Festivals & Live Reviews

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JON OLIVA´S PAIN , J.B.O. , ORDEN OGAN , VICTORY , SUBWAY TO SALLY , MORE THE HEAD , PAUL DIANNO , ATROCITY , KNORKATOR , FEAR OF THE DAWN , GAMMA RAY - ROCK HARZ Festival - Impressionen

Das ROCK HARZ ist ein kleines, aber feines, ständig wachsendes Festival mit provinziellem Charme. Das Konzept ist simpel und clever zugleich: Neben einigen internationalen Acts baut man weitestgehend auf nationale und regionale, mehr oder weniger bekannte Größen.

In diesem Jahr hat man 30 Bands (neben den besprochenen Acts u.a. noch die V8 Wankers, Letzte Instanz, Vader, und Mambo Kurt) am Start und nutzt erstmals zwei Open-Air-Bühnen. Dumm nur, dass das klasse Sommerwetter der letzten Wochen an diesem Wochenende sich von seiner launischen Seite zeigt. Aufgrund von Regen und Sturm gibt es am Freitag und Samstag erhebliche Probleme, die zu Zeitverzögerungen führen. Unabhängig davon muss man von einem gelungenen Festival sprechen.

Freitag

Große Bühne

Klar, dass bei LEAVE´S EYES Liv Kristine im Mittelpunkt steht, und die Band stark von der Ausstrahlung der Norwegerin lebt. Mit ihrem Gothic Metal kommt die Truppe sehr gut an, in einer Liga mit Within Tempatation oder Nightwish spielt man allerdings noch lange nicht. Zur Unterstützung holt sich die sympathische Blondine ihren Ehemann Alex Krull auf die Bühne, bevor sie diesen später selbst beim Atrocity-Auftritt unterstützt.

ATROCITY lassen sich stilistisch schwer in eine Schublade stecken und bewegen sich im weiten Feld zwischen Industrial, Gothic und Death Metal. Nach ihrem Comeback beweisen die Schwaben, dass sie früher ihrer Zeit voraus waren und auch heute noch durchaus eine Daseinsberechtigung haben. Vor allem knallt eine Nummer wie 'B.L.U.T.' noch heute, und auch die neueren Tracks überzeugen. Höhepunkte sind allerdings die Interpretationen vom "Werk 80": 'The Great Commandment' und 'Shout'.

SUBWAY TO SALLY sind der Headliner des ersten Tages und werden diesem Status voll auf gerecht. Nachdem die Truppe mit dem aktuellen Album wieder in die richtige Richtung gesteuert hat, bietet man ein Best-Of-Programm, welches für beste Unterhaltung sorgt und die Klasse der Potsdamer einmal mehr unterstreicht.

Kleine Bühne

Bei MORE THE HEAD lässt der Name bereits erahnen, dass es sich um eine Motörhead-Coverband handelt. Souverän werden Klassiker der britischen Legende gecovert und somit für gute Laune gesorgt. Am besten kommt 'Killed by Death'.

Klar hat PAUL DI ANNO schon größere Bühnen und bessere Zeiten hinter sich, wenn man aber bedenkt, was der Veteran in den letzten Jahren alles durchgmacht hat, überrascht die heutige Form doch stark. Mit einer Begleitband, die allesamt seine Söhne hätten sein können, stehen Klassiker der beiden ersten Iron-Maiden-Alben im Mittelpunkt und sorgen - auch wenn die Nummern aggressiver als im Original kommen - für gute Stimmung. Überzeugend sind auch die Entertainerqualitäten des Briten, der optisch wie eine Mischung aus Zuhälter und ehemaligem Boxer wirkt. Old soldiers never die!

Samstag

Kleine Bühne

Die BLUTSBRÜDER sind eine klassische Partyband. Mit ihrer Mischung aus Einflüssen von den Toten Hosen, den Böhsen Onkelz und deutschem Schlager ist großes Entertainment angesagt.

ORDEN OGAN wurden im Rock Hard bereits gefeatured und entwickeln sich stetig weiter. Mit ihrer Mischung aus traditionellem Heavy Metal und modernen Sounds der Marke In Flames/Soilwork wirkt die sympathische Truppe aus Arnsberg überraschend professionell, hat einen hohen Unterhaltungswert und kommt gut an. Von dieser Band wird man bestimmt noch mehr hören!

Nachdem Paul Di Anno am Vorabend Nummern der Iron-Maiden-Frühphase zum besten gab, kümmern sich FEAR OF THE DAWN um einen einwandfreien Querschnitt aus der nachfolgenden Phase mit Bruce Dickinson. Mit Klassikern wie 'Aces High', 'Fear Of The Dark', 'The Trooper' oder 'Wasted Years' können die Südharzer - nicht zuletzt wegen des souveränen Frontmans – fleißig Punkte sammeln.

Große Bühne

Nachdem sich VICTORY mit dem aktuellen Material aus dem Studio ordentlich zurückgemeldet haben, demonstrieren die Hannoveraner, dass sie auch auf der Bühne noch ordentlich abgehen können. Ergänzt durch Human-Fortress-Frontmann Jioti Parcharidis zeigen die Veteranen des Festivals, dass man wieder mit ihnen rechnen muss. Wer auf traditionellen, erdigen Hardrock steht, kommt bei der Mischung aus Klassikern und neuerem Material voll auf seine Kosten.

KNORKATOR stellen klar, dass sie die schwachmatigste Truppe Deutschlands sind. Eigentlich kann man die Berliner nur hassen oder lieben. Klar, dass die Chaoten vom Publikum ins Herz geschlossen werden. Abseits aller Schubladen gibt es grenzwertige Unterhaltung, die ihren Höhepunkt bei einer Toastbrotschlacht während des 'Ma Bakker'-Covers findet.

Wer sich mit dem schleichendem Ende von Savatage abgefunden hat, darf sich zumindest darüber freuen, dass JON OLIVA'S PAIN das Erbe der Kulttruppe bewahren. So bietet der Mountain King mit seiner neuen - leider etwas farblosen Truppe - neben einer eigenen Nummer ('The Dark') ein Best-Of-Programm seiner ehemaligen Hauptband, dessen Setlist keine Wünsche offen lässt und streckenweise für Gänsehautstimmung sorgt ('Gutter Ballet', 'Believe'). Einziger Wermutstropfen ist die körperliche Verfassung des Masterminds, die auch hörbar an seiner Sangesleistung zerrt.

Wie zuvor Jon Oliva, spielen J.B.O. zeitgleich zum kleinen Finale der WM und bieten einen - allerdings etwas chaotischen - Ergebnisdienst. Ansonsten gibt es einen gewohnt unterhaltsamen Streifzug durch die Klassiker der Franken, die mit 'Fränkisches Bier (Griechischer Wein)' auch ein neues, gelungenes Cover am Start haben. Eindrucksvoll unterstreicht die Truppe, dass sie die wahren Bewahrer des Blödsinns ist und jedes Festivals belebt. Prost!

GAMMA RAY beenden das Festival als Headliner. Man darf sich auf die Neuauflage des Festivals 2007 freuen.


Bands:
ORDEN OGAN
SUBWAY TO SALLY
VICTORY
PAUL DIANNO
ATROCITY
FEAR OF THE DAWN
KNORKATOR
MORE THE HEAD
GAMMA RAY
JON OLIVA´S PAIN
J.B.O.
Autor:
Wolfram Küper

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