Crossfire

Crossfire 23.10.1996

GRIP INC. , MOONSPELL - Crossfire

Diesmal unterzogen sich die folgenden Herrschaften unserem Hörtest: Auf der einen Seite die tapferen Portugiesen Fernando, Ares und Mike von MOONSPELL, zum anderen Gus Chambers und Waldemar Sorychta von GRIP INC.

MANOWAR - Number One

Fernando: »Ganz klar, die neue MANOWAR. Hört sich an, als ob sie wieder zurück zu den Wurzeln wollten.«

Ares: »Erinnert an ´Blow Your Speakers´. Ich war schon immer ein Fan von den Jungs, mag sogar „Triumph Of Steel“ und „Kings Of Metal“, auch wenn einige Leute meinten, daß diese beiden Scheiben nicht so doll sind.«

Fernando: »Meine Lieblingsscheibe von MANOWAR ist „Hail To England“ - und vor allem das Stück ´Bridge Of Death´. Das ist echt satanisch...«

Gus: »Was ist denn das für ein hanebüchener Text? Ist das ein Song über die olympischen Spiele? Jaja, blood and muscles...«

Waldemar: »Sie sollten mehr Zeit im Studio als im Fitneß-Center verbringen...«

THERION - To Mega Therion

Ares: »Das sind THERION. Sehr geile Scheibe. Ich fand damals schon ihr allererstes Album beeindruckend, aber nachdem ich „Symphony Masses“ und „Lepaca Kliffoth“ gehört hatte, war mir klar, welches Potential in dieser Band steckt. Sie haben sich wirklich von Platte zu Platte gesteigert. Mir gefällt diese Mischung aus Klassik und Metal. Die Opernstimmen sind auch klasse.«

Fernando: »Wow, ich bin beeindruckt. Ich kenne Christofer und glaube, daß er die Idee für ein solches Album schon länger hatte, ihm aber immer das Budget dafür fehlte.«

Mike: »Interessanter Snare-Sound. Der Drummer hat ein paar gute Ideen. Mit denen sollten wir mal auf Tour gehen, das würde gut passen.«

Gus: »Die kommen auf jeden Fall aus Europa. Kommt wie ´ne härtere Version von Sisters Of Mercy oder Love Like Blood. Erinnert teilweise auch an Sadist. Auf jeden Fall gut gemacht.«

Waldemar: »Das ist sehr gewagt. Sie packen vielleicht ein bißchen zu viele Ideen in einen Song, geben dabei aber eine gute Figur ab. Da würde ich gerne mal die ganze Platte hören.«

PSYCHOTIC WALTZ - Northern Lights

Ares: »Klingt ein bißchen nach Dream Theater. Die Riffs sind echt gut, aber die Bass-Drum klingt ziemlich dumpf. Ach, das sind PSYCHOTIC WALTZ? Komisch, mir hat man mal erzählt, daß sie progressiven Death Metal spielen würden...«

Mike: »Der erste Eindruck macht mich neugierig. Diese Scheibe muß man wahrscheinlich öfter hören, um sie richtig zu begreifen.«

Waldemar: »Haut mich nicht vom Hocker. Es gibt zu viele Bands, die diese Mucke spielen. Ich meine, das ist schöne Musik, aber einfach zu gewöhnlich.«

Gus: »Not my cup of tea.«

WOLFPACK - Enter The Gates

Fernando: »Das Basis-Riff erinnert mich an einen alten Onslaught-Song, nur viel punkiger.«

Ares: »Keine Ahnung, wer das sein könnte. Wie, die sind aus Schweden? Ich hätte auf Amis getippt. Geht auf jeden Fall gut nach vorne los.«

Waldemar: »Sind das Entombed mit neuem Sänger? Die Gitarren sind jedenfalls typisch schwedisch heruntergestimmt.«

Gus: »Das gefällt mir sehr gut. Sie haben die Energie gut eingefangen und klingen schön schmutzig.«

ZZ TOP - What´s Up With That

Ares: »Eric Clapton? Nein? Die kommen auf jeden Fall aus den Südstaaten. Ah, ZZ TOP! Diese Musik paßt gut in einen Pub, in dem man sich einfach nur unterhält und ein paar Bier trinkt. Würde ich mir aber nicht zu Hause anhören.«

Mike: »Wußte gar nicht, daß die ´ne neue Platte gemacht haben. Vor ein paar Jahren habe ich oft ZZ TOP gehört. Ihre Videoclips fand ich immer sehr witzig.«

(Anm. d. Verf.: Grip Inc. konnten ZZ TOP nicht kommentieren, da der CD-Player den silbernen Rundling immer wieder ausspuckte.)

PHANTOMS OF FUTURE - King Of Solitude

Fernando: »Der Gesang ist ganz schön abgedreht. Das gefällt mir sehr gut. Das Riff ist schön heavy, es gibt abgefahrene Effekte, und die Produktion ist klasse. Ah, das sind die PHANTOMS. Hat uns Siggi aus dem Woodhouse-Studio schon mal vorgespielt, und es hat mir damals schon gefallen.«

Ares: »Das ist zwar sehr originell, aber für meinen Geschmack zu durcheinander. Gibt mir nicht besonders viel.«

Gus: »PHANTOMS OF FUTURE. Großartige Band, vor allem auch live sehr intensiv. Diese Musik kann man in keine Schublade packen, und das ist für jede Band ein großes Kompliment. Der Sänger klingt manchmal wie Jello Biafra.«

Waldemar: »Das Stück finde ich völlig geil. Sie mischen sehr viele verschiedene Einflüsse, weswegen ich nicht alle Stücke von ihnen mag, aber sie sind auf jeden Fall sehr eigenständig.«

GATES OF ISHTAR - Tears

Ares: »Die kommen aus Schweden, richtig? Erinnert mich ein bißchen an At The Gates. Nicht besonders originell, aber ganz okay.«

Fernando: »Hört sich sehr klischeehaft an. Die typischen Melodieläufe. Das gibt mir gar nichts.«

Mike: »Finde ich jedenfalls besser als die meisten Black Metal-Sachen.«

Waldemar: »Das sind auf jeden Fall Schweden. Klingt, als wenn die Platte schon fünf Jahre alt wäre. Ich bewerte Bands ungern nach nur einmaligem Hören, aber diese Verbindung von schnellen, aggressiven Parts mit melodischen Gitarren-Einschüben habe ich mit Despair schon 1988 gespielt. Das ist zwar interessant, aber mir scheint es, als ob sich dieses Genre nicht weiterentwickelt hat.«

Gus: »Das sind Iron Maiden mit einem guten Drummer, haha! Nein, im Ernst: Der Trommler ist wirklich gut, und der Song knallt ordentlich. Geht in Ordnung.«

RAGE - Voice From The Vault

Ares: »Hm, sind das Blind Guardian? Nein? Dann vielleicht Rage? Ah ja, ich finde ihre „Lingua Mortis“-Scheibe mit dem Orchester sehr interessant. Das haben sie sehr gut hingekriegt. Ist eh ´ne gute Band.«

Fernando: »Dieses Stück klingt sehr untypisch für RAGE, nur am Chorus kann man die Band erkennen.«

Waldemar: »Hey, das ist doch Peavy. Seine Stimme ist total eigenständig, die erkennt man sofort. Hört sich an, als ob sie versuchen würden, etwas düsterer zu klingen, was nicht so gut zu ihnen paßt. Normalerweise machen sie ihre Sache nämlich wirklich gut. Ich bin zwar kein allzu großer RAGE-Fan, aber in ihrem Metier gehören sie zweifellos zu den Besten.«

Gus: »Da kann ich mich nur anschließen: Für diesen Bereich ist die Musik wirklich gut gemacht.«

ATROCITY - Love Is Dead

Ares: »Uh, ich mag diesen Life Of Agony-mäßigen Gesang überhaupt nicht. Das sind ATROCITY? Mein Gott, die verändern sich aber auch laufend. Früher spielten sie Death Metal, dann habe ich mal ´ne Scheibe gehört, wo sie ein wenig nach Pantera klangen, dann kam „Die Liebe“, die an Laibach erinnerte, und es gab ja auch noch „Calling The Rain“. Naja, sie stagnieren wenigstens nicht, und ich glaube, daß mir das hier gefallen würde, wenn ich mich intensiver damit beschäftigen könnte.«

Fernando: »Der Sänger klingt, als wenn er sehr unsicher wäre. Da steckt nicht genügend Power dahinter. Tut mir leid, aber damit kann ich gar nichts anfangen.«

Waldemar: »Die Jungs mögen offensichtlich Type 0 Negative. Die Gitarrenarbeit ist ziemlich interessant. Ach, ATROCITY? Mit denen haben wir mit Despair öfter zusammengespielt. Die waren schon immer ziemlich abgefahren - finde ich ganz okay.«

Gus: »Das Video habe ich kürzlich gesehen. Klingt sehr gefühlslos. Wie kann man einen solch tragischen Satz wie „my love is dead“ mit so wenig Emotionen singen? Das verstehe ich nicht.«

FRANK ALBRECHT

Bands:
MOONSPELL
GRIP INC.
Autor:
Onlineredaktion

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