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REVIEW 9.0 28.09.2016, 01:00

(Album, RH 353, 2016)

NEUROSIS - Fires Within Fires

Neurot/Cargo (39:33) Natürlich gibt´s auch im Falle von NEUROSIS die Fans, die vor allem die ungestümen Werke ihrer Neunziger-Phase lieben und jüngere Alben gerne mal schmälern. Das ist Quatsch, denn die atmosphärischen, epischen, wuchtigen und emotionalen Höhen und Tiefen von „A Sun That Never Sets“ (2001) und „The Eye Of Every Storm“ (2004) sind nicht von dieser Welt, während das wieder etwas schroffer tönende „Given To The Rising“ 2007 so was wie das richtige Album zum richtigen Zeitpunkt war. Was das 2012er „Honor Found In Decay“ betrifft, können wir uns allerdings darauf einigen, dass es insgesamt nicht gerade ein Karrierehighlight ist. „Fires Within Fires“ klingt dagegen nun tatsächlich etwas durchgelüftet. 2016 pendeln NEUROSIS mit einer gewissen Leichtigkeit zwischen Ruhemomenten und krachenden Passagen. Song-Arrangements von ausladender Spiellänge erscheinen dabei dennoch irgendwie direkt und kompakt. Der erdige Sound ist aufs Wesentliche reduziert und doch facettenreich, außerdem bei den von Folk und Ambient geprägten ruhigeren Parts auffallend warm. „Fires Within Fires“ hat im Rahmen seiner fünf Tracks mit einem recht abrupten Schlusspunkt etwas Quintessenzielles an sich. (Wat? - Red.) Es gibt hier keine auffälligen Ausschmückungen oder epische Anwandlungen zu bestaunen, sondern nicht mehr und nicht weniger als NEUROSIS auf den Punkt. Was beeindruckend genug ist, um die meisten ihrer Epigonen im Sludge- und Post-Metal-Dickicht auf entsprechend unterrangige Plätze zu verweisen.

REVIEW 8.5 24.10.2012

(Album, RH 306, 2012)

NEUROSIS - Honor Found In Decay

Plusminus Neurot/Cargo (59:34) Manche sagen, dass NEUROSIS stilistisch nicht einzuordnen seien, weil sie einen eigenen Stil mit Alleinvertretungsanspruch kultiviert haben. Dies mache den Sound der Band grenzenlos. Andere wiederum sind der Auffassung, dass es durchaus Grenzen gibt, und diese seien gerade bei diesem Sextett eng gesteckt - und vor allem auf Perlen wie „Times Of Grace“, „A Sun That Never Sets“ und „The Eye Of Every Storm“ komplett ausgereizt worden. Harte Kritiker behaupten, beim 2007er Album „Given To The Rising“ Abnutzungserscheinungen herausgehört zu haben. Das ist zwar Blödsinn, aber zumindest kann man nicht verhehlen, dass es NEUROSIS bei aller kompositorischen Qualität unterlassen hatten, sich auf jenem Longplayer neu zu erfinden. Es ging „nur“ noch um Feineinstellungen. Gleiches gilt auch für das nunmehr zehnte Studioalbum, zu dem man anfangs äußerst schwer Zugang bekommt. Klobig, schroff und wenig einladend erscheinen einem die monolithischen, bis zu zwölf Minuten langen Stücke, die wie eine zerhackte, negative, dunkle, apokalyptische Fortsetzung von „Given...“ anmuten. Erst nach vielen Hördurchläufen entdeckt man den schwerfälligen, ureigenen Fluss, auch wenn von fließen nur sehr bedingt die Rede sein kann. Hat man diese Hürde genommen, findet man ein brillantes Stück bleierner Schwere vor. NEUROSIS´ Neuerungen betreffen weniger das eigentliche Songwriting, sondern vor allem die Atmosphäre. Und so ist auch „Honor Found In Decay“ ein Edelstein im Psycho-Geröll. Wolf-Rüdiger Mühlmann 8,5 NEUROSIS waren irgendwann mal Vorreiter. Sie tasteten sich von ihren Hardcore-Roots Schritt für Schritt immer tiefer in dunkel-epische Apokalypsen, die tatsächlich mitrissen und in jeder Rezension inflationär das Prädikat "atmosphärisch" verliehen bekamen. Momentan wimmelt's in den ganzen Post-, Psycho- und Sub-Doom-Szenen allerdings nur so vor Atmosphärikern. Und von denen sind viele besser als die Urväter. Man kann es respektlos nennen - oder einfach nur ehrlich: 2012 blitzt wahre Größe kurz im Opener 'We All Rage In Gold' auf. Auch Anna Browns Gastperformance in 'My Heart For Deliverance' ist ein flüchtiger Gänsehautmoment. Man hofft dann auf 'ne tolle Platte - und bekommt doch nur 'ne leblose Hülle. ? Wurde früher gern das Wort "Lava" als Beschreibung für den unheilbringenden, unaufhaltsamen Malstrom diverser Bandhits verwandt, tröpfelt heute ein Rinnsal bedeutungsschwangerer Langeweile aus den Boxen. Emotionsschwach, schablonenhaft und erschreckend lustlos. Beim ersten Durchlauf bin ich dreimal eingepennt. Das zweite Mal habe ich mit ständigem Zucken im Skiptasten-Finger haarscharf durchgehalten. Beim dritten Versuch habe ich echt schlechte Laune bekommen und will da gar nix mehr entdecken. Jan Jaedike 4

REVIEW 10.0 16.05.2007

(Album, RH 241, 2007)

NEUROSIS - Given To The Rising

Neurot/Soulfood (70:48) Als Gerüchte auftauchten, dass NEUROSIS nach ihrem ruhigen Album „The Eye Of Every Storm“ wieder eine rabiatere und krachigere Richtung eingeschlagen haben, befürchteten die Zweifler schlichte Selbstbedienung am eigenen Schaffen. Selbstbedienung? Kinder, es handelt sich um NEUROSIS! Eher würde die Band Raumschiffe kapern und wegfliegen oder sich mit Macheten bewaffnen und eine Schneise durch einen undurchdringlichen Dschungel schlagen, um Fremdes zu finden, anstatt sich an ihrer eigenen (wunderbaren) Vergangenheit zu berauschen, wie es 99 Prozent aller großen Namen des harten Rockgeschäfts praktizieren. „Given To The Rising“ rollt harsch, grob und unaufhaltsam. Hier dröhnen furchterregende, epische Endzeitklänge, aber sie haben winzige Melodie-Fenster, die einen Spalt geöffnet sind, so dass man das Grün und die warme Sonne dahinter riechen und spüren kann. NEUROSIS zelebrieren sich als ein in Stahlbeton gegossenes Orchester, ihre Lieder sind gigantische Epen im Sinne von kompositorischer Pracht - und ausdrücklich nicht im Sinne von Kitsch und trendmusikalischem Blockbuster-Quatsch. Dem Zeitalter des Hightech und der Gigabyte setzt die Legende aus der Bay Area Klugheit, Hypnose und spirituelle Vorstellungskraft entgegen. „Given To The Rising“ ist ein bebender Urschrei, ein reinigendes Gewitter in der geistigen Sandwüste der Gegenwart. Es ist allerhöchste Vollendung. (Hey Wolf! Ich spare mir hier mal die Minuskritik, will aber zumindest anmerken, dass ein Großteil der Redaktion mit diesem ach so „bebenden Urschrei“ weit weniger anfangen kann als du... - gk)

REVIEW 10.0 22.08.2001

(Album, RH 172, 2001)

NEUROSIS - A Sun That Never Sets

Die Beziehung zwischen dieser Band und ihren Liebhabern hat manchmal schon etwas Geheimbündlerisches, zumindest aber sehr Inniges. Seit Beginn ihrer Existenz stellen NEUROSIS ihre Hörer vor gewaltige Aufgaben, denn die extravagante Mischung aus barbarischer Aggression, depressiven Lavaströmen, die Klangextreme zwischen suizidaler Selbstaufgabe und harscher Zerstörungswut sondert alle Ottonormalverbraucher unter den Musikhörern automatisch aus. Ich habe noch nie einen Konsumenten kennen gelernt, der NEUROSIS (sofern er die Band kennt) mit gleichgültiger „Na ja“-Haltung gegenübersteht. Totale Huldigung oder totale Ablehnung, ein Dazwischen existiert nicht. Nun gibt es aber auch Stimmen, die behaupten, dass Steve von Till & Co. seit Jahren den gleichen stilistischen Kurs fahren. Aber das ist Unsinn. Vielmehr hat man mit dem vergangenen Album ”Times Of Grace” - oder besser: mit der Wahl von Steve Albini (Big Black, Shellac) zum Produzenten - den Sound perfektioniert. Und so klingt auch ”A Sun That Never Sets” unglaublich erdig, roh, natürlich, live-haftig. NEUROSIS-Alben komprimieren sowohl die songschreiberischen Exzesse des Proberaums als auch die lebendige, schweißtreibende Urkraft eines intimen Clubkonzerts dieser kalifornischen Koryphäen. Und ein weiterer Fakt macht den Reifeprozess des Quintetts deutlich: Mehr denn je spielen NEUROSIS mit dem schreienden Schrecken, der hinter bedrohlich leisen Tönen stecken kann. Keine andere Extremband der Welt geht so apokalyptisch mit der Laut/Leise-Dynamik um. Das ist Gänsehaut pur! Man schwitzt, man stöhnt, man leidet mit! Aber nur dann, wenn man sich wirklich fallen lassen WILL... Ferner ist die Band zu beglückwünschen, dass sie wieder auf die Dienste von Violinistin Kris Force (Amber Asylum) zurückgegriffen hat, denn diese Künstlerin ist weder Folk noch Klassik - sie streicht den akustischen Weltuntergang, das endgültige Drama. Und so inszenieren die wohl unamerikanischsten Amerikaner der harten Musikwelt das wohl größte Sterbehilfealbum dieses Jahres. Meinen tiefsten Respekt dafür...

REVIEW 9.0 18.10.2000

(Album, RH 162, 2000)

NEUROSIS - Sovereign

NEUROSIS feiern dieses Jahr ihren 15. Geburtstag mit einer ganz besonderen CD. Neben vier neuen Stücken gibt's nämlich für Mac- und PC-User eine ordentliche Portion animierter Grafiken und den direkten Zugang zur offiziellen Homepage der Band. Doch der Reihe nach: Wer NEUROSIS kennt, kann sich denken, dass sie ihr Bandjubiläum nicht mit einer fröhlichen Party begehen, sondern in altbewährter Manier alles und jeden in ihr Universum aus Leid und Finsternis geradezu hineinsaugen. Beschwörerisch verbreiten sie mit düsteren Sounds, mal monotonen, mal markerschütternden Gesängen, tonnenschweren Riffs und Tribal-Drumming jenseits des Viervierteltakts eine Stimmung, die eigentlich zum Selbstmord animieren müsste. Doch NEUROSIS stehen trotz selbst erlebter Tragödien zum Leben, begreifen Schmerzerfahrung als Mittel zur Reinigung der Seele und liefern mit dieser EP im Longplayformat einen weiteren Meilenstein ihres musikalischen Genies ab. Ist der Audiopart von "Sovereign" noch so eben bei Tageslicht zu genießen - es empfiehlt sich unbedingt das Benutzen eines Kopfhörers -, so sollte der multimediale Teil der CD frühestens zur Dämmerstunde angecheckt werden. Denn erst dann entfalten sowohl die übereinander liegenden Grafiken, die sich teils selbstständig, teils per Mausklick verändern, als auch die zahlreichen, mit gemeinen Sounds unterlegten Videosequenzen ihre volle Wirkung. Wer NEUROSIS schon mal live gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, was ihn erwartet. Auch hier herrscht Bewusstseinserweiterung der finsteren Art, gleichzeitig macht es aber auch Spaß, herauszufinden, was sich hinter den jeweiligen Icons verbirgt. Ähnlich wie bei den Computerspielen "Myst" oder "Riven" ist hier der Weg das Ziel, und mit etwas Geschick kann man auf manchen Ebenen sogar seinen eigenen Soundtrack kreieren. Ein Link zum Herunterladen des benötigten "Quick Time" ist ebenso vorhanden wie der direkte Zugang zur Website, von der man sich dann vier weitere Stücke mit einer Gesamtlänge von 17:45 Minuten kostenlos herunterladen kann. Souverän!

REVIEW 8.5 21.04.1999

(Album, RH 144, 1999)

NEUROSIS - Times Of Grace

Ihr wollt euren alten Herrn unter die Erde kriegen um euch euer Erbe zu krallen damit das RH-Abo gesichert ist? Mit der Nachbarin klappt's nicht und das soll auch so bleiben? Ihr wollt vor der Jahrtausendwende aussteigen, weil euch der ganze Trubel jetzt schon ankotzt? Well, euch kann geholfen werden. Die musikalische Abrißbirne aus der Bay Area meldet sich mit einem neuen, superfiesen Verstoß gegen jegliche Konventionen zurück und läßt die blank liegenden Nervenenden einen Veitstanz aufführen. Jaja, so ähnlich muß das anno dunnemals geklungen haben, als Trompeten die sagenumwobenen und vielbesungenen Mauern von Jericho zum Einsturz gebracht haben. "Times Of Grace" ist ein subtiles akustisches Bombardement sämtlicher Sinne - der vermeintliche Widerspruch wird gleich mit aufgelöst. Wer mit den Klangwällen und Soundeskapaden der Band bislang nicht vertraut ist und eine detaillierte Beschreibung erwartet den muß ich leider enttäuschen. Denn diese lassen sich kaum analysieren und noch weniger in Worte kleiden. Nur soviel: Der Bandname ist über 66 Minuten Programm. You gotta experience it for yourself! Soviel ist sicher: "Times Of Grace" bestätigt, was wir ohnehin schon immer wußten. Leben ist Sterben auf Raten. Wer bislang noch immer an das Gute im Menschen geglaubt hat - forget it! NEUROSIS bringen auch diesen letzten Funken Hoffnung zum Erlöschen. Was bleibt ist Eiseskälte. Totenstille. Dann...der Urknall! A new beginning?

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