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REVIEW 21.05.2003

(Album, RH 193, 2003)

PRETTY MAIDS - Alive At Least

(77:53) Siebeneinhalb Jahre nach dem brillanten "Screamin´ Live", dem Mitschnitt eines Einzelgigs in Kopenhagen, haben die unverwechselbaren Ausnahmekönner aus Dänemark drei Shows der letztjährigen "Carpe Diem"-Tour zu einem weiteren Livealbum gebündelt. "Alive At Least" bedeutet so viel wie "gerade noch am Leben". Und das simple Covermotiv des extrem sparsamem Booklets stellt einen Gitarristen im Rollstuhl dar. Eine Anspielung auf die in kommerzieller Hinsicht zuletzt böse Lage der Ohrwurmfabrikanten und HM-Pioniere? Es scheint so, denn laut Aussage eines Labels, dem die Band nach dem Auslaufen ihres Vertrags bei Massacre Records angeboten wurde, seien die legendären Dänen mittlerweile "verkaufstechnisch tot". Und das mitten in einem Zeitalter, da sich melodische Top-Acts von Stratovarius bis Edguy neben den übrigen Schubladen des Genres optimal behaupten. Angesichts der Tatsache, dass gerade die PRETTY MAIDS mit ungeheurem Durchhaltewillen und einem Berg großartiger Songs die "dunklen Jahre" der Grunge-Revolte und der Tough-Guy-Poser, Marke Biopanturahead, musikalisch und stilistisch unbeschadet überlebt haben, eine äußerst traurige Entwicklung - zu der allerdings auch das in vielerlei Hinsicht unfähige und mittlerweile bankrotte Management seinen Beitrag geleistet haben dürfte. Die 15 Tracks von "Alive At Least" sind ein ungeschminkter Einblick in die von Kens zeitlosen Pfeffer-Riffs und Ronnies leidenschaftlicher Stimme getragene Dampfkessel-Atmosphäre eines PRETTY MAIDS-Gigs. Dass an den Mitschnitten im Nachhinein wohl nichts "verbessert" wurde, beweisen diverse roh belassene, kantige Vocal-Tracks. "Alive At Least" ist mehr als nur ein Sammlerstück für Die-hard-Fans, die den Jungs bis zum letzten Atemzug die Treue halten werden. Hier zeigt eine Band, dass sie sich auch 22 Jahre nach ihrer Gründung von niemandem die Fahrt vormachen lässt. Hoffentlich lassen sich die Jungs auch in Zukunft nicht von den Gegebenheiten des "Geschäfts" entmutigen. Denn als begnadete Songwriter und kraftvolle Performer sind sie ungebrochen eine Klasse für sich.

REVIEW 8.0 20.04.2002

(Album, RH 180, 2002)

PRETTY MAIDS - Planet Panic

Angefaulte Opas von gestern klingen anders. Die Mittdreißiger aus dem dänischen Horsens werden von manchen Gurkengesichtern zwar immer wieder gerne in die Rubrik ?erledigt? einsortiert, aber wer je einen ihrer mit Hits und Hämmern vollgestopften Starkstrom-Gigs erleben durfte, weiß, dass dieser Stempel völliger Humbug ist. Der magische Vierzylinder-Motor mit seinen lebensgroßen Gitarren, leidenschaftlichen Powergod-Vocals, guten Songideen und dezent abgestimmten, aber höchst wirkungsvollen Keyboard-Effekten läuft auch auf den Highways von ?Planet Panic? wie geschmiert. Raspelröhre Ronnie Atkins, Kernobst-Klampfer Ken Hammer und ihre Heizer Kenn und Michael sind der lebende Beweis dafür, dass echte Substanz und Leidenschaft einfach nicht ausnullen, wenn man kompromisslos durchzieht, worauf man Bock hat. Ihr größtes Plus: Sie halten mit ihrer transparenten Produktion die Balance zwischen kraftvoll rausgehauenen, klassischen PM-Trademarks mit grinsend eingebetteten Rainbow-, Maiden- und Lizzy-Zitaten (´Face Of My Enemy´) und einem unaufdringlichen, zeitlos-modernen Touch, der mit fies getöntem Riffing und herbem Endzeit-Shouting Punkte macht. Den Beweis liefern auf ?Planet Panic? ideenreich inszenierte Tracks wie der zart angescratchte, eisgekühlte Cyberspace-Kicker ´Virtual Brutality´, die gegen Ende im Doom-Nebel ausdonnernde Midtempo-Großtat ´The One Who Never Lived´, das lässig swingende ´Worthless´, das im Slash/Aerosmith-Slang über den Teppichboden walzende ´Not What You Think´ und der epische Hartherz-Brecher ´Enter Forevermore´. Einzige leichtere Minuspunkte sind für meinen ganz privaten Geschmack der stark an Coverdales ´Is This Love´ erinnernde Schmachtfetzen ´Natural High´ und der schon im Original eher schlichte (Das meinst du nicht ernst, oder??? - Red.) Sammy Hagar-Gassenhauer ´One Way To Rock´. Davon abgesehen haben die Skandinavier ihr hohes Niveau allerdings erneut problemlos gehalten. Und das alleine ist schon eine Kunst für sich.

REVIEW 8.0 18.10.2000

(Album, RH 162, 2000)

PRETTY MAIDS - Carpe Diem

Mit ihrem neunten regulären Studio-Longplayer hatten es die stets sehr kritisch beäugten dänischen Dampfkessel-Metaller und Fulltime-Spaßbacken-Rock'n'Roller PRETTY MAIDS noch schwerer als sonst, in der Richterskala einigermaßen gnädig abgeurteilt zu werden. Obwohl die Kollegen sich in erster Linie über den dünnen Sound der Pre-Mastering-CD beschwerten (s.a. Interview in diesem Heft), liegt der Grund auf der Hand: Die Jungs haben ihren Fans diesmal keine überirdische Power-Peitsche ins Körbchen gepackt. Die härteren "Carpe Diem"-Tracks sind mit Ausnahme der starken 'Violent Tribes' und 'Until It Dies' eher PRETTY MAIDS-Stangenware. Guter Stoff, aber keine Killer für Leute, die sich ihre Rübe am liebsten an der Friedhofsmauer weichklopfen. Mini-Manko Nummer zwo: Röhren-Ronnie, Klampfen-Ken & ihre Bande haben ausnahmsweise einen Titeltrack geschrieben, der nicht in derselben Liga spielt wie gottgleiche Kraftfutter-Brecher der Marke 'Sin-Decade', 'Future World' oder 'Spooked'. Das wär's dann aber auch schon mit den Kritikpunkten. Denn der Rest des Scheibchens besteht wie gewohnt aus musikalischen Sahneteilchen: Bombast-Hartkernmucke mit Stil & Klasse, exquisiten Melodien, kernigen Riffs, gefühlvollen Leadgitarren und vibrierenden Momenten. Das Duo Hammer/Atkins beweist mit Highlights wie 'Unwritten Pages', 'Tortured Spirit', 'Time Waits For No One' oder 'Wouldn't Miss You', dass es nach wie vor zu den talentiertesten Songwriting-Teams der Rock- und Metal-Geschichte zählt. Auch wenn mal nicht der Putz von der Wand bröckelt...

REVIEW 8.5 20.12.1999

(Album, RH 152, 1999)

PRETTY MAIDS - First Cuts... And Then Some

Es gibt CDs, die man dringend braucht, keine Frage. Der Re-Release der PRETTY MAIDS-Debüt-EP - 1983 vom unsäglichen Briten-Indie Bullet Records erstmals aufgelegt - war überfällig. Die wirklich großen Bands der Musikhistorie haben ihre Talente fast ausnahmslos bereits auf ihren Erstwerken als blutjunge Nachwuchsmusiker ausgespielt - egal ob sie nun Maiden, Leppard, Raven, Metallica oder Metal Church heißen. In diese Kategorie gehören zweifellos auch die PRETTY MAIDS. Ohne Melody-Kracher wie 'Fantasy' oder das legendäre 'Children Of Tomorrow' ist die dänische Schublade in eurer Sammlung definitiv unvollständig. Diese Lücke wäre hiermit also geschlossen. Kluft Nummer zwei für Die-hard-Fans (passend zum gräßlichen Weihnachtsgeschäftsfieber der Labels): die beiden Tracks der 1990 erschienenen Christmas-EP "In Santa's Claws". Wer - im Gegensatz zum Atheisten-Haufen im Rock Hard-Office - zum Christfest tatsächlich noch Kerzen auf Tannenzapfen pfropft, sollte sich das Titelstück und das von Purple-Fronter Ian Gillan co-eingesungene 'Merry Jingle' nicht entgehen lassen. Müßt ihr beim trauten Beisammensein der Familie unbedingt mal schön laut ausprobieren. Da mosht sogar die Ur-Oma mit hochgereckter Metal-Faust um die Lametta-Fichte, bis der Arzt kommt. Jaha! 100 Prozent PRETTY MAIDS, die sich prima zwischen den beiden Alben des Savatage-Side-Projects TSO und dem berühmt-berüchtigten "X-Mas Metal Massacre" machen. Wie, ihr kennt Sabina Classens Röchel-Growl-Version von 'Leise rieselt der Schnee' noch nicht? Oder Rage-Peavys Hyperspeed-Fistelvariante von 'Einmal werden wir noch wach'? Dann aber hurtig in den nächsten Second Hand-Laden! Liegt immer noch flächendeckend aus, das Zeug. Jüp! Wo war ich stehengeblieben? Ach ja: Abgerundet wird der Maids-Sampler von drei Nummern des gottgleichen '95er Doppel-Live-Albums "Screamin' Live" und dem Slade-Cover 'Far Far Away', von den Copyshop-Künstlern Ken, Ronnie & Co. KG wie gewohnt fürstlich umgesetzt. Und da wir seit Götzls Zensur-Reform unter Wiederveröffentlichungen Noten setzen dürfen, gibt's an dieser Stelle trotz der etwas kruden Zusammenstellung für "First Cuts... And Then Some" 'ne saftige Achtkommafünf. Frohes Fest!

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