Kolumne

Kolumne 24.10.2018

Neues vom Grottenolm: Der allumfassende Festivalrückblick 2018

Der zurückliegende Sommer mit seiner hysterischen, ausdörrenden Sonne war nicht einfach.

Doch es war auch ein seltenes Vergnügen, mit Helrunar auf den Ohren und Wespen im Bart am 25. August durch ein Berlin zu schlendern, das infolge brennender brandenburgischer Wälder herrlich nach Rauch duftete, während die bereits absolvierten Festivals in einem nachhallten. Bei mir waren es diesmal drei, eher kläglich. Anders treiben es die „Festival-Hopper“, die sommers zu Hause nur auftauchen, um die neuen Shirts auf den Merchandise-Hügel im Flur zu werfen – schnell Opa Wasser geben und stante pede weiter zum Rockharz. Rückschauend wird durcheinandergebracht, welche Band wo gespielt hat („Ich glaube, das waren Immolation oder sogar Immortal...“), aber was soll´s, man war dabei. Und restlos alle Bands haben ja sowieso wieder in Wacken gespielt.

Wacken-Bashing ist mittlerweile ein wenig überholt, aber es gibt sie, die Fronten. Einerseits diese zwei Buddies, Devil und Satani vom „Clan Eggersdorf“, beide zu 120 Prozent Metal (wer in Berlin bangt, kennt sie), die mit den vielen Wacken-Patches auf ihren Kutten bei jeder falschen Bewegung Bandscheibenvorfälle fürchten müssen. Andererseits die „Wacken ist für Spacken“-Fraktion wie der Sänger von Slaegt in Heft 362, der nach seiner Wacken-Visite „erst mal zwei, drei Jahre keinen Metal mehr hören“ konnte. Ich persönlich habe nichts gegen Wacken. Immer spielen Bands, die mich interessieren, und 2014 waren Slayer dort offenbar ein sakrales Großereignis. Doch ich werde nie hinfahren, bei Menschenanhäufungen dieser Größenordnung krieg ich die Motten. Das Party.San mit seinen etwa 9.999 Death-Metal-Nasen ist hingegen gut auszuhalten, solange das Rührei im Frühstückszelt nicht aus ist. Ansonsten lobe ich mir die 1.000-verlorene-Seelen-Festivals! Wo Pop-Metaller nicht auf die Bühne dürfen, und wenn, dann nur, um dort zu sterben. Vier Dixi-Klos für ein Halleluja, Waldesrauschen und Improvisations-Asia-Reispfanne (ein Spritzer Maggi, knüppelharte Möhrenstifte und ein Brokkolistiel). Dazu Menschen mit Spezialwissen und immer auch besonders feinfühlige, die einen Schnappschuss der verschwitzten Geiselnehmer Rösner und Degowski als Backpatch tragen (in einem Gladbecker Linienbus bestimmt ´ne Show).

Und Wacken? Was macht dieses enorme Metaller-Wimmelbild, vor dem sich die Dokumentarfilmer drängen, eigentlich mit dem Metal? Das Bild, das Otto Normalo vom Metal und seinen Fans hat, ist mittlerweile zu einem großen Teil das, welches Wacken und die Berichterstattung darüber erzeugen. Die (Non-Metal-)Medien krallen sich Wacken jedes Jahr aufs Neue. Sie vergewissern sich der Harmlosigkeit dieser drolligen Biervernichter mit ihrer „kruden“ Musik, führen genüsslich den drastisch lächerlichen Metal-Karneval vor, den vor Selbstbegeisterung hyperventilierende „Schaut her, wie geil!“-Schauläufer/innen in Neon-Tarnwäsche zuverlässig (nicht allein in Wacken) veranstalten. Gewiss, es ist kein Kammermusikfestival, aber die vielen, die wegen der Musik dort sind, bleiben Randfiguren.

Autor:
Gregor Olm

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.