Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 23.07.2014

DECAPITATED , ANNIHILATOR , CARCASS , SCREAMER , IRON SAVIOR , ORPHANED LAND , DIE APOKALYPTISCHEN REITER , INSOMNIUM , ZODIAC , TESTAMENT , TESLA , SÒLSTAFIR , OBITUARY , NOCTURNAL , MIDNIGHT , ROXXCALIBUR , TRIPTYKON , DEAD LORD , PRETTY MAIDS , MONSTER MAGNET , SACRED REICH - ROCK HARD FESTIVAL 2014

Gelsenkirchen, Amphitheater
6. - 8. Juni 2014

Das Dutzend ist voll!

Es ist vollbracht! Unsere kleine "Familienfeier", die 2003 zum ersten Mal im Gelsenkirchener Amphitheater stattfand,  ist auch im zwölften Jahr ein voller Erfolg gewesen. Auf den Rängen war es so voll wie niemals zuvor, der Wettergott verschonte uns dankenswerterweise mit den zwischendurch befürchteten Unwettern, und die Absage von Megadeth vermochte die fabelhafte Stimmung im weiten Rund und auf dem Zeltplatz nicht ansatzweise zu trüben. Die perfekt eingespielte Crew, die wie immer extrem entspannte und hilfsbereite Security und natürlich die besten Festivalbesucherinnen und -besucher des Planeten machten das ROCK HARD FESTIVAL 2014 zu einer perfekten Vorschau auf das, was uns eines Tages im Rock«n«Roll-Himmel erwartet. Halleluja!


Freitag

Die Tradition, unser Festival mit einem anstŠndigen Nackenbruch-Kommando zu eršffnen, haben wir natürlich beibehalten. NOCTURNAL sind definitiv nicht zum gemütlichen Warmschunkeln hier. Die Selbstschubladisierung "Unholy Thrash Metal" bringt es auf den Punkt. Die MainzerInnen verpassen ihrem latent holprigen Teutonen-Schnellmetall-Fundament eine angenehm bösartige Kante. Frontfrau Takis alias Tyrannizer zeterkeift leicht atemlos, krächzt sogar ihre Ansagen, serviert diverse Screams, die verdammt nach Destruction-Schmier anno 1985 klingen (auch in Sachen Riffs klebt beispielsweise das arschcoole «Rising Demons« eng an der Thrash-Legende), und genehmigt sich mit ihren Kollegen das eine oder andere Bier vor vier. Zwei der auf Facebook aufgeführten Bandhobbys ("Sex, Drinks and Metal") kann man somit hautnah miterleben. Das sich sehr zügig füllende Auditorium zeigt sich angetan. Frühes Erscheinen hat sich gelohnt. (jj)

Wenn man die Seifenblase "Retro" unbedingt fliegen lassen muss, um ZODIAC irgendwo einzuordnen, kommt man nicht umhin, die Münsteraner zu den schillerndsten Vertretern ihrer Zunft zu zählen, und das nicht bloß an der Oberfläche, wo sich das Gros der Mitbewerber in einer zu offensichtlichen Verehrung noch offensichtlicherer Helden gefällt. So spielt die Band gewisserma§en in ihrer eigenen Liga zwischen beseeltem Blues sowie klassischem Hardrock - beides jeweils floskelfrei - und liefert den ersten Hšhepunkt des Festivals, wobei Frontmann Nick van Delft seine Kompagnons in puncto Charisma überstrahlt und der Feeling-Gitarrist des Wochenendes ist. Zu hšren gibt es die beiden Videosongs «Downtown« als vertonter Sonnenaufgang und «Free« als Ausdruck von Sehnsucht, den man den Machern mit jedem Ton abnimmt. Vom Debüt kommt neben dem rauchigen «Diamond Shoes« das zum Heulen schšne Epos «Coming Home« zum Tragen, mit dem sich die Musiker von garantiert einer Menge neuer Fans verabschieden. (as)

Einen recht schwer verdaulichen Brocken servieren uns im Anschluss die Polen von DECAPITATED. Zwar passt der zähe, in stetem Stakkato-Riffing brütende Death Metal durchaus zur nachmittäglichen Gluthitze des Amphitheaters, dennoch will der Funke nicht restlos überspringen. Schade, denn der Sound ist erstklassig, und vor allem der massive Einfluss, den Pantera auf Voggs Gitarrenspiel haben, tritt heute besonders deutlich zutage. Großen Anteil daran hat die enorme Tightness, die sich die Band auf den vielen Touren zum immer noch aktuellen Album "Carnival Is Forever" erarbeitet hat. Warum aber Sänger Rafal Piotrowski dabei nicht zu einem besseren Frontmann gereift ist, verwundert doch sehr. Seine Ansagen beschränken sich auf die Songtitel, und auch sonst ist seine Performance eher nicht dazu angetan, das recht zahlreich vorhandene Publikum für sich einzunehmen. So krankt der musikalisch beeindruckende Auftritt an einem doch recht niedrigen Unterhaltungswert. (ses)

MIDNIGHT-Sänger Athenar ist ungelogen der einzige Mensch am ganzen Wochenende, den ich mit Spitzenpatronengurt sehe. Mit Kapuze über dem Kopf und in eine schicke Lederjacke gekleidet, muss der Kerl doch in Schweiß ertrinken - kein Wunder, dass er so angepisst bellt, ich wäre auch sauer! Gitarrist und Drummer verzichten auf Oberbekleidung, gleichen das aber mit viel Bühnenbewegung aus. Das wirkt einerseits so Metal wie kaum eine andere Band auf unserem hübschen Festival, ist andererseits aber auch zum Schreien komisch. Bestes Nietenentertainment - erst recht, da auch das Songmaterial stimmt. Die Amis setzen heute primär auf Hochgeschwindigkeitsgeschosse im Stile des Hits «You Can«t Stop Steel« und packen erst zum Ende hin «Satanic Royalty« aus. Der hoffnungslose Retrosound lŠsst so manchen beschŠmt wegschauen, aber, und das muss an dieser Stelle mal gesagt werden: It«s just Heavy Metal, but we love it!

DIE APOKALYPTISCHEN REITER sind normalerweise ein Garant für gute Unterhaltung, gepaart mit musikalischem Anspruch und Tiefsinn, doch nicht nur, dass das neue Album "Tief. Tiefer" in allen Belangen so mäßig ist, wie Kollege Schiffmann es in seiner Rezension beschrieben hat; vom Soundballast befreit, entpuppen sich die neuen Songs als erschreckend belanglose Popnummern. Auch sonst zeigt sich die Setlist im "regulären" Teil für ein Metalfestival schlecht gewählt. Zu häufig wird das Tempo rausgenommen, zu sehr auf Midtempo- oder gar Balladentöne gesetzt, mit dem unkaputtbaren «Friede sei mit dir«, der Hymne «Revolution« und dem unerwarteten «Hört auf« gibt es viel zu wenig Knüppel aus dem Sack, die Frühphase wird enttäuschenderweise komplett ignoriert. Erst bei der Rückkehr auf die Bühne kommt das, was eigentlich zu erhoffen gewesen war: Die Obskurität «Smell Of Death« haut einem die Plomben aus dem Gebiss, «Reitermania« ist und bleibt geil, «Tief. Tiefer« entpuppt sich unerwarteterweise als super Livesong, «Rausch« stört zumindest nicht, und «Der kleine Wicht« ist ein versšhnliches Ende. Spät, aber immerhin.
Was TRIPTYKON danach ins Amphitheater bringen, ist ehrfurchtgebietende Finsternis, deren alles verschlingender Sog genauso sehr ängstigt wie hypnotisiert. Mit «Black Snow« macht es das Quartett dem Publikum von Anfang an schwer - unnötig, würde so mancher sagen, doch genau das ist es, was das Schaffen des eigenwilligen Masterminds Tom Warrior wie ein blutroter Faden durchzieht und was seit dem ersten Hellhammer-Demo immer wieder vollendet werden muss und meistens auch wurde. Simple, ja zum Teil schon primitive Riffs werden mit dem höchstmöglichen künstlerischen Anspruch verbunden, gezogen aus einer Emotionalität, die ihr Leid teilen muss, um nicht daran zugrundezugehen. Triptykon sind die fleisch- und tongewordene Antithese zur Banalität, und es ist nur konsequent, dass mit «Messiah« noch ein weiterer Hellhammer-Song zum Zuge kommt. (fp)

Samstag

Bullenhitze, Kater vom Vorabend, frühe Uhrzeit - alles keine Ausrede! Wer bei ROXXCALIBUR nicht pünktlich am Start ist, ist selber schuld und verpasst eine fulminante Zeitreise in die Siebziger und Achtziger. Auch wenn die Truppe wegen der zahlreichen Nebenbaustellen ihrer Mitglieder (neu dabei: Holger von Abandoned) seit dem KIT 2012 keinen Auftritt hatte und diesmal nicht mit hochkarätigen Originalmusikern aus Großbritannien aufwarten kann, erweist man sich einmal mehr als Gralshüter der NWOBHM. Diesen Sound zelebriert man mit mehr oder weniger bekannten Klassikern von Witchfinder General, Jameson Raid, Dark Star, Demon, JJ«s Powerhouse, Cloven Hoof, Hollow Ground, Trident und Grim Reaper. Daumen hoch, denn so viel Authentizität und Leidenschaft würden wohl manche der Originalinterpreten nicht mehr auf die Reihe kriegen. Ein Extralob an Frontmann Alexx Stahl, der bei keiner einzigen Interpretation SchwŠchen zeigt und textsicher die Nummern veredelt. Gut auch, dass man sich auf ein drittes Album des Quintetts freuen darf. (wk)

DEAD LORD behaupten, ihre Songs würden auf Platte nicht anders klingen als bei ihren Konzerten. Der Opener «Hank« macht deutlich: Das stimmt so keineswegs. Die an und für sich schon exzellenten Songs der Schweden sind live noch mal eine ganze Ecke toller. Hakim Krim und seine Kollegen erwischen die perfekte Balance zwischen Dreck und Glanz, so dass die Grooves von Rockern wie «Because Of Spite« ebenso großartig kommen wie die stilvoll souligen Melodien von «No More Excuses«, dessen Finale ein kleiner Höhepunkt des gesamten Festivals ist. Hakim Krim überzeugt als souveräner Frontmann, der sich allerdings auch auf eine extrem sympathisch wirkende und zudem technisch versierte Band verlassen kann. Ein brandneues Stück, nur angekündigt als "ein schneller Song", gefällt mit dezentem Iron-Maiden-Flair. Alles super also, in der Sahara-Hitze Gelsenkirchens empfehlen sich Dead Lord als Champions der an Helden nicht armen Retrorock-Welle. (tb)

SCREAMER sehen aus, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Bis hin zu den Frisuren und den mittlerweile in gewissen Kreisen wieder tragbaren Pornobalken wirken die Schweden wie einem Bandfoto der siebziger Jahre entstiegen. Schwer retro ist auch ihr Sound: NWOBHM mit einer leichten Brise Rotzrock. Und unterhaltsam sind Songs wie «Slavegrinder« oder «No Sleep «Til Hamilton« allemal. Allerdings zocken Screamer nicht ganz tight, und wenn Drummer Henrik Petersson die simplen Beats mit großer Geste spielt und jeder Schlag auf die hoch hängenden Becken zelebriert wird, kommen einem schon mal Spinal Tap in den Sinn. Wirklich problematisch ist allerdings der Gesang. Ob Christoffer Svensson heute einen schlechten Monitorsound hat oder es nicht besser kann, hier mŸsste etwas passieren. Zu oft trifft er die Tšne nicht, was vor allem in den hohen Lagen für den einen oder anderen Lacher sorgt. Das kšnnen die sympathischen Typen dann auch mit ihrem Elan nicht mehr gänzlich wettmachen. (ses)

Es ist verdammt heiß, es ist sonnig, kein Wölkchen trübt den Himmel, und SOLSTAFIR bringen mit ihren Mammutkompositionen ein dringendst benötigtes Stück Island nach Gelsenkirchen. Dass das trotz Klimaerwärmung so ausgezeichnet funktioniert, ist eine der großen Qualitäten sowohl der Band als auch ihrer fantastischen, Genregrenzen mit der Leichtigkeit eines spielenden Kindes überschreitenden Musik. Melancholie und Tatendrang wechseln sich ab, und wenn der Schnee fällt, scheint dazu die Sonne und gibt den Blick auf eine herrliche Klanglandschaft frei, die mit jedem Ton mehr Zuhörer in ihren Bann zieht. Egal ob Tänzer oder Headbanger im Rund oder Träumer auf den Stufen, kaum jemanden lassen diese Klänge kalt. Dazu kommt, dass Sänger Adalbjörn Tryggvason mit Tuch an der Hose tatsächlich so etwas wie Rockstarqualitäten entwickelt und der futuristische Look der Gesamtband ein echter Hingucker ist. (fp)

Viel zu lange (genauer gesagt seit 2005) haben wir bei der Festivalzusammenstellung die PRETTY MAIDS nicht auf dem Schirm gehabt. Eigentlich unverzeihlich, denn wie immer beeindrucken die DŠnen als absolut stimmungsvolle Festivalband. Mit unbändiger Spielfreude, gepaart mit tollen neuen Nummern (brillant die Kombination von «I.N.V.U.« und Pink Floyds «Another Brick In The Wall«) sowie ihren unschlagbaren Klassikern aus den Achtzigern, bereichert die Truppe um das Kernduo Ken Hammer und Ronnie Atkins jedes Open Air. So gibt es auch heute - bei einem der beiden einzigen deutschen Festivalauftritte - Danish Dynamite, das gehörig zündet. Erwartungsgemäß zählt dabei das unschlagbare Schlussdoppel «Back To Back« und «Future World« sogar zu den Highlights des gesamten Festivals. Wenn jemand nach der Bedeutung des Begriffs "Melodic Power Metal" sucht, wird er hier diesen Sommer fündig. (wk)

Die Musiker der ersten Death-Metal-Generationen erreichen mittlerweile potenzielles Opa-Alter. Dafür haben die vermeintlichen Rentner-Bands zumindest in diesem Fall noch «ne Menge Pfeffer im Hintern und erstaunliche Matten auf den Schädeln. OBITUARY feiern ihr Rock-Hard-Festival-Debüt mit einer leckeren Hit-Setlist und ballern kommunikationsarm, dafür aber umso kompromissloser durch erprobte Boliden wie «Chopped In Half«, «Turned Inside Out« und «Slowly We Rot«, prŠsentieren aber auch die drei perfekt passenden Neulinge «Visions In My Head«, «Violence« und «Inked In Blood«. Trevor Peres haut die bösen Obi-Signature-Riffs im Akkord in die Meute, Neuzugang Kenny Andrews sieht aus wie ein kurzbeiniger, nicht ganz so alter Slayer-Araya und veredelt die Evergreens mit saugut gespielten Edel-Leads. Lohn-Bassist Terry Butler schielt dem Gitarrero dabei öfter mal auf die Finger, sei es aus Bewunderung oder um zu checken, bei welchem Song man gerade ist. Butler hat schließlich in ungefähr jeder Florida-Death-Metal-Band gespielt und dürfte die Bassläufe von Dutzenden Classics im Schädel herumschwirren haben. Ein guter Gig einer offensichtlich unkaputtbaren Band. Die lauten Zugaberufe sind keine Überraschung. (jj)

SACRED REICH sind die Sieger der Herzen. Phil Rind hat im Vergleich zu früher zwar mächtig angebaut, geht damit aber sehr pfiffig um ("We're not cool, we don't wear cool clothes, we're fat and I look like what I am - someone's dad") und klopft auch ansonsten die mit Abstand coolsten Sprüche. Spätestens bei der Umfrage, wer unter den Anwesenden welches Album besitzt ("I know everyone thinks we turned into a bunch of pussies after "The American Way", but that' okay"), möchte man ihn einfach nur drücken. Dieser Band sieht man ihren Enthusiasmus und die Freude darüber, dass die Leute sie noch immer hören wollen, zu jeder Minute an. Mit einer Tightness, als stünde man täglich auf der Bühne, feuert man unverwüstliche Polit-Thrash-Großtaten wie «The American Way« oder «Death Squad« ins Halbrund. Lohn der positiven Präsenz und fantastischen Performance sind die bisher besten Reaktionen der Meute und ordentlich Gewühl im Pit. Wie großartig die Band objektiv ist, zeigt das Eingeständnis meines reichlich Thrash-ignoranten Bruders, er müsse sich jetzt doch mal "Surf Nicaragua" zulegen. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie gut derjenige sein muss, der das aus ihm herauslockt.

Bei CARCASS wird klar, dass die Klassiker im Vergleich zu den Comeback-Songs live (noch) um einiges besser funktionieren, wobei leider auch Knaller wie «No Love Lost« unter dem matschigen und zu leisen Gitarrensound so stark leiden, dass man anfangs Probleme hat, sie wiederzuerkennen. Darin mag der Grund liegen, warum die Menge vor der Bühne etwas weniger wild unterwegs ist, als man erwarten durfte. Das fällt auch Jeff Walker auf, der den Leuten in Erinnerung ruft, dass morgen Feiertag ist und sie jetzt ruhig mal ein bisschen ausklinken dürften. Spielerisch hingegen ist die Truppe um die charismatischen Metal-Punk-Hippies Walker und Bill Steer erwartungsgemäß präzise wie ein Uhrwerk, Walkers Stimme ist fies wie eh und je und Steer der Shredder des Tages. So ist die Stimmung trotz des eher kleinen Pits exzellent. Jede Ansprache der Fans, etwa die Aufforderung zum Fäusterecken, macht klar: Hier pennt keiner, Carcass kriegen heute jeden zu fassen. Zwar hätte ich zusätzlich zu «Keep On Rotting In The Free World« gern noch ein, zwei weitere Songs des unterschätzten "Swansong"-Albums gehört («Generation Hexed« hätte das Haus bestimmt gerockt), aber das ist Leiden auf hohem Niveau. (hl)

Sonntag

Regen um zwölf, IRON SAVIOR auf die Zwölf: Die einzigen Tropfen des Wochenendes zahlen sich für die Norddeutschen aus, da die sporadisch anwesenden Fans unters Dach der Bühne kommen und sich von Piet Sielcks verboten guter Laune anstecken lassen. So entkrampft kann sich klassischer Metal trotz einer Fülle tausendmal gehörter Phrasen und mehr oder weniger dreister Zitate aus der Genre-Geschichte (Judas Priest) anhören, wenn dahinter kein Kalkül steckt, sondern Liebe zum eng abgesteckten Feld und vor allem der Wille zum Spaß. Den verbreiten die Hanseaten, denen Paragons Jan Bertram an der zweiten Gitarre aushilft, in hohen Dosen und mit Chören aus der Konserve, die fast an Realsatire grenzen. Neben Stoff vom aktuellen Album (die "Kill Bill"-Hommage «Revenge Of The Bride« und der Videotrack «Burning Heart«) bietet die Gruppe einen subjektiv gesehen unausgegorenen Karrierequerschnitt (bitte mehr vom Debüt!) und dennoch genau das Richtige an dieser Position. (as)

Man könnte annehmen, dass der knarzende Rock der BLUES PILLS sich nach Iron Savior erst mal wie ein Bruch anfühlt. Doch nichts dergleichen: «High Class Woman« knallt in das mittägliche Amphitheater mit einer Energie, die jedem Heavy-Metal-Donner ebenbürtig ist. Nachdem die Damen und Herren das im Grundsatz klargestellt haben, zeigt sich, dass sie keinerlei Kompromisse eingehen. Heavy-Metal-Festival hin oder her, zwischen den Songs bleibt genug Raum für entspannte Jams. Sängerin Elin Larsson greift dann zum Schellenkranz, und Gitarrist Dorian Sorriaux schwelgt mit betont ernster, geradezu feierlicher Miene in den Blues-Archiven seiner musikalischen Vorväter. Allerdings läuft das Konzert nie Gefahr, zu entspannt zu werden: Spätestens das brillante, von Elins konkurrenzlos großartiger Stimme getragene «Devil Man« rockt das Gelände bis zum hintersten Pommes-Stand. (tb)

ORPHANED LAND gehšren zu den sympathischsten Hippies des Planeten. Diese Band funktioniert immer: bei Club-Shows, unplugged im wohnzimmergroßen Mini-Ambiente oder auf 'ner Festival-Bühne. Die Israelis sind gro§artige Musiker, die Metal, Attitüde und orientalische Elemente zu einem eindringlichen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Aufgrund der abgespeckten Gitarre/Bass/Schlagzeug-Besetzung kommt heute der nichtmetallische Anteil der Instrumentierung inklusive Backing-Vocals leider aus der Konserve. Zumindest 'ne flotte Bauchtänzerin hätte man auf die Bühne stellen können. Dafür gibt's Blind Guardians Marcus Siepen bei dem herzerweichenden «Brother« und dem Oldie «Birth Of The Three« an der dritten Gitarre. Den Abgang von Sechssaiter Yossi Sassi hat der World-Metal-Kibbuz ohnehin problemlos verkraftet. Frontmann Kobi 'Isch bin nisch' Jesus Farhi grüßt mit einem lockeren "Shalom", predigt die Religion des Heavy Metal, tänzelt leicht- und barfüßig über die Bühne wie der Nazarener damals übers Wasser und entpuppt sich als einer der charmantesten Frontmänner des gesamten Festivals. (jj)

INSOMNIUM wirken dank zweier bewegungsfreudiger Gitarrenhelden zuerst überraschend kernig, doch das ändert sich nach ungefähr anderthalb Songs, womit die Finnen den Eindruck bestätigen, den sie seit jeher auf Studioalben vermitteln. Niilo Sevänens tiefes Grunzen und Ville Frimans schwachbrüstiger Gesang, Keyboards aus der Retorte und vor allem rhythmisch statische Kompositionen - das alles steht nahezu typisch für das glatte Metal-Verständnis ihrer Heimat und macht den Gig der Band trotz sympathischer Ausstrahlung leicht blutarm, wiewohl sie positive Resonanzen erntet. Die ach so landestypische Melancholie wirkt aufgesetzt, und insbesondere «One Who Waits« sowie die aktuelle Single «Ephemeral« klingen ein wenig nach Amorphis ohne Spielwitz oder Rockfaktor, geschweige denn irgendeinen Anflug von Death Metal. (as)
Zwischenzeitlich war MONSTER MAGNET-Mastermind Dave Wyndorf ja dermaßen aufgedunsen, dass er kaum noch wiederzuerkennen war, aber anno 2014 wirkt er zum Glück wieder wesentlich fitter. An Stimme und Charisma hatte der Spacelord ohnehin nie etwas eingebüßt, und so dirigiert er heute souverän die Meute - zumindest solange er sich dort aufhält, wo ein Frontmann nun mal hingehört: an vorderster Front nämlich. Doch leider steht er viel zu häufig und lange mit dem Rücken zum Publikum am Drumriser, um seine Gitarre zu stimmen. Einige wollen sogar gesehen haben, dass diese gar nicht angeschlossen ist bzw. er keinen Sender trägt. Sei's drum: Im Vergleich zu den letzten Clubshows, bei denen ja fast nur das aktuelle Album "Last Patrol" zum Zuge kam, hat die New Yorker Space-Rock-Legende heute eine Best-of-Setlist im Gepäck: Von «Superjudge« über «Nod Scene« und «Dopes To Infinity« bis hin zu «Powertrip« und «Spacelord« jagt ein Klassiker den nächsten. Das zunächst etwas verhaltene Publikum taut zunehmend auf, bis am Ende tausende Kehlen "I'm never gonna work another day in my life" mitsingen. God says yes! (ms)

Dass man als Metalband die Hütte anzünden kann, ohne den bösen Macker raushängen zu lassen und mit "Fucking fuck, motherfuckers!"-Attitüde rumzunerven, beweisen immer wieder ANNIHILATOR. Mit tonnenweise Ausstrahlung, sympathisch unaffektiert und bester Laune zerlegen Riffmeister Waters, sein kongenialer Sidekick Dave Padden und die wie eine Maschine spielende Rhythmussektion das Amphitheater. Padden ist das Beste, was Waters passieren konnte. Seit seinem Einstieg sind Annihilator wieder mehr Band als Projekt, klingen dabei noch immer frisch und liefern gute Songs ab, die auch live neben den Klassikern bestehen können («No Way Out« folgt ohne Druckverlust auf «King Of The Kill«). Zudem singt Dave beängstigend fehlerfrei, spielt dazu die irrwitzigsten Sachen auf der Gitarre («Brain Dance« ist komplett nicht zu fassen) und wird auch auf der Bühne immer mehr zu Fixpunkt Nummer zwei. Dass hier etwas Großes im Gange ist, merkt man auch auf dem vorbeifahrenden Ausflugsdampfer "Friedrich der Große", wo auf dem Terrassendeck spontan (im Sitzen) mitgemosht wird. Die Kanadier zeigen mal wieder bis ins Detail, wie man es machen muss - was für eine Demonstration! (hl)

TESLA rangieren mit ihrem klassischen Hardrock in diesem Umfeld am unteren Ende der Härteskala. Das macht sich leider auch bei der Resonanz bemerkbar. Während die Die-hard-Fans vor der Bühne die Rückkehr ihrer Helden bejubeln, macht sich im weiten Rund eher Langeweile breit. Dabei verzichten die Kalifornier bewusst auf Songs ihres zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienenen neuen Albums "Simplicity" und brennen dafür mit feinem Sound ein Greatest-Hits-Feuerwerk ab, das mir u.a. mit «Hang Tough«, «The Way It Is«, «Gettin« Better«, «Love Song«, «Signs«, «Modern Day Cowboy« und «Comin« Atcha Live« die Tränen in die Augen treibt. Die Herren selbst haben sich kaum verändert, sind nach wie vor tolle Musiker, und vor allem Sänger Jeff Keith glänzt einmal mehr mit seiner sympathisch-bodenständigen Ausstrahlung. Right on! (ms)
So imposant die TESTAMENT-Show auch beginnt (Pyros, tolle Lichtshow), so schnell stellt sich Ernüchterung ein. Die Yankee-Ansagen (Metal-Brüder und so) verzeiht man Chuck Billy noch, nicht aber seine mangelnde Puste und schon gar nicht die Gesamtleistung seiner Hintermänner, zu denen auch Rückkehrer Steve DiGiorgio zŠhlt. Gemeinsam mit dem abgespeckten Gene Hoglan setzte der Bass-Riese immerhin auf zwei Death-Alben Maßstäbe für alle Rhythmusgruppen im extremen Metal, doch was sich das Paar heute leistet (besonders aua: «Riding The Snake« und «D.N.R.«), geht bei viel zu lautem Sound auf keine Kuhhaut, woran weder Eric Petersons für die Ewigkeit bestimmte Riffs (egal ob «The Preacher« oder «Native Blood«) noch Alex Skolnicks selbstverliebtes Gefiedel etwas ändern. Dem feiernden Publikum ist es größtenteils gleich, aber so endet das Open Air nicht ideal, auch wenn die Thrash-Legende als kurzfristige Notlšsung wegen Megadeths Absprung einen weiteren Grund zur Nachsicht geltend machen kann. (as)

Auf dem Rock Hard Festival lauschten, feierten, headbangten und kämpften gegen die fast permanent drohende Dehydration: Holger Stratmann (hs), Boris Kaiser, Michael Rensen (mr), Thomas Kupfer (tk), Jens Peters (jp), Ronny Bittner (rb), Jan Jaedike (jj), Andreas Schiffmann (as), Wolfram KŸper (wk), Hendrik Lukas (hl), Sebastian Schilling (ses), Marcus Schleutermann (ms), Felix Patzig (fp), Tobias Blum (tb), Simon DŸmpelmann, Laura Niebling (ln), Alexandra Michels, Conny Schiffbauer und Robert Fust (Rock-Hard-Stand). Die Fotos knipsten Axel Jusseit, Saskia Gaulke, Holger Stratmann und Jens Peters.


Und was meint...?

Wolfram Küper

Wer war die beste Band des Festivals?
Samstag: Sacred Reich. Noch besser als bei ihrem letzten Gastspiel in Gelsenkirchen. Zudem ist Phil Rind der sympathischste Musiker des Festivals. Sonntag: Annihilator. Zu Recht werden sie für ihren superben Auftritt anerkennend abgefeiert.
 
Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Die Blues Pills. Mit ihrer Übernummer «Devil Man« kann kein anderer Song in ihrer Setlist auch nur ansatzweise mithalten.
 
Wer war die größte Überraschung?
Roxxcalibur, denn die Südhessen funktionieren auch ohne prominente britische Gastmusiker.
 
Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Hobbymeteorologe Michael Rensen mit seiner wenig zutreffenden Wettervorhersage für den Sonntag. Beim Frühstück sprach er von aufkommendem Regen und Unwetter, weswegen man sich dementsprechend einkleidete und nachher schwitzen durfte.
 
Deine Wunschband für 2015?
Regional: Attic, national: Witchburner, international: Arch/Matheos



Andreas Schiffmann 

Wer war die beste Band des Festivals?
Carcass, Zodiac
 
Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Testament (für ihre Verhältnisse), Decapitated
 
Wer war die größte Überraschung?
Midnight, Roxxcalibur
 
Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Boris« Schnauzer, weil wir genügend Schweden-Importe auf der Bühne hatten.
 
Deine Wunschband für 2015?
King«s X, Triumph, Killing Joke



Simon Dümpelmann 

Wer war die beste Band des Festivals?
Carcass, Sacred Reich
 
Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Die Apokalyptischen Reiter (belassen wir's diplomatisch bei "nicht meins")
 
Wer war die größte Überraschung?
Der Drummer von Midnight (war in spieltauglichem Zustand)
 
Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Anzeigenleitungsassistent Andi S., weil er immer Merch der gleichen geschmackselitären Bands wie ich tragen musste.
 
Deine Wunschband für 2015?
Voivod


Jan Jaedike

Wer war die beste Band des Festivals?
Annihilator (die Edel-Thrash-Maschine in Höchstform), Solstafir (von wegen Kerzenscheinmusik, das war Dauergänsehaut bei 30 Grad und ballernder Sonne)

Wer waren die schlechtesten Bands des Festivals?
Megadeth (wirkten irgendwie abwesend), Triptykon (legten ihre Interviewtermine mit dem Rock Hard exakt so, dass ich den kompletten Midnight-Gig verpasste).
Jetzt mal ernsthaft: Tesla stressten durch den die Fußnägel umkrempelnden Gesang und Monster Magnet durch konsequentes Langweilen.

Was war die größte Überraschung?
Dass mir bei den Blues Pills nicht die ganze Zeit vor Begeisterung die Nackenhaare zu Berge standen. Der Funke sprang im Vergleich zu früheren Shows der Band nur gelegentlich über.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Die ganzen neuen Rock-Hard-Schreiber nerven mit verdammt beneidenswertem Haarwuchs.

Deine Wunschbands für 2015?
Venom, Master, Accept, The Exploited und, ähem, Midnight


Robert Fust

Wer war die beste Band des Festivals?
Monster Magnet

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Midnight

Wer war die größte Überraschung? Dead Lord

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Dieser Penner, der den Rock-Hard-Stand macht: den ganzen Tag hinter dem Stand mit den Leuten am Quatschen und nie am Arbeiten dran.

Deine Wunschband für 2015?
Venom

 
Hendrik Lukas

Wer war die beste Band des Festivals?
Sacred Reich musste man einfach liebhaben. Perfekte Performance, gro§artige BŸhnenprŠsenz und supersympathische Leute. Gleiches gilt für Annihilator. Besser geht es einfach nicht.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Teslas Rock ist mir zu hemdsärmelig, und Jeff Keith klingt wie ein Chipmunk mit Stimmband-Katarrh. Testament waren technisch erschreckend schwach. Vor allem bei Billy und Hoglan passte nicht viel zusammen.

Wer war die größte Überraschung?
Solstafir. Nie groß mit beschäftigt, fand ich richtig gut.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Ich kannte bisher niemanden persšnlich, es sind alle sehr freundlich zu mir gewesen und haben mich willkommen geheißen. Man fühlt sich wohl bei euch, danke!

Deine Wunschband für 2015?
Transport League, Confessor, Vektor, Prong, Cynic, Solstice (US), Dim Mak, Gorguts, Boss Keloid. Außerdem bitte weitere Reunions bei uns: Obliveon, Schweisser, Wargasm, Pissing Razors. Und dann noch Voivod mit Eric Forrest und jedes Jahr Anacrusis (man wird ja träumen dürfen).


Boris Kaiser

Wer war die beste Band des Festivals?
Meinen "magischen Moment" hatte ich definitiv bei Tesla: Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen. Ansonsten zum Feiern toll: Zodiac, Midnight, Solstafir, Sacred Reich, Blues Pills und Monster Magnet. Dead Lord habe ich leider verpasst.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Rensen & The Red Rockers mit ihrer zehnmal am Tag intonierten, Backstage-exklusiven (ihr Glücklichen!), "leicht angethrashten" «Bron-Yr-Aur«-Coverversion ("Led' fetz!"). Zum Weglaufen.

Wer war die größte Überraschung?
Iron Savior und Annihilator. Erstere haben Stimmung gemacht wie kaum ein Opener zuvor, Letztere sind live immer noch so gut, wie sie es früher auf Platte mal waren.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Vince Peters. "Kommste mit ins Partyzelt? Kommste mit??" Wohlgemerkt: mittags um zwölf. Der hat doch den Schuss nicht gehört, der Typ!

Deine Wunschband für 2015?
Ganz spontan: Gojira, Sanctuary, Blood Ceremony, Metal Church, Beastmilk
 

Tobias Blum

Wer war die beste Band des Festivals?
Annihilator. Eine Killer-Setlist, unfassbar präzise Instrumentalarbeit und riesige Spielfreude - andere Bands mögen kommerziell erfolgreicher sein, live thrashen Jeff Waters und Kollegen die Konkurrenz in Grund und Boden.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Monster Magnet. Abgesehen von einigen Powertrips, war die Setlist arm an Highlights, die selbstverliebt-psychedelischen Jams und eine bestenfalls mittelmäßige Performance gaben dem Gig aus meiner Sicht den Rest.

Wer war die größte Überraschung?
Carcass. "Surgical Steel" deutete es schon an, aber erst mit dem Headliner-Gig zeigte sich für mich wirklich, was für ein selten großartiges Comeback die Band hingelegt hat.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Ich mir selbst, legte ich doch ausgerechnet während des Pretty-Maids-Gigs eine Festival-Pause ein. Ich hatte komplett vergessen, was für eine feine Band die Dänen sind. Die zweieinhalb Songs, die ich am Ende noch mitbekam, haben mich nachdrücklich dran erinnert.

Deine Wunschband für 2015?
Clutch


Sebastian Schilling

Wer war die beste Band des Festivals?
Mit großem Abstand Sacred Reich. Supersympathisch und unprätentiös. So spielt man in der Champions League!

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Ebenfalls mit großem Abstand Testament. Kann man eigentlich die Gage mindern wegen Schlechtleistung?

Wer war die größte Überraschung?
Zodiac. Gediegener Nachmittagsauftritt, bei dem alles gestimmt hat.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Keiner. Alles nette Leut«.

Deine Wunschband für 2015?
Megadeth hätte ich dieses Mal schon sehr gerne gesehen. Ansonsten werfe ich mal Sodom, Vader und Morbid Angel in die Runde.


Jens Peters

Wer war die beste Band des Festivals?
Sacred Reich (haben alles abgerissen), Midnight (kurzweiliges Gerumpel) und Tesla (entspannter ging's am Sonntagabend kaum)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Richtig mies fand ich keine Band. Der Soundbrei bei Testament ging allerdings gar nicht.

Wer war die größte Überraschung?
Kollege Rensen gab dem Wort "Exzess" eine neue Dimension. Mehr dazu in den Randnotizen - inklusive Bildmaterial.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Boris "The Menace" Kaiser: Fuhr mit stilechtem Tom-Selleck-Gedächtnisschnubbi, bis zum Bauchnabel aufgeknöpftem Hemd, Pilotensonnenbrille und 'ner Ollen im Arm im roten Cabrio am Backstage vor und forderte, dass man ihm 'ne Strandbar (mit Palmen!) am Kanal aufbauen solle. Der Typ hat sie doch echt nicht alle.

Deine Wunschband für 2015?
Wie jedes Jahr: Twisted Sister und Lizzy Borden. Und außerdem Venom.

Michael Rensen

Wer war die beste Band des Festivals?
Sacred Reich, Pretty Maids, Zodiac, Monster Magnet & Annihilator

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Testament (leider)

Wer war die größte Überraschung?
Roxxcalibur (ein Mordsspaß) & Iron Savior (allerbeste Stimmung trotz Wolkenbruch)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Herr Peters (versuchte drei Tage lang mit den miesesten Methoden - "kannste mal eben mein Bier halten, Alter?" Ð, kompromittierende Fotos von mir zu schießen) und Herr Kaiser (weigerte sich mitzusingen - Spaßbremse!)

Deine Wunschband für 2015?
Arch/Matheos, Dream Theater, Gamma Ray, Bad Religion, Dritte Wahl, Rush (kleiner Witz...)


Alexandra Michels

Wer war die beste Band des Festivals?
Orphaned Land. Geile Mucke, geile Show, geile Message.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Testament waren zwar nicht wirklich schlecht, dafür aber der Sound - es sei denn, alles überlagernde Drums werden fälschlicherweise unterbewertet. Zudem scheinen die widrigen Umstände Mister Billy offenbar dermaßen aus dem Konzept gebracht zu haben, dass er ganze Songzeilen einfach unter den Teppich kehrte.

Wer war die größte Überraschung?
Carcass! Mit ihrem Chirurgenstahl haben Jeff Walker und Konsorten einfach mal alles weggefegt. Echte britische Wertarbeit!

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Keiner, haben scheinbar alle brav den Knigge auswendig gelernt. Allerdings hatte Herr Heine eigentlich versprochen, auf dem Festival einen Veggie-Burger mit mir zu futtern. Ich warte immer noch, Uwe!

Deine Wunschband für 2015?
Steel Panther, Heaven«s Basement, Death Angel, H.E.A.T, In Flames


Marcus Schleutermann

Wer war die beste Band des Festivals?
Tesla

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Keine Ahnung, hab mir alle schöngetrunken...

Wer war die größte Überraschung?
Ich (habe am Ende nur noch Wasser getrunken)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Ich selber, weil ich am Sonntag drei Stunden lang meinen Schluckauf nicht wegbekommen habe.

Deine Wunschband für 2015?
Twelve Foot Ninja


Holger Stratmann

Wer war die beste Band des Festivals?
Jede zweite, persönlich am coolsten fand ich Monster Magnet, Triptykon und Blues Pills. Sacred Reich waren die Publikumsgewinner, Tesla viel besser als erwartet.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Keine, der Soundmixer von Testament gehört allerdings ................!!! (bitte selbst einfügen)

Wer war die größte Überraschung?
Midnight

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Keiner, war alles sehr entspannt.

Deine Wunschband für 2015?
Das verrate ich nicht, die Konkurrenz liest ja eventuell mit.


Ronny Bittner

Wer war die beste Band des Festivals?
Obituary und Blues Pills. Carcass waren aufgrund des dünnen Gitarrensounds und des mageren Stage-Actings leider nur gut.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Tesla, was für eine grauenhafte Gurkentruppe.

Wer war die größte Überraschung?
Ich hatte nicht erwartet, dass die (hinter der Bühne alt und gemütlich wirkenden) Herren von Sacred Reich noch mal so abräumen können. Falsch gedacht!

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Laura Niebling - wollte ständig ins Hotel, ich weiter Bier trinken.

Deine Wunschband für 2015?
Devin Townsend Project, SpiralArms, Avatarium, Black Breath & Vektor


Laura Niebling

Wer war die beste Band des Festivals?
Annihilator - eine zweite Autogrammstunde aufgrund der großen Nachfrage spricht für sich!

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Jaedike und ich sind uns da einig: Megadeth - keinerlei Bühnenpräsenz.

Wer war die größte Überraschung?
Svavar Austmann von Solstafir gab mir spontan einen Kurzlehrgang in Sachen Haarpflege. Dufter Typ.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Die Amphisbaena R. Bittner, die abwechselnd drängelig zum Hotel fahren und gut gelaunt vor Ort noch mit 300 Leuten sprechen wollte. Nächstes Jahr shuttelt den jemand anders!

Deine Wunschbands für 2015?
Ghost, Devin Townsend Project, Mortals

Thomas Kupfer

Wer war die beste Band des Festivals?
Sacred Reich, Solstafir, Midnight, Blues Pills

Wer war die schlechteste Band des Festivals?
Gab's nicht. Man sagt nix Schlechtes über seine Gäste.

Wer war die größte Überraschung?
Zodiac - bluesiger Classic Rock aus den Sümpfen des Münsterlandes.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?
Ronny "Steven Spielberg" Bittner, haute einem gefühlt alle drei Minuten den Satz "Ey, lass uns mal Videointerviews drehen" um die Ohren.

Deine Wunschband für 2015?
Machine Head

Randnotizen


Alles fit im Schritt!
Der Toilettenfrau Marion K., die sich seit zehn Jahren um die Hinterlassenschaften der Campingplatz-Bewohner kümmert, wurde Freitagnacht das Fahrrad gestohlen. Kein Problem auf dem Rock Hard Festival: Eine spontan einberufene Spendenaktion am Merchandise-Stand brachte sage und schreibe 600 Euro ein. Vielen Dank an alle Besucher für diese Welle der Solidarität! Metal rules! (hs)

Der gewaltige Hype, der momentan um die BLUES PILLS gemacht wird, hat den jungen Retro-Helden bislang nicht die Kopf verdreht. Sahnegitarrist Dorian Sorriaux ließ sich direkt nach dem erstklassigen Auftritt seiner Band zum Flughafen bringen und jettete mit der nächsten Maschine nach Frankreich - um dort für seine Abiturprüfungen zu büffeln. Frontschnuckelchen Elin Larsson feierte derweil noch auf dem Festivalgelände, lieh sich von uns Ohrenstöpsel, um ihre Faves MONSTER MAGNET aus nächster Nähe bejubeln zu können, goss sich amtlich einen hinter die Binde und fiel nachts freudetrunken einem Rock-Hard-Redakteur um den Hals, um sich für den Support und das tolle Festival zu bedanken. Sehr sympathisch! (mr)

Kollegin Niebling erreicht ihr erklärtes Festivalziel und erfährt nach dem Interview mit CARCASS-Mastermind Jeff Walker endlich die Bedeutung der Zahlenkombination 6026961 in «Granulating Dark Satanic Mills«. Mit dem Sadismus einer Vorschülerin erklärt sie jedem Zuhörwilligen: "Ich weiß es, und ich darf es dir nicht verraten", bis Kollege Schiffmann sie fast erwürgt. (rb)

VICIOUS RUMORS-Drummer Larry Howe feierte am Sonntag ausgelassen im VIP-Bereich und meinte zu Herrn Schleutermann mit einem breiten Grinsen: "Eigentlich wollten wir Tesla fesseln und stattdessen selber hier spielen, aber unsere Knoten waren offensichtlich nicht gut genug..." (ms)

Nachdem er zum 2013er Rock Hard Festival in Flipflops erschien, eines der Dinger auseinanderbrach und er daraufhin "auf einem Bein nach Hause hüpfen musste", hat JAPANISCHE KAMPFHÖSPIELE-Mastermind Christof Kather dieses Jahr in Sachen Schuhwerk vorgesorgt und erscheint in... Flipflops. "Aber ich habe für den Notfall noch ein Reservepaar dabei", berichtet er und öffnet zum Beweis seinen quietschpinken Rucksack. (jj)
 
Mit 29°C bot der Samstag die hšchste Pfingsttemperatur seit 50 Jahren in Gelsenkirchen. (wk)

War es Understatement, Improvisation, Punk-Attitüde oder alles zusammen? MIGNIGHT hatten auf der großen Bühne jedenfalls das mit Abstand geilste Banner. (hs)

Tom Warrior widmete den TRIPTYKON-Gig Götz Kühnemund, der die Band noch für unser Festival gebucht hatte, war das ganze Wochenende über in allerbester Stimmung und machte sogar selbstironische Witze auf der Bühne ("Geht's euch gut? Das werden wir jetzt ändern..."). In der Hotelbar wurden noch bis tief in die Nacht Anekdoten und Meinungen mit Rock-Hard-Mitarbeitern ausgetauscht. (hs)

Mit "Plansch hard am Kanal" übertitelt die "WAZ" ihren kurzen und wenig aussagekräftigen Festivalbericht. (wk)

Glück im Unglück für SOLSTAFIR-Sänger/Gitarrist Adalbjörn "Gringo" Tryggvason. Wenige Minuten, nachdem der Frontmann seine Band mit einem nassforschen "Hallo, wir sind Iron Maiden. Wo bitte geht's zu den UmkleiderŠumen?" im Produktionsbüro eincheckte, stellte er fest, dass seine Gitarre den Flug nach Deutschland nicht wirklich gut verdaut hatte ("Der verdammte Hals ist gebrochen. Da hat das Bodenpersonal sich wohl wieder im Kofferweitwurf geübt"). Als Retter in höchster Not erwies sich DEAD LORD-Gitarrist Ole Hedenström, der dem Isländer bereitwillig die eigene Klampfe zur Verfügung stellte. So werden Freundschaften geschlossen. (tk)

Die Musik spielt nur noch eine Nebenrolle: Seit auf dem Rock Hard Festival hinter der Bühne Hängematten aufgespannt sind, kommen die Musiker in erster Linie zur Entspannung, so wie hier DEAD LORD-Fronter Hakim Krim. (hs)

Wie auch schon in den Vorjahren wurden wir einige Male auf die eurer Meinung nach zu hohen Getränkepreise angesprochen. Leider haben wir keinen Einfluss auf die Preisgestaltung, die einzig und allein in den Händen des Geländepächters liegt. Allerdings haben wir in Vorgesprächen wie immer versucht, auf ein akzeptables Preis/Leistungs-Verhältnis hinzuwirken, und werden dies natürlich auch 2015 wieder tun. (mr)

NOCTURNAL waren nicht nur der perfekte Opener des diesjährigen Rock Hard Festivals, sondern konnten mit ihrem bodenständigen Auftreten auch hinter der Bühne punkten. Nach einer Nacht im Hotel verlegten die unheiligen Old-School-Thrasher ihren Stützpunkt auf das Campinggelände und ließen sich ihre Gage sicherheitshalber direkt in Getränkebons auszahlen. Party on, guys! (tk)

Das erlebt man auch nicht alle Tage: ANNIHILATOR räumten bei uns so dermaßen ab, dass sie sich wegen der gewaltigen Nachfrage spontan bereit erklärten, eine au§erplanmäßige zweite Autogrammstunde abzuhalten, bei der es dann auch tatsächlich erneut rappelvoll wurde. Well done, dudes! (mr)

Onkel Kupfer war von der "harten Arbeit" auf dem Festivalgelände schon früh so dermaßen geschafft, dass er es sich spontan in der Hotelbar zu einem Nickerchen bequem machte. Und zwar an meiner Schulter, von der er auch nicht mehr wegzubewegen war. Die Umstehenden freute es, wie zahlreiche Bilder beweisen. Alles für den Dackel, alles für den Club! (jp)

Dass die Besatzungen der auf dem Rhein-Herne-Kanal direkt hinter der Bühne vorbeituckernden Schiffe meist recht viel Spaß an der kleinenkrachigen Abwechslung auf ihrer ansonsten ja eher öden Strecke haben, ist seit Jahren bekannt. Mittlerweile wird das Amphitheatergelände allerdings schon gezielt angesteuert, um sich die langhaarigen Irren mal aus der Nähe anzusehen. Am Freitagnachmittag drehte ein kleiner Ausflugsdampfer mehrere Runden hinter dem Backstage-Bereich, und diverse in Schwarz gewandete Pommesgabeltouristen moshten zu den zarten Klängen von DECAPITATED. Dumm nur, dass sich auf dem Kahn auch Dutzende von Rentnern befanden, die alles gebucht hatten, nur keine Kaffeefahrt in die Hölle... (mr)

Natürlich war die Rock-Hard-Redaktion bei ihrem ersten größeren Freigang in diesem Jahr mal wieder peinlich hoch zehn. Der erste Fremdschämalarm herrschte bereits am Freitagnachmittag, als zwei Herren, deren Namen wir hier besser unerwähnt lassen, sich lauthals darüber stritten, ob sie ihre Bierflaschen jetzt lieber mit den Zähnen oder mit ihren primären Geschlechtsmerkmalen öffnen sollten. Den Beweis insbesondere für letzteres Husarenstück blieben sie natürlich schuldig...
Noch grottiger wurde es, als ein anderer Schreiberling auf dem Herrenklo eine weibliche Reinigungskraft antraf, die ihn mit einem kreischigen "just five minutes!" empfing. Was die Dame damit ausdrücken wollte: Mann möge doch bitte noch ein bisschen einhalten, bis die Toiletten wieder sauber seien. Unser Testosteronbomber war hingegen der festen Überzeugung, die fesche Lady gehšre zum horizontalen Gewerbe und würde gerne 'ne schnelle Nummer mit ihm auf den ungewienerten Fliesen schieben. Äh, ja...
Ebenso erfolgversprechend war übrigens der Versuch eines unserer Mitarbeiter, Kobi-Wan Kenobi von ORPHANED LAND dazu zu überreden, Jesus-like übers Wasser des Rhein-Herne-Kanals zu wandeln ("Isser der Heiland? Isser es? Dann soll er ma zeigen!"). Aber immerhin stimmte der Satz, der bei gefühlten 45 Grad im Schatten auf dem (mittlerweile wieder blütenreinen) Herrenklo geblökt wurde: "Voll das Mädchenwetter heute - sogar die Kerle sind feucht im Schritt." (mr)



Wenn mir Kollege Peters im weiteren Verlauf des Festivalsommers auch nur ein weiteres schweißnasses Bier in die Hand drücken sollte, um "lustige" Fotos zu schießen, wird er beim nächsten Rock Hard Festival von Donnerstag bis Montag in einem der Getränkestände angekettet und darf Buttermilch zapfen, bis sich ihm der Magen umdreht... (mr)


In unserem YouTube-Channel erwarten euch Video-Interviews vom Festival mit u.a. TRIPTYKON, CARCASS, TESTAMENT, ORPHANED LAND, BLUES PILLS, ZODIAC, SîLSTAFIR und SACRED REICH.

Mitschnitte diverser Shows des Wochenendes findet ihr beim WDR unter rockpalast.de

Bands:
ORPHANED LAND
MONSTER MAGNET
DEAD LORD
MIDNIGHT
SÒLSTAFIR
TESLA
ROXXCALIBUR
SCREAMER
PRETTY MAIDS
ZODIAC
DECAPITATED
INSOMNIUM
ANNIHILATOR
NOCTURNAL
TRIPTYKON
CARCASS
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
OBITUARY
IRON SAVIOR
TESTAMENT
SACRED REICH
Autor:
Boris Kaiser
Tobias Blum
Marcus Schleutermann
Hendrik Lukas
Ronny Bittner
Jan Jaedike
Wolfram Küper
Holger Stratmann
Felix Patzig
Sebastian Schilling
Thomas Kupfer
Laura Niebling
Jens Peters
Michael Rensen
Andreas Schiffmann
Simon Dümpelmann

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