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REVIEW 9.5 18.02.2004

(Album, RH 202, 2004)

OOMPH! - Wahrheit Oder Pflicht

(68:41) OOMPH! haben in ihrer Karriere stets hochklassige Alben abgeliefert, bei denen nicht nur die Singles, sondern auch das Material als Gesamtes überzeugte. Das gilt zwar auch für das letzte Album „Ego“, aber nur mit Einschränkungen, denn die Ausrichtung war zu poppig und die Produktion viel zu glatt. Diesen Fehler korrigiert das Trio nun - und wie! „Wahrheit oder Pflicht“ ist fraglos das härteste und abwechslungsreichste Album der Band und bringt alle Stärken perfekt auf den Punkt. Allen voran glänzt Dero, der vielschichtiger denn je agiert. Neben seinem üblichen Gesang im Mike-Patton-Stil keift er psychotisch in der fesselnden Uptempo-Nummer ´Wenn du weinst´ („Ich lass dich nie wieder los!“), faucht böse im fiesen Midtempo-Banger ´Tausend neue Lügen´, rotzt rau im stampfenden ´Keine Macht´ und schmachtet herrlich in der mächtigen Hymne ´Der Strom´. Zudem sind seine Beziehungstexte ausgesprochen intelligent und gehen voll unter die Haut. Auch instrumental passt alles: Die Riffs sind heavier denn je, die Grooves feist ohne Ende, und die Elektronik setzt clevere Akzente, ohne dabei zu sehr in den Vordergrund zu treten. Die vorab ausgekoppelte Single ´Augen auf!´ ist schon jetzt der größte Hit der Bandgeschichte. Neben ihm und den bereits genannten Songs ragen noch die Neue-Deutsche-Härte-Nummer ´Dein Feuer´, der knallharte Bombast-Kracher ´Warum verbirgst du dich´ und der gehässige Singalong ´Nichts (ist kälter als deine Liebe)´ heraus. Im direkten Vergleich fällt lediglich das nicht ganz so zwingende ´Du spielst Gott´ etwas ab. Als zusätzlichen Kaufanreiz bietet die limitierte Erstauflage das ´Augen auf!´-Video und drei englischsprachige, zum Redaktionsschluss leider nicht vorliegende Bonustracks. Die später erscheinende Normalversion enthält ausschließlich die zwölf deutschen Stücke. Da heißt es: schnell zugreifen!

REVIEW 5.0 18.02.2004

(Album, RH 202, 2004)

OOMPH! - Wahrheit Oder Pflicht

Nicht „Augen auf!“, sondern lieber „Ohren auf“, Marcus! „Wahrheit oder Pflicht“ mag das „abwechslungsreichste und härteste“ OOMPH!-Album sein, aber welche Stärken die Band haben soll, bleibt auch mit diesem Album ein Rätsel. Was ist so schwer daran, den Nerv der Zeit zu treffen, wenn man Einflüsse von angesagten Bands wie Rammstein, Die Ärzte und den Hosen mit einer Portion Düster-Rock mixt? Frontmann und Möchtegern-Bösewicht Dero scheitert kläglich bei dem Versuch, Emotionen durch mystisch-raue oder blackmetallisch-wütende Vocals zu transportieren, weil dieser Trend einfach zu ausgelutscht ist, um mit Durchschnittsgesang beeindrucken zu können. Eindrucksvoll klingt Dero nur bei dem lahmen „Keine Macht“ - zumindest verpasst er dem Hörer einen schmerzverzerrten Gesichtsausdruck. Und was die „intelligenten Beziehungstexte“ angeht: Hier offenbart sich wieder einmal die typische Verzweiflung solcher Bands, die ihr Heil in deutschen Texten suchen und sich nicht anders zu helfen wissen, als leere Reime auf bedeutungsschwanger zu trimmen. Peinlich. Keine Frage: ´Augen auf´ ist eingängig, hat einen besonders schlichten Text und wird in Windeseile ein ebensolcher Discokracher wie Megaherz´ ´Miststück´ werden. Damit ist der Gruppe ein Hit geglückt, akzeptiert, aber deshalb bleiben OOMPH! immer noch eine unspektakuläre Trendkapelle, die auf bewährte Elemente wie Elektro-Riffs, deutsche Texte und Keyboardgeklimper setzt. Zugreifen? Nicht nötig.

REVIEW 9.0 20.10.1999

(Dynamit, RH 150, 1999)

OOMPH! - Plastik

Der sechste Longplayer der niedersächsischen Electro Metal-Originale erscheint in allen Belangen als ein Schritt in eine neue Epoche. Obwohl die Musik von Dero, Flux und Crap nichts an Rasanz und knisternder Spannung verloren hat, wirkt sie entschieden eingängiger und ausgeglichener als je zuvor. Statt songwriterischer Brüche erleben wir ein wellenförmiges Auf und Ab der Emotionen. Dies offenbart eine kompositorische Reife und Entschlossenheit, wie man sie in dieser Form von der Band bislang nicht gekannt hat. Wer nun aber fürchtet, daß auf "Plastik" das Radikale und das für die Braunschweiger typische rebellische Element flöten gegangen ist, kann aufatmen. Denn auch dieses Album verschafft dem Hörer einen wohligen Schauer bis unter die Haarwurzeln. Die Rebellion ist lediglich subtiler geworden, was auch für Deros kritische und anklagende Texte gilt. Schmerz verschmilzt erstmals mit Charme... Neu ist auch der Sound: OOMPH! klangen früher überwiegend kalt, kantig, manchmal sogar mechanisch - und meist beklemmend. Diese Charakteristika sind einer gewissen Wärme, einer organischen, voluminösen Macht gewichen, die gleichermaßen modern wie bodenständig klingt. Zu den Songs: Die Single-Auskopplung ,Das weiße Licht', ein getragenes, tanzbares und intensives Stück mit Ohrwurmcharakter steht in qualitativer Hinsicht nicht allein auf weiter Flur. Mindestens genauso stark hämmern sich das geschwinde ,Nothing Is Real', das nachdenkliche ,Hunger' sowie die Groove-Nummer ,Keine Luft mehr' in Hirn und Herz des Volkes. Doch das eigentliche Highlight trägt den Titel ,Fieber', hat sich die Bezeichnung Hit redlich verdient, wirkt wie eine Art Electro-Metal-Schlager und verführt durch das Gesangsduo Dero und - Achtung! - Nina Hagen, deren Stimme ein verzückendes Paradebeispiel für Unzüchtigkeit ist. Ob wir nun von Electro-Metal oder von Neuer Deutsche Härte reden, ist völlig egal - OOMPH! waren, sind und bleiben unangefochten die Spitzenreiter dieser Liga.

REVIEW 9.5 25.02.1998

(Dynamit, RH 130, 1998)

OOMPH! - Unrein

Nach dem letzten Album rissen sich nahezu sämtliche Major-Companies um OOMPH! - "Unrein" macht klar, warum. Die Band war nämlich nicht nur Vorreiter in Sachen Elektro-Metal und neben Laibach die offensichtlichste Inspiration für Rammstein, sondern besitzt auch ein schier grenzenloses Potential. Mit jedem Album wird das Braunschweiger Trio flexibler. Zwar finden sich auf "Unrein" immer noch zahlreiche Brachial-Banger wie 'Die Maske', 'Bastard' oder die alles überragende Single 'Gekreuzigt', aber darüber hinaus bringt man auch poppige Elektro-Nummern wie 'Foil' und 'Meine Wunden', das zwischen Streicheleinheiten und Blast-Parts hin und her pendelnde 'My Hell' oder das dramatische Titelstück, das balladesk beginnt und sich nach und nach zu einer orgiastischen Hymne steigert. Dieser Abwechslungsreichtum wird vor allem durch die beeindruckende Weiterentwicklung von Sänger Dero ermöglicht, der nicht nur kraftvoll-kontrolliert shouten kann, sondern mittlerweile die unterschiedlichsten Vocal-Facetten beherrscht und z.B. bei 'Unrein' an die Klasse eines Mike Patton heranreicht. Dumm nur, daß er bei 'Willst du mein Leben entern?' und 'Clean Again' unerklärlich heiser klingt - dieses kleine Manko kostet die Truppe die Höchstpunktzahl. Wie schon beim Vorgänger "Wunschkind" drehen sich die wie gewohnt teils in deutsch und teils in englisch gehaltenen Texte überwiegend um die beiden Themen Kindesmißbrauch und Religion, wobei sie durch die konsequente Ich-Perspektive besonders eindringlich wirken - platte Provokationen haben OOMPH! nicht (mehr) nötig. Ein Meisterwerk moderner Banger-Mucke, an dem vor allem Rammstein-Fans nicht vorbeikommen!

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