Classic Albums


Foto: Greg Hazard

Classic Albums 24.10.2018

CIRITH UNGOL - „Frost And Fire“ (1981)

Manchmal gibt´s im Leben doch so etwas wie Gerechtigkeit. 2018 war das Jahr von CIRITH UNGOL. Erst die allererste Show in England und schon wenige Tage später der umjubelte Auftritt beim Rock Hard Festival vor der größten Kulisse ihrer Karriere. Eine Live-Platte steht definitiv auf der Agenda. Gerüchte über ein geplantes neues Studioalbum machen ebenfalls die Runde. Die Gründungsmitglieder Tim Baker (v.) und Robert Garven (dr.) schweben auf Wolke sieben und blicken gerne zurück auf das Jahrhundertwerk, mit dem alles angefangen hat: „Frost And Fire“ von 1981.

Zusammen mit Manilla Road und Brocas Helm bilden CIRITH UNGOL aus Ventura in Kalifornien das heilige Dreigestirn des Kauz-Metal. Als 1980 das sakrosankte Debütalbum „Frost And Fire“ aufgenommen wird, können CIRITH UNGOL bereits auf eine ausgedehnte Prähistorie zurückblicken: Die Roots der direkten Vorgängerband Titanic mit Jerry Fogle (g.), Greg Lindstrom (b.) und Robert Garven (dr.) reichen zurück bis ins Jahr 1970. Doch lange Zeit fehlt das letzte Teil des Puzzles: Tim Baker. Sein charismatischer Gesang prägt Stücke wie ´Frost And Fire´ und ´I´m Alive´ nicht unwesentlich. Besagtes ´I´m Alive´ entwickelte sich über die Jahre und Jahrzehnte zum vielleicht bekanntesten Song von CIRITH UNGOL, zu einer Art Erkennungshymne. War das eigentlich schon vorauszusehen, als die Nummer für „Frost And Fire“ komponiert wurde? Der äußerst kommunikative Schlagzeuger Robert Garven grübelt:

»Das kann ich gar nicht so genau sagen. Fest steht jedenfalls, dass ´I´m Alive´ eines meiner absoluten Lieblingsstücke von CIRITH UNGOL ist. Üblicherweise starten wir mit dieser Nummer auch unsere Live-Show, sie ist ein idealer Opener – schnell, hart und eingängig. So kommen wir flugs auf Touren. Da CIRITH UNGOL so lange nicht existiert haben und erst jetzt wieder zurück auf der Bildfläche sind, hat ´I´m Alive´ aktuell noch eine zusätzliche Bedeutung erlangt: Wir sind wieder da!«

1995 kam ´I´m Alive´ sogar zu Single-Ehren, als eine Bootleg-7” auf Old Metal Records das Licht der Welt erblickte. Die Fäden dahinter zog (vermeintlich) ein gewisser King Fowley von October 31. Sänger Tim Baker zeigt sich einigermaßen überrascht:

»Oh, das wusste ich gar nicht. King Fowley hat ja die Linernotes für die offizielle CD-Wiederveröffentlichung von „Frost And Fire“ auf Metal Blade verfasst, und wir sind mal mit seiner Band zusammen in New York aufgetreten. Er ist ein wirklich cooler Typ. Als Kind hat er uns immer diese ellenlangen, handgeschriebenen Briefe geschickt. Ein echter Fan. Mit dieser Bootleg-Single habe ich kein Problem.«

»In jüngster Zeit waren Metal Blade äußerst gut zu uns«, ergänzt Robert. »Da kann ich mich überhaupt nicht beschweren. Aber in den frühen Tagen haben wir niemals auch nur einen Penny für unsere Alben gesehen, weder von Metal Blade noch von anderen Plattenfirmen, bei denen wir unter Vertrag standen. Also hat die besagte Bootleg-Single auch keinen Unterschied mehr gemacht. Für mich persönlich waren Bootlegs immer ein Ausdruck dafür, dass derjenige, der einen Bootleg herstellen lässt, die betreffende Band wirklich sehr liebt. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass es eine Ehre für uns war, aber geschmeichelt hat es uns schon irgendwo. Das bezieht sich auch auf Aufnäher oder Aufkleber und was es sonst noch so gibt. Wir haben uns 1991 aufgelöst, nachdem wir 21 Jahre dem Erfolg hinterhergelaufen sind. Diese Bootlegs haben in der Zeit, in der es CIRITH UNGOL nicht gab, zumindest unseren Namen am Leben gehalten.«

»Ich habe zu Hause eine Jacke, auf der sind ausschließlich Bootleg-Patches von CIRITH UNGOL drauf«, lacht Tim. »Die Kutte ist schon jetzt nahezu komplett voll, es gibt sogar großformatige Rückenaufnäher von CIRITH UNGOL als Bootleg. Überall, wo wir auftreten, halten wir Ausschau nach Bootleg-Sachen von CIRITH UNGOL. Irgendwie finde ich das äußerst schmeichelhaft, obwohl ich es vielleicht eher aus einem anderen Blickwinkel betrachten sollte.«

Das größte Kuriosum auf „Frost And Fire“ ist vielleicht das Instrumental ´Maybe That´s Why´. Es dürfte nicht allzu viele Instrumentals geben, deren Texte im Booklet abgedruckt sind.

»Ursprünglich hat unser Gitarrist Greg Lindstrom ´Maybe That´s Why´ als Instrumental komponiert«, erklärt Robert. »Später hat er aus irgendwelchen Gründen Lyrics dazu verfasst. Die Instrumentalversion hat uns aber irgendwie besser gefallen, also ist das Stück ohne Texte auf „Frost And Fire“ gelandet. Es gibt keine Aufnahme von ´Maybe That´s Why´ mit Vocals, wir haben das Stück nicht ein einziges Mal mit Gesang geprobt.«

„Frost And Fire“ erschien 1981 auf dem bandeigenen Label Liquid Flames.

»Die Scheibe war niemals als reguläre Veröffentlichung geplant«, erzählt Tim. »Es handelte sich lediglich um ein Demo, mit dem wir bei Plattenfirmen vorstellig werden wollten. Die Kosten für die Aufnahme haben wir aus eigener Tasche bezahlt. Bei der Pressung hat uns dann Randy, ein guter Freund von uns, finanziell unter die Arme gegriffen. Es sollten ursprünglich lediglich 500 Stück gepresst werden, mehr war niemals geplant. Unsere Erstauflage von „Frost And Fire“ kann man u.a. an der gedruckten Seriennummer 13666 auf dem Backcover erkennen. Aber dann trat mit Greenworld ein Vertrieb an uns heran, auf einmal stieg die Nachfrage drastisch, und wir waren dazu gezwungen, die LP nachzupressen. Greenworld haben viele Platten nach Europa exportiert, deswegen war „Frost And Fire“ womöglich auch besser in Europa als in Amerika erhältlich. Den Tipp mit Greenworld hatten wir von Brian Slagel bekommen, der seinerzeit noch in Los Angeles bei einem Plattenladen namens Oz Records arbeitete. Das war noch bevor er seine Serie „Metal Massacre“ gestartet hatte. Greenworld haben für eine weite Verbreitung der Scheibe gesorgt, aber sie behandelten uns nicht sehr gut. Am Ende des Tages waren sie eben nur ein Vertrieb, keine Plattenfirma. Promotion im herkömmlichen Sinne hat es für „Frost And Fire“ überhaupt nicht gegeben. Aber immerhin haben Greenworld Records die Platte später an Roadrunner lizenziert.«

Das Stück ´Death Of The Sun´ erschien 1982 nach der Veröffentlichung von „Frost And Fire“ auf Brian Slagels erstem Teil der legendären „Metal Massacre“-Reihe. CIRITH UNGOL standen auf der Platte Schulter an Schulter mit Gruppen wie Metallica, Ratt und Bitch.

»Irgendwie wurde ich damals das Gefühl nicht los, dass sämtliche auf „Metal Massacre“ vertretenen Bands später einen Vertrag bei einem Majorlabel unterschrieben haben – mit Ausnahme von CIRITH UNGOL«, lacht Tim. »Ein Freund von uns war zu jener Zeit mit Metallica unterwegs, im Gegensatz zu ihnen müssen CIRITH UNGOL damals wie Dinosaurier-Rock geklungen haben. Viele Bands von „Metal Massacre Vol. 1“ kamen aus L.A., deswegen kannten wir auch die meisten von ihnen. Mit Omen, Bitch oder Armored Saint hatten wir bereits gemeinsam Shows gespielt und in Clubs oder auf privaten Partys zusammen gefeiert. Auf „Metal Massacre Vol. 1“ waren ein paar gute Bands drauf, Pandemonium fand ich immer klasse, und dann gab es noch eine Zweitauflage der Scheibe mit Keel.«

Nicht zuletzt durch ihre legendäre Debütscheibe „Frost And Fire“ werden CIRITH UNGOL heutzutage zusammen mit Brocas Helm und Manilla Road zum heiligen Dreigestirn des ursprünglichen Kauz-Metal gezählt. Damals bestand allerdings noch keine Verbindung zwischen den drei Bands.

»Heute sind wir mit Manilla Road befreundet, haben auch das eine oder andere Mal eine Bühne mit ihnen geteilt«, berichtet Tim. »Mark Shelton war echt ein dufter Typ. In den Siebzigern und Achtzigern kannten wir sie allerdings überhaupt nicht. Wenn man heute im Internet recherchiert, dann werden Manilla Road und CIRITH UNGOL immer im selben Atemzug genannt. Ich glaube nicht, dass die spezifische musikalische Ausrichtung dafür der Grund ist, sondern eher die behandelten Themen und das Feeling, das mit der Musik transportiert wird. Wenn du mich fragst, dann klingen CIRITH UNGOL nicht wie Manilla Road, und umgekehrt. Beide Bands sind vielleicht gleichermaßen obskur, das mag stimmen.«

Die globale Metal-Community hat CIRITH UNGOL bekanntlich erst mit Jahrzehnten Verspätung entdeckt. Vor der Veröffentlichung von „Frost And Fire“ trat die Band nicht ein einziges Mal außerhalb Kaliforniens auf. In Anzeigen wurde die Platte seinerzeit blumig als „Soundtrack To Hell“ beschrieben, die Bezeichnung „hoffnungslos veraltet“ war zum Erscheinungszeitpunkt allerdings noch eine der netteren Umschreibungen in der Fachpresse. In „The Great Metal Discography“ beschreibt Martin C. Strong „Frost And Fire“ als „die LP mit den möglicherweise schlechtesten Plattenkritiken in der Geschichte des Heavy Metal“. Die treuesten Anhänger der Band lebten in Europa. Auch in der Schweiz. So wie ein gewisser Tom Gabriel Fischer.

»Von Tom Gabriel Fischer haben wir in der Tat Fanpost erhalten«, erinnert sich Tim. »Er hat uns die ersten Demos von Hellhammer geschickt. Ein sehr netter Kerl. Ich weiß nicht, ob es wirklich stimmt, weil ich es noch nirgendwo in gedruckter Form gelesen habe, aber es gibt Leute, die behaupten, der Bandname Celtic Frost sei dem Plattentitel „Frost And Fire“ entlehnt. Keine Ahnung, ob das wirklich der Wahrheit entspricht. Aber wie gesagt, wir waren mit Tom schon zu Hellhammer-Zeiten in Kontakt, also noch vor Celtic Frost, und das finde ich wirklich cool.«

»Selbst wenn es der Wahrheit entsprechen sollte, ist das doch nicht schlimm«, ergänzt Robert. »Ich meine, wir haben unseren Bandnamen ja auch von Tolkien entlehnt. Das war in den ganz frühen Tagen, als ich zusammen mit unserem Gitarristen Greg Lindstrom in der Schule einen Kurs für englische Literatur belegt habe. CIRITH UNGOL stammt bekanntlich aus dem Roman „Der Herr der Ringe“. Es waren noch andere Namen im Gespräch, aber irgendwie sind wir bei CIRITH UNGOL hängen geblieben. Heute denke ich, dass ein Gruppenname, der nur aus einem Wort besteht, vielleicht besser gewesen wäre: So wie Kiss... oder wenigstens Ratt. Später haben mir dann auch Leute erklärt, dass sich Alben mit grünen Covern niemals gut verkaufen. Nun, das ist wohl die logische Erklärung dafür, warum „Frost And Fire“ nichts gerissen hat.«

Tim hat allerdings ein Gegenbeispiel parat:

»Und was ist mit „Tres Hombres“ von ZZ Top? 1:0 für mich. Grün, die Farbe des Geldes. Wie der Greenback. Wir haben niemals Geld verdient mit „Frost And Fire“. Aber an der Farbe des Covers hat es bestimmt nicht gelegen.«

www.cirithungol.org

www.facebook.com/cirithungolofficial

DAS LINE-UP AUF „FROST AND FIRE“

Tim Baker (v.)
Jerry Fogle (g.)
Greg Lindstrom (g.)
Michael „Flint“ Vujea (b.)
Robert Garven (dr.)

FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN

Spielzeit: 31:24 Minuten
Engineer: Tim Nelson
Mastering: Allen Zentz
Executive Producer: Randall L. Jackson
Studio: Gold Mine Studios, Ventura, Kaliforniern

DIE SONGS

Frost And Fire
I´m Alive
A Little Fire
What Does It Take
Edge Of A Knife
Better Off Dead
Maybe That´s Why

DISKOGRAFIE (Studioalben)

Frost And Fire (1981)
King Of The Dead (1984)
One Foot In Hell (1986)
Paradise Lost (1991)

Bands:
CIRITH UNGOL
Autor:
Matthias Mader

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