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REVIEW 19.06.2019, 08:00

(Album, RH 386, 2019)

BULLET - Live

Dass BULLET immer schon in erster Linie eine Live-Band waren, muss ich hier vermutlich wirklich niemandem mehr erklären: Die fünf Schweden sind seit beinahe zwei Jahrzehnten für ihre energetischen, mitreißenden und (vor allem!) unterhaltsamen Konzerte in der Szene bekannt. Umso unfassbarer eigentlich, dass Hell Hofer (v.), Hampus Klang (g.) und ihre Mitstreiter erst jetzt, also nach ihrem sechsten Studio-Longplayer, mit einer offiziellen Live-Auslese um die Ecke kommen. Das schlicht „Live“ betitelte Scheibchen wirkt (bis auf einige kurze Fade-outs) wie aus einem Guss, obwohl es auf insgesamt drei verschiedenen Konzerten, die während zweier aufeinanderfolgender Touren („Storm Of Blades“, 2017, und „Dust To Gold“, 2018) stattfanden, mitgeschnitten wurde. Mix und Produktion klingen „echt“ und vermitteln ein gutes Live-Feeling, auf Ausbesserungen im Nachhinein scheint man weitgehend verzichtet zu haben. Warum sich die Plattenfirma dazu entschieden hat, das Album als Doppel-CD zu veröffentlichen, bleibt hingegen schleierhaft: BULLET-Shows dauern selten länger als 80 Minuten (das gehört sozusagen zur Band-Philosophie), und „Live“ hätte auch auf einen einzelnen Silberling gepasst. Aber gut, irgendwas ist ja immer... 3 Fragen an BULLET-Gitarrist Hampus Klang: Hampus, wir haben uns zuletzt vor ziemlich genau einem Jahr auf Tour gesehen. Wie ist´s dir seitdem ergangen? »Ziemlich gut. Ich habe eine Weile als Musiklehrer für Kinder gearbeitet, den Job aber kürzlich hingeschmissen. Momentan sind wir mit der Veröffentlichung von „Live“ beschäftigt, und in nächster Zeit werden wir viele Shows spielen. Am vergangenen Wochenende sind wir in Gladbeck aufgetreten. Da gab es ein Fest zum hundertjährigen Jubiläum der Stadt. Das war ziemlich abgefahren. In Schweden würden da irgendwelche Pop-Acts auftreten, bei euch haben den ganzen Tag Metal-Bands gespielt, und die Rentner sind ordentlich abgegangen. Jetzt bin ich wieder zu Hause und widme mich der Hühnerzucht. Außerdem habe ich ein paar Tomatenstauden gepflanzt.« Also lebst du inzwischen nicht mehr im Wohnwagen auf dem Muskelrock-Gelände? »Nein, schon seit einer Weile nicht mehr. Als unsere Plattenverkäufe in die Höhe geschossen sind, konnte ich mir endlich ein Haus leisten (er prustet los). Kleiner Scherz. Wir können uns aber tatsächlich nicht beklagen, und über die Jahre habe ich ein bisschen Geld zur Seite gelegt. Das Haus, das ich mir gekauft habe, ist zwar eine richtig kleine, schrottige Hütte, aber immerhin besser als der Wohnwagen. Wenn ich irgendwann gezwungen sein sollte, sie wieder zu verkaufen, kann ich jederzeit zurück in den Caravan.« BULLET waren schon immer primär eine Live-Band. Warum hat es beinahe zwei Jahrzehnte gedauert, bis ihr eure erste Live-Platte veröffentlicht habt? »Wir haben zwar auch in der Vergangenheit schon Gigs aufgezeichnet, waren aber nie mit dem Ergebnis zufrieden. Teilweise klangen die Aufnahmen ziemlich schrottig, die von den letzten beiden Touren sind um Längen besser. Dazu kommt, dass man kein Live-Album mit nur zwei Studio-Platten im Gepäck veröffentlichen sollte. Der Zeitpunkt fühlte sich einfach richtig an.« (jp)

REVIEW 8.0 19.06.2019, 08:00

(RH 386, 2019)

HOLLYWOOD VAMPIRES - Rise

PLUS-MINUS Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass sich „Rise“ genau wie das selbstbetitelte HOLLYWOOD VAMPIRES-Debüt aus dem Jahr 2015 nicht zuletzt aufgrund der beteiligten Promi-Mannschaft - Alice Cooper am Gesang, Aerosmiths Joe Perry und Hollywood-Posterboy Johnny Depp an den Gitarren - zumindest in den Vereinigten Staaten so gut wie das sprichwörtliche „geschnitten Brot“ verkaufen wird. Im Gegensatz zum Debüt, einem reinrassigen Cover-Album, findet sich auf „Rise“ eine Mischung aus Eigenkompositionen und Cover-Stücken (u.a. Songs von David Bowie, Johnny Thunders und The Jim Carroll Band), wobei Letztere nicht nur nachgespielt, sondern liebevoll umarrangiert wurden und sich deshalb stilistisch hervorragend zwischen Erstere einpassen. Dass die Produktion erneut erstklassig ist, versteht sich sowieso von selbst, hier sind schließlich keine Anfänger am Werke. Unterm Strich ist den Herren mit „Rise“ ein sehr ordentliches Classic-Rock-Album geraten, das aber sicherlich weitaus weniger Beachtung finden würde, wenn es Horst aus Castrop-Rauxel, Klaus aus Herne und Günther aus Gelsenkirchen aufgenommen hätten. Jens Peters 8 Ein Schockrock-Urvater im zigsten Frühling, ein seit Jahren kreativ verarmtes Songwriting-Genie und Gitarren-As sowie ein Auch-Musiker, der sich als Opfer seines Starruhms vor wie abseits der Filmkamera stetig weiter herabwirtschaftet, geben eigentlich ein interessantes Trio ab - allerdings eher im Reality-TV als auf einem Rockalbum. Dass „Rise“ nun wie sein Vorgänger erstaunlich souverän wirkt, liegt wahrscheinlich an gehöriger Schützenhilfe beim Songwriting und Anwenden moderner Studio-Kniffe, doch unabhängig davon sind HOLLYWOOD VAMPIRES ganz einfach öde. Egal, wer die Stücke geschrieben und eingespielt hat: Mit ihrer Substanz ist es im Vergleich zu jeder anderen halbwegs professionell agierenden Vintage-Band nicht weit her, wohingegen die Fremdkompositionen zumindest von Geschmack zeugen. Den würde aber auch ein bloßer Blick in die Plattensammlungen der Macher (bei „MTV Cribs“?) belegen. Andreas Schiffmann 6

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