Schwatzkasten

Schwatzkasten 22.09.2004

BÖHSE ONKELZ - MATTHIAS „GONZO“ RÖHR (Böhse Onkelz)

Der Legende nach hat MATTHIAS „GONZO“ RÖHR seinen Spitznamen der Tatsache zu verdanken, dass er früher stets eine Plastiktüte mit dem Ted-Nugent-Album „Double Live Gonzo!“ mit sich herumschleppte. Die Plastiktüte hat mittlerweile ausgedient, und abgesehen von dieser Marotte ist der Gitarrist der Böhsen Onkelz ein völlig „normaler“, bodenständiger Typ geblieben - mit einem leichten Hang zum Zerschreddern von fahrbaren Untersätzen vielleicht...

Gonzo, was ist das abgefahrenste Gerücht, das du je über dich gehört hast?

»Da fällt mir eigentlich nichts ein, denn ich wurde nie von irgendwelchen Spinnern für tot erklärt, und meine Frau hat mich auch noch nie verdächtigt, mit fünf Tussis gleichzeitig rumzumachen. Obwohl, ich weiß es: Wir haben mit der kompletten Band mal in Berlin durchgesoffen, und ich habe es wirklich geschafft, nur mit Alkohol durchzukommen. Wir sind durch sämtliche Kneipen gezogen. Am Tag danach hat meine Frau, als ich nicht da war, auf meinem Zimmer angerufen und sich danach prompt bei Stephan gemeldet. Wir hingen gerade zusammen ab, und als ich ans Telefon gegangen bin, gab´s schon ´ne Ansage: „Was, du hast die ganze Nacht durchgemacht? Nimmst du Drogen, oder was?“ Schön, wenn die wildesten Gerüchte von der eigenen Familie in die Welt gesetzt werden...«

In welcher Zeit würdest du gerne leben, wenn du eine Zeitmaschine besteigen könntest?

»Ich bin eigentlich zufrieden mit der Zeit, in der ich aufgewachsen bin. Als Kind der sechziger Jahre hat man den Vorteil, Anfang der Siebziger noch so coole Sachen wie die Woodstock-Filmpremiere mitbekommen zu haben. Obwohl, wenn ich´s mir recht überlege, wäre es vielleicht schön gewesen, noch zehn Jahre früher geboren worden zu sein. Dann hätte ich selbst zu dem Konzert fahren können.«

Was ist das Verrückteste, das du je gemacht hast?

»Schwierig, darauf eine Antwort zu finden, denn wir haben ja schon einige verrückte Sachen angestellt. Wenn man „verrückt“ im Sinne von „sein Leben verändern“ sieht, dann vermutlich, dass ich vor 25 Jahren in Frankfurt vor der Batschkapp stand und das Angebot von drei großmäuligen Typen angenommen habe, in ihre Band einzusteigen. Ich konnte ja nicht ahnen, was da noch alles auf mich zukommen sollte, hahaha!«

Was ist das Extravaganteste, das du dir je gekauft hast?

»Ich neige eigentlich nicht zu Extravaganzen. Das Einzige, für das ich recht empfänglich bin, sind Autos. Auch die waren nie besonders teuer, aber einmal habe ich mir einen alten Cadillac gegönnt.«

Würdest du dich für „Playgirl“ ausziehen?

(Wie aus der Pistole geschossen:) »Nein.«

Mit wem würdest du gerne mal ein Wochenende lang in einem Fahrstuhl eingeklemmt sein?

»Da fallen mir einige Leute ein. Lemmy wäre kein schlechter Fahrstuhlgenosse, denn der kann die Zeit bestimmt mit ´ner Unmenge interessanter Geschichten vertreiben. Am liebsten wäre ich aber mit meiner Frau eingesperrt. Allerdings ohne die Kinder.«

Mit wem möchtest du nie zusammen in der Sauna sitzen?

»Mit Lothar Matthäus.«

Welchen Filmhelden oder -schurken würdest du gerne verkörpern, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?

»Fantômas! Louis-de-Funès-Filme haben mich als Kind immer total fasziniert.«

Könntest du ohne Fernseher leben?

»Ja, kein Problem. Ich habe ja mal ´ne Zeit lang in Irland gewohnt, und da konnte man nur das englische Fernsehprogramm empfangen. Das war so beschissen, dass du den Fernseher notgedrungen ausgeschaltet hast. Trotzdem hatte ich in Dublin eine super Zeit, denn weil ich auch kein deutsches Satellitenfernsehen empfangen konnte, habe ich einfach mehr Musik gehört als sonst.«

Was war dein größter Irrtum?

»Da gab es keinen (lacht)...«

Wann hast du dein erstes Auto zu Schrott gefahren?

»Falsche Frage! Bei mir muss es heißen: Wann hast du dein erstes Motorrad zu Schrott gefahren?

Und, wann war das?

»Direkt nach der Führerscheinprüfung; das ging recht zügig. Wir haben mit ´ner Freundin Geburtstag gefeiert, und auf dem Rückweg nach Hause bin ich total besoffen in einen Jägerzaun gedonnert. Der Führerschein war natürlich direkt wieder weg, und das Motorrad durfte ich in den nächsten drei Jahren auch noch abbezahlen.«

Wie sah das kaputteste Auto aus, das du je besessen hast?

»Es ist noch nicht so lange her, da habe ich auf Ibiza ein Auto zu Schrott gefahren. Das war ein Jeep Cherokee, und die Straßen in Ibiza sind ja bekanntermaßen nicht so super, sondern völlig verstaubt und versifft. Ich hatte mit ´nem Kumpel einen getrunken und wollte noch mal in die Stadt fahren, um was Essbares zu kaufen. Allerdings habe ich einen Kreisverkehr etwas zu forsch angefahren und bin bei den Leuten, die direkt nebenan wohnten, im Garten gelandet.«

Da gab´s dann wohl ein großes Hallo, oder?

»Man muss dazu sagen, dass ich wirklich voll war, denn wir hatten den ganzen Tag wie die Irren Wein und Schnaps in uns reingekippt. Aber die Leute waren recht verständnisvoll. Irgendwann kam dann die Polizei, und der Bulle, der den Unfall aufnehmen musste, hat noch mehr nach Alkohol gestunken als ich. Wir haben uns ´ne Zeit lang angestarrt, und irgendwann meinte er: „Okay, gib mir deinen Führerschein. Den kannst du in zwei Stunden wieder auf dem Revier abholen.“ Ich dachte, ich hör nicht recht, aber genau so ist es gelaufen. Glück gehabt...«

Was würdest du tun, wenn du einen Tag lang unsichtbar wärst?

»Mich den ganzen Tag am Pool in die Sonne legen.«

Was würdest du tun, wenn du ohne Geld, Sprachkenntnisse und ohne eine deutsche Botschaft in der Nähe auf einem fremden Kontinent gestrandet wärst?

»Gitarre spielen, und wenn das nicht hilft, darauf vertrauen, dass mir irgendwelche netten Leute was zu essen geben.«

Wo würdest du am liebsten wohnen?

»Momentan wohne ich auf Ibiza und fühle mich da wirklich pudelwohl. Für Ende des Jahres plane ich einen Umzug nach Südamerika, nach Uruguay, um genau zu sein. Freunde von mir sind da kürzlich hingezogen und total begeistert. Die wohnen etwa anderthalb Stunden entfernt von Buenos Aires, und dort gibt es eine riesige Musikszene, in der ich mich entsprechend austoben kann. Da beginnt alles wieder von vorne.«

Kannst du dir selbst ´ne Mahlzeit zubereiten, oder ist die Küche für dich eher Sperrgebiet?

»Ja, was denkst denn du? Meine Frau hat von mir das Kochen gelernt. Ich kriege eigentlich alles, was mir schmeckt, ganz gut hin, aber ich bevorzuge eine einfache Küche mit frischen Zutaten, die ich auf irgendwelchen Gemüsemärkten einkaufe. Die besten Märkte, die ich bis jetzt gesehen habe, gab´s übrigens in Mexiko - auch wenn man da als Tourist gut über den Tisch gezogen wurde.«

Welche Drogen kannst du auf keinen Fall empfehlen?

»Alle.«

Hast du schon mal im Knast gesessen?

»Ja - und zwar bei der Bundeswehr wegen „Kameradenmisshandlung“. Das hört sich jetzt krass an, hat aber folgenden Hintergrund: Ich war bei der Marine, und jeden Freitag musste alles sauber gemacht werden, sonst durftest du nicht nach Hause. Manchen Leuten war das aber scheißegal; die haben sich allem verweigert und gar nichts gemacht. Wenn die in ihrem Bereich geschlampt haben, durfte der Rest der Besatzung aber auch nicht ins Wochenende fahren. Von den Unteroffizieren wurde ich zur Aufsicht eingeteilt, und als ich gerade jemandem klarmachen wollte, dass er auch mit anpacken muss, kam ein Offizier vorbei und erwischte mich beim Verteilen von Ohrfeigen. Also steckte man mich in Bremerhaven drei Wochen in den Knast und nahm mir jedes Mal am Abend Gürtel, Messer und Gabel ab, damit ich nicht etwa einen Selbstmordversuch unternehme. Um die drei Wochen nicht auch noch an meine Wehrzeit angehängt zu bekommen, habe ich tagsüber in der Waffenkammer gearbeitet und hatte da sogar Zugang zu scharfer Munition. Typisch Bundeswehr...«

Wann hast du zum letzten Mal ´ne Kirche von innen gesehen?

»Das ist noch gar nicht so lange her, denn in meiner Freizeit besuche ich gerne folkloristische oder klassische Konzerte, und die finden auf Ibiza vorzugsweise in Kirchen statt.«

Was wäre aus dir geworden, wenn du nicht Musiker geworden wärst?

»Keine Ahnung, denn seit frühester Kindheit war es mein Traum, Musiker zu werden. Heute Morgen habe ich noch daran zurückgedacht, denn ich fuhr mit dem Auto durch die Gegend, in der ich als Kind aufgewachsen bin. Das ist ´ne ziemlich ländliche Gegend, und beim Blick auf die Weizenfelder kamen mir meine Gedanken von damals wieder in den Sinn. Ich hatte mir ´ne Gitarre gekauft und wollte nur Musiker werden. Als einer von wenigen habe ich das auch tatsächlich geschafft.«

Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt erinnern?

»Oh ja. Die Show fand in Niederbach in der Stadthalle statt, und der Eintritt betrug 99 Pfennige. Es durfte halt nicht so teuer sein. Ich war etwa 15 Jahre alt, und wir haben nur Coverversionen gespielt. ´Detroit Rock City´ von Kiss und so´n Zeugs. Ich kann mich noch so gut an den Auftritt erinnern, weil in die Halle 200 Leute reinpassten und etwa 50 da waren. Die sind aber total abgedreht und rumgehüpft wie im Sportunterricht. Einige sind sogar die Sprossenwände hochgeklettert. Passenderweise hieß unsere Band Destroyer.«

Wann und wo hast du deinen übelsten Auftritt absolviert?

»Das muss 1995 oder 1996 gewesen sein; an das genaue Datum erinnere ich mich nicht mehr. Wir haben mit den Onkelz in Österreich in einigen Minihallen gespielt, die eher an Festsäle erinnerten. Das waren so Dinger in irgendwelchen Kuhdörfern, die in der Ecke meist noch ´ne fest installierte Bar hatten. Kevin ist jedenfalls in der Mitte des Konzerts total besoffen rückwärts in Pes Drumkit gefallen, und natürlich ist prompt alles auseinander geflogen. Das war das totale Chaos, aber irgendwie passte es zu der Gegend, denn es hat ständig geschneit, es war arschkalt, und wir sind überall zu spät angekommen.«

Treibst du Sport?

»Ja, ich segle ab und zu, und manchmal spiel ich auch Golf. Dazu hat mir allerdings in den letzten zwei Jahren die Zeit gefehlt. Auf Ibiza gibt´s einen Golfclub, da kannst du - wie in Amerika - völlig ungezwungen auflaufen und spielen. So was finde ich cool. Aber leider ist das nicht der Normalfall. Mit ´nem Freund war ich mal in der Nähe von Marbella golfen. Das war weniger lustig, denn die hatten richtig strenge Regeln. Das war so ein steifes Programm, das da gefahren wurde, so dass wir uns ein Golfcart geklaut haben und kreuz und quer über die Anlage gebrettert sind. Als Aufseher hatten sie da ehemalige britische Soldaten, die mit ´nem Stöckchen in der Hand die Einhaltung der Regeln überwacht haben. Da wir vor unserer vereinbarten Abschlagszeit ankamen, wollte man uns noch nicht spielen lassen, also sind wir mit dem Cart über die Straßen gebrettert, und der Obermacker hat uns 20 Minuten lang verfolgt. Er kam aber nie näher als 50 Meter an uns ran, denn sein Golfwagen fuhr ja auch nicht schneller als unserer. Als wir dann endlich angehalten haben, ist er so frech geworden, dass wir ihm erst aufs Maul hauen wollten. Das konnten wir uns zwar noch gerade so verkneifen, aber seitdem habe ich keinen Golfschläger mehr angefasst.«

Was ist die peinlichste Platte, die in deiner Sammlung steht?

»Lass uns lieber über das peinlichste Plattencover aller Zeiten reden: Das ist definitiv „Heilige Lieder“. Die Scheibe an sich finde ich super, aber über das Cover muss ich jedes Mal lachen. Das ist so was von scheiße...«

Was war die erste Platte, die du dir gekauft hast?

»Gekauft oder geklaut, hahaha? Die erste Single war Suzie Quatros ´48 Crash´.«

Und das erste Album?

»Mein Vater hat mir viele LPs geschenkt, aber mit James Last konnte ich damals nicht wirklich viel anfangen. Also habe ich in einem Laden Kiss´ „Alive I“ geklaut.«

Wie sah die übelste Abzocke aus, der du je persönlich aufgesessen bist?

»Das kann ich dir genau sagen: Im Hamburger Hotel Atlantic 34 Mark für einen Hamburger an den Roomservice zahlen zu müssen.«

Was ist in deinen Augen die mieseste Band der Welt?

»Kann ich nicht beantworten, denn ich rede generell nicht schlecht über andere Musiker. Am Ende des Tages ist das doch alles eh eine Frage des persönlichen Geschmacks.«

Welche Musik kannst du dir persönlich nicht anhören?

»Techno.«

Hat dich schon mal ein Fan richtig genervt?

»In manchen Situationen nerven Fans schon mal, aber an einen speziellen Vorfall kann ich mich jetzt nicht erinnern. Ich freue mich schon darauf, auf der anstehenden Tour mit den Leuten zu reden. Das finde ich superinteressant. Ich habe mir fest vorgenommen, übermorgen in Wacken direkt zu den Fans zu gehen, ein Bier zu trinken und mich zu unterhalten. Das ist aufschlussreich und macht mir totalen Spaß, denn die Meinungen unserer Fans bedeuten mir eine ganze Menge. Beim Schreiben neuer Songs würden sie mich aber nicht beeinflussen.«

Was hältst du für deine schlechteste Angewohnheit?

»Ich trinke gerne.«

Und deine größte Stärke?

»Das sollen andere beurteilen.«

Leidest du eher unter Minderwertigkeitskomplexen oder unter Größenwahn?

»Weder noch. Ich halte mich für einen ganz normalen Typen.«

Wie wichtig ist deine Familie für dich?

»Meine Frau und die zwei Kinder sind das Wichtigste in meinem Leben.«

Hast du manchmal das Gefühl, komplett wahnsinnig zu werden?

»Nein, denn ich bemühe mich immer um Ausgeglichenheit. Ich kann allerdings auch mal sauer werden - frag mal meine beiden Hunde...«

Wie ist es um deine Kondition bestellt? Schaffst du eher einen 1.500-Meter-Lauf oder 30 Pils?

»Das kriege ich beides problemlos hin.«

Was war der mieseste Job, den du je gemacht hast?

»Ich habe zwar immer versucht, die miesesten Jobs zu umgehen, aber einmal hat das nicht geklappt. Der beschissenste Job waren wohl die 15 Monate bei der Bundeswehr.«

DISCOGRAFIE

Soundtracks zum Untergang 2 (Compilation, 1982)

Der nette Mann (1984)

Böse Menschen - böse Lieder (1985)

Mexico (Mini-LP, 1985)

Onkelz wie wir (1987)

Kneipenterroristen (1988)

Lügenmarsch (Picture-Disc, Mini-LP, 1989)

Es ist soweit (1990)

Wir ham´ noch lange nicht genug (1991)

Heilige Lieder (1992)

Live in Vienna (1992)

Ich bin in dir (EP, 1992)

Weiß (1993)

Schwarz (1993)

Gehasst, verdammt, vergöttert... (Compilation, 1994)

Finde die Wahrheit (EP, 1995)

Hier sind die Onkelz (1995)

E.I.N.S. (1996)

Live In Dortmund (1997)

Terpentin (EP, 1998)

Viva Los Tioz (1998)

Dunkler Ort (EP, 2000)

Ein böses Märchen (2000)

Gestern war heute noch morgen (Compilation, 2001)

20 Jahre - Live in Frankfurt (CD/DVD, 2001)

Keine Amnestie für MTV (EP, 2002)

Dopamin (2002)

Onkelz vs. Jesus (EP, 2004)

Adios (2004)

Bands:
BÖHSE ONKELZ
Autor:
Onlineredaktion

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