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REVIEW 7.5 21.02.2018

(Album, RH 370, 2018)

ANGRA - Ømni

Earmusic/Edel (61:11) Mit dem Ausstieg von Kiko Loureiro (bekanntlich nun bei MEGADETH, auf dem Track ´War Horns´ noch mit einem Gastbeitrag vertreten) mussten sich die brasilianischen Power-Metaller leicht umorientieren. Während das letzte Album „Secret Garden“ stellenweise die Tore in Richtung Rock öffnete, sind auf „Ømni“ verstärkt Progressive-Elemente zu hören, die man von Vorbildern wie Dream Theater, Yes oder Rush kennt. Was zunächst etwas schablonenhaft wirkt (Power Metal plus hyperschnelle Arpeggien oder pompös wirkende Orchester-Arrangements), entpuppt sich bei näherem Hinhören bei den meisten Tracks als abwechslungsreiches Konzept, bei dem die Band mit zunehmender Spieldauer die unterschiedlichsten Ideen verwirklicht. Je gewitzter, desto besser, möchte man fast sagen (siehe Samba-Thrash in ´Caveman´), denn spielerisch agieren ANGRA auf höchstem Niveau. Dass die Band aus einem komplexen Arrangement noch relativ leichtfüßig in einen guten Refrain findet, zählt zu den Stärken des Albums. Dazu kommen ein souveräner Gastbeitrag von Alissa White-Gluz in ´Black Widow´s Web´, zwei Halbballaden und das melodiöse, endlich mal gradlinige ´Insania´. Da Jens Bogren die Scheibe gewohnt dicht und hart abgemischt hat, bleiben für Fans des Progressive Power Metal eigentlich keine Wünsche offen, inklusive eines Science-Fiction-Konzepts zum Mitlesen im Booklet. Mir persönlich hat der etwas weniger über Technik aufgezogene Vorgänger jedoch besser gefallen.

REVIEW 8.0 21.02.2018

(Dynamit, RH 370, 2018)

TURBONEGRO - RockNRoll Machine

Burger/H´Art (39:39) TURBONEGRO haben ein Riesenproblem am Hintern. Die Band muss sich nach so vielen Jahren verändern, um musikalisch nicht völlig auf der Stelle zu treten, darf aber auch nicht die treue Turbojugend vergrätzen, der der Deathsuffpunk schon längst nicht mehr dreckig genug ist. Schon wünschen sich einige lautstark das alte Line-up mit Original-Sänger Hank Von Helvete zurück, der guten alten Zeiten wegen oder weil der neue Keyboarder Crown Prince Haakon Marius musikalisch zu gut und einflussreich ist. Ich gebe zu, dass mir der auf einer Note herumklimpernde und den Rest der Zeit mit dem Hintern wackelnde Pål Pot Pamparius auch gereicht hat. Mit Punk haben TURBONEGRO auf „RockNRoll Machine“ nicht mehr viel zu tun, die Norweger sind fast im Classic Rock angekommen. Und das mit einem Sänger, der zwar eine großartige Rampensau ist, aber kein Roger Daltrey (The Who). Da tut sich eine gefährliche Lücke auf, die TURBONEGRO nur geschlossen bekommen, weil ihnen nach sechs Jahren eine Handvoll Hits gelingt, manche ironische Gags zünden und die Platte super produziert und eingespielt ist. ´Hot For Nietzsche´ und ´Special Education´ sind feine Turbo-Hits, die schon eine Weile zirkulieren. ´Hurry Up And Die´ gewinnt in dem Moment, in dem man erfährt, dass es sich um eine „Hymne für Extremsportler“ handelt. Und dass ausgerechnet eine Fanfare à la Van Halens ´Jump´ einen Titel namens ´Skinhead Rock´n´Roll´ einleitet, ist auch erfrischend. Trotzdem sind die Keyboard-Sounds, die an übelste Klischee-Klänge der Rock-Geschichte erinnern sollen, ein zweischneidiges Schwert. Es ist nicht witzig, wenn man versucht, besonders witzig zu sein. Das Auftakt-Trio des Albums, bestehend aus einem Synthie-Intro, der flotten Punkrock-Nummer ´Well Hello´ und dem an ganz frühe AC/DC erinnernden Boogie-Stampfer ´RockNRoll Machine´ (mit pseudofuturistischem Refrain), ist im Grunde großartig. Aber die „Oi!“-Rufe hätte man sich meines Erachtens echt verkneifen können, so gut das live auch funktionieren wird. Zu viel der Parodie? Ach ja, vielleicht sollte man einfach froh sein, dass sie da sind...

REVIEW 8.0 21.02.2018

(Album, RH 370, 2018)

MINISTRY - AmeriKKKant

Nuclear Blast/Warner (48:12) Totgesagte leben länger! So teilnahmslos man den letzten Reanimationsversuch von Al Jourgensen mit „From Beer To Eternity“ hinnehmen musste, so sehr überrascht „AmeriKKKant“ als gutklassiges MINISTRY-Album, das die seit Jahrzehnten überfälligen frischen Impulse liefert, auch wenn sich „Uncle Al“ hier einfach nur auf ein paar alte Stärken besinnt. Die Mundharmonika und der zähe Beat des Openers ´Twilight Zone´ erinnern dabei genauso an bessere Tage („Filth Pig“) wie der ´Just One Fix´-Rhythmus der Single ´Antifa´. Aber hey, bei sich selbst zu klauen, ist erlaubt. Dass es überhaupt dazu kommt, haben wir einzig und allein einem gewissen Donald Trump zu verdanken, dessen realsatirische Sprechblasen ein gefundenes Fressen für Sample-König Jourgensen sind. Mit ´Victims Of A Clown´ steht endlich mal wieder eine tanzbare MINISTRY-Nummer auf dem Programm, die rasant abgeschlossen wird. Im Gegensatz zu den letzten Alben klingen die Programmings endlich mal wieder etwas kreativer, selbst eine Handvoll Scratches fügen sich wie selbstverständlich ein. Ein weiterer Höhepunkt ist die spöttische, rasend schnelle Thrash-Punk-Nummer ´We´re Tired Of It´, auf der „Sieg Heil“-Rufe in einer Art unterlegt wurden, dass man aus dem Grinsen nicht mehr rauskommt. Keine Ahnung, ob Jourgensen dafür Ärger in Deutschland blüht, aber sein spitzbübischer Humor, der zuletzt alt und platt wirkte, ist zumindest stellenweise wieder zurück. Der Rest des Albums ist passabel und gut, ohne besonderen Glanz zu verbreiten. Mehr konnte man nicht erwarten.

REVIEW 5.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

AVATAR - Avatar Country

Century Media/Sony (44:03) Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn sich eine Band besonders stark um ihre visuelle Seite kümmert und fantasiereiche Welten kreiert. Ganz im Gegenteil, auch Metal ist Teil der Unterhaltungsindustrie, und die Schweden AVATAR sind eine Band, die sich nicht mit Jeans und T-Shirts begnügt, stattdessen mit einem vergleichsweise geringen Budget eine Optik auf Hollywood-Blockbuster-Niveau erzeugt. Das ist respektabel. Das letzte Album „Feathers & Flesh“ war zwar konzeptionell eine versponnene Märchen-Platte, aber auch ein nett zusammengepuzzeltes Kleinod des Alternative Rock mit mehr Stärken als Schwächen. „Avatar Country“ ist eine noch wildere Geschichte über ein Fantasieland, in dem ein seltsamer König regiert und sich AVATAR als moderne Metal-Hofnarren inszenieren. Das Ganze soll wohl witzig sein, aber meine Art von Humor ist das nicht. Alle Songtitel enthalten das Wort „King“, wie in einem Musical wird gesungen und erzählt, selbst die Jubelchöre des Publikums sind schon Teil des Studiowerks, das musikalisch viel zu perfektionistisch am Computer zusammengebastelt wurde. Ab und an lassen die Gitarren (wie beim guten Opener ´Legend Of The King´) aufhorchen, den Rest der Scheibe nimmt man eher achselzuckend zur Kenntnis. „Avatar Country“ hat weder große Songs noch Hits zu bieten, sondern ist fast durchgehend strunzlangweilig. Selbst die Videos lassen einen mit Fragezeichen auf der Stirn zurück. Vielleicht bin ich aber einfach nur zu doof oder nehme die falschen Drogen...

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

SAXON - Thunderbolt

Militia Guard/Warner (42:50) Dass SAXON ihren x-ten Frühling erleben, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Band war immer da, hat zuverlässig „geliefert“, ob im Studio oder auf der Bühne. Und doch umweht „Thunderbolt“ die Gewissheit der eigenen Vergänglichkeit. Verantwortlich ist ´They Played Rock And Roll´, eine wunderbare Hommage an die einstigen Weggefährten Motörhead, natürlich im klassischen Mikkey-Dee-Uptempo-Beat inszeniert und mit einem Sample von Lemmys geröchelter Kult-Ansage versehen. Zuvor haben SAXON ihr 22. Album profihaft mit dem ziemlich ausgefuchst arrangierten Titelstück und dem von einer feinen Gitarrenmelodie getragenen ´The Secret Of Flight´ eröffnet. Das klare Bekenntnis zum Metal-Stil überrascht nach den letzten Tourneen und „Battering Ram“ kein bisschen mehr, die unsichere Melodic-Rock-Phase und der allzu pompöse Orchester-Ausflug sind vergessen. Schade nur, dass die Platte immer wieder mal auf gesundes Mittelmaß zurückfällt, vor allem wenn die von Andy Sneap kraftvoll, aber auch ein wenig steril produzierten Songs nach Accept-B-Ware klingen (´Predator´, ´Sniper´, ´Speed Merchants´). Das ist zwar immer noch gut, aber für eine Bewertung im Spitzenbereich nicht originell genug. Ausgenommen sind die im ´Holy Diver´-Beat gehaltene Schlachthymne ´Sons Of Odin´ und natürlich der ´Roadie´s Song´, ein klassischer SAXON-Track, der sich gegenüber Evergreens wie ´Princess Of The Night´ und ´And The Bands Played On´ nicht verstecken muss.

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

ORPHANED LAND - Unsung Prophets & Dead Messiahs

Century Media/Sony (54:08) Junge, Junge, Junge. Ein Konzeptalbum über Plato und verkannte Revolutionäre, natürlich auch immer mit einem versteckten Hinweis auf die verworrene politische Situation im Nahen Osten: ORPHANED LAND fahren hier groß auf, auch musikalisch. Edelste Chöre und raumgreifende Orchester-Arrangements wurden von Meister-Mixer Jens Bogren gleichberechtigt zur Band aufgeschichtet, Gastbeiträge von Hansi Kürsch (Blind Guardian), Steve Hackett (ex-Genesis) und Tomas Lindberg (At The Gates), Sprachsamples und eine unendliche Anzahl verschiedener Stile von Death Metal bis zur orientalischen Musik eingebaut. „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ ist eine Wundertüte für Fans, die mit dem Booklet auf den Knien ein Album 40 Mal hören und mit mathematischer Begeisterung jeden Winkelzug ausloten. Und warum auch nicht, wir haben ja Winter. Ein Meisterwerk des Prog Metal? Der achtminütige Einstieg ´The Cave´ liefert gleich eine Zusammenfassung der Platte. Zuckersüße Chöre treffen auf Death-Metal-Grunts. Die facettenreiche Komposition mit ihren feinen Tempowechseln kann was. Die nachfolgenden Titel sind kürzer, nicht weniger abwechslungsreich, wirken aber trotz einiger schöner Melodien mitunter unvollständig. Man wähnt sich bei der Aufführung eines Theaterstücks (siehe Moonspells „1755“), die Storyline gibt den Ton an. Aber Musik ist bekanntlich dann am besten, wenn die Melodien auch ohne großes Brimborium und intellektuellen Überbau auskommen. Wahrscheinlich wäre das sogar drin gewesen, aber die Stücke sind oft mit mehrstimmigen Arrangements, Effekten, immer wieder neuen Teilen und jeder Menge Kleinkram gnadenlos überladen, da kann die einzelne Performance noch so gut sein. ´Left Behind´, das getragene ´All Knowing Eye´ und die gute Single ´Like Orpheus´ liefern halbwegs gradliniges Kontrastprogramm, aber von der Durchschlagskraft von Nummern wie ´All Is One´ oder ´Brother´ ihres 2013er Meisterwerks sind ORPHANED LAND einiges entfernt. Natürlich ist „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ allein aufgrund der orientalischen Melodien (in der Disziplin sind sie nun mal führend) und der enormen Vielschichtigkeit immer noch ein hörenswertes, hochoriginelles Album - aber nicht der angestrebte Befreiungsschlag, den „Israel´s finest“ so dringend nötig hätten.

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

ANVIL - Pounding The Pavement

Steamhammer/SPV (46:07) Das letzte ANVIL-Album „Anvil Is Anvil“ belegte im Soundcheck einen nicht gerade rühmlichen 32. Platz, den Rückenwind des sensationellen Dokumentarfilms „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ hat man leider nur selten ausspielen können. Dass sich mit „Pounding The Pavement“ daran etwas ändert, wage ich zu bezweifeln, trotzdem haben ANVIL zusammen mit ihrem deutschen Produzenten erfolgreich an ein paar Stellschrauben gedreht und am Ende ein hörenswertes, typisches Band-Album auf den Weg gebracht. „Typisch“ heißt, die Rock´n´Roll-Roots der Band nicht zu verleugnen und dem eigentümlichen, manchmal grenzwertigen Humor von Steve „Lips“ Kudlow freien Lauf zu lassen. Die meisten Songs sind simpel, kommen aber ohne Umwege mit klaren Refrains und Aussagen auf den Punkt. Überhaupt ist der Sprechgesang diesmal verbessert und wird mit kreativen Chören unterstützt, während Robb Reiner im Hintergrund nach Lust und Laune wirbeln darf - anscheinend hat er gerade den Spaß seines Lebens. Der Opener ´Bitch In The Box´ ist ein Song über Navigationsgeräte, ´Doing What I Want´ ein kleiner Hit mit Rebellen-Attitüde. Bei der Motörhead-Hommage ´Black Smoke´ und ´Ego´ drücken ANVIL gekonnt aufs Tempo, während das Titelstück eher verzweifelt an das Kult-Instrumental ´March Of The Crabs´ erinnert. Auch der vermeintliche Party-Song ´Rock That Shit´ geht halb in die Hose. Die Reime sind nun wirklich zu banal, und was sich Lips beim Bonustrack ´Don´t Tell Me´ gedacht hat, wäre interessant zu wissen, denn hier geht´s um „Fake News“. Zugegeben, ein bisschen zwiespältig waren ANVIL zuletzt immer. „Pounding The Pavement“ wirkt aber zumindest schlüssiger als viele Alben der letzten zehn Jahre. Jeder Song kommt mit viel Leidenschaft fürs Detail angerockt, und diese Attitüde hält man eisern bis zum Schluss durch.

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