Suche

Durch das Setzen eines Bandnamens in Anführungszeichen sind detailliertere Ergebnisse möglich.

REVIEW 9.0 21.03.2018

(Dynamit, RH 371, 2018)

BLACKBERRY SMOKE - Find A Light

Im nicht gerade üppig mit neuen Bands überfluteten Southern-Rock-Genre sind BLACKBERRY SMOKE mit jeder Tournee dem Titel „die neuen Lynyrd Skynyrd“ näher gekommen, es fehlte eigentlich nur noch das „unsterbliche“ Klassiker-Album im Portfolio. Auf „Holding All The Roses“ war man eine halbe Stunde lang im Zielkorridor, während „Like An Arrow“ stellenweise uninspiriert wirkte. Die 13 Songs von „Find A Light“ sind jedoch über jeden Zweifel erhaben. Die Langhaar-Bartträger klingen NOCH tiefenentspannter, seit in Atlanta die Gesetze für Marihuana-Besitz gemildert wurden, und lassen viel frische Luft in Form von stetigen Tempovariationen und genrefremden Stilmitteln rein. Klar, Southern Rock existiert gleich neben Country, und ohne Steel Guitar, Hackbrett und Violine wäre auch dieses Album nicht komplett, aber das Frage-Antwort-Spiel mit ein paar Gospel-Sängerinnen in ´I´ll Keep Ramblin´´ dürfte in der stockkonservativen Südstaaten-Szene einer Revolution gleichkommen. Der Mittel- und Höhepunkt eines Albums, das ansonsten eine ausgewogene Mischung aus Hardrockern (beim schwer stampfenden ´Flesh And Bone´ kommen Boogie-Kopfschüttler auf ihre Kosten!) und authentischen, kaum besser zu inszenierenden Lagerfeuerballaden bietet. Vor allem Gitarrist/Sänger Charlie Starr, dessen lebensnahe Texte superverständlich sind, verschafft dem Zuhörer eins ums andere Mal Gänsehautmomente. ´Medicate My Mind´, ‚´I´ve Got This Song´ und ´Seems So Far´ sind potenzielle Hits zum Mitsingen und Mitheulen, haben aber mit dem rockigen Ear Candy ´Run Away From It All´ einen stolzen Mitbewerber. BLACKBERRY SMOKE haben also endlich „ihr“ Album. Den Support-Slot auf der Lynyrd-Skynyrd-Abschiedstour haben sie ja bereits kassiert.

REVIEW 7.5 21.03.2018

(Album, RH 371, 2018)

RICK PARFITT - Over And Out

Manchmal fügen sich die Dinge wie von selbst zusammen. Parfitt musste Status Quo nach einem Herzinfarkt verlassen und spielte - kaum war er wieder halbwegs auf den Beinen - ein Soloalbum ein, dessen Vollendung er dann nicht mehr miterleben sollte. Der blonde Gitarrist hat sich nie groß um seine Gesundheit gekümmert, und so reichte ein banaler Sturz, um den Rock´n´Roller endgültig ins Nirwana zu befördern. Dem auf seiner Beerdigung gespielten Titelsong ´Over And Out´ wohnt deshalb eine ungewöhnlich tragische Note inne, wie überhaupt die Themen der Platte wie Parfitts Leben in Kurzfassung klingen. Männer am Scheideweg, Lieben, Leben, Leiden. Und klar, die Party kommt beim Daueroptimisten auch nicht zu kurz. Mit ´Lonesome Road´, das tatsächlich an die Quo-Frühphase erinnert, dem flotten ´Fight For Every Heartbeat´ (puh, noch so eine Nachricht aus dem „Jenseits“...) und der typischen Bob-Young-Nummer ´Everybody Knows How To Fly´ werden Status-Quo-Fans garantiert glücklich. Parfitts Stimme mag stellenweise schon ein bisschen zerbrechlich wirken, das Gespür für steil auf den Refrain zu marschierende Hits (´Long Distance Love´) wird der Musikwelt fehlen. Auch dass der Pop-Schlager der Fünfziger (´When I Was Fallin´ In Love´) hier seine Wiederauferstehung feiert, sollte Fußballfans, die ´You´ll Never Walk Alone´ mit einer Träne im Auge schmettern, nicht wirklich erschüttern können. „Over And Out“ ist ein erfreulich kurzweiliges Album mit logischen Gästen (Brian May von Queen, Chris Wolstenholme von Muse, Alan Lancaster, John „Rhino“ Edwards, beide Status Quo) und abseits der üblichen posthumen Resteverwertungen. R.I.P.!

REVIEW 21.03.2018

(Album, RH 371, 2018)

DIAMOND HEAD - Lightning to the Nations

Nimmt man die Resonanz bei Metallica-Konzerten zum Maßstab, enthält dieses Album einige der besten Metal-Songs aller Zeiten: ´Am I Evil´, ´It´s Electric´, ´Helpless´ und ´The Prince´. Kompositionen, die nach gut 20 Jahren offenbar immer noch gut genug sind, um bei der größten Metal-Kapelle des Erdballs regelmäßig im Set aufzutauchen. Wie groß der Einfluss von DIAMOND HEAD auf die Entwicklung von Metallica war, dokumentiert auch das Riff von ´Sucking My Love´, aus dem sich die vier jungen Burschen in San Francisco drei Jahre später den Song ´Seek And Destroy´ strickten. Dass die Urheber dieser genialen Meisterwerke - Gitarrist Brian Tatler und Sänger Sean Harris - nahezu unbekannt blieben, ist allerdings kein Wunder. Erst litten die Veröffentlichungen (wie auch im vorliegenden Fall) an drucklosen Produktionen, und später machte sich die New Wave Of British Heavy Metal-Legende ohne Not in kommerziellere Gefilde auf, was der Band ein jähes Ende nach nur drei Alben bescherte. Ein weiteres Manko war stets die mittelmäßige Rhythmussektion der Band, die nie mit den Gitarreninnovationen Tatlers und den Gesangskünsten Harris´ (Vorbild: Robert Plant) mithalten konnte. Wahrscheinlich hat Tatler selbst nie begriffen, dass er das personifizierte Bindeglied zwischen den auslaufenden Siebzigern (in ´Sucking My Love´ findet sich noch ein unüberhörbar von Led Zeppelin beeinflusster Part) und der in den USA entstehenden Speed Metal-Bewegung war. Und so wandern die Rechte an den Songs von einem Mini-Label zum anderen. Charmanter (und vor allem besser gesungen) sind die Originale allemal, weshalb Metallica-Fans unbedingt ein Ohr riskieren sollten. Mittlerweile gibt es an die 15 verschiedene Compilations von DIAMOND HEAD, deshalb zur Orientierung noch einmal die Original-Playlist: ´Lightning To The Nations´, ´The Prince´, ´Sucking My Love´, ´Am I Evil´, ´Sweet And Innocent´, ´It´s Electric´ und ´Helpless´.

REVIEW 7.5 21.02.2018

(Album, RH 370, 2018)

ANGRA - Ømni

Mit dem Ausstieg von Kiko Loureiro (bekanntlich nun bei MEGADETH, auf dem Track ´War Horns´ noch mit einem Gastbeitrag vertreten) mussten sich die brasilianischen Power-Metaller leicht umorientieren. Während das letzte Album „Secret Garden“ stellenweise die Tore in Richtung Rock öffnete, sind auf „Ømni“ verstärkt Progressive-Elemente zu hören, die man von Vorbildern wie Dream Theater, Yes oder Rush kennt. Was zunächst etwas schablonenhaft wirkt (Power Metal plus hyperschnelle Arpeggien oder pompös wirkende Orchester-Arrangements), entpuppt sich bei näherem Hinhören bei den meisten Tracks als abwechslungsreiches Konzept, bei dem die Band mit zunehmender Spieldauer die unterschiedlichsten Ideen verwirklicht. Je gewitzter, desto besser, möchte man fast sagen (siehe Samba-Thrash in ´Caveman´), denn spielerisch agieren ANGRA auf höchstem Niveau. Dass die Band aus einem komplexen Arrangement noch relativ leichtfüßig in einen guten Refrain findet, zählt zu den Stärken des Albums. Dazu kommen ein souveräner Gastbeitrag von Alissa White-Gluz in ´Black Widow´s Web´, zwei Halbballaden und das melodiöse, endlich mal gradlinige ´Insania´. Da Jens Bogren die Scheibe gewohnt dicht und hart abgemischt hat, bleiben für Fans des Progressive Power Metal eigentlich keine Wünsche offen, inklusive eines Science-Fiction-Konzepts zum Mitlesen im Booklet. Mir persönlich hat der etwas weniger über Technik aufgezogene Vorgänger jedoch besser gefallen.

REVIEW 8.0 21.02.2018

(Dynamit, RH 370, 2018)

TURBONEGRO - RockNRoll Machine

TURBONEGRO haben ein Riesenproblem am Hintern. Die Band muss sich nach so vielen Jahren verändern, um musikalisch nicht völlig auf der Stelle zu treten, darf aber auch nicht die treue Turbojugend vergrätzen, der der Deathsuffpunk schon längst nicht mehr dreckig genug ist. Schon wünschen sich einige lautstark das alte Line-up mit Original-Sänger Hank Von Helvete zurück, der guten alten Zeiten wegen oder weil der neue Keyboarder Crown Prince Haakon Marius musikalisch zu gut und einflussreich ist. Ich gebe zu, dass mir der auf einer Note herumklimpernde und den Rest der Zeit mit dem Hintern wackelnde Pål Pot Pamparius auch gereicht hat. Mit Punk haben TURBONEGRO auf „RockNRoll Machine“ nicht mehr viel zu tun, die Norweger sind fast im Classic Rock angekommen. Und das mit einem Sänger, der zwar eine großartige Rampensau ist, aber kein Roger Daltrey (The Who). Da tut sich eine gefährliche Lücke auf, die TURBONEGRO nur geschlossen bekommen, weil ihnen nach sechs Jahren eine Handvoll Hits gelingt, manche ironische Gags zünden und die Platte super produziert und eingespielt ist. ´Hot For Nietzsche´ und ´Special Education´ sind feine Turbo-Hits, die schon eine Weile zirkulieren. ´Hurry Up And Die´ gewinnt in dem Moment, in dem man erfährt, dass es sich um eine „Hymne für Extremsportler“ handelt. Und dass ausgerechnet eine Fanfare à la Van Halens ´Jump´ einen Titel namens ´Skinhead Rock´n´Roll´ einleitet, ist auch erfrischend. Trotzdem sind die Keyboard-Sounds, die an übelste Klischee-Klänge der Rock-Geschichte erinnern sollen, ein zweischneidiges Schwert. Es ist nicht witzig, wenn man versucht, besonders witzig zu sein. Das Auftakt-Trio des Albums, bestehend aus einem Synthie-Intro, der flotten Punkrock-Nummer ´Well Hello´ und dem an ganz frühe AC/DC erinnernden Boogie-Stampfer ´RockNRoll Machine´ (mit pseudofuturistischem Refrain), ist im Grunde großartig. Aber die „Oi!“-Rufe hätte man sich meines Erachtens echt verkneifen können, so gut das live auch funktionieren wird. Zu viel der Parodie? Ach ja, vielleicht sollte man einfach froh sein, dass sie da sind...

REVIEW 8.0 21.02.2018

(Album, RH 370, 2018)

MINISTRY - AmeriKKKant

Totgesagte leben länger! So teilnahmslos man den letzten Reanimationsversuch von Al Jourgensen mit „From Beer To Eternity“ hinnehmen musste, so sehr überrascht „AmeriKKKant“ als gutklassiges MINISTRY-Album, das die seit Jahrzehnten überfälligen frischen Impulse liefert, auch wenn sich „Uncle Al“ hier einfach nur auf ein paar alte Stärken besinnt. Die Mundharmonika und der zähe Beat des Openers ´Twilight Zone´ erinnern dabei genauso an bessere Tage („Filth Pig“) wie der ´Just One Fix´-Rhythmus der Single ´Antifa´. Aber hey, bei sich selbst zu klauen, ist erlaubt. Dass es überhaupt dazu kommt, haben wir einzig und allein einem gewissen Donald Trump zu verdanken, dessen realsatirische Sprechblasen ein gefundenes Fressen für Sample-König Jourgensen sind. Mit ´Victims Of A Clown´ steht endlich mal wieder eine tanzbare MINISTRY-Nummer auf dem Programm, die rasant abgeschlossen wird. Im Gegensatz zu den letzten Alben klingen die Programmings endlich mal wieder etwas kreativer, selbst eine Handvoll Scratches fügen sich wie selbstverständlich ein. Ein weiterer Höhepunkt ist die spöttische, rasend schnelle Thrash-Punk-Nummer ´We´re Tired Of It´, auf der „Sieg Heil“-Rufe in einer Art unterlegt wurden, dass man aus dem Grinsen nicht mehr rauskommt. Keine Ahnung, ob Jourgensen dafür Ärger in Deutschland blüht, aber sein spitzbübischer Humor, der zuletzt alt und platt wirkte, ist zumindest stellenweise wieder zurück. Der Rest des Albums ist passabel und gut, ohne besonderen Glanz zu verbreiten. Mehr konnte man nicht erwarten.

REVIEW 5.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

AVATAR - Avatar Country

Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn sich eine Band besonders stark um ihre visuelle Seite kümmert und fantasiereiche Welten kreiert. Ganz im Gegenteil, auch Metal ist Teil der Unterhaltungsindustrie, und die Schweden AVATAR sind eine Band, die sich nicht mit Jeans und T-Shirts begnügt, stattdessen mit einem vergleichsweise geringen Budget eine Optik auf Hollywood-Blockbuster-Niveau erzeugt. Das ist respektabel. Das letzte Album „Feathers & Flesh“ war zwar konzeptionell eine versponnene Märchen-Platte, aber auch ein nett zusammengepuzzeltes Kleinod des Alternative Rock mit mehr Stärken als Schwächen. „Avatar Country“ ist eine noch wildere Geschichte über ein Fantasieland, in dem ein seltsamer König regiert und sich AVATAR als moderne Metal-Hofnarren inszenieren. Das Ganze soll wohl witzig sein, aber meine Art von Humor ist das nicht. Alle Songtitel enthalten das Wort „King“, wie in einem Musical wird gesungen und erzählt, selbst die Jubelchöre des Publikums sind schon Teil des Studiowerks, das musikalisch viel zu perfektionistisch am Computer zusammengebastelt wurde. Ab und an lassen die Gitarren (wie beim guten Opener ´Legend Of The King´) aufhorchen, den Rest der Scheibe nimmt man eher achselzuckend zur Kenntnis. „Avatar Country“ hat weder große Songs noch Hits zu bieten, sondern ist fast durchgehend strunzlangweilig. Selbst die Videos lassen einen mit Fragezeichen auf der Stirn zurück. Vielleicht bin ich aber einfach nur zu doof oder nehme die falschen Drogen...

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.