Vorwort


Foto: Jay Gilbert

Vorwort 22.05.2019, 08:00

ENDE GELÄNDE (?)

Vielleicht lag mein lange andauerndes Achselzucken in Sachen Kiss daran, dass meine musikalische Sozialisation, einhergehend mit meinem Teenager-Dasein, in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre begonnen hat, also in einer Zeit, in der unsere Titelhelden mit „Asylum“ (1985), „Crazy Nights“ (´87) und „Hot In The Shade“ (´89) nicht gerade auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens waren, um es vorsichtig auszudrücken.

Jedenfalls hat mich „Crazy Nights“, mein im Alter von 13 erstes „neu“ gekauftes Kiss-Album, selbst als unkritischerer Alles-Aufsauger kaum gepackt, der Stellenwert der Band war mir damals dementsprechend ein Rätsel, höchstens vergleichbar mit AC/DC, deren „Blow Up Your Video“ ich mir ebenfalls nicht schönhören konnte. Während ich Angus Young & Co. dann allerdings schnell lieben lernte, weil ich von einem älteren Nachbarn, dessen Musikgeschmack sich scheinbar verändert hatte, mit dem Superpaket „High Voltage“, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „Powerage“ und „Highway To Hell“ versorgt wurde, blieb meine Skepsis Kiss gegenüber erst mal bestehen, ich habe mir 1992, als mich der zuerst erfrischende Grunge- und Alternative-Boom ernsthaft zu nerven begann, noch nicht mal „Revenge“ gekauft, obwohl in dieser Phase quasi JEDE halbwegs klassische Hardrock- und Heavy-Metal-Veröffentlichung in meinen Einkaufskorb gewandert ist, so weit es die Kohle zuließ.

Heute empfinde ich im Falle Kiss komischerweise komplett anders: Zwar bedeuten mir die Make-up-Rocker rein musikalisch trotz richtig geiler Platten wie „Dressed To Kill“, „Destroyer“, „Love Gun“ und vor allem natürlich „Alive!“ und „Alive II“ nach wie vor nicht ganz das, was Teile der „Konkurrenz“ (Led Zeppelin, Deep Purple, Scorpions, Black Sabbath...) in mir auslösen; auf fast nichts stürze ich mich mittlerweile allerdings bereitwilliger als auf Storys mit und über Gene Simmons, Paul Stanley sowie deren - sie mögen es mir verzeihen - zahlreiche Wasserträger. In einer Rock´n´Roll-Welt, in der man vor lauter Gleichschaltung und Shitstorm-Angst, die gerne zu einer kompletten Meinungslosigkeit führt, immer öfter das Gähnen bekommt, gibt´s nun mal kaum was Geileres als die Larger-than-life-Statements der Kiss-Protagonisten, von unserem Maniac Jan Jaedike mit einer einzigartigen Mischung aus riesigem Nerd-Wissen und gesunder Ironie regelmäßig herausgekitzelt wie - und das meine ich ernst - wohl von keinem zweiten Schreiber.
Dass Kiss, die sich unter dem Banner „End Of The Road - The Final Tour Ever“ momentan auf Abschiedsreise befinden (was auch immer das letzten Endes bedeuten mag...), den neuen Rock-Hard-Titel schmücken dürfen, war dementsprechend relativ schnell ausgemachte Sache - und es hat sich gelohnt, wie ich finde. Neben neuen O-Tönen von Simmons und Gitarrist Tommy Thayer liefern wir Euch nicht nur ein Vergessene-Song-Juwelen-Special, sondern auch eine Aufarbeitung des (tendenziell albernen) „Lipsync-Skandälchens“ sowie ein Zitate-Best-of aus 35 Jahren Rock Hard, das als krönender Abschluss hoffentlich keine Fragen mehr offen lässt.

Oder um es mit unserem aktuellen Soundcheck-Sieger Whitesnake zu sagen: Shut up & kiss me!

P.S.: Bei Erscheinen des Heftes sind es noch gut zwei Wochen bis zum Rock Hard Festival (alle Infos ein paar Seiten weiter hinten im Heft). Soweit wir gehört haben, ist das Billing 2019 NOCH besser als sonst, das Wetter NOCH schöner, das Bier NOCH leckerer. Kein Grund also, NICHT hinzufahren!

P.P.S.: Der diesmonatigen Gesamtauflage liegt in Zusammenarbeit mit PlayFusion ein wertiges „Warhammer“-Kartenset bei, das für die Gamer unter Euch von großem Interesse sein dürfte. Wir wünschen viel Spaß damit!

Autor:
Boris Kaiser

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