Kolumne

Kolumne 20.02.2019, 08:00

Nötes Of A Dirty Old Fan

Ein Fan namens Norbert

Danko Jones ist eine Frontsau. Eine ziemlich gewitzte noch dazu. Er weiß, dass man die abgekauten Rockerphrasen nicht mehr so einfach bringen kann, ohne vor Scham in den Bühnenboden zu versinken, und er weiß noch besser, dass alle sie trotzdem hören wollen. Folglich lutscht er weiterhin die ollen Kamellen, aber eben mit der Zunge in der Backe. Die ganze Danko-Jones-Figur, dieser großmäulige, omnipotente, Frauen rund um den Erdball befriedigende Pimmel mit Ohren ist eine durch und durch ironische Imagekonstruktion. Auf diese Weise kann man das noch ein letztes Mal machen, hat er sich wohl gedacht. Und die 600 schwarzen, weißen, männlichen, weiblichen, diversen, queeren, heterosexuellen, armen, reichen und ausnahmslos klugen Menschen, die am 14. Dezember in Hannover das Faust ausverkauften, wollten dann auch, dass er genau das noch einmal macht.

Danko lässt sich nicht lange bitten. „My name is Danko Jones, you can call me delicious!“ Und dann wird das Programm durchgebrettert. Irgendwann, die Band hat schon ein paar Songs auf dem Buckel, kommt er zum üblichen Zuschauerlob. „Hannover, ihr seid das gottverdammt beste Publikum, vor dem wir jemals gespielt haben.“ Er schaut in die Runde mit süffisantem Grinsen. Man hört das gern und jubiliert, als hätte er gerade eins der letzten Welträtsel gelöst. „Ich habe das natürlich auf dieser Tour schon öfter gesagt“, fährt er achselzuckend fort. „Aber hey, was kratzt uns das Gestern und Vorgestern, heute seid ihr die Besten!“ Viel charmanter kommt man aus dieser maximal durchgenudelten Beweihräucherungsnummer eigentlich nicht heraus.

Das Besondere an einem Danko-Jones-Konzert ist aber, dass sich dieses komisch gebrochene Verhältnis zum Rockstargewese zurückspiegelt auf das Publikum. Nämlich folgendermaßen: Irgendwann wird ein ziemlich krakeliges, offenbar vor Ort mundgemaltes Banner nach vorne zur Bühne gereicht. „We love you Danko Jones, Norbert & Nadja“. „What is Norrbörrt? Is this a name?“, fragt Danko feixend, zeigt sich dann aber doch merklich gerührt von so viel Verehrung. Und da passiert es, das Publikum nimmt ihm das Heft aus der Hand und skandiert plötzlich frenetisch einen Namen. Nicht Danko, sondern „Nor-bert! Nor-bert! Nor-bert!“. Und es macht für den Rest des Gigs einen hübschen Running Gag draus. Immer wenn man mal nicht weiterweiß, wenn jemand ein Ei am Wandern hat, wenn ihnen der Sinn nach ein bisschen Geschrei steht und garantiert immer dann, wenn es gerade überhaupt nicht passt, kommt die „Nor-bert!“-Reprise zum Einsatz.

Einmal fragt Danko leicht irritiert: „Hey, die kennen dich alle, ist das hier deine Weihnachtsfeier?“ Ein Mädelstrupp neben uns versucht es zwischendurch auch mal mit „Nadja! Nadja!“, wird aber sofort niedergeknüppelt mit dem verbalen Holzhammer – Norbert! Dann kommt die Zugabe, die Band spielt noch drei Songs, Danko verabschiedet sich und geht. Und das Publikum? Das geht noch lange nicht. Es schreit nach Norbert.

Autor:
Frank Schäfer

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