Festivals & Live Reviews

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GLORYHAMMER , ALESTORM , HAMMERFALL , AMARANTHE , EXODUS , PARADISE LOST , AVATARIUM , SERENITY , FINNTROLL , SKYCLAD , BATTLE BEAST , ENSIFERUM , IN FLAMES , KNORKATOR - ROCKHARZ 2018

Das Rockharz Festival feiert in diesem Jahr seinen fünfundzwanzigsten Geburtstag und 17.000 Gäste sind zur viertägigen Metallparty in den Harz gereist, um mitzufeiern. Aus persönlichen Gründen bleibt uns in diesem Jahr zwar nur ein Kurztrip zu diesem tollen Festival am Fuße der Teufelsmauer, aber das Jubiläum wollten wir um keinen Preis verpassen.

Als wir am späteren Nachmittag endlich in Ballenstedt eingetreffen, stehen bereits die schwedisch-dänischen Melodic-Metaller von AMARANTHE auf der Bühne und bieten den Fans bei strahlendem Sonnenschein eine Show der Extraklasse. Sängerin Elize Ryd ist eine Ausnahmesängerin und dass sie noch von zwei weiteren Sängern unterstützt wird, ist natürlich das besondere an den Skandinaviern. Daher gibt es auch auf der Bühne keinen Stillstand und die Band sorgt für mächtig Stimmung im Publikum.

Gleich im Anschluss legen die Finnen BATTLE BEAST mit Vollgas los und hauen den Fans als Opener 'Straight To The Heart' um die Ohren. Schnell wird deutlich, dass Powerfrau Noora Louhimo nicht nur eine großartige Sängerin, sondern auch eine unglaublich kraftvolle Frontfrau ist. Die Power-Metaller aus Helsinki gönnen sich und den feiernden Fans keine Pause, spielen Hit auf Hit, wobei es nur bei der Ballade 'Far From Heaven' eine kleine Verschnaufpause gibt. Als krönenden Abschluss spielt die Band noch 'Out Of Control', bevor die ebenfalls aus Helsinki stammenden FINNTROLL die Bühne stürmen.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass es in Finnland keine wirklich schlechte Band zu geben scheint, denn alle finnischen Bands sind auf ihre Art und Weise sehr eigen. FINNTROLL sind da keine Ausnahme und obwohl sie lange kein Album veröffentlicht haben, kommt die Band beim Publikum am frühen Abend sehr gut an und Hits wie 'Blodsvept' und 'Trollhammaren' bleiben direkt im Ohr hängen. Leider stecken ENSIFERUM noch am Flughafen fest und sollen ihren Auftritt in einem Slot nach Mitternacht nachholen, so dass FINNTROLL sich über eine reichlich verlängerte Spielzeit freuen können und nach einer Bierpause die schottischen Piraten ALESTORM direkt mit „Keelhauled“ die Bühne entern.

ALESTORM sind eine dieser Bands, die auf Festivals immer viel mehr Spaß macht als aus der Konserve, und so ist es auch an diesem Abend. Christopher Bowes ist und bleibt ein begnadeter Frontmann, der nicht nur die Fotografen trefflich auf den Arm nimmt, sondern auch das Publikum – trotz einiger Soundprobleme - von ersten Ton an fest im Griff hat. Hits hat die Band natürlich genug und so werden Songs wie 'Mexico', 'Alestorm' und viele andere lautstark von den Fans mitgesungen.

Die Headliner des Abends sind HAMMERFALL, die ihren Fans, dem Hörensagen nach, wohl eine großartige Show bieten und die 17.000 Besucher des Festivals restlos begeistern. Der Schreiber dieser Zeilen muss leider kurzfristig abreisen, nur um am Mittag des Folgetages bei den Funeral-Doom-Metallern von AHAB wieder fit im Ring zu stehen. Kann der Zeitlupensound dieser Ausnahmeband im grellen Schein der Mittagssonne funktionieren? Darüber könnte man sicherlich länger diskutieren, aber tatsächlich haben AHAB einen relativ großen Fanclub vor der Bühne versammelt geben sich gemeinsam mit den Fans ihren einzigartigen Soundwelten hin. Vier Songs in 40 Minuten sprechen eine deutliche Sprache.

Im Anschluss betreten SERENITY die Bühne und der druckvolle Symphonic-Metal der Österreicher lässt das Stimmungsbarometer am frühen Nachmittag mächtig in die Höhe schießen. Die Herren um Sympathieträger Georg Neuhauser sind in bester Spiellaune und geben einen Hit nach dem anderen zum Besten, wobei sich 'Lionheart' länger in meinen Gehörgängen festsetzt.

Die Folk-Metal-Legende SKYCLAD geht mit 'Earth Mother, The Sun And The Furious Host' von 1993 gleich in Vollen und die Band beweist eindrucksvoll, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Georgina Biddle tobt mit ihrer Violine über die Bühne, dass es eine Freude ist und auch Sänger Kevin Ridley sprüht bei herrlichem Sonnenschein vor guter Laune, während sich die Band durch knapp dreißig Jahre Bandgeschichte spielt. Songs wie 'Borderline' und 'Starstruck' vom aktuellen Album fügen sich nahtlos in das Set ein und hinterlassen eine zufriedene Fangemeinde, so dass TROLLFEST nach kurzer Pause keine Mühe haben, die Stimmung auf den Siedepunkt anzuheizen.

Die norwegischen Partymetaller kommen im „Indiana-Jones-Safari“-Look auf die Bühne und verwandelen mit ihrer überragenden Performance die Fläche vor der Bühne in eine einzige Partymeile. Das komplette Humpma-Orchester tobt kreuz und quer über die Bühne und lässt keine Zeit für Langeweile. Natürlich gibt es auch das Britney-Spears-Cover 'Toxic' zu hören und auf dem Höhepunkt des allgemeinen Chaos führt Bassist Lodd Bolt gleich mehrere Polonaise-Züge über die Tanzfläche.

Als Kontrastprogramm stehen danach AVATARIUM auf der Bühne, die jedoch eindrucksvoll beweisen, dass Doom-Metal auch bei strahlendem Sonnenschein funktionieren kann. Gitarrist Marcus Jidell ist bester Laune, strahlt Spielfreude ohne Ende aus und wenn dann noch eine Sängerin wie Jennie-Ann Smith auf der Bühne steht, kann nichts mehr schiefgehen. Während sie zunächst aufgrund ihrer Sonnenbrille im Großformat noch etwas unnahbar wirkt, ist spätestens bei dem Übersong 'Girl With The Raven Mask' das Eis gebrochen und mein persönlicher Festivalhit kann abgefeiert werden.

Die Kostüm-Metaller GLORYHAMMER sind auf dem Rockharz ja auch keine unbekannten Gesichter und werden von den Fans euphorisch begrüßt. Dauergrinser Thomas Winkler und seine Space-Crew ziehen voll durch und liefern mit 'Rise Of The Chaos Wizards' und 'Legend Of The Astral Hammer' gleich einen fulminanten Start ab. Die Band gibt reichlich Gas, das es eine wahre Freude ist, ihnen dabei zuzusehen wie sie ihr eigenes 'Universe On Fire' abfeiern. Höhepunkt ist sicherlich 'The Unicorn Invasion Of Dundee', bevor sich das immer noch hungrige Publikum mit EXODUS auf eine Zeitreise zurück in die Achtziger begibt.

Knapp vierzig Jahre gibt es die Bay-Area-Thrasher nun schon, und wie sagte Drummer Tom Hunting im Interview so schön: „Die Leute erwarten von uns immer noch neue Alben und wenn wir dann live spielen wollen sie doch nur die alten Hits hören.“ Aber EXODUS lösen dieses Luxusproblem souverän und spielen ein Set quer durch alle Schaffensphasen, bei dem der Schwerpunkt dann doch auf ihrem Debütalbum liegt. Übersongs wie 'And Then There Were None', 'Lesson In Violence' und 'Bonded By Blood' sorgen für reichlich Circle Pits und ein tobendes Publikum. Die Gitarristen liefern sich packende Duelle, so dass es gut zu verschmerzen ist, dass Sänger Zetro Souza mit seinem Bierbauch irgendwie immer etwas deplatziert wirkt. Die Stimmung ist jedenfalls prächtig und da die Fans die Songs alle lauthals mitsingen, fällt auch der dünne Gesang von Zetro nicht weiter ins Gewicht. Alles in Allem ein würdiger Abschluss des Festivals, denn die Headliner PARADISE LOST, KNORKATOR und IN FLAMES müssen in diesem Jahr leider ohne uns auskommen. Aber bei diesem sympathischen Festival sind wir definitiv im nächsten Jahr wieder am Start.  

Pics: Christoph Lampert

Bands:
SKYCLAD
GLORYHAMMER
BATTLE BEAST
FINNTROLL
PARADISE LOST
AMARANTHE
KNORKATOR
IN FLAMES
ALESTORM
AVATARIUM
ENSIFERUM
HAMMERFALL
EXODUS
SERENITY
Autor:
Christoph Lampert

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