Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 26.09.2018

POWERWOLF , ELUVEITIE , EPICA , WARBRINGER , VAN CANTO , GLORYHAMMER , JINJER , SODOM , GOD DETHRONED , ELLENDE - Bombenhagel über Graz

Mitte August – höchste Zeit, mal wieder auf die Kasematten zu pilgern. Was sonst als das alljährliche METAL ON THE HILL wäre der Grund hierfür? Wir schickten unseren österreichischen Mitarbeiter Markus Wechtitsch auf den Berg.

Das mittlerweile in die dritte Runde gehende Metal On The Hill bietet dieses Jahr zwar das gefühlt schwächste Line-up, verglichen mit 2016 und 2017, das hält das metallische Party-Volk jedoch mitnichten davon ab, so wie die Jahre zuvor seine Helden auf der wohl schönsten österreichischen Open-Air-Location gnadenlos abzufeiern. Bei wirklich allerbestem Sommerwetter pilgern schon des frühen Nachmittags ungezählte Black-Shirts den Schlossberg hinauf, fahren mit dem Lift oder der Schlossbergbahn. Wunderschön gelegen nebst sich anschließendem Biergarten, bedarf dieses Traumplatzerl hoch über Graz in der schönen Steiermark wohl wirklich keiner weiteren Erklärung mehr. Was die Veranstalter vom prosperierenden Eisenerzer Label Napalm Records hier kontinuierlich auf die Beine stellen, verdient höchsten Respekt, nicht umsonst feiert das Label heuer sein 25-jähriges Jubiläum. Da darf man ruhig mal klatschen!

Der Freitag

Los geht´s erst mal mit einer Absage. Vinegar Hill mussten ihren Opener-Slot aus Krankheitsgründen an die Lokalmatadoren von ELLENDE abtreten. Die Grazer Post-Black-Metal-Helden passen mit ihrem teils sehr atmosphärischen Sound zwar in die sengende steirische Sonne wie ein blutiges Fleischlaberl auf einen Veganer-Stand, können aber die noch spärlich erschienenen Fans sofort auf ihre Seite ziehen. Immer wieder schön zu sehen, welch enormes Potenzial in unseren heimischen Bands schlummert.
Knüppel aus dem Sack, WARBRINGER aus dem noch sonnigeren (geht das eigentlich?) Kalifornien tun sich nicht sonderlich schwer, die jetzt schon tobende Meute mit ihrem old-schooligen Gebräu ordentlich ins Schwitzen zu bringen. Irgendwo zwischen Exodus, alten Metallica und Testament angesiedelt, zelebriert das US-Quintett mit bärenstarken Granaten wie ´Living Weapon´ oder ´Hunter-Seeker´ die goldene Ära des Bay-Area-Thrash-Metal, dass einem die Äuglein ob dieser brodelnden Leidenschaft feucht werden. Auch die ersten Crowdsurfer beginnen hier ihr feucht-fröhliches Werk, was sich noch das gesamte Festival hinziehen wird.
Man muss sie einfach lieben: Tatiana und ihre Jungs von JINJER sind als Nächstes am Start. Nachdem sie schon zwei Jahre zuvor im Dom im Berg aufgespielt hatten, lassen sie mittlerweile schön langsam den Status als Insider-Geheimtipp hinter sich und liefern einen wahrhaft hochexplosiven Set ab, den Tatiana in unnachahmlicher Manier und mit unwahrscheinlich variablen Vocals dominiert. Die Frau kann alles: heftige Growls, Klargesang, beschwörendes Flüstern. Kracher wie ´I Speak Astronomy´, ´Cloud Factory´ oder auch ´Just Another´ sind da reine Selbstläufer. Eine mehr als sympathische Band aus der Ukraine, von der man noch viel hören wird!
A cappella auf einem Metal-Festival, kann das funktionieren? Es kann! VAN CANTO aus Deutschland beweisen, wie gut auch stromlose Musik unterhalten kann, wenn sie auf ein tolerantes und aufgeschlossenes Publikum trifft. Und das hat wahrlich seinen Spaß an den teilweise sehr ulkigen Einlagen der Jungs und der scharfen Inga, die sich in ihrer ureigenen Rakkatakka-Manier auch an Klassiker wie ´Kings Of Metal´, ´Fear Of The Dark´ oder ´Wishmaster´ herantrauen. Auch hier gilt: sehr sympathisch!
Aber dann: Bombenhagel over Graz! Niemand Geringeres als die Ruhrpott-Legende SODOM macht sich auf, ihre Kult-Hits (und nirgends wäre das leider inflationär verwendete Wort „Kult“ angebrachter als hier!) auf ein mehr als dankbares Publikum abzufeuern, schließlich gab es lange Jahre keine Gigs mehr auf österreichischem Territorium. Ins Auge sticht als Erstes der heimgekehrte Sohn Frank „Blackfire“ Gosdzik, der den langgedienten Gitarristen Bernemann ersetzt. Auch Makka sitzt nicht mehr hinter den Drums, seitdem Tom Angelripper die Band umgekrempelt hat. Aber was soll man sagen, Sodom machen einfach Spaß! Da geht es Schlag auf Schlag. ´Blasphemer´, ´Silence Is Consent´, ´Outbreak Of Evil´. Und jaaa, klarerweise ´Agent Orange´, beinahe die Sodom-Hymne schlechthin! Nachdem ´Remember The Fallen´ verklungen ist und die Band ´Ausgebombt´ intoniert, entert plötzlich ein Mädel die Bühne, um an einen verstorbenen Freund zu erinnern. Onkel Tom lässt sie natürlich gewähren. Starker Zug, Angelripper!
Na gut, dann also zu POWERWOLF, dem Headliner des ersten Tages. Ich persönlich stehe der pseudo-religiösen Attitüde der Band schon seit jeher immens skeptisch gegenüber, aber dass die Saarbrücker es verstehen, ihre Apostel um sich zu scharen, ist unumstritten. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Es wird eine regelrechte Messe zelebriert, die mich jedoch nur zu einer Reaktion verleitet: der blitzartigen Flucht nach ganz hinten, weswegen mir eine zuverlässige Bestandsaufnahme nicht weiter möglich ist.

Der Samstag

Die ersten drei Bands des zweiten Tages verpasse ich leider Satans, schlage aber rechtzeitig vor der Bühne auf, um die holländische Death-Metal-Gottheit GOD DETHRONED live mitzuerleben. Und mit was für einer bitterbösen Walze rund um die Thematik des Ersten Weltkriegs hier das Publikum plattgemacht wird! Bei ´Poison Fog´ etwa sieht man förmlich die Schlachtfelder in Flandern vor dem geistigen Auge brennen. Das Material des neuen Albums „The World Ablaze“ reiht sich nahtlos in die bisherige Diskografie ein. Ein Phänomen ist dieser Henri Sattler ja schon: Seit gut einem Vierteljahrhundert durchgehend Qualität abzuliefern und trotzdem nie den wirklichen Durchbruch zu erzielen, verlangt einem Respekt ab.
Von den belgischen Thrashern EVIL INVADERS wird mir nur die nette Anekdote zugetragen, wonach der Sänger eigentlich inkognito im Biergarten seinen Bierdurst löschen wollte, natürlich von seinen höchst motivierten Fans erkannt wurde, daraufhin vollends mit diesen absackte und nur zum Merch-Holen wieder backstage gesichtet wurde.
Und dann, dann kommen endlich die Publikumslieblinge des gesamten Festivals, den Shirts auf dem Gelände nach zu urteilen: The mighty GLORYHAMMER, die „beste Band der Welt“! Was für ein buntes Spektakel wird hier aufgefahren: Opulenz, gewaltiges Backdrop, Kostüme, Dramatik, Epik, ein überdimensionaler Hammer – schlicht: Fantasy-Power-Metal in Vollendung. Man mag zur Band stehen, wie man will, sie zaubert einem mit Liedern wie ´Rise Of The Chaos Wizards´ umgehend ein Lächeln ins Gesicht und wird gnadenlos abgefeiert. Und da sind sie wieder, die Crowdsurfer, diesmal in einem Ausmaß, das alles bisher Gesehene locker toppt. Alle Richtung Galactic Fortress – so die Aufforderung des Sängers –, soll heißen: der Bar. Scheiße, das war richtig mächtig cheesy! Wahre Legends of the Astral Hammer!
Aber nun: Hopp, Schwyz! Die Schweizer Folk-Institution ELUVEITIE braucht man niemandem mehr großartig vorzustellen, zu ausgiebig ist sie durch aller Herren Länder getourt, und viele haben sie schon mehrfach live erlebt. Wieder einmal hat das Besetzungskarussell rund um Fronter Chrigel ordentlich rotiert, man sieht neue Gesichter unter den Musikern wie etwa die bezaubernde Fabienne Erni an der Harfe und am Gesang. Die Meute geht jedenfalls gut ab bei Brechern wie ´Rebirth´, es gibt aber auch balladeske Klänge wie ´A Rose For Epona´ oder Hymnen wie ´Thousandfold´. Standardmäßiger Abschluss ist natürlich ´Inis Mona´. Immer wieder gut, diese folkige Eidgenossenschaft!
Dann heißt es, sich bereitzumachen für den großen Headliner, nämlich EPICA aus den Niederlanden. Female-fronted Metal, wie man so was heutzutage nennt. Auch wenn noch immer gut was los ist, ein bisschen scheint Skepsis im Publikum aufgekommen zu sein, denn irgendwie war bei Gloryhammer noch deutlich mehr Alarm. Anyway, die Jungs und Mädels um Ausnahme-Chanteuse Simone Simons genießen anscheinend einen Sonderstatus in der Szene und punkten vor allem auch durch Humor. Bei ´Sancta Terra´ etwa bekommt Simone mittendrin so etwas wie einen kleinen Lachanfall, ich vermute mal wegen des Mannes mit dem gebogenen Keyboard. Sieht ja auch wirklich lustig aus. Auch hier reichlich Opulenz, mächtige Chöre, hymnische Refrains bei Songs wie ´Unchain Utopia´ oder ´Consign To Oblivion´. Großes Kino, meine Dame, meine Herren!
Alles in allem bleibt festzustellen, dass sich das Metal On The Hill fest in der hiesigen Festival-Landschaft etabliert hat und man ein rundum positives Resümee ziehen kann. Auch für nächstes Jahr hat man bereits namhafte Acts wie Hammerfall oder Ensiferum verpflichten können. See you on the Hill!

Bands:
GLORYHAMMER
EPICA
SODOM
ELUVEITIE
ELLENDE
POWERWOLF
WARBRINGER
GOD DETHRONED
VAN CANTO
JINJER
Autor:
Onlineredaktion

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