ToneTalk

ToneTalk 16.03.2011

ACCEPT - »Der beste Gitarrist ist für mich Uli Jon Roth«

Name: Wolf Hoffmann
Geboren: 10. Dezember 1959
Band: Accept
Instrument: Gitarre

Aus Platzgründen konnten wir leider nicht den kompletten Tonetalk mit Wolf Hoffmann auf der diesem Heft beiliegenden DVD unterbringen. Dass Wolf durchaus noch einiges Interessantes mehr zu erzählen hatte, könnt ihr hier nachlesen.

Wolf, bekanntlich hast du auch Einflüsse aus der klassischen Musik.

»Eher eine Vorliebe. Ich bin nicht der typische klassische Spieler und hatte diesbezüglich auch kein Training. Ich hatte zwar schon immer Gefallen daran, bin aber kein klassischer Gitarrist.«

Also inspirieren dich eher die Melodien und Harmonien aus der Klassik?

»Klar. Ich hatte nie die Geduld, mich mit der Technik eines klassischen Gitarristen auseinanderzusetzen. Der klassische Gitarrist setzt sich auf sein Stühlchen und übt jahrelang, das war aber nie mein Ding. Ich wollte immer mit einer Band spielen und Radau machen.«

Welche Gitarristen haben dich am ehesten in jungen Jahren beeinflusst?

»Ein ganz großer Einfluss war sicherlich Ritchie Blackmore, ohne Frage. Aber auch AC/DC mit Angus Young und diesen bluesigen Geschichten zählen dazu. Aber in erster Linie ging es um die Riffs, woraus ja dann auch unsere typischen, aggressiven Accept-Riffs wurden.«

Früher hast du neben den typischen, weißen Flying Vs, die zu eurem Trademark wurden, auch mal ein weiße Strat gespielt.

»Ja, die spiele ich auch heute noch. Im Moment habe ich eine Lieblingsgitarre, und da geht es mir so wie den meisten anderen auch, am liebsten hätte ich noch mal genau dieselbe als Ersatzinstrument. Aber irgendwie fühlt die sich dann doch ein bisschen anders an, da Gitarren eigentlich nie genau identisch sind. Deshalb nehme ich auch immer noch die Strat mit, damit der Gitarrentechniker zwischendurch meine eigentliche Lieblingsgitarre stimmen kann.«

Hast du im Laufe der Zeit durch die permanente Lautstärke Probleme mit den Ohren bekommen?

»Häh? Was??? Nee, das geht noch.« (lacht)

Vielleicht kannst du uns mal erklären, was du neben deinem Amp noch so alles auf der Bühne stehen hast.

»Lauter Gelumpe (lacht). Ich hatte auch früher eigentlich schon immer ein kleines Rack und bereits in frühester Kindheit ein kleines Pedalboard, mit dem ich verschiedene Sounds abrufen konnte. Am liebsten ist es einem natürlich, wenn man einfach in den Verstärker reingeht und ansonsten gar nichts hat. Aber damit ist man dann auch extrem eingeschränkt, deshalb war es mir schon immer lieber, ein paar kleine Sounds abrufen zu können. Neben den beiden 19“-Sachen von Rocktron habe ich hier noch einen PCL-Vintage-Amp im 19“-Format. Das ist mein sogenannter Flug-Amp, d.h. der Amp kommt zum Einsatz, wenn wir uns irgendwo in einem fremden Land am Flughafen treffen und es zu umständlich wäre, das Topteil mitzunehmen. Dann ist es immer schön, wenn man selbst einen Amp dabei hat, den man kennt, im Handgepäck mittransportieren kann, und man sich nicht auf das verlassen muss, was einem vor Ort zur Verfügung gestellt wird. Solange ich aber mein Engl-Topteil dabei habe, kommt der nicht zum Einsatz. Der liegt hier jetzt nur mit den anderen Sachen auf dem Amp, weil ich das immer alles in einem Rutsch abhebe und verpacke. Ansonsten habe ich hier nur noch ein kleines Noisegate-Floorpedal. Das war´s.«

Hampus, der Gitarrist von Bullet, würde gerne wissen, ob ihr schon mal ein Album im betrunkenen Zustand aufgenommen habt?

»Wahrscheinlich alle Alben. Nee, Spaß beiseite. Wir waren auch früher nicht die Partyband oder die absoluten Chaoten und haben uns dementsprechend nie so die Kante gegeben.«

Also lief´s bei euch immer alles sehr diszipliniert ab?

»Nicht immer sehr diszipliniert, aber ausgeufert ist es auch früher nicht. Heute sind wir ja eh schon im gesetzten Alter, da geht´s eher konzentriert zur Sache.«

Hampus fragt auch, ob die beiden verbrannten Flying Vs vom „Restless And Wild“-Cover noch existieren?

»Nein, das waren billige Kopien.«

Das wäre dann auch meine Frage gewesen. Als Kind habe ich stundenlang mit dem Cover in der Hand dagesessen und mit Hilfe einer Lupe versucht herauszufinden, ob das originale Gibson-Flying-Vs waren.

»Nein, das waren billige Kopien. Wir haben vorne ein Gibson-Schild draufgemacht, und fertig. Die haben wir danach weggeworfen.«

Es wäre ein schönes Andenken, wenn die Dinger noch existieren würden.

»Klar, heute hätte ich die auch gerne noch. Als wir neulich in L.A. ein Video drehten, hatte der Regisseur die Idee, die Sache noch mal aufleben zu lassen, und das Ergebnis sieht auch ziemlich gut aus. Selbstverständlich waren aber auch das keine echten Gibsons, wir sind ja nicht blöd und stecken richtige Gitarren an.« (lacht)

Hampus will noch wissen, was du selbst für dein bestes Gitarrensolo hältst?

»Auf der neuen Scheibe sind ein paar drauf, die ich sehr gut finde. Von den früheren Sachen würde ich ´Love Child´, ´Neon Nights´ oder ´Head Over Heels´ hervorheben.«

Die letzte Frage von Hampus ist, ob du - wie er selbst auch - besser Gitarre spielst, wenn du nackt bist?

»Habe ich noch nicht ausprobiert, könnte ich aber mal machen, da ich meine Gitarren immer alleine aufnehme.« (lacht)

Wie schreibst du Songs? Kommt zuerst ein Riff, hast du direkt eine Gesangslinie dazu im Kopf, oder ist es umgekehrt - fällt dir zunächst eine Gesangslinie ein, und der Rest entsteht dann drumherum?

»Für mich ist die Gesangslinie das A und O eines Songs. Immer. Es gibt natürlich mal Songs, da ist es nicht ganz so wichtig, was in der Strophe passiert, aber eine Hookline oder der Chorus entscheidet letztendlich über hop oder top. Man kann die einfachsten Akkordfolgen nehmen, wenn du dann eine geile Gesangsmelodie darüberlegst, kann es ein Welthit werden. Aber wenn die Gesangsmelodie mäßig ist, wird der Song meistens auch nichts. Meiner Meinung nach kann man deshalb auch gar keine guten Songs schreiben, ohne die Gesangsmelodie zu berücksichtigen. Einfach nur ein Riff zu schreiben, macht für mich keinen Sinn.«

Und wie sieht das bei deinen Solos aus? Überlegst du dir da auch erst mal eine tragende Melodie, die du dann ausschmückst, oder hast ein paar Licks, die überbrückt werden müssen?

»Oft nehme ich erst mal gar keine Gitarre in die Hand, höre mir das Lied an und überlege: Was braucht der Song denn jetzt? Was würde ich selbst gerne hören? Danach versuche ich, im Kopf eine Melodie zu entwickeln, die ich dann spiele und schaue, wie sie sich einfügt. Aber es gibt ja auch andere Arten von Solos, einfach nur Krach und brutal, bei denen der Song nicht unbedingt ein komplett ausgearbeitetes melodisches Solo erfordert. Sehr gerne mag ich es auch, wenn das Solo nicht einfach nur über den eh schon vorhandenen, zuvor gespielten Part von z.B. der Strophe oder dem Refrain gespielt wird, sondern für das Solo ein komplett eigenständiger Part komponiert wird.«

Gibt es während einer Show noch Stellen, an denen du dich mehr konzentrieren musst oder ein kleines bisschen nervös wirst? Oder kannst du die Sachen alle im Schlaf rauf und runter spielen?

»Kommt drauf an. Es gibt schon Abende, an denen man sich dabei erwischt, wie man ein bisschen nervös ist oder sich selbst ständig beobachtet. An anderen Abenden läuft alles wie geschmiert. Das ist eine Tagesform, die man selbst sehr schlecht beeinflussen kann.«

Hörst du selbst noch viel Musik und suchst nach neuen Einflüssen, oder bist du diesbezüglich schon an deinem Ziel angekommen?

»Ich bin eigentlich schon immer ein notorischer Nichthörer gewesen. Ganz früher habe ich meine alten Helden wie z.B. Blackmore, Rainbow, AC/DC, Deep Purple oder Uriah Heep gehört, aber irgendwann bin ich stehen geblieben, weil mich das Neue nicht mehr so sehr interessiert hat. Das war aber auch schon vor langer, langer Zeit. Ich habe zu Hause auch nie eine richtige Platten- oder CD-Sammlung gehabt.«

Dann wirst du wahrscheinlich in der jüngeren Vergangenheit auch keinen Gitarristen entdeckt haben, der dich begeistert hat.

»Der beste Gitarrist ist für mich Uli Jon Roth! Der ist einfach phänomenal. Technisch gibt es natürlich auch sehr viele andere begnadete Gitarristen, und mit Gary Moore ist ja gerade auch leider einer gestorben.«

Hast du Uli Roth schon mal getroffen und dir vielleicht ein paar Sachen zeigen lassen?

»Ich habe ihn gelegentlich getroffen, aber es ist nie dazu gekommen, dass er mir mal was gezeigt hätte.«

Du hast mir gesagt, dass dich zumindest die technische Seite immer noch sehr interessiert und du ständig neues Equipment ausprobierst. Wie sieht das bei dir aus? Liest du Fachmagazine, informierst du dich im Internet oder in Musikläden? Tauschst du dich mit anderen Musikern aus?

»Von allem ein bisschen. Aber am meisten schon im Internet. Ich wohne in Nashville, und von daher besuche ich schon mal die NAMM-Show, wo man auch neue Dinge sieht.«

www.acceptworldwide.com
www.myspace.com/accepttheband

Bands:
ACCEPT
Autor:
Andreas Himmelstein

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