Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.02.2016

GRIM REAPER , VENOM INC. , HYPNOS , BLIZZEN , AMBUSH , EVIL INVADERS , LIEGE LORD , STEVE GRIMMETT , RAM , SEPTAGON - METAL ASSAULT VI

Würzburg, Posthalle

„Willkommen am Hauptbahnhof Würzburg“, tönte es von nebenan, doch etwa 900 Metaller ließen sich von der wohlklingenden Stimme nicht anlocken: Sie gingen lieber eine Tür weiter in die Posthalle, denn hier ist zum sechsten Mal das Metal Assault Festival angesagt. Wie im Vorfeld angekündigt, wurde das Festival Lemmy gewidmet, so dass in den Umbaupausen ausschließlich Motörhead-Beschallung lief und seitlich auf der Bühne ein kleiner Schrein mit einem Lemmy-Poster aufgebaut war – standesgemäß mit zwei Kerzen und vor allem zwei Flaschen Jack Daniel´s dekoriert.

Bei den Finnen ANGEL SWORD erwirbt sich Sänger und Gitarrist Jerry Razors durch die meist deutschsprachigen Ansagen eine Menge Sympathien. Allerdings kommt die finnische Mischung aus Heavy Load, will heißen schwedischem NWOBHM-Sound, und frühen, leichten Teutonenstahl-Legierungen à la Trance etwas dünn rüber. Die pünktlich zum Festival erschienene erste CD klingt glücklicherweise deutlich besser. (sg)
Langsam füllt sich die Halle, und HYPNOS haben jedes Menschlein vor der Bühne verdient. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum hatten die schwedischen Heavy-Action-Boogie-Rocker 2014 ein Kleinod für Anbeter der ganz alten Judas Priest veröffentlicht. Und auch live bleiben Sänger Philip Lindgren und seine vier Mitstreiter nichts schuldig. Tight, selbstbewusst und mit einigen vielversprechenden Liedern des derzeit in Arbeit befindlichen Zweitwerks im Gepäck, ist die Meute auch zu früher Stunde leicht zu überzeugen. Chapeau!
Speed aus deutschen Landen – nicht zu Unrecht werden die hessischen BLIZZEN gerne mit ihren Artgenossen Stallion verglichen. Die „Time Machine“-EP lief mit der dargebotenen Mischung aus Iron Maiden und frühen Running Wild geschmeidig rein – und nach Originalitätspreisen fragt bei Festivals wie dem Metal Assault ohnehin (fast) keiner. Guter Gig einer beachtenswerten Band.
Thrash with class anyone? Die von Markus „Ulle“ Ulrich (Lanfear) gegründeten SEPTAGON haben mit „Deadhead Syndicate“ eine erfrischende Mischung aus alten Anthrax, Forbidden und Heathen auf CD gebannt, und auch auf der Bühne funktioniert die Chose trotz einiger Sound- und Tightness-Probleme. Das bekannteste Gesicht ist Sänger Markus Becker, den seine Erfahrungen mit Atlantean Kodex zu einem lässig-sympathischen Entertainer gemacht haben. Daumen hoch für DIE neue deutsche Thrash-Hoffnung! (lk)
AMBUSH zählen zur Garde der wilden jungen Schweden-Metaller und bestechen vor allem durch ihre unbändige Spielfreude. Dass ihr Frontmann dabei fast lieber eine Bier- bzw. Whiskeyflasche als ein Mikro in der Hand hält, tut dem gelungenen Auftritt keinen Abbruch, denn auch das Songmaterial kann überzeugen. (wk)
Nachdem Ambush das Niveau deutlich angehoben haben, können die Belgier EVIL INVADERS spielend mithalten und in Sachen Ekstase sogar noch locker einen draufsetzen, so dass man teilweise meint, die Jungs würden über die Bühne fliegen. Das Publikum lässt sich von der Überschallshow mitreißen, die Halle kocht förmlich über. (sg)
Das letzte Gastspiel von RAM in Deutschland war 2014 beim Swordbrothers Festival. Da man mittlerweile mit „Svbversvm“ ein Hammeralbum in der Hinterhand hat, ist es Zeit, genau das zu promoten. Übercool schon das Gänsehaut-Intro mit dem Widdermann-Auftritt; später folgt noch ein Kettensägen-Amokläufer. Was die Schweden musikalisch bieten, ist Heavy Metal in seiner pursten Form. Passend dazu das Banner „Bang Your Head Or Lose It“ und die Shirts mit dem Aufdruck „Dedicate Your Life To Heavy Metal Or Die“. (wk)
Nach drei maximalen Adrenalin-Dosen stellt zeitloser, gediegener NWOBHM-Sound die perfekte Abwechslung dar – vor allem, wenn er von der immer noch machtvollen Stimme eines Steve Grimmett vorgetragen wird und solche Hits wie der Opener ´Rock You To Hell´ oder ´Fear No Evil´ erklingen. Als Tribut an Ronnie James Dio und mittlerweile ja leider auch Jimmy Bain streuen die Briten zudem ´Don´t Talk To Strangers´ in ihr Programm ein. Das Publikum steht wie ein Mann hinter der Band, und in jeder Pause schwellen sofort „Grim Reaper“-Sprechchöre an. Ergo: STEVE GRIMMETT´S GRIM REAPER rocken uns während ihrer einstündigen Show keineswegs in die Hölle, sondern direkt in den Himmel.
Die Hölle ist vielmehr jetzt angesagt: Nachdem wir vor einigen Monaten beim Keep It True Festival im Rahmen der M:Pire-Of-Evil-Show die Geburt von VENOM INC. miterlebt hatten, ist die Band um die beiden Venom-Urmitglieder Mantas und Abaddon mittlerweile flügge geworden. Seit dem Metal Assault kann man sagen, dass die Satansbraten live mindestens so viel Spaß wie die „Cronos-Venom“ machen. Erwartungsgemäß stehen die ersten drei Venom-Platten im Mittelpunkt des Geschehens, und Songs wie ´Die Hard´, ´Schizo´, ´Live Like An Angel (Die Like A Devil)´ und natürlich ´Black Metal´ lassen die Menge ausrasten. Einzige Enttäuschung: Abaddon verspielt sich kein einziges Mal nennenswert, so dass die ganze Sache fast schon etwas zu unrumpelig rüberkommt... (sg)
Nach dem ersten Song spricht mich ein begeisterter Leser an, dass er einen positiven LIEGE LORD-Bericht lesen möchte. Kein Problem, denn die Amerikaner können das Niveau ihres glorreichen Keep-It-True-Auftritts 2013 halten. Eindrucksvoll demonstriert man, wie hochklassiger US-Power-Metal zu klingen hat, und bietet einen Querschnitt seiner drei Achtziger-Alben. Mit ´Kill The King´ hat man dabei einen Rainbow-Klassiker im Programm, den Ritchie Blackmore diesen Sommer niemals so gelungen spielen wird. Liege Lord haben mit ihrem heroischen Sänger Joe Comeau, der perfekten Rhythmusmaschine Frank Gilchriest (Riot V), dem nicht alternden Basser Matt Vinci und zwei Ausnahmegitarristen das wohl stärkste Line-up der Bandgeschichte am Start. Und die beste Nachricht des Abends ist, dass die alten Alben in einem Package neu veröffentlicht werden und auch an neuem Material gewerkelt wird. (wk)

Metal, Metal und noch mehr herrlichen Metal ließen sich in Würzburg in den Schädel hämmern: Wolfram Küper (wk), Ludwig Krammer (lk) und Stefan Glas (sg).

Bands:
SEPTAGON
BLIZZEN
EVIL INVADERS
HYPNOS
RAM
AMBUSH
STEVE GRIMMETT
VENOM INC.
GRIM REAPER
LIEGE LORD
Autor:
Wolfram Küper
Stefan Glas

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