Festivals & Live Reviews


Foto: Thorsten Seiffert

Festivals & Live Reviews 23.01.2019, 08:00

Ruhrpott Metal Meeting 2018

Wer keinen Bock auf eine besinnliche Adventszeit hat, ist beim RUHRPOTT METAL MEETING an der richtigen Adresse. Zwei Tage lang sorgen 16 Bands für lautstarke Action in der Oberhausener Turbinenhalle.

FREITAG

Eröffnet wird die diesjährige Ausgabe von den Kölnern PRIPJAT, die mit ihrem Achtziger-Kreator-Gedächtnissound eine gute Marschroute für den heutigen Tag vorgeben und beim Publikum wenig überraschend gut ankommen.

Ganz ähnlich sieht´s bei den SUICIDAL ANGELS aus. Die Griechen legen noch ein Schüppe Energie drauf und beweisen, dass sie auch eine gut gefüllte Turbinenhalle unterhalten können, was einen über den etwas undifferenzierten Sound hinwegsehen lässt.

Mein Tages-Highlight ist dann aber der Gig von DEATH ANGEL. Vor fast voller Halle legen die Bay-Area-Thrasher einen furiosen Auftritt hin, der nicht nur zu einem ansehnlichen Moshpit führt, sondern die Halle auch immer wieder in „Death Angel!“-Sprechchöre ausbrechen lässt. Fronter Mark Osegueda hat daran entscheidenden Anteil, denn er ist gut bei Stimme, sprintet ständig über die Bühne und gönnt sich vor ´Mistress Of Pain´ auch mal einen Schluck aus der Gin-Pulle. Die Zugaberufe bleiben nach dem 40-Minuten-Set leider unerhört.

Zwei rotäugige Knarrenheinze werden anschließend auf die Bühne gebracht, Zeit also für SODOM. Das immer noch frisch gebackene Quartett darf vor vollem Haus ran und fährt bei der Setlist fast ausnahmslos Achtziger-Jahre-Material auf (besagte Ausnahmen sind die beiden neuen Songs der „Partisan“-EP, ´Partisan´ und ´Conflagration´), verzichtet aber überraschenderweise auf das sonst obligatorische ´Ausgebombt´. Der Stimmung vor der Bühne tut das keinen Abbruch, olle Schoten der Marke ´Agent Orange´ oder ´Sodomy And Lust´ kommen beim traditionsbewussten Ruhrpott-Publikum gut an. Die Band selbst wirkt im Vergleich zu ihrem Debüt auf dem Rock Hard Festival deutlich eingespielter, aber trotzdem noch rumpelig und leider ´ne ganze Ecke hüftsteifer als die bisherigen Bands. (mbl)

Um den Auftritt von EXODUS zu beschreiben, kommt man um die üblichen Klischee-Schlagwörter kaum herum: Das „Abriss-Kommando“ aus der Bay Area spielt mit der „Präzision eines Uhrwerks“ und zeigt den Thrash-Kollegen, wer diesen Musikstil mehr oder weniger miterfunden hat. Allein schon der Einstieg mit ´Bonded By Blood´, ´Exodus´ und ´And Then There Were None´ ist kaum zu übertreffen, demonstriert aber auch, dass Exodus – wie die meisten Bands – von ihrer glorreichen Vergangenheit leben. Aber wen kümmert´s? Die knappe Stunde ist extrem kurzweilig und intensiv. Zetro hat die Fans im Griff, Tom Hunting prügelt seine Mannen unbarmherzig nach vorne, und die Gitarristen riffen um ihr Leben. Bewundernswert, weil auch Exodus nicht jünger werden. ´Strike Of The Beast´: Thrash-Herz, was willst du mehr?

Man muss kein großer Metal-Experte sein, um zu wissen, dass sich VENOM danach schwertun werden. Ein garstiger Greatest-Hits-Set hätte die Band retten können, aber Cronos & Co. verlegen sich zur Hälfte auf neuzeitliches Material, wobei Songs wie ´Pedal To The Metal´ oder ´Long Haired Punks´ ja noch ganz passabel sind. Bei letzterem Titel tauscht Conrad Lant erst einmal den Bass aus, und danach klingen VENOM nicht mehr ganz so dünn. Zu dem Zeitpunkt ist die Stimmung allerdings schon fast im Keller, das Konzert nimmt nur ganz langsam Fahrt auf. Eigentlich schade, dass Venom nicht mehr aus ihrem einstigen Legendenstatus machen können, aber gerade das musikalische Armdrücken mit Death Angel, Sodom und Exodus an diesem Tag beweist, dass Venom zu wenig Druck entwickeln, auch wenn der Punk-artige Sprechgesang von Cronos einmalig gut ist (dafür ist das unrhythmische Geblöke seines Basses eines Metal-Gottes unwürdig). Den einen ist es zu viel, den anderen zu wenig „Gerumpel“. Fest steht, dass der krönende Abschluss mit ´Black Metal´ passt und die Fans zufrieden in die Nacht entlässt. Ein Ruhrpott-Thrash-Triumphzug sieht aber anders aus. (hs)

SAMSTAG

MOTORJESUS eröffnen auf der Hauptbühne den Samstag mit einer gewohnt amtlichen Rock´n´Roll-Party, die viele Fans schon mal zum Aufwärmen von Nackenmuskeln und Leber nutzen.

Auf der Flöz-Stage läuten derweil BAEST die Century-Media-Records-Geburtstagssause ein. Die Dänen gehen zwar motiviert zu Werke, ihr Elchtod wird aber primär als superlaute Soundwand ins spärliche Publikum geblasen.

Filigraner geht es auf der Hauptbühne zu, wo SKALMÖLD aufspielen. Die Nordlichter zeigen, dass man für ein intensives Konzert keine großen Show-Elemente braucht: Backdrop, versierte Leute an den Instrumenten, etwas Publikumsinteraktion, fertig ist die Laube. Einziger Wermutstropfen ist leider ein weiteres Mal der Sound, der vor allem in den lauteren Passagen etwas differenzierter sein könnte.

Sound ist ein gutes Stichwort, denn der ist bei ANGELUS APATRIDA auf der Flöz-Stage im Wesentlichen Brei mit Schlagzeug. Das ist sehr schade, denn der große Trumpf der Spanier sind ihre Melodielinien, die leider kaum zu hören sind. Dass trotzdem nach kurzer Aufwärmphase munter gemosht wird, liegt vor allem an der mitreißenden Spielfreude der Band, und bei ´End Man´ schaffen sie es sogar, die Meute den Refrain mitbrüllen zu lassen. (mbl)

Auch die TANKARD-Show leidet unter einem unausgegorenen Sound, doch die Frankfurter Thrasher machen das Beste draus. Vor einem riesigen „Hair Of The Dog“-Backdrop werden mit unbändiger Spielfreude Songperlen jüngeren und älteren Datums ins Rund gejagt, welche das Publikum dankbar annimmt. Besonders das Abschluss-Triple ´Chemical Invasion´, ´A Girl Called Cerveza´ und ´(Empty) Tankard´ hat es in sich und zeigt, dass mit dem Quartett auch im 36. Karrierejahr noch zu rechnen ist. (rb)

Der erste Eindruck bei LACUNA COIL trügt: Der Auftritt mit schwarz gewandeter Band und Cristina Scabbia im wallenden roten Gewand wirkt gekonnt imposant. Doch trotz Cristinas toller Stimme und obwohl die Band sichtbar Bock hat, macht sich ein unwohles Gefühl in der Magengrube breit: Der Sound rumpelt dermaßen undifferenziert, dass Scabbias Gesang nur schwer zu erahnen und Andrea Ferros Äußerungen gar nicht hörbar sind. Schade, denn mit ´Naughty Christmas´ stimmen die Italiener auf die Weihnachtssaison ein und motivieren mit dem Cover ´Enjoy The Silence´ einen starken Publikumschor.

Den hätten sich D-A-D im Anschluss auf der Hauptbühne auch gewünscht – und sicherlich verdient. Bei den nicht ganz so metallischen, aber immer motivierten Dänen bequemen sich nur wenige in die große Halle. Die Binzer-Brüder und ihre zwei Mitstreiter tun sich mit den beiden Startern ´Evil Twin´ und ´Jihad´ ebenfalls keinen Gefallen, sodass nicht so recht Stimmung aufkommen will – und auch der neue Song ´Smack´ verebbt etwas. Bei ´I Want What She´s Got´ gibt Sänger und Gitarrist Jesper alles und geht runter zum Publikum, um in alter Manier Schlagzeuger Laust Sonne anzufeuern. Aber der Funke will einfach nicht überspringen, und so schicken die Dänen ihre Zuschauer mit ´Sleeping My Day Away´ samt ausgedehntem Solo in den Abend – denn auch D-A-D wissen, dass der Schlaf für die meisten hier noch in weiter Ferne ist. (ir)

Nach Lacuna Coil betreten DARK TRANQUILLITY die Flöz-Stage mit rund 20 Minuten Verspätung. Doch zunächst hält Jens Prüter von Century Media noch eine kleine Rede zum 30-jährigen Label-Jubiläum. Dann verdunkelt sich die Bühne, ein düsteres Intro ertönt, Nebel wabert, und alle Fotografen jammern ein wenig über die schlechten Arbeitsbedingungen. Doch musikalisch gelingt der Startschuss. Die Schweden legen mit dem Opener ´Encircled´ los und liefern eine Stunde lang eine solide Show ab, die viel Material vom aktuellen Album „Atoma“ enthält und mit mystischen Projektionen im Hintergrund die passende visuelle Untermalung bekommt. Gegen Ende des Auftritts wird auch Frontmann Mikael Stanne ein wenig nostalgisch und erzählt, dass die Zusammenarbeit der Band mit Century Media bis ins Jahr 1999 zurückreicht und sie ihre Plattenfirma lieben. Die Fans wiederum lieben die Schweden und honorieren, nachdem sie anfänglich ein wenig verhaltener agierten, die Songs mit Jubel und mitgeklatschten Rhythmen. (cs)

Was im Anschluss auf der Hauptbühne bei ALESTORM abgeht, spottet gleich in mehrerlei Hinsicht jeder Beschreibung: Einerseits ist die „Show“ der Piraten-Metaller so unfassbar albern (Stichworte: riesige Gummi-Ente auf der Bühne, Frontmann Christopher Bowes tritt in Schottenrock und Badelatschen auf), dass es einem schlichtweg die Sprache verschlägt. Andererseits ist die Halle wirklich gerammelt voll, und die Leute gehen von der ersten bis zur letzten Minute völlig steil. Zur Musik der Schotten kann man ja stehen, wie man möchte, aber das ist mir dann doch zu viel Klamauk. (jp)

Für einen würdigen Abschluss des Abends und ihres Konzertjahres sorgen die Jungs von CHILDREN OF BODOM. Routiniert und mit einer wunderbar ausgewogenen Setlist im Gepäck kehrt der Finnen-Fünfer nach einer ausgedehnten Tour durchs Heimatland wieder auf deutschen Boden zurück. Während man die Band in vergangenen Jahren auf gutem Fuß erwischen musste, sind mittlerweile Spielgenauigkeit und Sound wieder „on point“. Der motivierte Neuzugang Daniel Freyberg (g.) bringt frischen Wind auf die Bodom-Bühne, und Keyboarder Janne unterhält das Oberhausener Publikum mit seinen Deutschkenntnissen. Zum Klassiker ´Lake Of Bodom´ fliegen mit Abstand die meisten Matten, und ´Hate Me´ vom Fan-Favoriten „Follow The Reaper“ ist ein angemessener Rausschmeißer für diese gelungene Show. (nh)

In Oberhausen bangten um ihr Gehör: Ronny Bittner (rb), Maximilian Blom (mbl), Nina Hammelstein (nh), Jens Peters (jp), Isabell Raddatz (ir), Holger Stratmann (hs), Conny Schiffbauer (cs) und Marcus Schleutermann. Die Fotos schossen Katrin Popanda und Thorsten Seiffert.

Autor:
Ronny Bittner
Maximilian Blom
Jens Peters
Nina Hammelstein
Isabell Raddatz
Holger Stratmann
Conny Schiffbauer
Marcus Schleutermann

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