Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 30.05.2012

ORCHID , LORD VICAR , SIGIRIYA - Berlin, White Trash

Berlin im Doom-Fieber: Erst statten uns die Okkult-Newcomer Year Of The Goat und die Ambient-Helden Saturnalia Temple einen Besuch ab, und nicht einmal eine Woche später kommen die Seventies-Verehrer Orchid zusammen mit den klassischen Doomstern Lord Vicar vorbei. Da freut sich die gar nicht mal so überschaubare Anhängerschaft langsamer Töne, zu der lokal bedingt auch ein Teil der Alternative-Studentenschaft gehört, einen Kullerkeks, und zumindest heute ist die Bude voll.

Allerdings nicht sofort: SIGIRIYA müssen das Publikum erst mal vor die Bühne locken, schaffen das aber mit einem unglaublich schweren Sound und der lockeren, sympathischen Art. Eine halbe Stunde lang zelebrieren die Waliser ihre gut in den Nacken gehenden Songs und haben sicherlich den einen oder anderen Fan gewonnen. In der ersten Reihe stehen übrigens Musiker von Lord Vicar, die ihre Tourmates von vorne bis hinten abfeiern.

Die revanchieren sich beim von Anfang bis Ende überzeugenden LORD VICAR-Auftritt, der genau das richtige Maß zwischen ultraschweren und langsam dahinrollenden Riffs sowie einigen Midtempo-Beschleunigungen trifft. Sänger Chritus nuschelt leider stark, weshalb die Ansagen kaum zu verstehen sind. Überhaupt macht der Kerl einen ziemlich verstrahlten Eindruck, der gut zu den Graswolken passt, die regelmäßig aus dem Backstage-Bereich herübergeweht kommen. So gibt Chritus heute den Teddy auf der Bühne, hat in seinem Gesang aber dennoch mehr als genug Ausdruck, um das Publikum fesseln zu können, während seine Kollegen ihm die musikalische Bühne bereiten und dabei einen Heidenspaß haben. Genauso wie das Publikum, das nach vorne drängelt und die Haare schüttelt.

Bei ORCHID ist die Bude dann voll und schwitzig. Das Quartett schafft es mit unerwarteter Lockerheit, gegenüber Lord Vicar noch eine ordentliche Schüppe nachzulegen und sich als bessere, weil erdigere, verspieltere, spontanere und im Gesangsbereich sehr viel souveränere Alternative zur Ozzy-&-Friends-Black-Sabbath-Ersatztour zu präsentieren. Schlagzeuger Carter gibt ordentlich Punch und legt zusammen mit dem dauergrinsenden und mit dem Publikum turtelnden Bassisten Nickel wahlweise mächtige Grooves oder angefunktes Rhythmus-Allerlei vor, auf das Gitarrist Mark seine Riffs aufbauen kann. Die endgültige Veredlung des Songmaterials übernimmt Sänger Theo, dem man absolut Unrecht tut, wenn man ihn einfach nur als Ozzy-Osbourne-Kopie bezeichnet. Der Kerl hat eine absolut markante, vor allem kräftige Stimme und glänzt auch ganz Deep-Purple-like an der Percussion. Die Band ist gut aufeinander eingespielt und vor allem sehr spielfreudig, einzig Mark schaut ein bisschen übermüdet aus der Wäsche, glänzt aber mit gefühlvollem Spiel. Die Setlist ist ein guter Querschnitt aus der EP und dem Album und hat mit ´Saviours Of The Blind´ auch einen komplett neuen Song am Start, der mit viel Tempo definitiv Bock auf mehr macht. Bock hat auch das Publikum, das die Band abfeiert und nur sehr ungern von der Bühne lässt.

Setlist ORCHID:

Son Of Misery
No One Makes A Sound
Eyes Behind The Wall
Capricorn
Black Funeral
Saviours Of The Blind
Eastern Woman
He Who Walks Alone
Into The Sun

Pic: Saskia Gaulke

Bands:
SIGIRIYA
ORCHID
LORD VICAR
Autor:
Felix Patzig

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