Crossfire


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Crossfire 23.01.2019, 08:00

ARCH ENEMY - Crossfire...

Ohne Tracklist kommt man bei der neuen ARCH ENEMY-Cover-Compilation „Covered In Blood“ ab und an ins Grübeln, welchen Originalen das Quintett eine Metalllegierung überzogen hat. Auch wenn wir es ARCH ENEMY-Gitarrist Jeff Loomis im Crossfire nicht so schwer gemacht haben – neben den praktisch unverwechselbaren Slayer bekam der Amerikaner auch einen Song seiner ehemaligen Kapelle Nevermore zu hören –, war der umgängliche Flitzefinger aus Appleton, Wisconsin, stolz wie Bolle, dass er sämtliche Bands problemlos erkannte.

SLAYER – Vices

JEFF: »Das sind natürlich Slayer. Allerdings weiß ich nicht, welcher Song das ist. Stammt er vom letzten Album?«

Ja, die Nummer ist von „Repentless“.

JEFF: »Das kann man eigentlich schon an der Produktion erkennen. Spätestens wenn Tom mit seinem Gesang einsteigt, sollte auch dem Letzten klar sein, dass das Slayer sind. Ich habe die Jungs erst kürzlich mit Iron Maiden gesehen. Ein fantastischer Gig, zu dem mich Gary Holt (Slayer-Gitarrist - buf) eingeladen hatte. Wir sind mit Gary schon seit längerem befreundet. Er kommt auch immer zu unseren Shows, wenn wir in seiner Nähe spielen, wie erst kürzlich in Sacramento. Meine Lieblingsscheibe von Slayer ist natürlich „Reign In Blood“.«

SOUNDGARDEN – Jesus Christ Pose

JEFF: »Soundgarden! Ich hatte das große Glück, Anfang der Neunziger in Seattle zu leben, und habe von daher die Explosion der Grunge-Bewegung hautnah mitbekommen. Eigentlich komme ich ja aus einer Kleinstadt in Wisconsin, hatte mich 1990 aber mit einigen Audition-Kassetten als Gitarrist bei Sanctuary aus Seattle beworben und wurde zu meiner großen Freude genommen. Soundgarden waren fantastisch. Allerdings habe ich mich erst nach dem Tod von Chris Cornell wieder intensiver mit ihrer Musik auseinandergesetzt und realisiert, was für ein unglaublich großartiger Sänger, Texter und Performer Chris war. Als wir 1995 unseren ersten Nevermore-Videoclip zu ´What Tomorrow Knows´ in dem Gebäudekomplex drehten, in dem viele Bands aus Seattle wie Soundgarden, Alice In Chains und wir ihren Proberaum hatten, hat er den ganzen Tag mit uns abgehangen und Bier getrunken.«

MACHINE HEAD – Beyond The Pale

JEFF: »Der Song ist von der aktuellen Machine Head. Anscheinend wollen Machine Head damit musikalisch neue Wege beschreiten, was ich angesichts ihrer langen Karriere nachvollziehen kann. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wie Nevermore und Machine Head 1995 gemeinsam auf dem Dynamo Open Air gespielt haben und die Jungs eine totale Killershow ablieferten. Ich würde mich schon als Fan von Robb & Co. bezeichnen, bevorzuge aber ihre ersten zwei, drei Alben. Vor allem der Gitarrensound und das exzellente Drumming von Chris Kontos haben mich damals stark beeindruckt. Als ich mit meiner Soloband auf Tournee war, hat Chris unsere Show in San Francisco besucht. Bei der Gelegenheit haben wir einen Plausch gehalten. Netter Kerl. Robb habe ich schon öfters getroffen und kann nur sagen, dass er eine total coole Socke ist. Das gilt auch für Phil Demmel, den ich erst kürzlich kennengelernt habe, als er die Arch-Enemy-Show in San Francisco besucht und nach dem Gig noch ein bisschen mit uns im Tourbus abgehangen hat.«

WINTERSUN - Time

JEFF: »Ich glaube, ich weiß, wer das ist – Wintersun, oder? Manchmal erinnert mich die Stimme von Jari ein wenig an Warrel (Dane, 2017 verstorbener Nevermore-Frontmann - buf). Exzellente Musiker. Ich habe erst vor einigen Tagen mit ihrem Gitarristen Teemu zusammengesessen und Riffs ausgetauscht. Teemu ist ein absoluter Perfektionist und genauso nett wie der Rest der Band. Es ist ein Vergnügen, mit den Jungs unterwegs zu sein. Vor unserer gemeinsamen Tour kannte ich nicht viel von Wintersun, aber da sie jetzt jeden Abend direkt vor uns spielen, hatte ich die letzten Tage ausführlich die Gelegenheit, mich mit ihren wirklich sehr eingängigen Songs näher vertraut zu machen.«

METAL CHURCH – Beyond The Black

JEFF (nach einer Zehntelsekunde): »Metal Church! Eine weitere Band aus Seattle. Ich habe erst kürzlich eine Show der Jungs bei uns in Seattle besucht. Kurdt (Vanderhoof, MC-Gründer und Gitarrist - buf) ist ein netter Kerl und darüber hinaus ein sehr solider Gitarrist, der viele großartige Riffs geschrieben hat. Die besagte Clubshow war mit ca. 600 bis 700 Besuchern übrigens fast ausverkauft.«

NEVERMORE – We Disintegrate

JEFF: »Hoffentlich erkenne ich auch diesen Song – schließlich will ich sechs von sechs Punkten holen (lacht). Die Nummer hier ist von „Dead Heart In A Dead World“, einer meiner Lieblingsscheiben von Nevermore. Ich tue mich immer noch sehr schwer damit, Warrels Tod zu verarbeiten. Als mich die Nachricht drei Tage nach unserer letzten US-Tour mit Arch Enemy erreichte, war ich völlig geschockt. Auch wenn wir in unserer langjährigen Beziehung viele Höhen und Tiefen hatten, standen wir in der letzten Zeit wieder in regelmäßigem Kontakt, nachdem Van (Williams, Nevermore-Drummer - buf) und ich Nevermore 2011 ja verlassen hatten. Auf der einen Seite war Warrel ein wundervoller Mensch und einer der besten Heavy-Metal-Sänger und -Texter überhaupt, gleichzeitig aber auch eine sehr fragile Persönlichkeit mit einem großen Alkoholproblem. Leider hat er nie den richtigen Weg gefunden, was wirklich scheiße ist. Was mich aber am meisten schmerzt, ist die Tatsache, dass ich ihm nicht Lebewohl sagen konnte. Zumal ich insgeheim gehofft hatte, dass wir irgendwann mal wieder zusammen musizieren und Songs schreiben würden und währenddessen unsere kaputte Beziehung reparieren könnten. Auf der anderen Seite bin ich auch irgendwie froh, dass er jetzt nicht mehr leiden muss. Ich denke jeden Tag an ihn und vermisse ihn ganz schrecklich. Schließlich haben wir lange zusammen bei Sanctuary und Nevermore gespielt und dabei die halbe Welt bereist. Warrel war für mich wie ein großer Bruder. Außerdem war er es, der mir die Gelegenheit bot, ins Musikgeschäft einzusteigen, und der mir gezeigt hat, wo Barthel den Most holt. Gesegnet sei seine Seele.«

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Bands:
ARCH ENEMY
Autor:
Buffo Schnädelbach

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