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REVIEW 8.5 30.08.2017

(Dynamit, RH 364, 2017)

PORTRAIT - Burn The World

Metal Blade/Sony (46:42) Der Platz an der Seite von Gitarrist und Bandkopf Christian Lindell entwickelt sich ein bisschen zum Schleudersitz, nach Richard Lagergren und David Olofsson folgt nun Vampire-Klampfer Robin Holmberg als „partner in crime“, was vor allem deshalb verwundert, weil die doppelten Gitarren-Attacken bei PORTRAIT so wichtig sind wie bei kaum einer anderen Truppe. Nun, geschadet es kaum, auch auf Album Nummer vier kredenzen die Schweden ein hochkonzentriertes Destillat, das wie schon auf den zumindest letzten beiden Drehern nicht nebenbei zu schlucken ist, sondern höchste Aufmerksamkeit erfordert. Wenn Attic (lese an anderer Stelle auf diesen Seiten) King Diamond solo sind, stellen PORTRAIT nach wie vor ´ne frische Mercyful-Fate-Version dar, aber man sollte diese Vergleiche eh nicht überbewerten, denn dieser ganz eigene, in seiner Atmosphäre manchmal fast black-metallische Heavy-Metal-Stil ist im Laufe der Jahre ja sowieso zu einer eigenen Schublade geworden - die PORTRAIT wiederum seit ihrem Debüt mitgezimmert haben. Vielleicht hatten „Crimen Laesae Majestatis Divinae“ und das etwas untergegangene, superbe „Crossroads“ alles in allem die noch zwingenderen Kompositionen an Bord; „Burn The World“ mit Höhepunkten wie ´Likfassna´, ´Martyrs´ oder dem Neun-Minuten-Rauswerfer ´Pure Of Heart´ als absolutes Pflichtalbum für Fans „ernster“ Sounds zu bezeichnen, ist aber keine Übertreibung und auch nicht meinem Fanboy-Dasein geschuldet, sondern letzten Endes nur logische Konsequenz. Dieses Album wird auch noch in fünf Jahren, in zehn Jahren, in 20 Jahren auf den Teller wandern!

REVIEW 8.5 30.08.2017

(Album, RH 364, 2017)

ALPHA TIGER - Alpha Tiger

Steamhammer/SPV (53:53) Kollege Peters zetert rum, die neue ALPHA TIGER wäre eher mal nix, und ja: Man zieht nach den ersten Takten des ´nem schicken Angelo-Badalamenti-meets-John-Carpenter-Intro folgenden Openers ´Comatose´ schon mal kurz ´ne Braue hoch, was vor allem an der echt gewagten, superbasischen, tatsächlich analogen Produktion liegt, die selbst im nach wie vor nicht wegzudenkenden „Retro-Trend“ auffällt und nicht mehr viel mit dem Sound z.B. des Vorgängers „iDentity“ zu tun hat. Dazu kommen mit Benjamin Jaino ein neuer Sänger (den ich gar nicht soooo weit von seinem Vorgänger Stephan Dietrich entfernt finde; er tönt halt in erster Linie rauer, ungebügelter und weniger hoch), mächtig viel Georgel in erster Linie am Anfang - und damit, klar ist das so, eben der erste Eindruck einer generellen veränderten musikalischen Ausrichtung. Nur: Wer die Melodieführungen auf den ersten drei Platten der Ostdeutschen mochte, kann sich hier eigentlich gar nicht abwenden, denn der rockigere Klang der neuen Stücke, der „Alpha Tiger“ NICHT zum „Chameleon“ der Band macht (noch nicht mal zu ihrem „Pink Bubbles Go Ape“), zerstört nicht die Wurzeln, und es ist auch immer noch „Metal“, wenn das denn wirklich interessant sein sollte. Im Gegenteil: ALPHA TIGER haben mit ´Feather In The Wind´, ´Singularity´, ´Aurora´ oder ´Vice´ hooklinetechnisch einige ihrer besten Tracks überhaupt aufgenommen, hier klingt nichts aufgesetzt, sondern alles wirkt absolut harmonisch, wie ein Dreher, den die Band exakt so haben wollte - was Abrundungen (ich will es gar nicht „Experimente“ nennen) wie den top integrierten Flamenco/Mariachi-Part in ´Welcome To Devil´s Town´ oder die nicht nur latent „postrockigen“ Gitarrenspuren am Ende (´The Last Encore´) mit einschließt. Ein wunderbares Liebhaber-Album, das hoffentlich nicht irgendwo zwischen den Stühlen verschwindet!

REVIEW 9.0 26.07.2017

(Dynamit, RH 363, 2017)

TAU CROSS - Pillar Of Fire

Relapse/Rough Trade (50:29) Ich gehe in Sack und Asche, ich habe das selbstbetitelte 2015er Debüt dieser Kollaboration von u.a. Amebix-Fronter Rob Miller und Voivod-Drummer Away, damals von mir als eine Art ungewaschener „Angel Rat“-Sound und „Crust-Pop“ mit Wave- und Post-Punk-Geschmäckle bezeichnet, mit acht Punkten tendenziell unterbewertet, im Nachhinein hätte ich mindestens einen halben Zähler mehr gegeben, das Ding wollte einfach nicht mehr aus dem Player verschwinden. Das heißt aber nicht, dass die Neun, die jetzt unter diesem Review steht, schöngerechnet ist, denn auch „Pillar Of Fire“ reüssiert über Maßen mit dieser typisch schepprigen Rockigkeit inklusive eines schwer englischen Achtziger-Gitarrensounds, die nicht nur unseren Hacky stante pede in den Tanzmodus versetzt - und wir reden hier nicht von zurückhaltendem Shoegazing, Freunde! Dazu kommt, dass TAU CROSS das Hit-Feuer des Erstlings (´Lazarus´, ´Hangman´s Hyll´, ´The Lie´!) mit auf den Punkt kommenden Melancholie-Meisterwerken wie den schlicht brillanten ´Bread And Circuses´, ´On The Water´ und ´A White Horse´ sowie kaum Abfallendem wie ´Killing The King´, ´RFID´ und ´Seven Wheels´ nicht nur wiederholen, sondern in allen Schwarz- und Weiß- und Grau-Schattierungen ausbauen, als hätten sie sich einen manisch-depressiven Pyrotechniker in die Band geholt. Dazu die, nun ja, Balladen: Letztes Mal noch ein wenig unauffällig, zerreißt einen Stoff wie der Titeltrack oder ´The Big House´ diesmal endgültig das Herz. Klischee hin oder her: Musik wie diese, so unprätentiös wie wahrhaftig, können nur erwachsene Männer spielen, die in ihren Leben bereits mehr gesehen haben, als sie hätten sehen sollen.

REVIEW 9.0 26.07.2017

(Dynamit, RH 363, 2017)

RIVERDOGS - California

Frontiers/Soulfood (49:20) Auch wenn das tolle selbstbetitelte RIVERDOGS-Debüt ein wenig später, nämlich erst 1990, erschienen ist, kann man es problemlos in eine Reihe mit den großartigen 1989er Hardrock-Erstlingen „Blue Murder“ von Blue Murder, „Badlands“ von Badlands (zehn Punkte!), „Mr. Big“ von Mr. Big (nie mehr auch nur ansatzweise von der Band erreicht!) sowie „Four Winds“ von Tangier (ja, okay, da gab´s ´85 schon mal ´ne Eigenproduktion...) stellen: nachhaltig abgehangener Geschmackssound mit Bleiberecht, eingespielt von absoluten Könnern ihres Fachs. Durchgestartet sind nur Mr. Big (später, mit dem echt fiesen ´To Be With You´), die RIVERDOGS haben immerhin - mit Unterbrechungen - durchgehalten, und auch die weiteren Frühneunziger-Releases „Absolutely Live“ und „Bone“ gehören in jede Genre-Kollektion. Auf „California“ müssen sich Wunderstimme Rob Lamothe, Star-Gitarrist Vivian Campbell (Sweet Savage, Dio, Whitesnake, Def Leppard, Last In Line) & Co. dementsprechend nicht mehr viel beweisen, außer dass sie nach wie vor Songs schreiben können, die im ersten Moment vielleicht ein wenig spröde wirken, sich dafür aber null Komma null abnutzen. Das (nur musikalisch) beschwingte ´American Dream´ ist ein ungewöhnlicher Opener, besonders nahe gehen natürlich wieder mal zurückhaltend intonierte Miniatur-Gefühlswelten wie ´The Heart Is A Mindless Bird´, ´Welcome To The New Disaster´ oder vor allem die Springsteen-Hommage ´The Revolution Starts Tonight´. Und dann diese Soli: Campbell zeigt auf „California“ nicht nur erneut, wie gut er selbst ist, sondern vor allem auch, wie wenige seiner Kollegen heutzutage noch dazu in der Lage sind, mit ihrem Instrument wirklich Akzente zu setzen.

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