Festivals & Live Reviews

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OVERKILL , IN FLAMES , ROYAL REPUBLIC , HATEBREED , ARCH ENEMY , SABATON - Devil Side Festival 2012

Nachdem die ursprünglich bereits für das vergangene Jahr geplante dritte Ausgabe des Devil Side Festivals aufgrund der terminlichen Kollision mit der Big-4-Show in Gelsenkirchen und dem damit einhergehenden Publikumsmangel von den Veranstaltern abgesagt wurde, startet das Devil Side 2012 einen neuen Versuch. Die diesjährige Ausgabe findet im Gegensatz zu seinen Vorgängern weder im Duisburger Landschaftspark (2009), noch auf dem Campus der Universität Essen (2010), sondern auf dem weitläufigen Parkplatz der Oberhausener Turbinenhalle statt.

Der Wechsel der Location hat aus veranstaltungstechnischer Sicht sicherlich gleich mehrere Vorzüge: Die Turbinenhalle ist konzerterprobt und verfügt über dementsprechende logistische Möglichkeiten, zugleich ist sie hervorragend an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Der Parkplatz bietet mehr als genug Raum für zwei mittelgroße Bühnen und eine Händler-/Food-Meile. Gleichzeitig hätte man im Unwetterfall die Möglichkeit, in die Halle auszuweichen – in diesem als November getarnten Sommer ist das viel wert. An diesem Wochenende sind die Wettergötter jedoch gnädig und bedenken die knapp 6.000 Besucher überwiegend mit Sonnenschein. Wir haben uns im folgenden die Highlights aus dem dreitägigen Festivalprogramm herausgepickt. (jp)

Freitag
Statt am Freitag nur harten Metal auf die Ohren zu bekommen, wie man es vom Devil Side erwarten würde, sorgen die Punkrocker von BETONTOD für einen Genrewechsel. Mit dem Song 'Auf eine gute Zeit' eröffnen sie ihr Konzert und werden ordentlich gefeiert.  Das Publikum ist textsicher und unterstützt die Punker außerdem mit diversen Pogo-Einlagen. "Metaller, ihr steht doch auch auf Punkrock", leitet Oliver den letzten Song 'Viva Punk' ein. Nach dem Konzert legt er noch Wert auf Publikumsnähe und kommt zur ersten Reihe, um Plektren und Setlisten zu verteilen.

Am späteren Nachmittag sorgen ARCH ENEMY für den musikalisch härteren Teil des Festivals. Passend zum aktuellen Albumtitel "Khaos Legions" erzeugt die schwedische Melodic-Death-Formation eine Kriegs- und Chaosstimmung auf der Bühne. Die ohnehin schon geladene Atmosphäre wird von der Band mit dem Schwingen der ARCH ENEMY-Fahne und dem gemeinsamen Tragen von Armbinden noch angeheizt.
Während des Konzerts beklagt sich Power-Frontfrau Angela Gossow mehrmals über die Minimallautstärke: "Wir sind auf 88 Dezibel. Da schrei ich ja ohne Mikro lauter!" Aber auch unter solch widrigen Bedingungen weiß die schmale Frau die gewohnte Härte der Songs authentisch rüber zu bringen. Mit den Krachern 'Dead Eyes See No Future' und 'We Will Rise' trotzt sie dem Lautstärkelimit und will "Blut spritzen und Knochen fliegen lassen". Das Publikum unterstützt sie dabei tatkräftig mit Mosh- und Circlepits. Abgerundet wird das Konzert durch den Song 'Nemesis', bei dem das Publikum nicht mehr zu halten ist.

Anschließend rockt DORO die Hellstage mit vielen Klassikern im Gepäck. Unter anderem werden 'Metal Racer', 'Running From The Devil' und 'Breaking The Law' ausgepackt. Außerdem präsentiert DORO ihren neuen Song 'Raise Your Fist In The Air', der von dem Publikum sofort mitgegröhlt wird. Außerdem traut sich DORO als einzige eine Ballade zu performen. Der Song 'Für immer' sorgt für Gänsehautfeeling und feuchte Augen. Durch das Lied wird die Stimmung aber kein bisschen runtergezogen, im Gegenteil, die Fans zeigen Textsicherheit und genießen den ruhigen Part des Konzertes. Am Ende der Show gibt DORO noch ihren Kracher 'All We Are' zum Besten und hinterlässt eine vollkommen zufriedene Menge.

Die kanadischen Rocker von DANKO JONES sind heute Co-Headliner und müssen mit einem recht spärlich besetzten Publikum vor der Devil Stage ordentlich abrocken. Trotz des etwas störenden Sound- und Light-Checks der Nebenbühne lassen sich DANKO JONES nicht irritieren. Mit Hits wie 'Lovercall' und 'Had Enough' bringen sie die Menge zum Toben. "Wer lieber drüben den Soundcheck anstatt uns genießt, der ist selbst Schuld und verpasst was", teilt Danko den Hardcore-In-Flames-Fans mit, die sich die vordersten Plätze vor der Hell Stage sichern wollen.
Obwohl die Stimmung bei dem Song 'Cadillac' ihren Höhepunkt erreicht, schafft es Danko nicht das Publikum zu einem Moshpit zu animieren. Trotzdem freut er sich auf den nächsten Auftritt beim Devil Side und hofft, dass er 2013 wieder dabei sein kann. (fp)

Im Anschluss machen IN FLAMES ihrem Namen alle Ehre und starten mit ordentlich Feuerwerk unter tosendem Applaus in ihre knapp 90-minütige Headliner-Show. Und mal ganz im Ernst: Über die Qualitäten einer Band, die es sich leisten kann, einen Kracher wie ‘Cloud Connected‘ direkt als Opener zu verbraten, muss man sich sicherlich keine Gedanken mehr machen. IN FLAMES hauen einen Klassiker nach dem anderen raus, überzeugen mit bombastischer Licht- und ebensolcher Pyroshow und zeigen sich in spielerischer Bestform. Frontmann Anders Fridén scherzt unentwegt mit dem Publikum und fordert in der Ansage zu ‘Fear Is The Weakness‘ die „alten Leute aus den hinteren Reihen“ auf, sich per Crowdsurfing nach vorne transportieren zu lassen. Aufgrund der Aussicht auf einen Sturz auf den mit spitzen Steinen gespickten Boden kommen zwar nur wenige Wagemutige der Aufforderung nach, für gute Laune sorgen die Publikumsinteraktionen aber allemal. Später im Set verbrennt sich der Fronter beinahe seine Nase an einer Flammensäule und kommentiert das Missgeschick lapidar mit „so rasieren wir uns bei IN FLAMES eben“. Den Konzert- und gleichzeitig Tagesabschluss bildet ‘My Sweet Shadow‘. Wer danach noch nicht genug hat, kann sich bis spät in der Nacht auf der Aftershow-Party in der Turbinenhalle die Kante geben. (jp)

Samstag
Als dritte Band, auf der Hellstage, spielen am Samstag die schottischen Power-Metaller von ALESTORM. Sie selbst nennen ihre Musik True Scottish Pirate Metal. Der Stil scheint beim Publikum gut anzukommen. Viele Piraten und Piratenbräute haben sich vor der Bühne versammelt, um den Seeräubern zu lauschen. Besonders die Keytars stechen bei den Songs heraus und verleihen der Musik ihren eigenen außergewöhnlichen Klang. Mit elektroninischen Keytar-Soli, lustigen Verkleidungen und stumpfsinningen Song-Ansagen gelingt es ALESTORM das Publikum für sich zu begeistern. Die Stimmung ist durchgehend fröhlich, friedselig und ausgelassen. Nach dem Konzert laufen die einzelnen Bandmitglieder über das Festivalgelände, um sich mit Fans fotografieren zu lassen und Autogramme zu geben.

OVERKILL sind nun an der Reihe dem Publikum vom Devil Side einzuheizen. Die 1980 gegründete Thrash-Metal-Band hat trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch nichts von ihrem Handwerk verlernt. Obwohl der Altersdurchschnitt des Publikums um einige Jahre gestiegen ist, geht die Menge bei den Klassikern 'Oldschool' und 'Rotten To The Core' richtig mit. Während die Gitarrenfraktion um Dave Linsk und Derek Tailer mit diversen Soli aufwarten, sorgt Bobby Blitz sorgt für kleine Schockmomente, als er auf die Bühne gerannt kommt und beinahe mit seinen Bandkollegen zusammenstößt. Am Ende des Konzertes involviert Bobby das gesamte Publikum bei dem bahnbrechenden Song 'Fuck You' und verabschiedet sich mit der Einladung zu ihrem Konzert am 20.10. in Bochum. (fp)

AMORPHIS wollen im Anschluss nicht so richtig zünden: Zwar sind die Finnen in rein musikalischer Hinsicht (wie eigentlich immer) über jeden Zweifel erhaben, können jedoch bedingt durch die Tatsache, dass sie am helllichten Tag auftreten müssen, nicht die für ihre Shows übliche und nötige Schummeratmosphäre aufbauen. Dazu kommt, dass der Sound vor der Bühne wie bei fast allen anderen Bands sehr leise geraten ist.

Mit demselben Lautstärken-Problem haben zwar auch SUICIDAL TENDENCIES zu kämpfen, kompensieren den Missstand aber durch eine unglaubliche Agilität und Spielfreude, die beim gemischten Publikum durchweg gut ankommt. Besonders Fronter Mike Muir macht Bühnenmeter ohne Ende, während die Band einen Klassiker nach dem anderen raushaut. Den Abschluss macht das live-erprobte ‘Pledge Your Allegiance‘, und SUICIDAL TENDENCIES können sich sicher sein, dass sie heute ein paar neue Fans dazugewonnen haben.

Vor der SABATON-Show wird es vor der Hell Stage richtig voll: Bei den Schweden herrscht gefühlt der größte Publikumsandrang des Tages. Kein Wunder, denn die Herren um Sänger Joakim Brodén haben mit “Carolus Rex“ ein erstklassiges neues Album am Start und genießen ohnehin den Ruf einer hervorragenden Live-Band, dem sie auch heute wieder alle Ehre machen. Bereits ab dem Opener ‘Ghost Division‘ können sich SABATON einer Publikumsunterstützung erfreuen, die auf dem diesjährigen Devil Side Festival ihres Gleichen sucht. Auch Joakim entgeht nicht, dass beinahe jeder Song von der Menge textsicher und in voller Lautstärke mitgegröhlt wird. Im Gegenzug zollt er dem Publikum mit zahlreichen deutschen (!) Ansagen seinen Respekt. Auch abseits der musikalischen Leistung lassen es SABATON im wahrsten Sinne des Wortes richtig krachen: Die Schweden haben eine gigantische Pyroshow aufgefahren, welche sogar die von IN FLAMES am Vortag noch übertrifft und fast schon ein wenig überdimensioniert für die mittelgroße Bühne wirkt. Zum Abschluss heizt die Band mit ‘Metal Crüe‘, inklusive einer Crowdsurfing-Einlage des Frontmanns, noch einmal richtig ein. SABATON sind definitiv der Abräumer des Tages.

Ein wenig leerer wird es im Anschluss bei HATEBREED. Zwar geben die Amis um Front-Schreihals Jamey Jasta auf dem Headliner-Slot alles und werden vom Publikum auch nach Kräften unterstützt, können aber weder mit der Wucht der SUICIDAL TENDENCIES-Show, noch mit dem schieren Bombast des SABATON-Auftritts mithalten. Sei’s drum, denn den angereisten Fans gefällt’s allemal – und beschweren kann sich ob des starken Samstags-Gesamtpakets sowieso niemand. (jp)

Sonntag
Während die Konzerte am Freitag und Samstag auf den beiden Open-Air-Bühnen auf dem Parkplatz stattfanden, findet das bunte Treiben am Sonntag seine Fortsetzung in der Turbinenhalle. Als POWERWOLF in ihr Set einsteigen, steht die Luft bereits vor der Bühne. Die Show beginnt anlässlich des letzten Albums "Blood Of The Saints" mit einer Art Kircheneinzug. Die Band ist in priesterliche Gewänder gehüllt und Fronter Attila Dorn schwenkt ein Weihrauchgefäß. Begleitet wird diese Darbietung mit einem Orgelspiel, dass an eine Messe erinnert. POWERWOLF spielen anschließend einen Hit nach dem anderen und bei jedem ist die Menge voll dabei.  (fp)

THIN LIZZY gehen mit knackigen 50 Minuten Verspätung auf die Bühne der Turbinenhallen, die noch maximal zur Hälfte gefüllt ist. Das Sextett hat es trotz eines guten Konzerts angesichts des bunten Publikums-Mix nicht ganz einfach. Viele Zuschauer beäugen Ricky Warwick & Co. interessiert, rasten aber nicht gerade vor Begeisterung aus. Erst bei ´Whiskey In The Jar´ bricht das Eis und die Textzeilen werden lautstark mitgesungen.

ROYAL REPUBLIC haben von Anfang an einen leichteren Stand als Thin Lizzy. Viele Zuschauer scheinen nur auf die Schweden gewartet zu haben und wippen von Anfang an begeistert mit zu den Klängen der Setlist, die neben einem angespielten Cover von ´Ace Of Spades´ sogar Material vom neuen Album „Save The Nation“ enthält. Als absolutes Stimmungs-Highlight entpuppt sich der Live-Kracher ´Full Steam Space Machine´, bei dem das Publikum begeistert mithüpft. Frontmann Adam entpuppt sich wieder einmal als unterhaltsame Frontsau, widmet Bastian Schweinsteiger einen Track, prügelt gegen Ende des Sets gemeinsam mit Drummer Per enthusiastisch auf das Schlagzeug ein und animiert die Fans beim Schlusssong in die Hocke zu gehen und auf Kommando hochzuspringen. (cs)

Auf dem Devil Side waren für euch Frauke Papencort (fp), Jens Peters (jp) und Conny Schiffbauer (cs) unterwegs.

Bands:
SABATON
ARCH ENEMY
OVERKILL
ROYAL REPUBLIC
HATEBREED
IN FLAMES
Autor:
Frauke Papencort
Conny Schiffbauer
Jens Peters

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