Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 30.05.2012

JUDAS PRIEST , THIN LIZZY - Münster, Halle Münsterland

Tanz in den Mai auf die rustikale Art: Im Rahmen der „Epitaph“-Welttour machen Judas Priest tatsächlich in Münster, dem Epizentrum westfälischer Gemütlichkeit, Station. Keine Frage, da muss die Rock-Hard-Delegation hin, verspricht doch neben den ebenfalls aufspielenden Thin Lizzy nicht zuletzt die Tatsache, dass die als wenig medienaffin geltende Stadt ein wohltuend hipsterloses, dafür aber umso trinkfesteres Partyvölkchen aus den umliegenden Dorfschaften rekrutiert, Spaß pur.

Leider nicht für Götz, der ist dummerweise der Fahrer, aber dafür erntet unser im Schatten von Münster groß gewordener Chefredakteur (kein Witz!) an der Gästeliste bewundernde Blicke von einigen Dutzend junger Mädels in Miniröcken. Die wollen aber nicht zu Priest, sondern sich beim nebenan stattfindenden „United Maydance“ um den Verstand hotten und sind für uns folgerichtig komplett uninteressant.

Also stürzen wir uns lieber auf die Sekunde pünktlich mit drei oder vier Bier in der Hand in die knackig volle Halle und sehen, wie die inzwischen von Ricky Warwick gefronteten THIN LIZZY dem Mob mit dem fulminanten Eröffnungstriple ´Are You Ready´, ´Jailbreak´ und ´Killer On The Loose´ einen netten Tritt in den Allerwertesten verpassen. Und weil das Ambiente der Halle Münsterland einfach ein schönes ist (checkt das Teil mal bei Wikipedia), Warwick spätestens beim alten Gassenhauer ´Whiskey In The Jar´ alle potenziellen Pubgänger am Haken hat und - was ja auch längst keine Selbstverständlichkeit bei Konzerten mehr ist - die Getränkeversorgung reibungslos funktioniert, stellt sich nach dem Ende des Lizzy-Gigs tatsächlich so was wie Frühlingsgefühl ein. Oder liegt das doch am Bier? Ist ja eigentlich auch egal. Aber wie ich so vor mich hin sinniere und dabei finde, dass Richard Fortus, hauptberuflich Guns-N´Roses-Gniedler von Axls Gnaden, aber heutiger Klampfer von Thin Lizzy, gar nicht mal so kacke war, erklärt mir ein Kollege an der Bar, dass Damon Johnson (Brother Cane, Alice Cooper) die sechs Saiten bedient hat. Glück gehabt! Hätte ich tatsächlich „Der Fortus war´s!“ geschrieben, wäre ein netter Shitstorm losgebrochen. So nach dem Motto: „Wenn wir schon ein halbes Monatsgehalt für das Heft hinblättern müssen, haben wir ein Anrecht darauf, dass sich der Schreiber das Konzert auch tatsächlich ansieht!“

Das bleibt mir jetzt gottlob erspart, aber aus Schaden wird man bekanntlich klug, weshalb ich mich, begleitet von Himmelstein, ins Getümmel direkt vor der Bühne stürze - und zwar auf die Seite von K.K.-Downing-Ersatz Richie Faulkner (!). Der macht seine Sache musikalisch ziemlich gut, erinnert in seinem Outfit aber an eine Lamettatanne und schafft es tatsächlich, während der ersten vier Songs gefühlte 800 Plektren ins Publikum zu ballern. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den es an diesem Abend gibt, denn was JUDAS PRIEST abliefern, ist großes Kino. Halford klingt deutlich besser als bei vergangenen Touren, selbst wenn er bei einer Nummer wie ´The Sentinel´ zwangsläufig an seine Grenzen stößt. Die Band wirkt nach wie vor motiviert und schnürt ein pralles zweieinhalbstündiges Best-of-Programm, das keine Wünsche offenlässt - inklusive Lasershow und fies über den Boden wabernden Nebels im John-Carpenter-Style (remember „The Fog - Nebel des Grauens“?). Und dann feiert ´Turbo Lover´, die Nummer, die jeder Priest-Fan schon immer oberscheiße fand, an diesem Abend in Münster ein rauschendes Comeback und wird vom kompletten Publikum (ja, auch von Himmelstein und mir...) bierselig mitgegrölt. Mehr retro geht nicht.

Als wir nach einem gigantischen Zugabenblock zurück zu Götzens Auto stolpern, hüpfen die jungen Damen von nebenan immer noch beim „United Maydance“ vor sich hin. So töfte wie bei uns kann´s aber trotzdem nicht gewesen sein.

Setlist JUDAS PRIEST:

Rapid Fire
Metal Gods
Heading Out To The Highway
Judas Rising
Starbreaker
Victim Of Changes
Never Satisfied
Diamonds And Rust
Dawn Of Creation
Prophecy
Night Crawler
Turbo Lover
Beyond The Realms Of Death
The Sentinel
Blood Red Skies
The Green Manalishi (With The Two-Pronged Crown)
Breaking The Law
Painkiller
------------------
The Hellion/Electric Eye
Hell Bent For Leather
You´ve Got Another Thing Comin´
Living After Midnight

Pic: Hans-Martin Issler

Bands:
JUDAS PRIEST
THIN LIZZY
Autor:
Thomas Kupfer

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