Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 30.05.2012

PHLEFONYAAR , DARK FORTRESS , NACHTMYSTIUM , VERDELET - Köln, Die Werkstatt

Wer zur Hölle ist das? Und was wollen die? Die sehr wenige Köpfe umfassende Menge in der eh recht kleinen Werkstatt empfängt PHLEFONYAAR mit Ratlosigkeit. Das liegt einerseits daran, dass ihr Logo kaum zu entziffern ist, aber auch daran, dass der rumpelige, dreckige, bitterböse Stil der Briten das musikalische Äquivalent von Rostnägeln in Buttersäure ist: nicht appetitlich, nicht bekömmlich, aber immerhin eindringlich. Irgendetwas zwischen Death, Grind und Doom ist es, das Phlefonyaar angemessen unsauber spielen. Es wäre überraschend, wenn nach dem Auftritt bei irgendwem einzelne Songs hängengeblieben sind, Atmosphäre aber ist geschaffen.

VERDELET versuchen es auf die dramatischere Tour. Ihr Sänger gibt den satanischen Hohepriester, die ganze Band ist liebevoll geschminkt, ihre Musik jedoch als Mischung aus Death-Thrash und altem Norweger-Kram wie Immortal und Satyricon vergleichsweise unauffällig. Hat man sich einmal an die Optik gewöhnt, was recht schnell geht, bleibt ein Genremix, der weder die Kraft von Death- oder Thrash Metal noch die Atmosphäre nordischer Raserei hat. „Verdelet“ heißt übrigens auch eine Traubensorte, deren Wein Wikipedia als „recht neutral, aber etwas unangenehm im Geschmack“ beschreibt. Kommt hin.

DARK FORTRESS zeigen dann, wie man recht ähnliche Musik mit recht ähnlicher Optik ungleich besser spielen kann. Zwar leiden die Bayern darunter, dass der matschige Sound den Details ihrer jüngeren Kompositionen nicht gerecht wird, aber schon ihre präzise Technik verleiht den Songs überzeugende Wucht. Einzig der vom nächsten Album stammende Song löst im Publikum merkliches Befremden aus. Zu schleppend, zu sperrig ist das Ding. Das Publikum verzeiht jedoch gern, zumal noch genügend Highspeed-Epen folgen und gegen Ende des Dark-Fortress-Auftritts das absolute Besuchermaximum erreicht ist.

Dass sich bei NACHTMYSTIUM ein leichter, aber durchaus merklicher Rückgang einstellt, mag daran liegen, dass die Amerikaner konsequent ihr garstigstes, finsterstes Gesicht zeigen. Und das meint nicht nur Blake Judd, der sein Mikrofon beim Kreischen und Schreien derart wahnsinnig anstarrt, dass man Mitleid mit dem armen Ding bekommt. Als wenn Nachtmystium etwas zu beweisen hätten, blenden sie ihre moderne, experimentelle Seite komplett aus. Die Setlist verzichtet auf melodiöses Material wie ´Nightfall´ oder ´No Funeral´, wie sie überhaupt nur wenig von „Addicts“ enthält. Stattdessen bauen die Amerikaner auf Old-School-Gebretter wie ´Cold Tormentor (I´ve Become)´, mit Unterstützung einiger Hymnen wie ´Assassins´. Was noch an Feinheiten in den Songs steckt, wird, wie schon bei Dark Fortress, vom mäßigen Sound komplett verschluckt. Der Auftritt ist zwar sehr intensiv, zumal Blake ein charismatischer Frontmann ist. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, an diesem Abend längst nicht alles gesehen und gehört zu haben, was Nachtmystium letztlich wirklich ausmacht.

Bands:
PHLEFONYAAR
NACHTMYSTIUM
VERDELET
DARK FORTRESS
Autor:
Tobias Blum

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