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REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

SAXON - Thunderbolt

Militia Guard/Warner (42:50) Dass SAXON ihren x-ten Frühling erleben, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Band war immer da, hat zuverlässig „geliefert“, ob im Studio oder auf der Bühne. Und doch umweht „Thunderbolt“ die Gewissheit der eigenen Vergänglichkeit. Verantwortlich ist ´They Played Rock And Roll´, eine wunderbare Hommage an die einstigen Weggefährten Motörhead, natürlich im klassischen Mikkey-Dee-Uptempo-Beat inszeniert und mit einem Sample von Lemmys geröchelter Kult-Ansage versehen. Zuvor haben SAXON ihr 22. Album profihaft mit dem ziemlich ausgefuchst arrangierten Titelstück und dem von einer feinen Gitarrenmelodie getragenen ´The Secret Of Flight´ eröffnet. Das klare Bekenntnis zum Metal-Stil überrascht nach den letzten Tourneen und „Battering Ram“ kein bisschen mehr, die unsichere Melodic-Rock-Phase und der allzu pompöse Orchester-Ausflug sind vergessen. Schade nur, dass die Platte immer wieder mal auf gesundes Mittelmaß zurückfällt, vor allem wenn die von Andy Sneap kraftvoll, aber auch ein wenig steril produzierten Songs nach Accept-B-Ware klingen (´Predator´, ´Sniper´, ´Speed Merchants´). Das ist zwar immer noch gut, aber für eine Bewertung im Spitzenbereich nicht originell genug. Ausgenommen sind die im ´Holy Diver´-Beat gehaltene Schlachthymne ´Sons Of Odin´ und natürlich der ´Roadie´s Song´, ein klassischer SAXON-Track, der sich gegenüber Evergreens wie ´Princess Of The Night´ und ´And The Bands Played On´ nicht verstecken muss.

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

ORPHANED LAND - Unsung Prophets & Dead Messiahs

Century Media/Sony (54:08) Junge, Junge, Junge. Ein Konzeptalbum über Plato und verkannte Revolutionäre, natürlich auch immer mit einem versteckten Hinweis auf die verworrene politische Situation im Nahen Osten: ORPHANED LAND fahren hier groß auf, auch musikalisch. Edelste Chöre und raumgreifende Orchester-Arrangements wurden von Meister-Mixer Jens Bogren gleichberechtigt zur Band aufgeschichtet, Gastbeiträge von Hansi Kürsch (Blind Guardian), Steve Hackett (ex-Genesis) und Tomas Lindberg (At The Gates), Sprachsamples und eine unendliche Anzahl verschiedener Stile von Death Metal bis zur orientalischen Musik eingebaut. „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ ist eine Wundertüte für Fans, die mit dem Booklet auf den Knien ein Album 40 Mal hören und mit mathematischer Begeisterung jeden Winkelzug ausloten. Und warum auch nicht, wir haben ja Winter. Ein Meisterwerk des Prog Metal? Der achtminütige Einstieg ´The Cave´ liefert gleich eine Zusammenfassung der Platte. Zuckersüße Chöre treffen auf Death-Metal-Grunts. Die facettenreiche Komposition mit ihren feinen Tempowechseln kann was. Die nachfolgenden Titel sind kürzer, nicht weniger abwechslungsreich, wirken aber trotz einiger schöner Melodien mitunter unvollständig. Man wähnt sich bei der Aufführung eines Theaterstücks (siehe Moonspells „1755“), die Storyline gibt den Ton an. Aber Musik ist bekanntlich dann am besten, wenn die Melodien auch ohne großes Brimborium und intellektuellen Überbau auskommen. Wahrscheinlich wäre das sogar drin gewesen, aber die Stücke sind oft mit mehrstimmigen Arrangements, Effekten, immer wieder neuen Teilen und jeder Menge Kleinkram gnadenlos überladen, da kann die einzelne Performance noch so gut sein. ´Left Behind´, das getragene ´All Knowing Eye´ und die gute Single ´Like Orpheus´ liefern halbwegs gradliniges Kontrastprogramm, aber von der Durchschlagskraft von Nummern wie ´All Is One´ oder ´Brother´ ihres 2013er Meisterwerks sind ORPHANED LAND einiges entfernt. Natürlich ist „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ allein aufgrund der orientalischen Melodien (in der Disziplin sind sie nun mal führend) und der enormen Vielschichtigkeit immer noch ein hörenswertes, hochoriginelles Album - aber nicht der angestrebte Befreiungsschlag, den „Israel´s finest“ so dringend nötig hätten.

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album, RH 369, 2018)

ANVIL - Pounding The Pavement

Steamhammer/SPV (46:07) Das letzte ANVIL-Album „Anvil Is Anvil“ belegte im Soundcheck einen nicht gerade rühmlichen 32. Platz, den Rückenwind des sensationellen Dokumentarfilms „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ hat man leider nur selten ausspielen können. Dass sich mit „Pounding The Pavement“ daran etwas ändert, wage ich zu bezweifeln, trotzdem haben ANVIL zusammen mit ihrem deutschen Produzenten erfolgreich an ein paar Stellschrauben gedreht und am Ende ein hörenswertes, typisches Band-Album auf den Weg gebracht. „Typisch“ heißt, die Rock´n´Roll-Roots der Band nicht zu verleugnen und dem eigentümlichen, manchmal grenzwertigen Humor von Steve „Lips“ Kudlow freien Lauf zu lassen. Die meisten Songs sind simpel, kommen aber ohne Umwege mit klaren Refrains und Aussagen auf den Punkt. Überhaupt ist der Sprechgesang diesmal verbessert und wird mit kreativen Chören unterstützt, während Robb Reiner im Hintergrund nach Lust und Laune wirbeln darf - anscheinend hat er gerade den Spaß seines Lebens. Der Opener ´Bitch In The Box´ ist ein Song über Navigationsgeräte, ´Doing What I Want´ ein kleiner Hit mit Rebellen-Attitüde. Bei der Motörhead-Hommage ´Black Smoke´ und ´Ego´ drücken ANVIL gekonnt aufs Tempo, während das Titelstück eher verzweifelt an das Kult-Instrumental ´March Of The Crabs´ erinnert. Auch der vermeintliche Party-Song ´Rock That Shit´ geht halb in die Hose. Die Reime sind nun wirklich zu banal, und was sich Lips beim Bonustrack ´Don´t Tell Me´ gedacht hat, wäre interessant zu wissen, denn hier geht´s um „Fake News“. Zugegeben, ein bisschen zwiespältig waren ANVIL zuletzt immer. „Pounding The Pavement“ wirkt aber zumindest schlüssiger als viele Alben der letzten zehn Jahre. Jeder Song kommt mit viel Leidenschaft fürs Detail angerockt, und diese Attitüde hält man eisern bis zum Schluss durch.

REVIEW 7.0 22.11.2017

(Album, RH 367, 2017)

ANNIHILATOR - For The Demented

Neverland/Warner (48:13) Die Zeiten, in denen man einem neuen ANNIHILATOR-Album so richtig entgegengefiebert hat, sind leider schon lange vorbei. Das letzte Album „Suicide Society“ stand zumindest für einen Neuanfang des Einzelunternehmers Jeff Waters und hatte Spielwitz, Ideen und eine sympathische Unverfrorenheit zu bieten. Nach dem Verlust seines langjährigen Partners Dave Padden hatte man als Rezensent ein Auge zugedrückt und Waters´ mutiges (!) und offenherziges „Ich benutze Drumcomputer-Software!“-Geständnis als Notlösung akzeptiert. Das Ergebnis war ja brauchbar, und ob die Fans des Kanadiers auf solche Details überhaupt Wert legen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Trotzdem ist eine plumpe Verlängerung dieses Konzepts absolut untauglich. Auf „For The Demented“ gibt es (wie auf dem letzten Iced-Earth-Dreher) „Drum-Arrangements“, die höchst peinlich und in meinen Augen auch nicht veröffentlichungswürdig sind. ´The Way´, eigentlich eine fluffige Danko-Jones-mäßige Punk´n´Roll-Nummer mit Live-Potenzial, klingt so erbärmlich, dass Waters damit nicht mal in der Rock-Hard-Demo-Ecke auftauchen dürfte. Bei allem Respekt für die astronomisch guten Gitarrenkünste des Kanadiers: Das muss nicht sein. Bei typischen ANNIHILATOR-Doublebass-Nummern wie ´One To Kill´, ´Altering The Altar´ oder ´Phantom Asylum´ fällt diese Technik nicht sonderlich ins Gewicht, aber so was wie Bandgefühl kommt selten auf, auch wenn sein Live-Bassist ausnahmsweise ein paar Spuren einspielen durfte. Zu den guten Seiten der Platte gehört hingegen der sehr gute Text zu Waters´ überwundener Alkoholsucht (´The Demon You Know´), während die stimmungsvollen Melodien in ´Pieces Of You´ zeigen, welches Potenzial der Gitarrist in einer „richtigen“ Band entfalten könnte. Ein zwiespältiges Album, das nur aufgrund der Weltklasse-Gitarren und einiger guter Songwriting-Ideen mit Ach und Krach aufs Urteil „knapp gut“ kommt.

REVIEW 22.11.2017

(Album, RH 367, 2017)

ROSE TATTOO - Tatts: Live In Brunswick

Golden Robot/Soulfood (66:33) Ja, ist denn heut´ schon Weihnachten? Der dämliche Werbespruch von Mauschelkaiser Franz passt tatsächlich auf diese Veröffentlichung. Eine der besten Livebands dieses Planeten (zumindest deren dreckigste und räudigste Vertreter) schenkt uns endlich für eine Handvoll Euronen ein offizielles Live-Dokument ihrer Hochphase. Das ist sogar wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen, Brothers and Sisters! Wir erinnern uns: Natürlich gab es schon Live-Aufnahmen der Tatts, aber erst als sie von den Wackenern und SPV gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wiederentdeckt wurden. Zuvor musste man sich eine Kopie des legendären „Live At The Boggo Road Jail“-VHS-Videos (aus Australien) besorgen oder zu den Glücklichen zählen, die die „Reading Rock“-Radiosendung von 1981 als Bootleg besitzen. Eine Platte, die man freilich nur zu Feiertagen mit Samthandschuhen auflegt. Womit wir beim Thema wären, Brothers and Sisters, denn auch „Live In Brunswick“ präsentiert die legendäre Besetzung Anderson/Wells/Riley/Leach/Royall in Höchstform. Die Argumente für den Erwerb der Scheibe sind glasklar: zum einen die Mischung aus punkeingespritzten Dampfhammer-Rockern (´Assault And Battery´, ´Tramp´, ´Out Of This Place´) und unsterblichen Pub-Hymnen (´We Can´t Be Beaten´, ´Rock´n´Roll Is King´, ´One Of The Boys´, ´Branded´, ´Rock & Roll Outlaw´, ´Scarred For Life´), zum anderen die herrliche Gesangs-Phrasierung von Gary „Angry“ Anderson. Er soll ein wahnsinnig netter und sozial eingestellter Typ sein, klingt aber wie ein Vollblut-Asi mit zähnebleckendem Pitbull, der dir in einer finsteren Gasse von Melbourne jederzeit ein Messer zwischen die Rippen stechen würde. Man denke nur an die Geschichte von ´Butcher & Fast Eddie´, die hier natürlich auch ein Highlight ist. Sogar der Sound ist transparent und druckvoll, was für eine Aufnahme von 1982 einem kleinen Wunder gleichkommt. Das waren noch Zeiten, Brothers and Sisters!

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