliche Worte über die Show zu sagen. Die Details könnt ihr online nachlesen, es gibt inzwischen auch ein offizielles Statement auf der Website des Festivals. An dieser Stelle nur so viel: Horst erntet reichlich Applaus aus den Reihen des Publikums. Zurück auf Anfang: Vince soll zusammen mit seiner Begleitband, bestehend aus Jeff Blando (g.), Dana Strum (b.) und Zoltan Chaney (dr.) von Slaughter, einen Headlinerset spielen, der laut Running Order auf 90 Minuten angesetzt ist. Mit etwa zehnminütiger Verspätung (kann passieren) läuft als Intro AC/DCs ´For Those About To Rock´, danach kommen Vince und Band auf die Bühne, um gemeinsam fünf Mötley-Songs zu zocken. Nach ´Shout At The Devil´ verlässt der Fronter die Stage – augenscheinlich, um dem Rest der Truppe Zeit für eine kurze Solo-Einlage zu liefern – und kehrt erst eine knappe Viertelstunde später wieder zurück, nachdem die Band drei Coversongs (gesungen von Herrn Blando) gespielt hat. Danach gibt´s noch mal vier Crüe-Songs, bevor sich die gesamte Mannschaft zehn Minuten vor Ablauf der Spielzeit von dannen macht. Bumms, aus die Maus. Alle Kritik an der musikalischen Leistung an dieser Stelle mal außen vor gelassen (ja, Mr. Neils Gesangsleistung ist durchwachsen, aber das weiß man seit Jahrzehnten, und nein, Slaughter sind nicht Mötley Crüe, doch das hat auch niemand erwartet): Das war echt ´ne oberpeinliche Nummer. (jp)

Samstag

Schicken wir erst mal Genesungswünsche an Charly Steinhauer, denn der muss mit Paradox gesundheitsbedingt zum zweiten Mal absagen, und so rutschen auf seinen Vorschlag hin ASSASSIN ins Billing. Die liefern einen ordentlichen Thrash-Set ab und stellen ihren neuen Frontmann vor. Der macht einen guten Job, für den Asofaktor in der Band ist allerdings Frank Blackfire verantwortlich. Was dessen ständige Wasserspuckerei soll, bleibt sein Geheimnis. Gelungener Auftakt.
VAIN entschädigen alle, die noch vom Vince-Neil-Desaster unter Schock stehen. Cooler kann ein Hair-Metal-Act (sofern man mit seinem Hippietouch noch in diese Kategorie passt) heutzutage kaum rüberkommen. Immer in Bewegung, sorgt der Bandnamensgeber vor allem durch seine philosophischen Einlagen für Entertainment und hat mit ´Secrets´, ´Down For The 3rd Time´ oder ´Icy´ klasse Nummern im Programm. In Sachen Stimme, Sympathie, Lockerheit, Authentizität und Spielfreude schlägt der Barfüßler Vince Neil um Längen.
Bei RAVEN ist Lockerheit weniger angesagt, da Drummer Joe Hasselvander wegen eines Herzanfalls kurzfristig durch den Kollegen von Fear Factory (!) ersetzt werden muss. Keine leichte Aufgabe, die die Rückschläge erprobten Gallagher-Brüder (all for one, one for all!) allerdings souverän meistern. Zelebriert werden nach dem Opener Höhepunkte der schnellen Seite der NWOBHM. Unnötig nur das abschließende ´Born To Be Wild´-Cover.
DIAMOND HEAD setzen den NWOBHM-Doppelpack fort, und Brian Tatler weiß, dass bei einem solchen Festival Klassiker gefragt sind. Davon hat er mit seiner reformierten Truppe einige zu bieten. Klar, dass die aber alle im Schatten der Schlussnummer ´Am I Evil?´ stehen.
Bei VICIOUS RUMORS hat sich das Besetzungskarussell wieder kräftig gedreht, und dabei überrascht/erfreut die Rückkehr von Frontmann Brian Allen, der immer noch gut bei Stimme ist und als einziger Musiker des Festivals eine Crowdsurfing-Einlage wagt. Dass der Auftritt ein Triumphzug wird, liegt natürlich auch an der Setlist, die außer ´Let The Garden Burn´ nur Klassiker des US-Metal bietet. (wk)
Als alter Fanboy habe ich mich tierisch auf DOKKEN gefreut, aber schon bei den ersten Klängen zeigt sich, dass Mastermind Don kaum noch bei Stimme ist. Das weiß er wohl auch selbst und verzichtet daher auf höher und anspruchsvoller zu singende Klassiker wie ´Lightnin´ Strikes Again´, ´It´s Not Love´ und ´Unchain The Night´. Dank der Hilfe der exzellenten Zweitstimme von Bassist Chris McCarvill gehen die Vocals gerade noch als akzeptabel durch. Gitarrist John Levin kommt Legende George Lynch spielerisch recht nahe und kann auch cool posen. Hits wie ´Breaking The Chains´, ´Kiss Of Death´ oder ´Into The Fire´ werden dankbar aufgenommen, wenngleich die lustlos-lahme Körpersprache von Don, der mit seinem tief ins Gesicht gezogenen Hut kaum zu erkennen ist, schon aufreizend frech ist. Man kann mit deutlich mehr Würde altern…
KATAKLYSM haben es mit ihrem vergleichsweise harten Sound schwer beim BYH-Publikum und machen bei einigen Ansagen auch keinen Hehl daraus, dass vor der Bühne doch mehr abgehen dürfte. An der Show der Kanadier kann es eigentlich nicht liegen: Mit exzellentem Sound feuern sie ihre Midtempo-Grooves und Blast-Attacken ab und lassen dabei ordentlich die Propeller fliegen.
Das MICHAEL SCHENKER FEST ist mindestens das Highlight des Tages, wenn nicht gar des ganzen Festivals. Mit unbändiger Spielfreude und ganz viel Gefühl wird Michael eins mit seiner Flying-V – selbst bei langen Solopassagen wie in ´Rock Bottom´ kommt keine Langeweile auf. Lediglich seine englischen Ansagen wirken bei einem Deutschen in Deutschland immer noch befremdlich. Von den drei MSG-Sängern macht Gary Barden den Anfang und zieht sich mehr als achtbar aus der Affäre. Graham Bonnet wagt mit einem leuchtend pinken Sakko anschließend einen gewagten Auftritt, bleibt stimmlich aber wie schon auf seinem aktuellen Soloalbum eher schwach. Umso mehr begeistert Robin McAuley, der fit wie vor 30 Jahren über die Bühne fegt und auch noch genauso gut singt. Konsequenterweise wird ihm auch der größte Teil des Sets eingeräumt, der nach einer ausgiebigen MSG-Zeitreise mit UFOs ´Doctor Doctor´ und sehr viel Applaus zu Ende geht.
Danach wird es für HAMMERFALL natürlich schwer, obwohl sie mit einem Special-Set zu ihrem wohl unstrittig besten Album „Glory To The Brave“ einen echten Trumpf in petto haben. Mit riesigem Backdrop, fetten CO2-Kanonen und natürlich vielen Flammen fahren die Schweden groß auf und machen auch mit ihrem gekonnt choreografierten Stageacting eine gute Figur. Unterstützt werden sie dabei von dem schwedischen Folk-Trio Draupner, dessen Gefiedel bei den härteren Songs jedoch ziemlich untergeht und nur bei den Balladen entsprechend Raum bekommt. Apropos: Hinten heraus wird es für meinen Geschmack entschieden zu seicht, was dem Publikum angesichts der euphorischen Resonanzen jedoch weitgehend egal zu sein scheint. (ms)

Es bangten fleißig ihre Heads: Jens Peters (jp), Alexandra Michels (am), Marcus Schleutermann (ms) und Wolfram Küper (wk). Die Fotos schoss Alexandra Zackiewicz.


DIE HALLE

Mittwoch


Wie schon in den vergangenen Jahren wird die Halle im Rahmen der Warm-up-Party bereits einen Tag vor der Hauptbühne bespielt. Den Opener geben heute STORMWARRIOR, die bereits 2014 am Eröffnungstag ran durften und somit alte Bekannte sind. Auf Platte seit Jahren ´ne sichere Bank, enttäuscht die Truppe um Fronter Lars Ramcke auch live nicht und liefert ´ne knappe Stunde rundum ehrlichen Teutonen-Stahl.
BLOODBOUND haben sich im Laufe ihrer inzwischen 13-jährigen Karriere zwar von ´ner astreinen Power-Metal-Band mit Maiden-Einflüssen zu so einer Art „Sabaton light“ heruntergewirtschaftet, wissen aber immer noch, wie man ein Publikum abholt. An der Show der Schweden gibt´s dementsprechend nichts auszusetzen, und wer auf Heldenchöre und reichlich Keyboard-Bombast steht, hat ´nen richtig guten Tag.
„JensJensJensJens, wir müssen unbedingt ANGEL DUST gucken“, lag mir Frollein Michels schon Wochen vor dem BYH in den Ohren, während sie unsere heiligen Redaktionshallen in Dauerrotation mit ´Bleed´ beschallte. Hätte ich natürlich sowieso gemacht, denn immerhin steht die im vergangenen Jahr (wieder mal) reformierte Truppe in dem Ruf, ein hervorragender Live-Act zu sein. Eben jenem wird sie heute gerecht, wenn auch die erste Hälfte des Sets ein wenig am (genau wie schon bei den vorangegangenen Acts) viel zu leisen Sound krankt. Egal – spätestens mit ´Bleed´ ist der Drops dann gelutscht, die Halle geht steil, alles ist gut.
SANCTUARY sind seit ´ner Weile wieder voll da, und die Entscheidung, die Band heute auf die Position des Co-Headliners zu buchen, stellt sich als goldrichtig heraus: Die Truppe ist spielfreudig, Frontmann Warrel Dane wirkt wieder deutlich vitaler als noch vor einiger Zeit, und auch die Setlist lässt kaum Wünsche offen. Runde Sache, die Bock auf mehr macht.
Headliner auf der Warm-up-Party zu sein, ist keine einfache Aufgabe: DEATH ANGEL dürfen erst um 0:30 Uhr auf die Bretter, und ein guter Teil des Publikums ist zu diesem Zeitpunkt bereits entweder entkräftet, vollkommen besoffen oder gar schon abgehauen. Macht aber nichts, denn von solchen Lappalien lassen sich die Thrasher um Frontmann Mark Osegueda die Laune nicht verhageln, und dementsprechend brennt die Bande ein 90-minütiges Song-Feuerwerk ab, das beweist, dass sie völlig zu Recht auf dieser Position steht. Nächstes Jahr hoffentlich auf der Hauptbühne! (jp)

Donnerstag

Nach der unerträglichen Farce von Slaughter auf der Hauptbühne ist das Kontrastprogramm in der Halle eine Wohltat. ECLIPSE begeistern mit natürlichem Auftreten und einer Spielfreude, die ihresgleichen sucht. Vor allem Mastermind Erik Martensson reißt mit seiner leidenschaftlichen Bühnenpräsenz mit und singt wie ein junger Gott. Die zahlreich Anwesenden stimmen in die Refrains der knackigen Gute-Laune-Ohrwürmer und unkitschigen Balladen lautstark ein und sorgen für Gänsehautstimmung. Bezeichnend, dass der Hallenboden bereits nach drei Songs vom verschütteten Bier so klebrig ist, dass er einem im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe auszieht. Für mich persönlich der Tagessieger!
DEMON spielen wie schon beim Rock Hard Festival einen gut gewählten Best-of-Set, der mit seinen vielen Klassikern für prächtige Stimmung sorgt. Neben den hymnischen Refrains punkten vor allem die edlen Gitarrensoli. Allerdings stört mich nach wie vor die optische Präsentation von Dave Hill, denn zur epischen Musik und seinem charismatischen Gesang passen seine albernen Grimassen (weit aufgerissene Augen, Zunge raus) einfach nicht. Daher Abzüge in der B-Note.
MANEGARM haben die Arschkarte und müssen parallel zum Hauptbühnen-Headliner ran. Zudem ist ihr folkig angehauchter Viking Metal nicht gerade der typische Sound der Bang-Your-Head-Klientel. Entsprechend leer ist es, und die etwas statische Performance wird nur von einer kleinen Schar Die-hard-Fans goutiert.
Auch bei DENNER/SHERMANN ist es selbst nach dem Ende von Saxon recht leer. Sänger Sean Peck kommt mit seinem arroganten Auftreten ausgesprochen unsympathisch rüber. Im bodenlangen Ledermantel gibt er einen Rob Halford für Arme. Die beiden Namensgeber sind zwar lebende Legenden, aber der Funke will nicht so recht überspringen. Die eingestreuten Mercyful-Fate-Songs sind jedenfalls nicht immer sofort zu erkennen, was auch – aber nicht nur – am matschigen Sound liegt. Eher enttäuschend.
Der Name von SEPULTURA ist größer als der aktuelle Status der Band, was sich am höchst überschaubaren Zuschauerzuspruch ablesen lässt. Das ist schon etwas tragisch und ungerecht, denn objektiv kann man der Band nichts vorwerfen: Derrick Green gibt mal wieder einen imposanten Frontmann ab, und auch spielerisch ist alles top – alleine der Spirit der früheren Tage fehlt halt. (ms)

Freitag

Während seit seiner Trennung von Rage sein alter Weggefährte Peavy einen gelungenen Befreiungsschlag hingelegt hat, konnte sich auch Victor Smolski mittlerweile mit ALMANAC etablieren, muss sich aber noch mit der Opener-Rolle zufriedengeben. Diese füllt er mit seiner kostümierten Truppe allerdings souverän aus. Dank seiner drei Frontleute Jeanette Marchewka (bemerkenswert, wie agil die Lady mit ihren hohen Absätzen über die Bühne fegt), Andy B. Franck (der es sich bei seinem Heimspiel nicht nehmen lässt, bei den Ansagen durchweg zu schwäbeln) und David Readman ist für Bühnen-Action gesorgt. Aber auch der Zeremonienmeister selber spielt, als ginge es um sein Leben. Letztlich zeigt der Auftritt, der auch neues Material sowie einen Ausflug in Victors Rage-Vergangenheit (interessante ´Empty Hollow´-Version) bietet, dass sein Ausstieg bei Rage Sinn machte, denn eine solche Spielfreude wie heute schafft man nur, wenn die Bandchemie stimmt.
PARAGON bieten genau das, was man von den Hamburgern erwartet: zeitlosen Heavy Metal mit einer Menge Herzblut. Vielleicht hilft der Auftritt den Nordlichtern auch, die Erlebnisse des letzten Chaoswochenendes in ihrer Heimatstadt zu verarbeiten. Absolut tight reiht das Quintett eine Hymne an die andere und hinterlässt nach den beiden Schlussnummern ´Armies Of The Tyrant´ und ´Thunderstorm´ ein restlos zufriedenes Publikum. (wk)
ANGELUS APATRIDA spielen zeitlich zwar gegen den Mainstage-Headliner Vince Neil an, dürften an diesem Abend jedoch spielerisch die bessere Alternative sein (vergleicht den Bericht des etwas desillusionierten Kollegen Peters). Dementsprechend freuen sich die Spanier auch über einen stetig wachsenden Zuschauerstrom und halten das Publikum mit einer Mischung aus Bay-Area-Thrash, Metallica- und Maiden-Einflüssen, ungebändigter Spielfreude und ansteckend guter Laune bei der Stange.
ENTOMBED A.D. lassen den Hallenabend mit einer unerwarteten Intensität ausklingen. Bandkopf Lars Göran Petrov demonstriert wiederholt seine Deutschkenntnisse, indem er die Fans fragt, ob alles gut sei, hätte sich das Nachhaken allerdings sparen können – brachial und bis in die Fingerspitzen motiviert gibt die Gruppe allen Anwesenden erfolgreiche Live-Nachhilfe in Sachen Schwedentod. Ein mehr als würdiger Freitags-Headliner für die Halle.

Samstag


THE UNITY werden bereits beim Betreten der Bühne lautstark bejubelt. Den Vorschusslorbeeren werden die Herren schnell gerecht, die  – mal metallisch, mal hardrockend – eine musikalische Party auf der Stage lostreten. Mit Henjo Richter und Michael Ehré von Gamma Ray sind hier zwei alte Bekannte am Werk – der wahre Star der Show ist aber eindeutig Sänger Gianba Manenti, der sich als Goldkehlchen und geborener Entertainer entpuppt.
DISBELIEF setzen im Anschluss einen stilistischen Kontrast: Frontmann Karsten „Jagger“ Jäger und seine Crew ballern den Anwesenden mit ihrem spielerisch präzisen Extrem-Metal die Ohren weg und scheinen sämtliche Energie in diesem einstündigen Gig zu bündeln. Schade, dass sich der Großteil der Festivalgänger draußen bei Schenker & Co. tummelt – bei dieser intensiven BYH-Premiere hätten Disbelief eine randvolle Halle verdient.
EVIL INVADERS können sich über mangelnden Publikumszuspruch nicht beklagen und reißen augenblicklich ein irres, astreines Speed-Metal-Feuerwerk ab, das selbst die bereits ein wenig festivalmüden Fans binnen kürzester Zeit wieder munter macht. Schade nur, dass man Joe, Max & Co. auf der Bühne lediglich schemenhaft wahrnimmt, weil sie es mit der Nebelmaschine ein bisschen übertreiben. Die Einladung auf den ´Stairway To Insanity´ nehmen die Fans dennoch allzu gerne an, auch wenn die Band scheinbar eine Abkürzung nimmt und die Bühne gute 15 Minuten zu früh verlässt.
AXXIS schließen den Tag mit einer Show ab, bei der die Ruhrpott-Rocker Spielfreude aus jeder Pore versprühen und das Publikum ratzfatz auf ihrer Seite haben. Sänger Bernie wirbelt wie ein hyperaktiver Tanzbär über die Bühne, beweist bei der Wahl des Fans, den er beim Gassenhauer ´Touch The Rainbow´ zum Mitmusizieren auf die Bühne holt, allerdings kein glückliches Händchen. Statt einer besoffenen Frau entscheidet sich der Frontmann lieber für den kleinen Jakob, der sich mitten im Song vor lauter Begeisterung zu einer spontanen Live-Magenentleerung auf oralem Wege hinreißen lässt – eine Situation, die die Band genau wie ihren restlichen Auftritt souverän meistert. Trotz dieses kleinen „Special Effects“ ein großartiger Auftritt und ein Headliner-würdiger Schlusspunkt. (am)

ANEKDOTEN

* Für PARAGON-Frontmann Andreas Babuschkin dient das BYH auch als Lebensmittelbörse. So lässt sich der Hamburger vom Labelboss von Metal On Metal unbehandelte Zitronen aus der Toskana mitbringen. (wk)

* ASSASSIN sind bei ihrem Bummel über die Händlermeile vom Stand der „Metal Kids“ so angetan, dass sie ein Tauschgeschäft vorschlagen: coole Kindershirts für den eigenen Thrash-Nachwuchs gegen Assassin-Merch und -LPs. Betreiber Woody willigt ein und legt noch ein paar Bier obendrauf. (ms)

* Von wegen Geschwisterliebe: RAVEN-Gitarrist Mark Gallagher ist stinksauer, weil er vom Veranstalter kein Einzelzimmer zugeteilt bekommen hat und sich mit seinem Bruder eine Bude teilen muss. (wk)

* Auf die Idee, eine eigene Festival-Cola anzubieten, ist man noch nicht mal in Wacken gekommen. (wk)

* Noch während der VINCE NEIL-Show postet unser Schleuti (mit Bild!) auf Facebook: „Entweder ist das gar nicht so scheiße, oder ich bin voll. Oder beides. Okay, ich bin voll.“ DAS war also der Trick? Merke ich mir fürs nächste Mal, Marcus! (jp)

Bands:
ROSE TATTOO
RIOT V
VENOM
ENTOMBED A.D.
MICHAEL SCHENKER
SAXON
DOKKEN
VINCE NEIL
SEPULTURA
DEATH ANGEL
HAMMERFALL
SATYRICON
GRIM REAPER
AXXIS
Autor:
Wolfram Küper
Marcus Schleutermann
Alexandra Michels
Jens Peters

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